Samstag, 26. September 2015

Heimwärts

24.9. Der letzte Tag meiner Motorradreise bricht an und bald geht es in den Schwarzwald zurück (auch nicht so schlecht). Das Thermometer zeigt 3° Grad. Da ich weiß, dass die Shadow die kalte, feuchte Luft am Morgen gar nicht mag, rolle ich sie erst einmal in die Sonne und gehe (die letzten Scheiben meines Gluten freien Brotes unter den Arm geklemmt) frühstücken. Ich bekomme Tee und O-Saft, verzichte auf den angebotenen Toast und bediene mich bei Peanutbutter und Jelly. Über die Corn Flakes kommt mein laktosefreier Joghurt und die Dame des Hauses bringt mir noch etwas Obst. Damit wäre auch hier das Frühstück als nahezu vollwertig zu bezeichnen.

Am Vorabend hat Betty noch einmal einen letzten Check-up bekommen, ein letztes Mal Reifendruck prüfen, Gepäcksicherung kontrollieren, Speichen, Kettenspannung, die "üblichen Verdächtigen" Schrauben einer Kontrolle unterziehen und Ölstand messen (ich habe ihr noch den letzten Viertelliter eingeflößt, dank Tim Hortons Becher kein Problem).

Ein letztes Mal die Sachen zusammen packen und aufsatteln, ein Ritual, das in den vergangenen drei Wochen Routine geworden ist. Jetzt fühlt es sich komisch an. Mit gemischten Gefühlen mache ich mich auf den Weg.

Es geht über Shawinigan durch Wiesen, Felder und Wälder. Ich "schnappe" mir noch eine überdachte Brücke bei Grandchamp und folge denn den Wegweisern zum Regionalpark Chutes-Monte-à-Peine-et-Des-Dalles. Chutes sind Wasserfälle, und da ich noch Zeit habe, will ich mir diese aus der Nähe ansehen.


Der Weg zum Park sieht schon einmal vielversprechend aus. Mist, bei dem schönen Wetter ist der Eingang bemannt, bzw. be-fraut und ich muss 7.50$ abdrücken. Die Dame ist ganz begeistert, als sie von meiner Reise hört und freut sich, dass ich den Weg zu diesem Park gefunden hatte. Deutsche haben sie hier nicht oft, sagt sie.


Ich parke mich auf dem Schotterparkplatz ab, vorsichtig, denn ich bin allein und möchte mir kurz vor Ende der Tour kein Malheur erlauben. Helm, Handschuhe und Jacke lasse ich am Mopped und steige den Weg in die Schlucht hinab (auch wenn ich im Hinterkopf bereits denke, hier muss ich auch wieder 'rauf...).


Aber die Anstrengung lohnt sich und ich bin froh, dass ich diese lokale Sehenswürdigkeit noch mitgenommen habe. So wird das wenigstens nicht nur ein reiner Fahrtag zum Abschluss.


Ganz im Hintergrund sieht man die Fälle, da bin ich hin und auch wieder zurück. Mein Fitnesstraining für heute hat es in sich.


Von nun an wird das Navi auf "zu Hause" eingestellt. Gut, dass ich es habe, denn ohne dieses Gerät hätte ich den Weg durch den Montrealer Berufsverkehr nie bewältigt. Bei der Fahrweise der Quebecer hilft nur eines: defensiv fahren. Ich will ja schließlich ankommen. Zwanzig Minuten verbringe ich im stockenden Verkehr, doch dann kommt die Erlösung... diese Ausfahrt muss ich 'raus und zwei Blocks weiter geht es auf die Zielgerade. Black Betty ist wieder zuhause.


Ich treffe just in dem Moment meiner Ankunft David's Freund, der im Haus nach dem Rechten sieht, denn David ist derzeit mit Familie auf Maui. Ich habe einen eigenen Schlüssel und kenne auch den Code für die Garage, also lasse ich mich selber ins Haus. 

Wie immer, wird erst das Mopped versorgt und zum letzten Mal abgeladen. Dann reinige ich mein ganzes Equipment, denn Helm, Jacke, Regenjacke und Protektorenhose bleiben hier... für's nächste Mal. Zuletzt werfe ich noch die Schmutzwäsche in die Waschmaschine und gehe Duschen. Danach plündere ich David's Kühlschrank... Da sind noch Oliven und andere Antipasti, das passt zu meinem Vorräten. Zum Nachtisch gibt's Obst. Müde und satt mache ich es mir im Gästezimmer gemütlich, höre noch etwas Musik und schreibe am Blog bis mir die Augen zufallen. Was für eine großartige Tour!

Der letzte Tag:

Kommentare:

  1. na, grosse gratulation! alles geschafft, viele menschen und dich selbst gut unterhalten, sehr schoene bilder von sehr schoenen ecken im land - vielen dank! ich habe hier in der letzten zeit natuerlich auch so einige moppeds gesehen und immer an dich gedacht. bleibt nur noch, die eine gute heimreise zu wuenschen - vielleicht sehen wir uns dann auf der anderen atlantikseite mal wieder :-)

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    1. Vielen Dank, Petra. Aber wie ich sehe "amüsierst" Du dich ja auch gerade in der Prärie. Das mit einem Treffen auf dieser Seite wird bestimmt was...

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  2. Da hast du zum Ende ja doch noch eine Wasserfall-Entschädigung erhalten. Sehr schön.

    Wie cool David ist, dir einfach sein Haus zu überlassen, währed er in Urlaub ist.

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    1. Genau, Funny. David kennt mich ja und weiß, wen er da ins Haus lässt ;-) Aber das ist irgendwie eben auch das Besondere an den Kanadiern...

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  3. danke, danke, danke!!! Das war absolut schoen, Deine Reise mitzuverfolgen und hat ganz viel Lust auf den Osten des Landes gemacht. Ich hoffe, wir schaffen das auch nochmal.

    Fuer uns gehts nun erstmal ab Donnerstag 2,5 Wochen wieder runter nach Salt Lake City inkl diverser Nationalparks. Bin schon ganz hibbelig :-) Andreas muss 2x4 Tage dort arbeiten und so haben wir auch genug Zeit fuer die Umgebung.

    Liebe Gruesse auch an Roland!!

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    1. Freut mich, dass es gefallen hat, Yvonne. Ich kann diese Gegend jedenfalls sehr empfehlen.

      Viel Spaß in und um SLC, da bekommt Ihr wohl gerade noch den schönen Herbst mit. Bin schon gespannt auf Deine Berichte.

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  4. Eine tolle Tour geht zu Ende, die Erinnerungen daran werden dir noch lange bleiben. Danke, dass wir mitreisen durften, hat Spass gemacht. Guten Heimflug und bis zum nächsten Mal.

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    1. Danke, Bianka. Auf der einen Seite schade, dass die Tour "schon" zu Ende ist, auf der anderen Seite bin ich auch happy, wieder beim Gatten zu sein ;-)

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  5. Wenigstens hast Du Dir den Rückweg so schön wie möglich gestaltet! Der Ausflug zu der Schlucht hat sich wirklich gelohnt, wie es auf den Bildern aussieht.

    Viele liebe Grüße und Danke für den tollen Bericht,

    Minya

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