Montag, 31. August 2015

La Belle Cité Montreal

28.8. Nach einem typischen kanadischen Frühstück für die Männer (Rührei, Speck, French Toast pumpt das Cholesterin so richtig schön hoch...) und einem Gluten und Laktose freien Mahl für die Damen machten wir uns "stadtfein" (nicht wirklich, da wir ja nur Jeans und T-Shirts gepackt hatten) und fuhren in die schöne Stadt Montreal.


Gegründet in 1642 wuchs es in den letzten Jahrhunderten zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Ost-Kanadas heran. 1967 gab es hier die Expo. 1976 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt (Überbleibsel ist ein ausgesprochen hässliches Stadion). Die Formel 1 dreht hier ihre Runden. Und es gibt hier das wohl der Welt beste Jazz-Festival.

im Hintergrund: das Olympiastadion

In Montreal leben 1.9 Mio. Einwohner, die Metropole insgesamt 3.8 Mio. Trotzdem wirkt die Stadt nicht überfüllt, laut oder gestresst. Man könnte fast sagen, es herrscht eine wunderbar mediterrane Stimmung von Gelassenheit und savoir vivre. Vieles findet im Sommer vor der Tür, auf Dachterrassen und Patios statt.


Bei milden Temperaturen um 18°C (gefühlte 22°C) fuhren wir dann gemeinsam gegen 10 Uhr auf Stadtrundfahrt. Zunächst ging es zu den drei besten Aussichtspunkten auf dem Mont Royal, wo wir einen großartigen Blick über die Stadt und den Sankt Lorenz Strom hatten.


Neben der "üblichen Verdächtigen" an Touristenattraktion muss man in Montreal unbedingt zwei weitere Dinge tun:


1. Montreal ist Bagel-Hauptstadt. Es gibt etliche Artisan-Bäckereien in Downtown. Eine der traditionsreichsten ist seit 1957 das St. Viateur im ehemaligen Arbeiterviertel und heutzutage aufgewerteten und hippen Stadtteil Plateau. Hier werden die Bagels komplett vor den Augen der Kundschaft hergestellt. Die Leute kommen von weit her und stehen Schlange, um diese eigenartigen Brötchen mit dem Loch in der Mitte hier zu kaufen. Wir kauften ein Dutzend - noch Ofen warme - Exemplare und verschlangen sie auf der Stelle (Es gab auch eine Gluten arme Variante aus Vollkornmehl, die Sonja probieren konnte.). Eindeutig Spitzenklasse!


2. Der Besuch eines Cafes, und damit meinen wir nicht Starbucks oder Second Cup oder wie sie sonst noch heißen, sondern einen der zahllosen Mini-Kaffee-Röstereien. Im Myriad Cafe tankten wir auf und genossen den Rest der Bagels bei Latte und Cappuccino.


Danach wollten wir noch zum St. Louis Square, welcher sich durch bunte viktorianische Häuser auszeichnet. Dieses ehemalige irische Arbeiterviertel hat sich inzwischen ebenfalls zu einem der Hipster Stadtteile entwickelt. David und Susan konnten irgendwie gar nicht glauben, dass dieser Ort in jedem deutschen Reiseführer zu finden ist.

Place Jacques Cartier

Wir suchten uns anschließend einen Parkplatz am alten Hafen, der inzwischen zu einem Vergnügungsviertel mit Zip-Line, Imax Kino und Tretboten umgewandelt wurde (was uns doch eher weniger interessierte) und machten einen Spaziergang durch die berühmte Altstadt Montreals.

Kuppel des Bonsecour Marktes

Zunächst schlenderten wir durch den Marché Bonsecour, einer ehemalige Markthalle, die heute unter Denkmalschutz steht und sich leider heute eher durch Touristennepp auszeichnet.


Weiter ging es durch die engen Kopfstein gepflasterten Gassen. Die Architektur der Stadt erinnert stark an die Bretagne, die Sprache um uns herum ist Französisch. Sind wir wirklich noch in Kanada?
In einer Nebenstraße werden Filmaufnahmen gemacht, eine Straße weiter findet ein Interview statt. Das geht hier ja fast zu wie in Vancouver. Und tatsächlich, Montreal ist auch eine Metropole der Filmindustrie.


Wir bummelten durch Boutiquen und an Kunsthandwerkern vorbei am Place Jaques Cartier mit seiner Nelson-Statue. Die Menschen genießen das gute Wetter auf den Restaurant-Terrassen und lassen es sich gut gehen. Das ist ja wie Urlaub hier!

Biosphere

Inzwischen wurde es später Nachmittag und wir hatten so langsam richtigen Hunger. Wir spazierten am Wasser zurück zum Wagen. David hatte inzwischen eine Reservierung für 18 Uhr im Wellington vorgenommen, also hatten wir noch ein bisschen Zeit und fuhren auf die Ile Sainte-Hélène, auf der noch die Überbleibsel der Weltausstellung von 1967 stehen: Der Wohnkomplex Habitat67 mit seiner damals revolutionären Architektur aus 354 stufenförmig aufgestellten Quadern.


Vorbei an der Biosphere (s.o.). Die geodätische Kuppel beherbergt heute ein Wasser- und Umweltmuseum, damals war es der Pavillon der USA. Dann ging es im Schleichtempo um den Ring für die Formel 1 Weltmeisterschaften. Und wir fragten uns, wie hier Rennen stattfinden können, bei all den Fahrradfahrern und den Tempo 30 Schildern   ;-)


Unseren Abend verbrachten wir in einem Restaurant, in welchem man seinen Alkohol selbst mitbringt, dem Wellington, bei einem exzellenten Fünf-Gänge-Menü. Auf diese Weise hatten wir endlich die Gelegenheit, uns bei unseren wunderbaren Gastgebern zu bedanken.


Was für ein Tag. Zwölf Stunden unterwegs und voller Eindrücke machten wir dann um 23 Uhr Ortszeit das Licht aus...

Kommentare:

  1. Das ist lustig! Bagels hatte ich das erste Mal wahrgenommen, als ich mal vor zig Jahren in Erfurt war. Da stand an einem Lokal in der Nähe des Angers eine Tafel die darauf hinwies. Und zur Erklärung stand drunter "Die Bemme mit dem Loch". Seitdem weiß ich was Bagels sind...

    Ich muss zugeben, mich mit Kanada noch recht wenig auseinandergesetzt zu haben. Bei den Olympischen Spielen damals habe ich von Montreal zum Beispiel gehört, mich aber nie weiter informiert.

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    1. Die meisten interessieren sich eher für den Westen Kanadas mit Calgary und die Rocky Mountains oder Vancouver und dem Pazifik. Ost-Kanada ist oft nicht so hoch auf der Wunschliste, aber es ist auf eine andere Weise genauso spektakulär.

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  2. Montreal wuerd ich gern auch nochmal sehen ... gucken, wann es sich mit einer Dienstreise vom Gatten vereinbaren laesst. Schoene Fotos und tolles Wetter!

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    1. Dann mal los... oder einfach mal Urlaub in dieser Ecke machen, es muss ja nicht immer mit Arbeit verbunden sein ;-)

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