Montag, 31. August 2015

Algonquin Provincial Park



30.8. Der nächste Abschnitt unserer Reise führte uns zum Algonquin Provincial Park. Hier war Sonja schon einmal, damals 1998 mit ihrer Freundin Birgitt. Wir hatten uns für zwei Tage eine Hütte gemietet, welche über Kühlschrank, Kaffeemaschine, Feuerstelle und Mikrowelle verfügte, so dass wir prima Frühstück und Abendessen improvisieren konnten.


Nach drei Stunden Fahrt wollten wir endlich mal unsere Beine strecken, also erstanden wir eine Tageskarte am Osteingang und wanderten den Lookout Trail entlang, welcher zwar mit 2km eher kurz aber ziemlich steil war. Hier stand Sonja doch schon einmal. Der Aufstieg hat sich gelohnt, denn der Ausblick war wieder umwerfend.


Zur Erholung ging es dann noch auf den Spruce Bog Trail, ein anderer kurzer Wanderweg ohne Steigungen durch eine Moorlandschaft. Wir hatten gehofft, dort auf Elche zu treffen, leider hatten wir aber kein Jagdglück. Dennoch war es ein schöner Anblick.


Den Abend verbrachten wir mit Snacks (wie immer die vegane und Gluten freie Variante für Sonja) und Orangensaft am selbst gezündelten Feuerchen. Jetzt fehlte uns nur noch eine Klampfe für die perfekte Lagerfeuerromantik.


Das Leben ist mal wieder verdammt gut zu uns!

Thousand Islands und Kingston


29.8. Nach einem weiteren hervorragenden Frühstück (diesmal machte David Egg Benedict für Roland), machten wir uns auf, unsere nächste Gastgeberin der Moto-Bloggosphere zu treffen. Karen wartete auf uns in einem Tim Horton's (wo auch sonst?) in Morrisburg und führte uns auf Nebenstraßen am St. Lorenz Strom Richtung Kingston. Diese Gegend wird wegen der vielen Inseln im Fluss zwischen Kanada und den USA Thousand Islands genannt. Am besten kann man diese verstreuten, oft bewohnten (1864) Inselchen vom 50 Jahre alten Aussichtsturm sehen, welcher seit kurzem deutsche Eigentümer hat. Die knapp 10$ lohnen sich auf jeden Fall!!!

Sonja&Karen



An der Iroqois Schleuse beobachteten wir, wie sich ein Ozeandampfer durch den Engpass schlängelte. Eine spannende Angelegenheit!


Nachdem wir bei Karen ein Auto abgestellt hatten, fuhren wir in die Innenstadt von Kingston, einer ehemaligen Militärstadt, auf halber Strecke zwischen Toronto und Montreal am Abfluss des Ontariosees gelegen, die früher einmal darauf gehofft hatte, die Hauptstadt von Kanada zu werden.

Ehemalige Befestigungsanlage gegen die USA
Blick von Fort Henry auf Kingston
Es dämmerte bereits, doch wir entschieden uns noch spontan, einen Abstecher zur Kingston Mills Schleuse, einer von 47 Schleusen des Rideau Kanals, zu machen, der von Kingston nach Ottawa führt.


Gegen 21 Uhr waren wir dann "zu Hause" angekommen und Karen warf den Grill an um für Sonja vegane und Roland und sich selbst echte Burger zu grillen. Dazu gab es Gurken, gemixten und Kartoffelsalat. Was für eine Schlemmerei!

Im Anschluss legten wir uns dann zufrieden und satt in Karens Falthotel. Und unter fast freiem Himmel schliefen wir den besten Schlaf unseres bisherigen Aufenthaltes.

Pssst!

La Belle Cité Montreal

28.8. Nach einem typischen kanadischen Frühstück für die Männer (Rührei, Speck, French Toast pumpt das Cholesterin so richtig schön hoch...) und einem Gluten und Laktose freien Mahl für die Damen machten wir uns "stadtfein" (nicht wirklich, da wir ja nur Jeans und T-Shirts gepackt hatten) und fuhren in die schöne Stadt Montreal.


Gegründet in 1642 wuchs es in den letzten Jahrhunderten zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Ost-Kanadas heran. 1967 gab es hier die Expo. 1976 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt (Überbleibsel ist ein ausgesprochen hässliches Stadion). Die Formel 1 dreht hier ihre Runden. Und es gibt hier das wohl der Welt beste Jazz-Festival.

im Hintergrund: das Olympiastadion

In Montreal leben 1.9 Mio. Einwohner, die Metropole insgesamt 3.8 Mio. Trotzdem wirkt die Stadt nicht überfüllt, laut oder gestresst. Man könnte fast sagen, es herrscht eine wunderbar mediterrane Stimmung von Gelassenheit und savoir vivre. Vieles findet im Sommer vor der Tür, auf Dachterrassen und Patios statt.


Bei milden Temperaturen um 18°C (gefühlte 22°C) fuhren wir dann gemeinsam gegen 10 Uhr auf Stadtrundfahrt. Zunächst ging es zu den drei besten Aussichtspunkten auf dem Mont Royal, wo wir einen großartigen Blick über die Stadt und den Sankt Lorenz Strom hatten.


Neben der "üblichen Verdächtigen" an Touristenattraktion muss man in Montreal unbedingt zwei weitere Dinge tun:


1. Montreal ist Bagel-Hauptstadt. Es gibt etliche Artisan-Bäckereien in Downtown. Eine der traditionsreichsten ist seit 1957 das St. Viateur im ehemaligen Arbeiterviertel und heutzutage aufgewerteten und hippen Stadtteil Plateau. Hier werden die Bagels komplett vor den Augen der Kundschaft hergestellt. Die Leute kommen von weit her und stehen Schlange, um diese eigenartigen Brötchen mit dem Loch in der Mitte hier zu kaufen. Wir kauften ein Dutzend - noch Ofen warme - Exemplare und verschlangen sie auf der Stelle (Es gab auch eine Gluten arme Variante aus Vollkornmehl, die Sonja probieren konnte.). Eindeutig Spitzenklasse!


2. Der Besuch eines Cafes, und damit meinen wir nicht Starbucks oder Second Cup oder wie sie sonst noch heißen, sondern einen der zahllosen Mini-Kaffee-Röstereien. Im Myriad Cafe tankten wir auf und genossen den Rest der Bagels bei Latte und Cappuccino.


Danach wollten wir noch zum St. Louis Square, welcher sich durch bunte viktorianische Häuser auszeichnet. Dieses ehemalige irische Arbeiterviertel hat sich inzwischen ebenfalls zu einem der Hipster Stadtteile entwickelt. David und Susan konnten irgendwie gar nicht glauben, dass dieser Ort in jedem deutschen Reiseführer zu finden ist.

Place Jacques Cartier

Wir suchten uns anschließend einen Parkplatz am alten Hafen, der inzwischen zu einem Vergnügungsviertel mit Zip-Line, Imax Kino und Tretboten umgewandelt wurde (was uns doch eher weniger interessierte) und machten einen Spaziergang durch die berühmte Altstadt Montreals.

Kuppel des Bonsecour Marktes

Zunächst schlenderten wir durch den Marché Bonsecour, einer ehemalige Markthalle, die heute unter Denkmalschutz steht und sich leider heute eher durch Touristennepp auszeichnet.


Weiter ging es durch die engen Kopfstein gepflasterten Gassen. Die Architektur der Stadt erinnert stark an die Bretagne, die Sprache um uns herum ist Französisch. Sind wir wirklich noch in Kanada?
In einer Nebenstraße werden Filmaufnahmen gemacht, eine Straße weiter findet ein Interview statt. Das geht hier ja fast zu wie in Vancouver. Und tatsächlich, Montreal ist auch eine Metropole der Filmindustrie.


Wir bummelten durch Boutiquen und an Kunsthandwerkern vorbei am Place Jaques Cartier mit seiner Nelson-Statue. Die Menschen genießen das gute Wetter auf den Restaurant-Terrassen und lassen es sich gut gehen. Das ist ja wie Urlaub hier!

Biosphere

Inzwischen wurde es später Nachmittag und wir hatten so langsam richtigen Hunger. Wir spazierten am Wasser zurück zum Wagen. David hatte inzwischen eine Reservierung für 18 Uhr im Wellington vorgenommen, also hatten wir noch ein bisschen Zeit und fuhren auf die Ile Sainte-Hélène, auf der noch die Überbleibsel der Weltausstellung von 1967 stehen: Der Wohnkomplex Habitat67 mit seiner damals revolutionären Architektur aus 354 stufenförmig aufgestellten Quadern.


Vorbei an der Biosphere (s.o.). Die geodätische Kuppel beherbergt heute ein Wasser- und Umweltmuseum, damals war es der Pavillon der USA. Dann ging es im Schleichtempo um den Ring für die Formel 1 Weltmeisterschaften. Und wir fragten uns, wie hier Rennen stattfinden können, bei all den Fahrradfahrern und den Tempo 30 Schildern   ;-)


Unseren Abend verbrachten wir in einem Restaurant, in welchem man seinen Alkohol selbst mitbringt, dem Wellington, bei einem exzellenten Fünf-Gänge-Menü. Auf diese Weise hatten wir endlich die Gelegenheit, uns bei unseren wunderbaren Gastgebern zu bedanken.


Was für ein Tag. Zwölf Stunden unterwegs und voller Eindrücke machten wir dann um 23 Uhr Ortszeit das Licht aus...

Samstag, 29. August 2015

Kanadische Gastfreundschaft


27.8. David wohnt in einem pittoresken Vorort von Montreal, direkt am Lac St. Louis, wie der breite Sankt Lorenz Strom dort heißt. Das Leben ist mal wieder richtig gut zu uns! Nicht nur, dass er uns seinen Zweitwagen für die Ontario-Tour leihen wird, auch werden wir hier drei Tage während unseres Aufenthaltes wohnen, essen und schlafen. Wir müssen wohl genügend Karma-Punkte gesammelt haben, dass uns so etwas Gutes widerfährt.


Nachdem uns David heim gebracht hatte, wurde Sonja (wir hatten noch nicht einmal das Gepäck ausgeladen) erst einmal Betty, der japanische Donnervogel, persönlich vorgestellt. Natürlich musste auch sofort Probe gesessen werden.

vroom vroom

Während wir die nächsten Tage in Ontario unterwegs sein werden, wird David die noch fehlenden Heizgriffe montieren, damit das Motorrad auch für Sonja's Road-Trip perfekt vorbereitet ist. Derzeit hat es zwar noch gute 23°C und Sonne, aber weiter im Norden ist bereits mit Kälteeinbrüchen zu rechnen, daher wird das eine gute Investition sein.

Schär & Schnitzer

Im Anschluss an unseren "Einzug" sind wir dann erst einmal zu Marché Tau gefahren, einem Bioladen, der eine gediegene Auswahl and laktose- und glutenfreien Produkten für Sonja zu bieten hatte. Hier gab es sogar Schär Brot, ihre Lieblingsmarke. Die Kosten haben uns allerdings umgehauen. 1 Soja-Joghurt, 2l Soja Milch und 2 Brote: 20$. Das hatten wir total verdrängt.  Die deutschen Lebensmittelpreise sind doch wesentlich angenehmer für den Geldbeutel!


Zu guterletzt haben wir uns bei der Scotia Bank ausreichend mit lokaler Währung versorgt und noch eine Kühlbox für unterwegs bei Canadian Tire (wo auch sonst!) "gejagt".

Klar braucht man einen Pool in Montreal...

David sagte noch "Fühlt Euch wie zu Hause." Darauf hin hat Sonja prompt erst einmal den wohl gefüllten Kühlschrank und die Vorratskammer geplündert und sodann die Küche übernommen.


Die "Jungs" durften das Gemüse schnibbeln und den Tisch decken, während Sonja die Koordination und den kreativen Teil der Sache übernahm.

Skeptisch: Sangria aus der Box, das geht?
Jup! Schmeckt!

Heraus kam Pfannengemüse mit Champignons, als Beilage eine glutenfreie Reis/Quinoa Mischung, Maiskolben und gedünsteter Lachs.


Nebenbei hatte David noch eine Sangria angesetzt. Inzwischen kam auch Susan, seine Frau, von der Arbeit und war begeistert von der Aussicht, sich an den gedeckten Tisch zu setzen. Das gab es wohl im Hause M. noch nicht so oft...

Mmm, lecker!

Als wir mit dem Essen fertig waren (Susan zauberte noch eine Schoko-Torte hervor, auf die Sonja dankend verzichtete) ging es auf 21 Uhr (3 Uhr in DE) zu. Und so fielen wir nach diesem langen Tag todmüde in die Federn.