Samstag, 1. August 2015

Arbeitslos in Kanada

2009 schlug die Rezession mit voller Wucht in Alberta ein. Diese bedeutete für Sonja zum ersten Mal in ihrem Leben, Arbeitslosigkeit und damit reduzierte sich ihr Einkommen mal eben auf maximal 400$ pro Woche. Roland blieb damals von dem Ganzen verschont und somit war unsere Existenz trotz allem gesichert.

Das Positive an dem Dilemma: Frau meldet sich online auf dem Internet Portal von Service Canada arbeitslos. In den sieben Monaten der Beschäftigungslosigkeit hat Sonja nie ein kanadisches Arbeitsamt von innen gesehen, geschweige denn einen Betreuer, und das Arbeitslosengeld wurde mit jeder weiteren Statusmeldung trotzdem ausgezahlt. Auch die Abmeldung erfolgte im Internet. Davon könnte sich der deutsche Behördenapparat mal eine Scheibe abschneiden, so etwas spart massig Personalkosten...

Während dieser "freien" Zeit wurde mal wieder Inventur gemacht und die Bude ausgemistet. Die daraus resultierenden Verkaufsaktionen hielten dabei nicht nur Sonja auf Trab, während sie zu Hause herum saß, sondern eröffneten auch Möglichkeiten, ein paar Dollar extra zu verdienen.

Was haben wir in dieser Zeit gelernt?
  • Es muss nicht immer Kaviar sein. (oder wie in unserem Falle: Aushäusig essen). Sonja entdeckte das Kochen wieder für sich.
  • Wir wurden Mitglieder bei der regionalen Bücherei und sparten fortan all die Ausgaben für CDs, Bücher und DVDs.
  • Ordnung reduziert die Zeit des Suchens und schafft Raum.
  • Soziale Plattformen wie Facebook, Stayfriends, Twitter etc. kosten viel Zeit, aber verkürzen den Leerlauf der between-jobs (so ein schöner Begriff für Arbeitslosigkeit) Phase.
  • Ausflüge in die umliegende Natur sind durch nichts zu ersetzen. Gleichzeitig löst man sich auch mal wieder von Computer und Mobiltelefon, denn Empfang gibt es in der Wildnis nicht.
Wir sind darüber sicher keine Minimalismus-Jünger geworden, aber da bekannterweise Besitz besitzt, wurde mit jedem verkauften Stück das Leben wieder leichter, sogar mit weniger Einkommen. Nebenbei wurde alles aufgeräumt, optimiert, sortiert: Schränke, Akten, Daten. Roland verbrachte allerdings noch Wochen danach fluchend damit, sich in dieser Neuordnung zurecht zu finden...
Life is good!

“Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. 
Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. 
Wenn du ganz loslässt, bist du frei. "
(Ajahn Chah, theravada-buddhistischer Mönch, 1918 – 1992)

2006 - Alberta Prairies

Kommentare:

  1. ich denke auch, man muss flexibel bleiben und sich den Umstaenden anpassen. Dann geht vieles leichter, was man sich vorher vielleicht gar nicht vorstellen konnte :-)

    AntwortenLöschen