Samstag, 15. Mai 2010

Pleiten, Pech und Pannen, Teil 1

Hinter uns liegt eine Woche, in der so gut wir gar nichts funktionierte... Hier eine Zusammenfassung der ersten von zwei der Pannenserien während Rolands Reise zu seinem vierten Six Sigma Training in Longview, TX:

1. Die vergessenen Medikamente
Vor lauter Aufregung hatte Roland beim Einpacken seine letztendlich lebenswichtigen Medikamente vergessen. Ihm fiel beim Landeanflug auf Dallas ein, dass die Sachen noch auf dem Waschtisch im Badezimmer lagen. Also flugs Sonja angerufen, damit sie die Pillen "overnight" nach Longview, Texas schickt.

Am nächsten Morgen ging Sonja also zu ups, um dort zu erfahren, dass Medikamente nur dann in die USA geschickt werden können, wenn eine Kopie des Reisepasses und eine Kopie des Rezeptes beigelegt sind. Glücklicherweise hatten wir tatsächlich eine Kopie des Reisepasses zuhause, und für das Rezept hat sie unsere Apotheke in Calgary um eine Faxkopie gebeten. Das Paket mit 10(!) Tabletten ging also für einen Preis von 70 Dollar auf den Weg, aber ups konnte nicht garantieren, dass der US-Zoll die Sendung auch passieren lassen wuerde.

Mit dem ausgezeichneten ups-Trackingsystem konnten wir jederzeit verfolgen, wo das Päckchen war, und um 2 Uhr am nächsten Morgen befand es sich bereits in Louisville, Kentucky. Nun kam jedoch der Zoll ins Spiel, und damit war jedes Tempo raus. Nun hiess es nur noch warten auf dies, warten auf das, warten auf... whatever!

Roland wurde nun langsam ziemlich nervös und entschied sich, zu Plan B zu greifen, nämlich ebenfalls mit einer Faxkopie des Rezeptes bewaffnet einen Arzt zu finden, der ihm ein amerikanisches Rezept für ein paar Pillen ausschreibt. Beispiel einer Unterhaltung mit der Sprechstunde: "Bin aus Kanada, nur hier für eine Woche, Medikamente vergessen, dringend, habe kanadische Rezeptkopie, können Sie helfen?" - "Sind Sie denn Patient bei uns?" - "Nein, Kanada, eine Woche hier, wie soll ich da Patient sein?" - "Da können wir nicht helfen, wenn Sie kein Patient sind." - "Also, Sie würden mich eher sterben lassen, als mir zu helfen?" - "Tut mir leid!"
Nach ungefähr sechs vergleichbaren Gesprächen (allerdings meist mit hilfsbereiteren Sprechstunden) gab Roland auf und entschloss sich zum Rückflug, falls das Paket bis zum nächsten Tag nicht da wäre.

Und tatsächlich, am nächsten Morgen zeigte der ups-Tracker Bewegung an! Das Paket war mittlerweile im 100 km entfernten Shreveport gelandet. Kurze Zeit später war es schon in Longview und auf dem Auslieferfahrzeug. Die Rezeption war informiert, Roland sofort aus seinem Training zu holen, da konnte ja nichts mehr schief gehen. Roland checkte regelmässig den Tracking-Status auf seinem Laptop und... plötzlich erschien die Meldung "Anlieferung versucht; konnte die Bezahlung nicht eintreiben, wird es später noch mal versuchen"...

Roland sofort zur Rezeption, was das nun wieder soll, um dort eine andere Empfangsdame als zuvor zu finden, die natürlich nichts davon wusste, dass er alarmiert werden sollte. Aber der Bote hatte gesagt, dass er noch weitere Pakete für das Hotel in seinem Wagen hätte, an die er im Moment schlecht heran kommen würde, er wäre bald also wieder da und würde dann das Geld eintreiben. Roland hinterliess also weitere 21.25 USD als Bezahlung und bat erneut um Info, wenn das Paket ankommt.

Und diesmal klappte es! Eine halbe Stunde später klopfte es im Trainingsraum, und Roland konnte seine Medikamente entgegen nehmen. Aber: der ups-Mann nahm weder Bargeld noch Kreditkarte an, ein Scheck müsste es schon sein!!!!! Den schleppt anscheinend jeder Amerikaner mit sich herum, aber Roland natürlich nicht. Glücklicherweise fand sich ein Hotelmitarbeiter, der einen Scheck ausstellte und im Gegenzug Rolands Bargeld an sich nahm.

In Summe hat uns Rolands Vergesslichkeit fast 100 Dollar für 10 Pillen mit einem Wert von 25 cts gekostet. Aber aus Schaden wird man ja bekanntlich klug, und wir haben gelernt, dass der hypokratische Eid in den USA durch den hypokritischen (heuchlerischen) Eid ersetzt wurde. Das wird noch ein paar Jahrzehnte dauern bis zu einem funktionierenden sozialen Gesundheitssystem.