Sonntag, 5. Juli 2015

Amateur-Vagabunden sind wir

Der Deutsche an sich scheint ja recht Heimat verbunden zu sein. Die meisten Umzüge finden innerhalb des eigenen Ortes statt, nur jeder zehnte verlässt seine Region, und nur vier Prozent sind schon mal ins Ausland gezogen, so jedenfalls sagt es eine FORSA Studie von 2011 (Quelle: Stern).

Durchschnittlich ziehen Wessies öfter um als Ossies, Norddeutsche (wie Sonja) öfter als der Rest der Bevölkerung. Die Damen ziehen eher der Liebe wegen um, die Herren wegen der Arbeit. Junge Leute ziehen von zuhause aus und danach in eine größere Wohnung oder in ein Haus, oft wegen zu erwartendem Nachwuchs. Doch im Durchschnitt zieht der Deutsche gerade viermal in seinem ganzen Leben um.

Wir entsprechen mit (bisher!) elf Umzügen so gar nicht dem Durchschnitt. Allein in der Region waren es locker fünf Mal, dazu vier Umzüge in Kanada und zwei weitere mit der Rückkehr nach DE. Die Motive waren dabei: Umzüge wegen Job und/oder Studium, oder immer wieder von einer Miet- in eine Eigentumswohnung.

Der Umzug nach Kanada fand völlig außer der Reihe statt. Da wartete kein neuer Job und keine neue Wohnung auf uns. Wir hatten unser Eigentum aufgegeben, alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war und unsere (unbefristeten!) Arbeitsverträge gekündigt. Auch für uns Amateur-Vagabunden ein großer Schritt, der mit viel Herzklopfen und noch mehr Fragezeichen verbunden war.

Wir fingen tatsächlich noch einmal ganz von vorne an. Und warum?

in unser'n Herzen brennt eine Sehnsucht,
die läßt uns nimmermehr in Ruh´.
(aus dem Lied: Bergvagabunden sind wir)

2005 Alberta Prairies & Rocky Mountains

Kommentare:

  1. So, jetzt gehts wieder mit dem Kommentar ;-)
    Jetzt hab ich seit gestern ständig diesen Ohrwurm im Hirn ... aber ist ein schöner, ich mochte dieses Lied schon immer *smile*

    immerhin meinen fünften Umzug hab ich schon hinter mir, hab vor erst mal hier zu bleiben, bis etwas Ruhe eingekehrt ist. Und dann? Mal sehen, was die Zukunft bringt, bin offen :-)

    Diese Abenteuerlust finde ich wichtig. Wenn ich bald meinen (unbefristeten) Job kündigen werde, ... puh, ich kann die ratlosen Gesichter der Kollegen schon vor mir sehen: hintergründig neidisch auf meinen Mut, vordergründig aggressiv und unverständig über meine vermeintliche Torheit. Aber ich habe keine Lust, die nächsten 30 Jahre meines Lebens stehenzubleiben ohne Aussicht auf Entwicklung ...

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    1. Hihi, so passiert's manchmal mit den Ohrwürmern, die man dann nicht mehr los wird. Na, mit 5 Umzügen bist Du ja dann auch schon über dem deutschen Durchschnitt. Zum Thema Kündigung des vermeintlich sicheren unbefristeten Arbeitsvertrages haben wir auch gemischte Reaktionen bekommen (ich denke aber, die guten Wünsche haben damals den Neidfaktor übertroffen.). Jedenfalls wünschen wir Dir alles erdenklich Gute für Dein Vorhaben!!! Da wird Arbeit zur Nebensache ;-)

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