Freitag, 26. August 2011

Kinonacht in Suter Brook

Definitiv nicht Kansas!

Wenn man seinen Pass verliert...

Nachdem Roland ja auf unserer letzten Tour seinen Pass verloren hatte, gab es nun einiges zu tun, um wieder an einen neuen heran zu kommen.
Wichtiger erster Schritt war, bei Passport Canada den Verlust des Passes zu melden und ihn sperren zu lassen. Das konnte Roland telefonisch erledigen, und er war wieder mal überrascht, wie freundlich der kanadische Beamte war. Wenn ein Pass erst einmal gesperrt ist, kann er nicht mehr entsperrt werden. Sollte man seinen Pass also wieder finden, bloss nicht mehr benutzen!
Danach ging es an die Beantragung des neuen Passes. Wie schon beim ersten Mal brauchte Roland wieder einen Bürgen, der die von Roland angeführten Daten bestätigt und eines der Passbilder unterschreibt. Freundlicherweise hat sich Rolands Kollege Ed wieder dazu bereit erklärt. Roland musste dafür allerdings nach Calgary...
Danach musste Roland eine eidesstattliche Erklärung vor einem Notar abgeben, unter welchen Umständen der Pass abhanden gekommen ist. Natürlich lässt sich ein Notar so etwas gut bezahlen.
Mit all den Unterlagen und frischen Passbildern ging Roland dann zum Amt, wo er nach amtsmässiger Wartezeit der wieder sehr freundlichen Beamtin noch einmal im Detail schildern musste, wie er den Pass verloren hat. Sie schrieb mit, und Roland musste die Aussage unterschreiben. Der Rest der Prozedur war Standard, und heute, zwei Wochen nach Beantragung konnte Roland seinen neuen Pass abholen.
Der Pass hat allerdings einen Vermerk, dass es sich um einen Ersatzpass handelt. Sollte Roland dieser auch per Verlust, Diebstahl oder Zerstörung abhanden kommen, wird es schwierig. der nächste Pass würde dann nur unter Vorlage von Reisedokumenten und für zwei Jahre ausgestellt...

Samstag, 20. August 2011

Manchmal ist es einfach zu warm...

... um irgend etwas anderes zu machen, als zu hause abzuhängen. Selten genug passiert es, dass die Temperatur die 30 Grad Marke überschreitet, also begeben wir uns zum Abkühlen in den Schatten.

Hmmm, vielleicht würde uns es helfen, uns im Schnee zu wälzen. Moment mal, Schnee?

Wir kommen nur langsam voran, es so heiss, dass wir vom Herumstehen ins Schwitzen geraten.

Der Pfad eröffnet immer wieder schöne Blicke über das Wasser.

Die Blätter verlieren bereits ihre grüne Farbe.

So ein Nickerchen ist auch ganz schön.

Wir schleppen uns weiter.

Am Meer angekommen gilt es als erstes, die Extremitäten ins Wasser zu halten.

Was Roland dann auch sofort macht.

Normalerweise finden sich hier Unmengen von Vögeln, aber selbst denen war es heute wohl zu heiss.

Nach der Pflicht die Kür: Das haben wir uns nach so einem 'schweren' Marsch auch verdient.

Samstag, 6. August 2011

Auf grosser Reise

Letztes Wochenende haben wir unsere Vespas erstmalig auf eine mehrtägige Reise ausgeführt. Anlass was - neben einem montäglichen Feiertag und einer grossartig aussehenden Wettervorhersage - ein Konzert mit Bela Fleck und Bruce Hornsby auf dem Ste. Michelle-Weingut in Woodinville nahe Seattle. Roland hatte ein Kurhotel in Kirkland am Lake Washington gebucht.

Um 5 Uhr am Samstagmorgen ging der Wecker, um 6 waren wir auf der Strasse und um halb acht hatten wir bereits die amerikanische Grenze passiert, an der sich um diese Zeit bereits ein stundenlanger Rückstau gebildet hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück in Bellingham fuhren wir anschliessend den Chuckanut-Drive, einer der wohl schönsten Küstenstrassen Washingtons entlang in Richtung Whidbey Island, einer der vorgelagerten Pazifik-Inseln. Leider waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee, und so fanden wir uns zu unserer Überraschung in autobahnähnlichem Verkehr wieder, dem wir auch nicht entkommen konnten, da es eigentlich nur eine befahrbare Strasse auf dieser Insel in Richtung Seattle gibt. Mittlerweile hatte sich die Temperatur auch auf 12 Grad abgekühlt(!), sodass uns zwischendurch tatsächlich etwas frisch wurde auf unseren Wespen.

Nichtsdestotrotz erreichten wir kurz nach Mittag die Fähre von Clinton nach Mukilteo, das sich wieder auf dem Festland befindet. Von dort war es dann nur noch ein Katzensprung zum Hotel in Kirkland.

Das Kurhotel selbst machte einen durchaus edlen Eindruck, und da bei unserer Ankunft auch noch eine Hochzeit statt fand, waren wir zunächst gar nicht so sicher, ob wir mit unserem Biker-Outfit überhaupt willkommen sein würden. Jegliche Zweifel wurden aber schnell zerstreut, denn der Rezeptionist wusste zu berichten, dass seine Mutter selbst eine 150er Vespa fahren würde. Wir bekamen sogar Motorradparkplätze in der Tiefgarage zugewiesen und wussten Bella und Paolo deshalb in Sicherheit.

Nach einem kurzen Mittagspäusschen fuhren wir dann die kurze Strecke zum Ste-Michelle-Weingut, wo das Konzert statt finden sollte. Nach einem kurzen Abendmahl in der benachbarten Brauerei (Bratwurst im Brötchen mit Sauerkraut!) waren wir dann auch gerade rechtzeitig zum Konzertbeginn mit Bela Fleck and the Original Flecktones da. Jazz vom feinsten, mit einer sehr ungewöhnlichen Besetzung: Banjo, Piano, Bass und der berühmte Futureman mit den seltsamsten Schlaginstrumenten. Machmal ein bisschen (zu) schräg, aber immer absolut mitreissend! Nach kurzer Pause dann der Topact: Bruce Hornsby and the Noisemakers, ein wunderbares Konzert voller Spontanität; leider ein bisschen kurz, aber da Roland's Lieblingslied ("White Wheeled Limousine") gespielt wurde, war er glücklich. Bela Fleck mit seinem Banjo kam auch mehrfach auf die Bühne, und es ist schon beeindruckend, wie gut Pianist Hornsby und Fleck miteinander harmonieren. Leider war fotografieren nicht erlaubt, deshalb haben wir kein Fotodokument...

Der nächste Tag begann mit durchwachsenem Wetter, trotzdem machten wir uns nach einem hervorragenden Frühstück im Kurhotel auf zu einer kleinen Tour durch das Hinterland von Seattle. Die zufällig ausgewählte Route führte uns durch Twin Peaks (das natürlich gar nicht exististiert, aber der Ort North Bend, wo die Serie gedreht wurde) und durch Bellevue, wo Roland's ehemaliger Mitschüler Detlef Schrempf heute lebt (hat Roland übrigens jemals erwähnt, dass er zu Schulzeiten gegen Schrempf Basketball gespielt hat?). Das Wetter wurde immer schöner, und deshalb verbrachten wir den Nachmittag am Seeufer des Kurhotels mit ein paar leckeren Cocktails und amerikanischem Stärkungsfutter (Burger). Erholung vor einer strapaziösen Tour zurück nach Kanada...

Am Montag morgen ging der Wecker um sechs, und um viertel vor sieben waren wir schon wieder unterwegs. In den USA war kein Feiertag, und so versuchten wir, dem Berufsverkehr zu entgehen, in dem wir uns nach Möglichkeit auf Nebenstrassen aufhielten. Das funktionierte auch eigentlich ganz gut, aber da es in den Staaten keine ordentlichen Strassenschilder gibt (statt in Richtung von Orten zu zeigen, zeigen sie maximal in Richtung anderer Strassen) verfuhren wir uns leider mehrfach. Das mitgeführte GPS war auch nicht wirklich hilfreich, weil es immer nach dem schnellsten Weg, und damit Hauptstrassen suchte. Wir verloren einige Stunden auf diese Weise, was aber nicht wirklich schlimm war, denn die Strecken waren allesamt wunderschön.

Gegen Mittag kamen wir dann in Arlington an (etwa auf dem halben Weg), als Roland merkte, dass seine Vespa plötzlich reichlich schwerfällig um die Kurven ging. Er hatte sich einen dicke Heftklammer in den Hinterreifen gefahren. Nun begann die Odyssee durch Arlington und das benachbarte Smokey Point: wir klapperten ein halbes dutzend Werkstätten, Reifenhändler und Motorradhändler (Montags alle geschlossen) ab, aber keiner konnte oder wollte ("Liability reasons", wir könnten die ja glatt später verklagen) uns helfen. Bis Roland dann im Hinterhof eines (Montags geschlossenen) Motorradhändlers ein Sammelsurium von alten und neuen Motoren vor einer Werkstatt ausmachte. Er ging einfach mal hinein und traf auf ein amerikanisches Original namens Myron, der sich sofort daran machte, den Reifen zu reparieren. Es stellte sich heraus, dass Myron einen guten deutschen Freund hatte, der ihm sogar einige deutsche Reparaturanleitungen ("Der moderne Zweitaktmotor") vererbt hat. Ansonsten war er als selbständiger Geschäftsmann (ihm gehörte nebem der Maschinenwerkstatt auch die benachbarte Tankstelle) nicht sehr gut auf die amerikanische Politik zu sprechen...

Dank Myron's Hilfe ging es endlich weiter, und nach ein paar ereignisarmen Stunden durch das wunderschöne Washington erreichten wir gegen sechs Uhr die Grenze. Wir befüllten noch ein letztes Mal unsere Wespen (viel billiger in den USA), holten unsere Pässe heraus und... Roland fand seinen nicht! Irgendwo auf dem Weg, als wir mal wieder den Weg verloren hatten, muss er beim Herausholen seines iPads den Pass mit herausgezogen haben. Weg! Demütig schlichen wir zur Grenze, fast in Erwartung einer Tracht Prügel, aber die kanadischen Grenzbeamten waren noch freundlicher als sonst, beruhigten uns und sagten, dass so etwas nun mal irgendwann passieren würde. Anhand Roland's Führerschein wurde bestätigt, dass er wirklich Kanadier ist, und wir durften passieren. Was für ein Land!

Da dachten wir nun, wir hätten genügend Unbill für einen Tag erfahren, da knallte es wenig später an Bella's Hinterrad. Roland war sich sicher, dass der Hinterreifen nun endgültig geplatzt wäre, aber falsch: die Schraubhalterung des Rücklichts hatte einen Ermüdungsbruch erlitten, und das Rücklicht war, nur noch gehalten vom Stromkabel, auf die Strasse und gegen den Auspuff geschlagen. Das hat dem Rücklicht natürlich gar nicht gut getan, deshalb lösten wir das Kabel, packten das Rücklicht ins Gepäck und machten uns auf zur letzten Stunde bis nach hause. Die war dann auch tatsächlich ereignislos, sodass wir gegen 8 Uhr nach über 300 km und 13 Stunden Fahrt völlig erschöpft in Port Moody ankamen.

Trotz der Probleme des letzten Tags war es eine wunderbare Tour! Wir wurden von allen Seiten angesprochen auf unsere Wespen, die gerade in ländlichen Gebieten noch völlig unbekannt sind. "Können die denn auf der Autobahn fahren?" - " Wie viele Kubik haben die denn?" - "Wenn ich gross bin, werde ich auch Motorrad fahren, aber ein cooles!". Bella muss jetzt erst mal in die Werkstatt, aber danach sind wir wieder bereit für weitere Abenteuer!

Wer will, kann auf Sonja's Blog noch weitere Bilder sehen!