Sonntag, 27. Januar 2013

Eine Konservenfabrik mit Geschichte

Wir sind in Steveston (mal wieder), und es geht um den Fisch, bzw. die kommerzielle Fischerei, Verarbeitung und Vermarktung. Alles, was in der neuen Welt älter als fünfzig Jahre ist, wird als historisch bezeichnet, so kann die Fischkonservenfabrik, heute ein Museum, mit ihrer fast 120 jährigen Geschichte als richtig alt betrachtet werden.
Nachdem wir uns bei einem Spaziergang am Wasser kräftig haben durchpusten lassen, besuchen wir also die Gulf of Georgia Cannery
Statt Eintrittskarte erhält man eine Stempelkarte, und so muss man für den Besuch der Anlage einstempeln, wie die Arbeiter damals.
Im Gebäude ist es kalt, wir finden es sogar kälter als draußen and der frischen Luft, und es riecht irgendwie... nach altem nassen Holz.
Die als "Monster"-Cannery bezeichnete Fabrik war mal die größte in British Columbia und hat zu ihrer besten Zeit über 2,5 Millionen Lachs-Konserven im Jahr abgepackt.
Die Produktionsstraße war fast schon voll automatisiert, jedoch wurde der Fisch von Hand ausgenommen und vorfiletiert, und auch das Abpacken der Konserven in Kartons wurde von Packern erledigt. Es war eine harte, schlecht bezahlte Arbeit, und wer machte die? Billige Immigranten oder Frauen natürlich.
In den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Fabrik geschlossen, jedoch für den zweiten Weltkrieg wieder geöffnet, um Soldaten mit proteinreichen Fischkonserven zu versorgen.
Die Cannery produzierte dann bis in die Siebziger Jahre weiter, wurde dann aber wegen veralteter Technologie und Unrentabilität still gelegt. Parks Canada kaufte dann Grundstück und Anlage und baute die Fabrik zu einem Museum um.
Es ist immer wieder interessant, einen Blick hinter die Kulissen verschiedener Industriezweige zu werfen und etwas über deren Auf- und Abstieg zu lernen. Wenn man an die früheren, oft rassistischen und diskriminierenden Arbeitsbedingungen denkt, müssen wir heute verdammt dankbar für unsere Schreibtischtäterjobs sein...
Käpt'n Mager bei der "Arbeit".

Samstag, 26. Januar 2013

Wir sind NEXUS!

Ob beruflich oder privat, wir reisen doch recht oft in die USA. Seit einigen Jahren gibt es nun schon für eine bestimmte Klientel von besonders vertrauenswürdigen Grenzgängern ein bevorzugtes Verfahren. Da unsere biometrischen Daten durch unsere vorherigen Reisen in die Staaten sowieso bereits oft genug gespeichert wurden, haben wir uns entschlossen, diesen letzten Schritt zu machen, und uns um die NEXUS-Karte zu bewerben. 

Letzter Teil des Bewerbungsverfahrens ist das Interview bei US und Canada Customs. Also machten wir uns Samstag morgen auf zum Flughafen Vancouver, wo das Gespräch stattfinden sollte. Das Ganze ging kurz und schmerzlos von statten. Wir wurden noch einmal nach unseren persönlichen Daten gefragt, unsere Fingerabdrücke und Retina-Scans abgenommen, und dann waren wir entlassen mit den Worten, daß das Verfahren nun abgeschlossen und wir für NEXUS zugelassen sind. Das war ja einfach. 

Wesentlicher Vorteil dieses Ausweises soll die beschleunigte Abwicklung beim Grenzübergang sein. Das werden wir wohl dann demnächst mal ausprobieren müssen.

Freitag, 25. Januar 2013

Lebensstandard in Kanada und der Kölsche Konjunktiv

Kanadier und Kölner haben viel gemeinsam, unter anderem den gelassenen Umgang mit Problemen. Das gibt es in allen Varianten: Ignorieren, Schönreden, die obligatorische Verzögerung und zum Schluss: die Schuldzuweisung. Ganz im Sinne des Konjunktiv: Dat hätte man mir jo saare können, dat hätte isch dä Dag erledigt hann wollen. 

Kanada ist verhältnismässig gut durch die Rezession geschlittert, aber das ist nicht wie vergleichsweise in Deutschland vorausschauender Politik und Einsatz entsprechender strategischer Massnahmen zu verdanken, sondern man hat schlicht „Schwein gehabt“ und genügend Ressourcen, die weltweit gierig verlangt werden. Hierzu eine Grafik zum kanadischen Wellbeing:

Mehr hier.  

Ob die hiesige Regierung durch Handelsabkommen mit Asien oder Rückzug aus dem Kyoto Protokoll Schritte in die richtige Richtung unternimmt, dem Volk eine langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen unter verbesserten Umweltbedingungen zu Geschäftsbeziehungen unter ethischen Gesichtspunkten und damit einen besseren Lebensstandard für alle zu gewährleisten? Ja, das glauben wir auch nicht wirklich...

Die weltweite Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt eher, dass solche typischen, mit der Globalisierung einher gehenden Massnahmen, leider noch nirgendwo für einen besseren Lebensstandard gesorgt, sondern eher dazu beigetragen haben, die Schere zwischen arm und reich zu vergrössern.

Aber das kann die kanadische Regierung doch nicht wissen, oder? Und wenn uns dann die Statistiken sinkende Lebensqualität, niedrigeren Bildungsstandard oder hohe Jugendarbeitslosigkeit aufzeigen, wird der amtierende Premierminister dann in bester Manier sagen: Dat hätte man mir jo saare können.

Sonntag, 20. Januar 2013

Immer wieder anders...

Immer, wenn wir glauben, dass wir im Laufe der drei Jahre, die wir uns nun schon an der Westküste befinden, alle Gesichter 'unseres' Inlets gesehen haben, wird uns wieder etwas Neues geboten.
Eben noch waren wir bei trüben Aussichten losmarschiert, da reisst der Nebel auf, und wir bekommen Kaiserwetter spendiert.
Die Sonnenstrahlen tauen den halbgefrorenen Boden auf. Es dampft überall und man fühlt sich in eine Landschaft mit geothermalen Aktivitäten versetzt.
Hier dampft es auch. Mensch und Tier machen es sich in der Sonne gemütlich und genießen die fast frühlingshaften Temperaturen.
Dem Wasservolk scheint dieses Wetter zu behagen. Hier beflirten sich zwei Stockenten, während potentielle Nebenbuhler ein Nickerchen halten.
Im Sonnenschein kommt die Farbenpracht dieser Schwimmvögel besonders zur Geltung.
Inzwischen hat sich der Nebel weiter zurück gezogen, doch als wir uns auf den Heimweg machen, werden wir bereits wieder verfolgt. Mit den sinkenden Nachmittagstemperaturen kommt auch die weiße Wand zurück.
Die Buffleheads (Büffelkopfenten) sind wieder da. Der Erpel ist uns leider dauernd mit seinen Tauchgängen entwischt, so dass wir nur dieses Bild zu bieten haben.
Das Weibchen ist leider auch nicht viel geduldiger mit uns, aber diesmal waren wir schneller und haben die Kamera auch nicht verrissen.

Samstag, 19. Januar 2013

Es gibt nichts zu sehen!

Bitte gehen Sie weiter. Hier findet heute nichts statt. Der Tag fällt aus wegen Nebel.
Natürlich kann uns das uselige (Gibt es da ein ordentliches deutsches Wort für?) Wetter nicht von einer kleinen Wanderung abhalten, denn wir müssen ja unserem (Sonja's) Bewegungsdrang nachgeben.
Am Straßenrand nach Pitt Lake halten wir an und beobachten diesen Kanada-Reiher (Great Blue Heron), wie er majestätisch über seinem Revier thront.
Leider passt ihm unsere Aufmerksamkeit gar nicht, und so macht er sich schimpfend von dannen.
Unser Spaziergang auf dem Deich wird eine Reise ins Unbekannte. Wo sonst Berge steil aufragen, war diesmal... nichts.
Aus eben diesem Nichts taucht dann neben dem üblichen Entenvolk noch ein wunderschönes Schwanenpaar auf. Es hat sich eben doch mal wieder gelohnt, vor die Tür zu gehen.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Geflügel Rush Hour

Wieder einmal ein schöner Mittagsspaziergang im Park, diesmal bei einstelligen Minustemperaturen und klarem, blauem Himmel.
Auch wenn die Bäume und Sträucher schneefrei sind, die Wege sind es nicht, und durch die wechselhaften Temperaturen ist der Boden uneben hart gefroren und birgt einige Stolperfallen.
Heute bekommen wir ein besonders großes Aufgebot an verschiedenen Wasservögeln geboten: Da sind Stockenten, Kanadagänse, Brautenten und Krickenten. In der Luft herrscht ebenfalls reger Verkehr mit Scharen von zwitschernden Rotschulterstärlingen und Rotkehlchen, die sich leider nicht fotografisch einfangen ließen. Den meisten Krach machten jedoch die Raben.
Am schönsten ist es jedes Mal, die Brautenten bei ihrem "Tagesgeschäft" zu beobachten. Vogelliebhaber schleppen Fotoequipment mit Mega-Tele-Objektiven an, um das Treiben festzuhalten, während wir nur Schnappschüsse mit einer Kleinbildkamera machen.
Die beiden kennen wir noch nicht. Vielleicht Ringschnabelenten? Jedenfalls haben die viel getaucht. Falls jemand diese Gattung identifizieren kann, bitten wir um Nachricht.
Update: Aus sicherer Quelle wissen wir nun zu berichten, daß es sich bei obigem Geflügel um Veilchenenten handelt. Vielen Dank, liebe P. aus C.
Es war jedenfalls wieder eine gelungene Mittagspause.

Sonntag, 13. Januar 2013

Unser Inlet friert zu!

Nachdem das Thermometer irgendwann auf Null Grad geklettert ist schälen wir uns aus unseren Sonntagsanzügen (Sweatshirt, Jogginghose und Wollsocken) und machen uns auf einen Spaziergang um unser geliebtes Inlet.
Inzwischen hat uns die Kälte fest im Griff. Die Eisdecke ist im Moment jedoch maximal ein bis zwei Zentimeter dick.

Unser ortsansässiger Kanada-Reiher schaut sich die Sache vom Ufer aus an. Er scheint nicht gerade begeistert zu sein.
Im Hintergrund endecken wir ein gestrandetes Kajütenboot, welches die letzte Springflut angeschwemmt haben muss. Das Boot ist in schlechtem Zustand und die Frage liegt nahe, ob der Eigentümer die Strömung eventuell für eine preiswerte Entsorgungsaktion genutzt hat.
Mal sehen, wie lange das Ding dort liegen bleiben wird.

Service ist...


Man mag ja über das kanadische Gesundheitssystem oder die Organisationsfähigkeit der Kanadier im Allgemeinen schimpfen wie man will, aber der Service, dass man an einem Sonntag morgen einen Bluttest machen lassen kann, ist schon überwältigend.

Um 5 vor Acht verlässt Roland die schön warme Tiefgarage im Audi A3. Auf eiskalten, aber leeren Strassen dauert es nur zwei Minuten, bis er am Labor angekommen ist. Die Temperaturanzeige am A3 ist noch nicht fertig mit dem Herunterzählen, da hat Roland schon sein Nummernkärtchen gezogen. Ohne jegliche Wartezeit kommt er sofort dran, gibt die üblichen Antworten auf die üblichen Fragen ("Vorname? Nachname? Geburtsdatum? Telefonnummer?") und wird nach einem kurzen Chat mit der hübschen Assistentin ("In Port Coquitlam was es heute morgen -11,5 Grad!") gleich zur Kabine zur Blutabnahme gebracht. Um 8.00 wird Roland gepiekst, um 8.01 ist er schon wieder im A3 (Temperatur: -5,5 Grad). 

Um 10 nach Acht ist Roland wieder zu hause - mit frischen Brötchen, versteht sich!

Das ist doch mal ein Konzept, von dem sich Deutschland etwas abgucken könnte!

Freitag, 11. Januar 2013

Kalt!

Heute morgen waren es minus 5 Grad, das ist schon ziemlich kühl für diese Gegend, aber dafür war es wunderschön mit knallblauem Himmel.
Auf dem Inlet gab es komische Schlieren, und bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um eine hauchdünne Eisdecke handelte.
Vorsicht war geboten: Der Steg war voller Rauhreif. Slippery when frosty!

Mittwoch, 9. Januar 2013

Hüben wie Drüben... Nass!

Endlich! Eine kurze Regenpause musste sofort für einen Spaziergang genutzt werden, und so wurde die übliche Mittagsrunde am Burnaby Lake angepeilt.
Bei Familie Bieber war nichts los, wahrscheinlich überwintern die auf Hawaii oder Kuba.
Die Wege waren matschig und von den Regenfällen der vergangenen Tage unter Wasser gesetzt.
Wo viel Feuchtigkeit ist, ist auch viel Moos und Farn. Wenigstens gibt das etwas Farbe im sonst so trostlosen Einerlei des Wetters.
Da war doch ein Hauch von blauem Himmel zu sehen, aber das hielt sich natürlich nicht lange.
Wenigsten blieb man hier im dichten Konifärenwald einigermaßen trocken.
Während der kurzen Wanderung zeigte sich das lokale wilde Leben wieder einmal in Form von Eichhörnchen und Vögeln, und trug mit der frischen Luft dazu bei, den Jetlag für eine Weile zu vergessen.
Links: Green Winged Teal
Rechts: Red Winged Blackbird