Sonntag, 25. November 2012

Archäologie auf Kanadisch

Die Altertumsforschung interessiert sich ja für die Erforschung von durch Menschenhand erzeugte Hinterlassenschaften. Port Moody ist zwar nicht das Tal der Könige, aber auch hier am Inlet gibt es Ruinen. Im 19. Jahrhundert stand der Ort ganz im Zeichen der Eisenbahn und der Holzverarbeitung. 

Einst war Port Moody sogar als Endstation für die CPR (Canadian Pacific Railroad) angedacht worden, aber verlor schnell an Bedeutung, als entschieden wurde, den Terminus in Vancouver anzulegen. Wer weiß, was sonst aus der so beschaulichen Kleinstadt geworden wäre...

Hauptarbeitgeber der Region blieb Holzfällerei und -verarbeitung. Die Bäume wurden in den Hügeln gefällt und via Rutschen und Dampflok zum Wasser gebracht, welches dann als weiteres Transportmittel diente.
Bei der Old Millsite handelt es sich um die Überreste einer Sägemühle, die in den vierziger Jahren abgebrannt war. Feuer ist heute wie damals der größte Feind der Holzverarbeiter. Erst im August diesen Jahres hat es in Maple Ridge, einem Nachbarort von Port Moody, wieder einen 'erwischt'.
Man kann sich nicht mehr vorstellen, dass hier einst Hunderte von Arbeitern (oft Immigranten) ihrem harten Broterwerb nachgingen. Durch das Tal hallte die durch Schiffe, Eisenbahn und Produktion erzeugte Geräuschkulisse, die Luft war geschwängert von Rauch und Industrieabgasen.

Diese Stümpfe mögen seinerzeit einen Steg gestützt haben, wie der auf dem nachfolgenden Bild.
Fotoquelle: www.portmoody.ca

Dieses kreisförmige Gebilde war einst Fundament eines Ofens, in dem Holzreste verbrannt wurden, damals eine ganz normale Entsorgungsmethode.
Ein weiteres Fundament ist der Rest eines Ofens, der zum Trocknen der Schindeln diente.

Es hat nicht einen Tropfen geregnet, es war mild bei zehn Grad plus und fast windstill. Was will man mehr an einem freien Tag? Dieses Wochenende hatten wir zur Abwechslung wirklich mal Glück mit dem Wetter.

Samstag, 24. November 2012

Geburtstagsausritt

An einem schönen Tag im Juli feierten wir Sonja's Geburtstag irgendwo 'on the road' in Oregon. Es war Sommer, es war warm. Wir hatten Temperaturen um die 30 Grad, also bestes Moppedwetter.
Doch wer hätte im Traum daran gedacht, dass wir Roland's Geburtstag im November ebenfalls auf Zweirädern verbringen würden? Ja, wir auch nicht, aber...
Zum ersten Mal seit Wochen (!!!) regnete es mal nicht. Gesagt, getan, sattelten wir die noch angemeldeten Bikes und machten eine Spazierfahrt auf unserer Hausstrecke.
Es war zwar mit sieben Grad Celsius nicht gerade warm, aber mit der richtigen Ausstattung ist das kein Problem.
Auch, wenn man dabei unweigerlich wie ein Michelin-Männchen (Frauchen) aussieht...
Und weil es so ein wunderschöner Tag war, durfte auch das Geburtstags-Extra heute nicht fehlen: ein Stück Schoko-Torte bei Ruben's.

Sonntag, 18. November 2012

Im Tal der Adler

Erst kehrt der Lachs zurück, und dann kommen die Adler. Trotz mehr als bescheidenen Wetters machen wir uns auf den Weg ins achtzig Kilometer entfernte Fraser Valley bei Harrison Mills, um selbige zu beobachten.

Wir folgen offensichtlichen Spuren der Verwüstung und unserer Nase. Der Geruch von verwesendem Fisch ist fast überwältigend. Hier hat ein Schlachtfest stattgefunden.
Tausende von Weißkopfseeadlern kommen jedes Jahr, um ihren Platz in der Nahrungskette einzufordern. Natürlich muss es gerade jetzt in Strömen zu gießen anfangen.
Die Adler stört das wenig. Sie sitzen mit gut gefüllten Bäuchen auf den Bäumen und schauen auf uns herab (oder würdigen uns keines Blickes).
Auch wenn uns der Regen beim ständigen Aufschauen in die Augen, den Kragen und in die Kameralinse fällt, geniessen wir dieses Naturschauspiel umso mehr, da ausser uns kaum einer hier ist.
Immer mal wieder 'erwischen' wir den einen oder anderen in guter Pose.
Leider ein bißchen zu weit weg, aber mit ein wenig Fantasie und gutem Willen kann man dunklen Punkte in der unteren Bildmitte als Adler erkennen.
Hier ein wenig näher gezoomt:
und noch ein bißchen näher:
Ganz zum Schluss liess sich dann noch dieses Prachtexemplar von Roland knipsen. Wir sind sehr zufrieden mit unserer "Ausbeute" und fühlen uns mal wieder von der Natur reich beschenkt.

Eigentlich sollten die Adler so früh im Jahr noch gar nicht hier sein, sondern in Alaska auf Lachsjagd gehen. Da aber dort die Lachsvorkommen in den letzten Jahren offensichtlich stark zurück gegangen sind, bekommen wir dieses Naturschauspiel hier einige Wochen früher als üblich zu sehen.

Samstag, 17. November 2012

Springflut

So dramatisch sich das Wort anhört, so vergleichsweise harmlos ist ja eine Springflut im Vergleich zu einer Sturmflut. Dennoch konnte sich Sonja, die regelmässig die Gezeiten und die damit verbundenen Veränderungen in Flora und Fauna beobachtet, diesem Phänomen nicht entziehen. (Ja, sie hat sogar eine iPhone app dafür.)

Heute (9:22 Uhr) und morgen (10:09 Uhr) werden mit fast fünf Metern die Höchstwasserstände erreicht, und dieses Mal fällt das Ereignis auf ein Wochenende und findet auch noch bei Tageslicht statt. Ein guter Grund für einen Morgenspaziergang!
Quelle: Tide Chart

Der Steg bei Normalflut
 Springflut - der Steg ist weg.
Nur wenige Minuten nach dem Gezeitenwechsel kann man (frau) den Steg zumindest wieder betreten (dank wasserfester Wanderstiefel).
Es wird noch etwa eine halbe Stunde dauern, bis auch die Wanderwege am Ende des Inlet wieder begehbar sind, also machen wir uns erst einmal in Richtung Pier auf.
An der feuchten Mauer kann man noch den Höchststand erkennen. Inzwischen ist der Pegel wieder um etwa 30 cm abgesunken, allerdings ist der Weg immer noch um einen halben Meter überflutet, und bestenfalls für eine Kneippkur geeignet.
Auf dem Rückweg fängt es (natürlich) an zu regnen, und der Gedanken an eine Tasse Tee vor dem Kamin treibt uns schnellen Schrittes wieder nach Hause.
Die Vogelwelt fand dies wohl genauso interessant wie wir, denn so viele Enten, Kanadagänse und anderes Flattervieh wie heute haben wir lange nicht gesehen.

Samstag, 10. November 2012

Der Sommer ist weg...

 ... und der Herbst liegt auch in den letzten Zügen. Die sintflutartigen Regenfälle und der kräftige Wind der letzten zwei Wochen haben den Bäumen das Laub mit Gewalt und vor der Zeit von den Ästen gezerrt.
Wenigstens werden wir an diesem langen Wochenende (Remembrance Day) zur Abwechslung mal mit dem für diese Jahreszeit so raren Sonnenschein verwöhnt. Allerdings sind die Temperaturen nicht weit weg vom Gefrierpunkt.
Die Badesaison ist also für's Erste vorbei. Dennoch sitzen wir an unserem Stand und lassen uns von den Sonnenstrahlen wärmen. Für das Bild haben wir dann mal die Mützen abgenommen.
Unser Inlet hat auch heute wieder viele Besucher angelockt. Manche versuchen sich an vergänglichen Skulpturen:
Andere geniessen einfach die Vielfalt der Vogelwelt. Hier 'parken' traditionell die Enten.
Der rotgewandete Baum auf der linken Seite hält tapfer an seinen Blättern fest, während die Bäume rechts schon ihre Altlasten abgeschüttelt haben.
Kahle Äste greifen um sich. Bei Nebel verstärkt sich dieser Effekt, der jetzt so harmlos wirkt.
Was für eine Farbenpracht! In wenigen Tagen wird es damit ein Ende haben, damit ein neuer Lebenszyklus beginnen kann.
Auf unserem Pier beobachten wir wieder Robben bei ihrer Jagd nach Beute. Nichts Neues.
Wir haben aufgegeben, unsere Runden um's Inlet zu zählen, aber an die zweihundert Mal werden es wohl dieses Jahr gewesen sein, und trotzdem war es kein bisschen langweilig.

Freitag, 2. November 2012

Der Aufschrei der Empörung...

... bleibt im Halse stecken.
Der heutige Artikel in der Vancouver Sun berichtet, dass eine Umfrage ergeben hat, dass Vancouver die unfreundlichste Stadt Kanada's sei, grundsätzlich freundlich, aber gemessen an der berühmten kanadischen Freundlichkeit eben am unteren Ende der Messlatte.

Für uns hören sich die genannten negativen Argumente erst einmal nach den typischen Problemen des Großstadtlebens an:

Es sei schwieriger als anderswo, Freundschaften (besonders ausserhalb des eigenen ethnischen Umfelds) zu schliessen. Man kennt seine Nachbarn nicht. Die Lebenshaltungkosten seien zu teuer und es dauerte länger einen (gut bezahlten) Job zu finden. Ach ja, und das Wetter...

Dennoch, verglichen mit unseren Erfahrungen in Calgary, haben auch wir feststellen können, dass hier im Lower Mainland ein anderer Wind weht, angefangen bei unfreundlichen Verkehrsteilnehmern. Hier wird gedrängelt, gern der Sicherheitsabstand für einen Spurwechsel genutzt (selbstverständlich ohne zu blinken) und Fussgänger leben gefährlich, selbst wenn sie bei Grün über die Straße gehen (alles mehrfach am eigenen Leib erlebt).

Allerdings können wir wiederum nur von gleichermassen positiven Erfahrungen mit Dienstleistern, Versicherungen oder Behörden berichten.

Und ja, wir haben weniger Sozialkontakte hier. Während wir in Calgary neben Kanadiern Menschen aus Ost- und Westeuropa, dem Nahen Osten und Vorderasien zu unserem Bekanntenkreis zählen durften (und auch heute noch diese Kontakte pflegen), besteht unser Kreis in Vancouver fast ausschliesslich aus einer Handvoll Bekannten/Freunden aus dem eigenen ethnischen Umfeld.

Wir kennen einen Teil unserer Nachbarn, man trifft sich auf dem Gang und sagt hallo, aber man weiss die Namen nicht. Das hat den älteren Herrn gegenüber aber nicht gestört, als er Roland bei einem technischen Problem um Hilfe bat (und Roland kam, sah und reparierte). Dafür kennen wir diejenigen, die sich mit uns bei der Eigentümerversammlung engagieren mit Namen, aber zu einer Bekanntschaft reicht das dann doch nicht.

Bestätigen können wir, dass die Lebenshaltungskosten hier extrem höher sind, und dass bei niedrigeren Einkünften. Der Wohnungsmarkt ist halt besonders durch ausländische Nachfrage künstlich aufgebläht. So mussten wir für eine annähernd gleiche Wohnqualität in BC etwa 30% mehr zahlen. Von den Kosten für Nahrungsmittel, Autoversicherungen und den Provinzsteuern wollen wir gar nicht erst anfangen.

Und das Wetter? Uns war bewusst, dass wir einen langen Winter mit Schnee und Eiseskälte gegen monatelangen Regen bei moderaten Temperaturen eintauschen würden. Beides ist nicht ideal, beides hat Vor- und Nachteile. Nur bei Regen können wir eben immer noch spazieren gehen, das macht man bei minus 30 Grad und Windchill eher nicht mehr.

Vancouver ist eines der lebenswertesten Städte der Welt und die Lage zwischen Ozean und Bergen trägt sicherlich viel zu dieser Bewertung bei, aber es ist und bleibt eine Großstadt, mit eben diesen genannten Problemen.

Ist darum Calgary besser? Oder Vancouver? Wir finden beide Städte äusserst lebenswert. Calgary eröffnet definitiv bessere berufliche Möglichkeiten mit grundsätzlich höheren Einkommensaussichten zu günstigeren Lebenshaltungskosten und niedrigeren Steuern. Besonders für Immigranten ist Calgary materiell und finanziell gesehen die bessere Stadt für den Neuanfang, und für den der Berge und Schnee mag, sowieso der perfekte Ort.

Vancouver hingegen bietet durch seine einmalige Lage eine landschaftliche Vielfalt die seinesgleichen sucht, und das bei für kanadische Verhältnisse gemässigtem Klima. Dafür lässt sich die Provinz British Columbia jedoch fürstlich bezahlen. Wer Gegend und Natur pur will, kommt hier aber noch mehr als in Alberta auf seine Kosten.

Wer eine Karriere sucht... eher nicht. Dank irrationaler Gewerkschafts-aktivitäten ist das produzierende Gewerbe inzwischen fast vollständig in die Prärieprovinzen abgewandert. Damit reduziert sich die Auswahl der potentiellen Arbeitgeber auf Behörden, Versicherungen, Dienstleistung oder Handel... (gähn!), und so pendelt Roland eben immer noch zwischen Vancouver und Calgary hin und her.