Sonntag, 29. Juli 2012

Ein Urlaubstag zuhause

Während Sonja's Vespa eine wohlverdiente Inspektion verpasst bekommt, verbringen wir diesen Sommer-Samstag in Kitsilano, Vancouver's "Hippie"-Viertel, mit allem Positiven, dass dieser Subkultur entspringen kann, wie zum Beispiel die Metamorphose alter Bahntrassen zu Schrebergärten.
Das von der Stadt geförderte Projekt ist so erfolgreich, dass man sich für seine Parzelle auf eine Warteliste setzen lassen muss.
Jede(r) Gärtner(in) bringt hier seinen eigenen Stil zum Ausdruck, aber die Natur wird hier nicht 'verbogen', sondern darf auch mal einfach wild wachsen.
Uns gefällt diese grüne Oase sehr, und wir geniessen besonders die verschiedenen Blütendüfte.
Das ganze Viertel beteiligt sich an diesem Verschönerungskonzept, und leistet seinen individuellen Beitrag.
Was für ein gelungenes Konzept! Das nennen wir mal eine sinnvolle Ausgabe von Steuergeldern!
Wir schlendern durch das Viertel und fühlen uns hier ganz kurz nach New York versetzt, Geschäfte im Basement, und Wohnungen darüber.
Bei diesem Wagen dachten wir zunächst an Columbo's Peugeot, aber dieses Schätzchen ist ein Nissan.
Während der Rest der City von Autos dominiert wird, findet man in dieser Gegend oft Fahrrad- und Scooterfahrer oder auch... Fussgänger.
Wir machen uns auf in Richtung Kitsilano Strand und entdecken Totempfähle, immer wieder ein Zeichen, dass wir uns an der kanadischen Westküste befinden.
Was für ein Anblick. Wer wollte nicht hier leben... mit Blick auf Berge und Meer.
Die nächste Stunde verbringen wir mit Nichtstun, es sei denn, man will herum sitzen und Leute (und Hunde) beobachten als Beschäftigung bezeichnen.
Das Wetter ist mild, nicht zu warm und es geht eine leichte Brise. Natürlich holt sich Roland einen Sonnenbrand, denn er hat wie immer weder Mütze noch Sonnenschutz dabei.
Sicherlich nicht ganz alltäglich ist der Anblick eines Wikinger-Schiffs in der Bucht. Offensichtlich kann man dieses Boot für Ausflüge mieten.
Immer wieder 'stolpert' man über Kunstwerke der Vancouver Biennale. Leider verschwinden davon mehr und mehr, werden verkauft oder versetzt, seitdem diese Ausstellung vorrüber ist.
Dieses Werk heisst 'Gefrorenes Wasser' und ist besonders fotogen mit seiner Form und seinen Reflektionen.
Da diese City-Wanderung so anstrengend ist, muss Roland jetzt erst einmal einen Kaffee haben.
Und Recht hat er mit dem Päuschen. Schliesslich haben wir auf diese Weise etwa zehn Kilometer erlaufen:

Als der Roller dann (endlich) fertig wird, fahren wir noch 'runter nach Steveston, unserem universellen Treffpunkt für das Kennenlernen neuer Freunde. Wir parken direkt am Pier.
Hier treffen wir Yvonne, Andreas und Dominik, die vor fast sechs Monaten als Permanent Residents nach Kanada einwanderten. Individualisten wie wir, die sich nicht mit dem heimischen Haus, Garten, Job und vermeintlich 'abgesicherten' Leben in Deutschland zufrieden geben wollten und während mehrerer Urlaubsreisen entdeckt hatten, wie schön doch Kanada ist. Hier geht's zu ihrem Blog.

Freitag, 27. Juli 2012

Kanada im Olympia-Fieber

Wenn HomeDepot das nordamerikanische Pendant zu OBI ist, dann ist Rona das Gegenstück zu bauhaus. Pünktlich zu den Olympischen Spielen in London hat Rona einen neuen, sehr kanadischen Werbespot vorgestellt, bei dem ein Schraubenzieher auf olympische Weisen von der Westküste ins ferne Neufundland transportiert wird. Einerseits sehr schön und sehr lustig, wir fragen uns allerdings, ob den Machern bewusst war, dass sie damit auch die kanadische Arbeitsorganisation persiflieren?!

Wo wir schon beim Thema Olympia sind: in den USA herrscht ja grosse Aufregung darüber, dass die Kleidung des amerikanischen Olympia-Teams komplett "Made in China" hergestellt ist. Die kanadische Kleidung sieht dagegen aus, als käme sie direkt vom Grabbeltisch im roots-Fabrikverkauf:

Mittwoch, 25. Juli 2012

Lang ist's her...

From magersincanada!
... dass dieser Pickup-Truck in Benutzung war. Das selbe gilt auch für den Ort Sprague im östlichen Teil des Staates Washington. Früher muss das mal ein belebtes Städtchen gewesen sein, heute ist so ziemlich jedes Geschäft leer stehend und verrammelt, viele Häuser sind verfallen und man sieht nur vereinzelt Menschen auf der Strasse, fast alle ältere Frauen. Einzig die örtliche Tankstelle lockt noch den ein oder anderen 'Touristen' vom nahegelegenen Highway 90 heran. Wir haben es auch nur kurz hier ausgehalten - im Schatten des lokalen 'Family Store', für die Dauer einer Eiscreme. Dem ländlichen Amerika geht es wirklich nicht gut...

Dienstag, 24. Juli 2012

Freiheit, die wir meinen

Das Reisen auf zwei (motorisierten) Rädern ist doch um einiges anders und bedarf grösserer Vorbereitungen. Vor unserem Kurzurlaub bekamen die Moppeds also noch jedes eine Inspektion, um auf 'Nummer sicher' zu gehen. Wir hatten die Bikes schon einmal zur Probe gepackt, und eine Testfahrt gemacht, damit wir ein Gefühl für das veränderte Gewicht und die Extra-Ladung bekamen.
Mittwoch nachmittag nach der Arbeit ging es über die Grenze zu unserem ersten Tagesziel in Monroe, Washington. Donnerstag begann dann der Sightseeing-Teil der Reise. Über den Stevens Pass fuhren wir gen Südosten, und durch immer wechselnde Landschaften nach Pasco, wo uns ein Gewitter ereilte.
 Auf dem Stevens Pass
 Irgendwo in Flatistan
 Pasco, Abendlicht nach dem Gewitter
 Am Columbia River
Freitag morgen war klar und wolkenlos, und wir machten gute Strecke, bis uns die heftigen Seitenwinde zu einem Richtungswechsel zwangen. Es war für Roland fast unmöglich geworden, den Scooter noch sicher zu fahren. Also fuhren wir nicht am Columbia River entlang, sondern durch die Apfelgärten des Washingtoner Hinterlandes. Auch gut. 
Als wir uns Oregon näherten, wurden wir schon wieder von Gewitterstürmen gejagt und wir mussten Unterschlupf in Elgin suchen. Der Regen prasselte, die Blitzeinschläge waren nahe und der Donner liess den Boden vibrieren, da war es besser, nicht auf der Strasse zu sein.
 Die Ruhe nach dem Sturm
Eine halbe Stunde später riss der Himmel auf, und tat als sei nichts gewesen. Wir setzten unsere Reise nach Süden fort und genossen die offene Wildwest-Landschaft, die sich vor uns auftat.
 Der Wilde Westen
Das Tagesziel war Baker City, wo wir uns mit Freunden trafen. Manche hatten eine lange Anreise auf ihren Motorrädern hinter sich. So war Richard aus Alaska angereist, Karen kam aus Ontario, Erik aus Wisconsin, Bob und wir aus BC, und nur Brandy und Brad waren lokal aus Oregon.
Wir hatten eine tolle Zeit mit gemeinsamen Ausflügen und guten Gesprächen bei leckerem Essen. Am Samstag ging es in der Gruppe durch den Hell's Canyon, einer berühmt berüchtigten Motorradstrecke mit vielen Kurven. Es war das Zweirad-Paradies schlechthin, und Roland machte eine gute Figur als Anfänger zwischen all den Veteranen.
 Es war heiss im Hell's Canyon.
Bei über 30 Grad im Schatten wünscht man sich nur noch, ins kühle Nass zu springen, am besten in voller Montur.
Danach ging es über einen Bergpass, und die Landschaft veränderte sich. Auch die Temperaturen wurden erträglicher.
Richard aus Alaska, Brad aus Oregon, Erik aus Wisconsin, Brandy aus Oregon, Bob aus BC und Karen aus Ontario.
Für die Nacht kamen wir in Enterprise unter und mussten uns dort leider bereits von unserer 'Gang' verabschieden. Für jeden von uns begann die Heimreise, und wir hatten zwei Tage, um wieder unser 1,000 km entferntes Zuhause zu erreichen.

Also ging es Sonntag morgen früh los, wir nahmen im Vorbeifahren aber noch den Rattlesnake Canyon mit, welcher kurvenreich durch Schluchten und über Höhen führte. Ein weiterer Zweirad-Genuss.
 Nach Idaho zum Tanken, in der Ferne die Orte Lewiston und Clarkston.
Die Landschaft wechselte dann wieder von Farmland zu fast wüstenähnlicher Gegend. Manche Dörfer, durch die wir kamen, waren gottverlassen und herunter gekommen. Wir bekamen jedoch den Eindruck, dass dies schon lange vor der Rezession so gewesen sein muss.
 Badlands am Soap Lake
 Dry Falls
 Wieder zurück am Columbia River
 Blick auf den Chief Joseph Staudamm
Ein wunderschönes Hotel am Lake Pateros wurde unser Domizil für die Nacht, und wir belohnten unsere fast 600km lange Tagesetappe mit einem fürstlichen Mahl bei einem (oder auch zwei) Schwarzbier.
Montag morgen. Der Wecker rief zum Endspurt auf. Ein Murmeltier schaute uns beim Packen zu.
Durch die Cascade Mountain Range ging es nach Westen. Es wurde verdammt kalt auf dem Pass und wir zogen alles an, was wir dabei hatten.
Dann fing es an zu nieseln. Dennoch machten wir gute Strecke und waren am frühen Nachmittag 'über alle Berge'.
 Mit der Aussicht wird's heute nichts.
Nach einer Mittagspause kurvten wir dann noch ein wenig an der Küste entlang, bevor wir uns auf nach Norden zur Grenze und somit nach Hause aufmachten.
Wir hatten einen tollen Tripp, und Roland plant bereits die Aufrüstung seines Motorrades, sowie eine neue Tour. Das kleine Abenteuer muss ihm wohl einigermassen gefallen haben.