Mittwoch, 30. September 2015

Wieder zu Hause...

Die Motorradreise ist vorbei und ich bin inzwischen wieder zurück in Deutschland. Mal sehen, wohin es mich beim nächsten Mal "verschlägt". Das Motorrad wird jedenfalls bis dahin nach Toronto umgezogen sein. Von da aus ließe sich zum Beispiel prima eine Tour um die Great Lakes machen...


Samstag, 26. September 2015

Heimwärts

24.9. Der letzte Tag meiner Motorradreise bricht an und bald geht es in den Schwarzwald zurück (auch nicht so schlecht). Das Thermometer zeigt 3° Grad. Da ich weiß, dass die Shadow die kalte, feuchte Luft am Morgen gar nicht mag, rolle ich sie erst einmal in die Sonne und gehe (die letzten Scheiben meines Gluten freien Brotes unter den Arm geklemmt) frühstücken. Ich bekomme Tee und O-Saft, verzichte auf den angebotenen Toast und bediene mich bei Peanutbutter und Jelly. Über die Corn Flakes kommt mein laktosefreier Joghurt und die Dame des Hauses bringt mir noch etwas Obst. Damit wäre auch hier das Frühstück als nahezu vollwertig zu bezeichnen.

Am Vorabend hat Betty noch einmal einen letzten Check-up bekommen, ein letztes Mal Reifendruck prüfen, Gepäcksicherung kontrollieren, Speichen, Kettenspannung, die "üblichen Verdächtigen" Schrauben einer Kontrolle unterziehen und Ölstand messen (ich habe ihr noch den letzten Viertelliter eingeflößt, dank Tim Hortons Becher kein Problem).

Ein letztes Mal die Sachen zusammen packen und aufsatteln, ein Ritual, das in den vergangenen drei Wochen Routine geworden ist. Jetzt fühlt es sich komisch an. Mit gemischten Gefühlen mache ich mich auf den Weg.

Es geht über Shawinigan durch Wiesen, Felder und Wälder. Ich "schnappe" mir noch eine überdachte Brücke bei Grandchamp und folge denn den Wegweisern zum Regionalpark Chutes-Monte-à-Peine-et-Des-Dalles. Chutes sind Wasserfälle, und da ich noch Zeit habe, will ich mir diese aus der Nähe ansehen.


Der Weg zum Park sieht schon einmal vielversprechend aus. Mist, bei dem schönen Wetter ist der Eingang bemannt, bzw. be-fraut und ich muss 7.50$ abdrücken. Die Dame ist ganz begeistert, als sie von meiner Reise hört und freut sich, dass ich den Weg zu diesem Park gefunden hatte. Deutsche haben sie hier nicht oft, sagt sie.


Ich parke mich auf dem Schotterparkplatz ab, vorsichtig, denn ich bin allein und möchte mir kurz vor Ende der Tour kein Malheur erlauben. Helm, Handschuhe und Jacke lasse ich am Mopped und steige den Weg in die Schlucht hinab (auch wenn ich im Hinterkopf bereits denke, hier muss ich auch wieder 'rauf...).


Aber die Anstrengung lohnt sich und ich bin froh, dass ich diese lokale Sehenswürdigkeit noch mitgenommen habe. So wird das wenigstens nicht nur ein reiner Fahrtag zum Abschluss.


Ganz im Hintergrund sieht man die Fälle, da bin ich hin und auch wieder zurück. Mein Fitnesstraining für heute hat es in sich.


Von nun an wird das Navi auf "zu Hause" eingestellt. Gut, dass ich es habe, denn ohne dieses Gerät hätte ich den Weg durch den Montrealer Berufsverkehr nie bewältigt. Bei der Fahrweise der Quebecer hilft nur eines: defensiv fahren. Ich will ja schließlich ankommen. Zwanzig Minuten verbringe ich im stockenden Verkehr, doch dann kommt die Erlösung... diese Ausfahrt muss ich 'raus und zwei Blocks weiter geht es auf die Zielgerade. Black Betty ist wieder zuhause.


Ich treffe just in dem Moment meiner Ankunft David's Freund, der im Haus nach dem Rechten sieht, denn David ist derzeit mit Familie auf Maui. Ich habe einen eigenen Schlüssel und kenne auch den Code für die Garage, also lasse ich mich selber ins Haus. 

Wie immer, wird erst das Mopped versorgt und zum letzten Mal abgeladen. Dann reinige ich mein ganzes Equipment, denn Helm, Jacke, Regenjacke und Protektorenhose bleiben hier... für's nächste Mal. Zuletzt werfe ich noch die Schmutzwäsche in die Waschmaschine und gehe Duschen. Danach plündere ich David's Kühlschrank... Da sind noch Oliven und andere Antipasti, das passt zu meinem Vorräten. Zum Nachtisch gibt's Obst. Müde und satt mache ich es mir im Gästezimmer gemütlich, höre noch etwas Musik und schreibe am Blog bis mir die Augen zufallen. Was für eine großartige Tour!

Der letzte Tag:

Freitag, 25. September 2015

Zurück am großen Fluss, bonjour Quebec!


23.9. Am nächsten Morgen schaue ich noch einmal nach, ob sich an der Situation etwas geändert hat, aber nein, es sieht sogar so aus, als wenn noch weniger Wasser die "Grand" Falls hinunter fließt... 23 Meter Gefälle und so un-spannend wie nur was.


Für die nächsten 200 km ist Highway angesagt. Aber der Verkehr hält sich in Grenzen und das Tempolimit (an das sich die New Brunswicker tatsächlich halten) liegt bei 110 km/h. Ganz unspektakular überfahre ich die Provinzgrenze nach Quebec.

Man merkt das daran, dass die Schilder plötzlich nicht mehr zweisprachig sind, sondern nur noch in Französisch und das Tempolimit ist aus unerfindlichen Gründen nur noch 100 km/h. Und da sich viele Quebecer für Franzosen halten, kümmert sie das wenig. Aber die Highway Patrol ist wachsam. Nur in Quebec habe ich so viel Polizeipräsenz gesehen. In den anderen Provinzen kann ich mich gar nicht erinnern, überhaupt Polizisten gesehen zu haben...


Die Ortsnamen kommen mir bekannt vor. Rivière du Loup? Da habe ich doch am 8. September mit der Fähre übergesetzt. Und was da so nach Meer aussieht, ist der St. Lorenz Strom.


Da ich ja bereits auf der Westseite des Flusses entlang gefahren bin, nehme ich mir für den Rückweg die Ostseite vor und folge der Route 132. Eine gute Entscheidung, denn es ist wunderschön dort. Farmen und Marschland wechseln sich ab. Es riecht sogar etwas "meerig" und man hat einen tollen Blick auf die Bergkette der Laurentiden.


Immer wieder werden Produkte aus lokaler Herstellung auf Farmersmärkten angeboten. Ich bekomme Hunger und kann nicht widerstehen. Mein Gluten freies Brot bekommt heute Besuch von zwei köstlichen Ziegenkäsesorten. Dazu gibts 'nen Kaffee und zwei-rädrige Gesellschaft (ein Pärchen auf Suzuki Burgman 400). Mahlzeit!


Vor Lévis (gegenüber von Quebec) setze ich mich wieder auf die Bahn, das ist einfacher, als sich durch die Stadt zu wurschteln. Hier ist der St. Lorenz so schmal, dass man per Brücke hinüber kommt und so bin ich wieder auf der Westseite angelangt. Es geht noch eine Weile flussaufwärts bis ich in Sainte-Anne-de-la-Pérade eine süße Auberge entdecke. Das ist ähnlich wie eine (Jugend-)Herberge, nicht alle Zimmer haben ein eigenes Bad (ich schon, ich war die einzige Gästin heute) und im Preis inbegriffen ist i.d.R. ein einfaches Frühstück (Toast, Heißgetränk, Cereals und Saft).


Das Gasthaus liegt am Fluss und der Supermarkt ist auch nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Ich habe noch Käse vom Mittag über und besorge mir dazu noch Obst und Getränke (ein halber Liter Wein darf es zur Feier des Tages schon sein). Mit der Einkaufstüte und meiner Kühltasche spaziere ich durchs Dorf, suche mir einen Platz am Wasser und genieße mein letztes Abendessen "in Freiheit".


Wieder eine längere, aber völlig entspannte Etappe. Morgen geht es dann endgültig heimwärts...

Donnerstag, 24. September 2015

Auf dem Meeresboden, durch das Flusstal und zum großen Wasserfall


22.9. Die Temperaturen sagen alles, inzwischen ist der Herbst eingetroffen... aber das macht nichts, da ich den Vormittag noch einmal an den Hopewell Rocks verbringen will. Diesmal offiziell und bei Ebbe. Ich stehe also um kurz vor neun am Tor und werde von einem Park Warden empfangen, der mich und ein paar wenige andere schon einmal einlässt. Ich kaufe also mein Ticket und spurte los, während andere noch auf den Shuttle zu den Flower Pots warten.


Dadurch bin ich als erste am Ziel, renne die Treppen 'runter und schieße bereits die ersten Bilder ohne Touristen. Genau das wollte ich mit meiner Aktion erreichen. Ich wandere also auf dem Meeresboden herum und stehe dort, wo gestern Abend noch das Wasser stand.

Das Morgenlicht taucht die Sandstein-Monumente in ein wunderbar warmes Licht. Weit und breit noch keine Menschenseele (außer mir...).


Meine Stiefel waren mal dunkelblau... nach dem Latsch durch den Schlamm leuchten sie rot. Da werden manche in ihren Ballerinas, Turnschuhen oder Flip-Flops aber Spaß bekommen.


Als ich mich gegen 11 Uhr auf den Rückweg mache, sind sie überall... die Touristen. Hier eine Gruppe asiatischer Reisender, die sich lautstark unterhalten und sich mit ihren Tablets und Smartphones vor der Nase herum fummeln.


Nun muss ich aber los. Schnell noch die Schuhe gereinigt (am Visitor Center kann man sich den Dreck mittels Schläuchen abspritzen) und einen Kaffee getankt, dann geht es Richtung Alma, durch den Fundy Nationalpark. Danach nehme ich die Landstraße nach Sussex bevor ich wieder einen Teil Transcanada-Highway unter den Räder nehme. Nun heißt es endgültig vom Meer Abschied nehmen. Doch es wird mich noch einmal Wasser der anderen Art begleiten...


Unterwegs halte ich immer mal wieder an überdachten Holzbrücken, die heute keinen besonderen Zweck mehr erfüllen. Die meisten sind auch gar nicht mehr befahrbar (zumindest Dosen kommen hier nicht durch).




Auch die Flussläufe sind von Ebbe und Flut betroffen. Bei Flut fließt dann der Fluss schon einmal rückwärts... Die Fischerboote sind auf Stützen "geparkt", damit sie nicht umkippen.



Bei Fredericton nehme ich die Ausfahrt zum Scenic River Valley Drive und schraube mich gemütlich den Saint John River hoch. Eine ruhige Fahrt ohne wesentliche Steigungen und mit weiten Kurven liegt vor mir. Perfektes Cruiser-Territorium.

Erntezeit. Bis Thanksgiving ist es nicht mehr lang.

In Hartland steht die mit fast 400m längste überdachte Holzbrücke der Welt. Es gibt nicht viel mehr hier, also wird ein großes Trara darum gemacht. Die Brücke wurde durch Brand oder Eis mehrfach zerstört, aber immer wieder aufgebaut und restauriert.


Hier nehme ich in Florenceville, der Pommes Hauptstadt der Welt, noch eine weitere überdachte Holzbrücke mit. McCain hat hier ihren Hauptsitz und überall riecht es nach Fritten.


Für das Ende meiner Etappe habe ich Grand Falls gewählt. Der Name hört sich viel versprechend an... Großartiger Wasserfall. Von wegen. Darüber hat man ein Kraftwerk gebaut, welches den Wasserdurchlauf kontrolliert. Und derzeit lässt der Wasserstand wohl eher nur ein Wasserfällchen zu. Wenn nicht die Touristen wären, hätte man wohl auch diese Schleuse geschlossen. Ich höre neben mir Kommentare von Durchreisenden, die genau so enttäuscht wie ich sind.

Grand Falls? Wohl eher nicht um diese Jahreszeit.

Wenigstens gibt es einen schönen Sonnenuntergang, der alles in ein herbstlich orangenes Licht taucht.


Im Hilltop Motel über den Fällen (bzw. über dem Kraftwerk) schlage ich mein Domizil für die Nacht auf. Es ist einfach, aber um Klassen besser, als das von der Nacht zuvor.


Es war ein langer Ritt heute, aber schön...