Sonntag, 31. Mai 2009

Backwahn

Roland hat eine neue "Religion" entdeckt, den Backwahn! Mindestens einmal in der Woche macht er sich in der Küche breit, staubt alles mit Mehl voll, schmiert überall Teig hin und blockiert die Mikrowelle, weil der Brotteig durch die Wärme der eingeschalteten Beleuchtung wunderbar aufgeht.

Es gibt jedoch noch viel zu lernen, deshalb kommt auf jedes dritte richtig gute Brot (z.B. Rosinenplatz, Sauerteig-Toast, Ciabatta mit eingelegten Tomaten) auch ein "Brick", ein Backstein, der überhaupt nicht aufgegangen ist. Aber die Resultate werden doch immer besser!

Und wenn's mal gar nicht hinhaut: ein Zitronenkuchen mit Zuckerguss oder Pizzateig klappen immer!

Samstag, 30. Mai 2009

Pre-Stampede

Gestern gab es quasi ein Schweizer-Deutsches-Mini-Blogger-Treffen im Ranchman's, eine echt urige Kneipe im Western-Style. Natürlich geht man dort in standesgemässem Outfit hin (Minimum Westernhemd, Cowboystiefel und Bucklebelt). Geboten wurde Line-Dance, Live Musik, rustikale Küche (für Sonja gab es endlich wieder mal Spare Ribs) und harte Drinks (Danke, Holger!). Von den Urlaubern Rita und Günter gab es unverhofft ein kleines Überraschungspaket, u.a. mit Miracoli und den unvermeidlichen Joghurtgums. Es hat sich wohl inzwischen in ganz Deutschland herum gesprochen, dass wir schon mal unter Entzug dieser Produkte leiden... vielen Dank auch! Auch haben wir unsere Facebook-Bekannten, die Heims, mal endlich persönlich kennen lernen können. Leider wurde es Roland dann zu laut (der Tinnitus lässt grüssen), so dass wir uns bereits viel zu früh wieder von der Truppe trennen mussten.

Das Übliche...

In den Zeiten des Internet-Streamings ist es irgendwie immer möglich, eine Quelle zu finden, auf der man sich Fussballspiele live anschauen kann. So ist es Roland auch diesmal gelungen, den Auftritt von Bayer Leverkusen im DFB-Pokalfinale live mit zu erleben. Mit dem üblichen Resultat...
Wie auch immer: Glückwünsche nach Bremen zu einem verdienten Pokalsieg, und die Bayer 04-Geschäftsstelle nimmt ab sofort Trainerbewerbungen entgegen. Wie wär's mit
Huub Stevens?

Freitag, 29. Mai 2009

Erfahrungen sammeln

Zwei weitere Vorstellungsgespräche liegen hinter Sonja. Bei einem Unternehmen handelt es sich um einen Personalverleiher, der sich grundsätzlich an ihren vielseitigen Kenntnissen in Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik interessiert zeigt. Wie ihr Tim mitteilt, hat er zwar keinen aktuellen Bedarf, aber will sie in seine Datei aufnehmen und hat ihr wertvolle Tipps für die weitere Jobsuche gegeben. Das war den Ausflug nach Downtown wert.

Ein anderer Termin kommt durch Internet-Connections zustande, und es hat sie sehr gefreut, dass dort jemand weiter helfen wollte. Es handelt sich um einen Zulieferer der Bauindustrie, eine Branche, die Sonja interessiert und die sie noch nicht kennt.
Der Job ist wieder mal unter ihrer Qualifikation, aber so langsam wird ihr einfach langweilig und daher signalisiert sie Bereitschaft, auch eine simple Tätigkeit anzunehmen. Das Gespräch fand sogar in deutscher Sprache statt, doch letztendlich scheinen die Entscheider leider nicht vor Ort zu sitzen. Daher wird ein zweites Gespräch mit der Personalverwaltung im Osten vereinbart.

Nachtrag: Das etwa einstündige Telefon-Interview verläuft nach Schema F, und Sonja erhält den Eindruck, dass dort jemand einen Fragebogen abarbeitet. Sie bin enttäuscht und hat das Gefühl, dass sie ihre Zeit verschwendet. Das wird also nichts. Am 19. Juni erhält sie erwartungsgemäss eine Absage.

Dienstag, 26. Mai 2009

Da Guido!

Es gibt ihn also doch, den guten Italiener in Calgary. Zu unserem heutigen zehnten Hochzeitstag haben wir es uns einfach mal gegönnt, ein uns noch unbekanntes italienisches Restaurant, das Da Guido aus zu probieren, und wir waren begeistert. Eine wunderbare Bruschetta als Start, dazu grandioses frisch gebackenes Brot, zur Vorspeise eine Stracciatella und ein Carpaccio, als Hauptspeise Gamberoni für Sonja und Heilbutt für Roland, zum Nachtisch Tartuffo, alles ein einziges Gedicht!

Jetzt sind wir völlig voll gefressen und noch überwältigt von den kulinarischen Erlebnissen. Warum hat uns nur niemand früher von diesem Restaurant erzählt?

Montag, 25. Mai 2009

Unwetter

Als wir gerade vom Einkaufen zurück kamen, bot sich uns dieser dramatische Anblick. Kurz darauf gab es einen satten Platzregen, einen Regenbogen und einen kitschig orange-rosa Sonnenuntergang. Nach so einem Guss riecht die Welt besonders gut.

Freitag, 22. Mai 2009

Gipfeltreffen beim Chinesen


Quelle: http://www.pm.gc.ca/eng

Roland war heute mit zwei Kollegen (beide eingewanderte kanadische Staatsbürger) beim Chinesen, als eine grössere Gruppe herein kam und sich in eine entfernte, nicht einsehbare Ecke setzte. Roland sass mit dem Rücken zur Tür und konnte deshalb nichts davon sehen, seine Kollegen erkannten jedoch, dass da ein Politiker mitsamt Bodyguards gekommen war. Nun entbrannte eine Diskussion darüber, ob es sich dabei um Bronconnier, den calgarianischen Bürgermeister oder um Stelmach, den albertanischen Premier handele.

Wenige Minuten später klärte sich der Sachverhalt auf, denn besagter Politiker machte sich auf den Weg zum Buffet: es war Stephen Harper, kanadischer Prime Minister und damit die Angela Merkel Kanadas! Daraus ergeben sich drei klare Schlussfolgerungen:

1. Das Ginger Beef Peking House ist ein gutes Restaurant
2. Zwei Drittel aller kanadischen Einwanderer erkennen ihren Prime Minister nicht
3. Stephen Harper kann mit Stäbchen essen

Als die drei das Restaurant verliessen, stand der von Bodyguards umringte Wagen des Prime Ministers gleich vor der Tür und damit auf direktem Weg zum Auto der drei. Als sie nun zögerten, an dem Wagen vorbei zu gehen, sagte einer der Guards (wahrscheinlich der Chauffeur): "Geht ruhig dran vorbei!" - und damit sie auch vorsichtig sind: "Ich habe einen Knüppel!"
Das ist Kanada! Man stelle sich eine vergleichbare Situation in den USA vor...

Mittwoch, 20. Mai 2009

Nach zwei Monaten (F)unemployment

Das schlechte Gewissen hat sich beruhigt, schliesslich tut frau was sie kann, um den Gatten bei Laune zu halten und sich um eine neue Anstellung (wenn auch bisher ohne grossen Erfolg) zu bemühen.

Beruf Lebenspartnerin und Hausfrau? DAS geht gar nicht, oder jedenfalls nur vorübergehend. Für jemanden (wie Sonja), die seit einem Vierteljahrhundert auf der Karriereleiter herum gekrabbelt ist, für die tägliche Arbeitszeiten von 10 bis 12 Stunden normal waren, die neben der Arbeit studiert, den Haushalt (mehr schlecht als recht) geschmissen und sogar noch ein (mehr oder weniger) funktionierendes Sozialleben geführt hat, bleibt Arbeitslosigkeit eine Strafe, und sie wartet auf ihre Begnadigung, bzw. die Rückkehr an den Schreibtisch.

Montag, 18. Mai 2009

Saskatchewan... to boldly go where no Mager has gone before

Ein langes Wochenende zu Hause zu verbringen, ist bekannterweise ja nichts für uns. So haben wir uns diesmal, entgegen aller Warnungen (flach, langweilig, da gibt's doch nichts) für einen Roundtrip durch Süd-Saskatchewan entschieden.

Unseren ersten Picknick Stop machen wir noch in Medicine Hat, 'the Gas City' of Alberta, eine proppere Stadt von ca. 60,000 Einwohnern, deren Wahrzeichen ein überdimensionales Teepee ist.

Dann geht es südwärts in den InterProvincial Park Cypress Hills, eine Höhenkette, an der die Eiszeit vorbei'gerutscht' ist, und die daher mit 1,466m über dem Meeresspiegel auf den nächsten 5,000km gen Osten der höchste Punkt zwischen den Rocky Mountains und Labrador ist.



Entgegen populärer Annahmen: Dieses ist nicht der offizielle Eingang in die Nachbarprovinz. Wir haben uns für den Hintereingang durch den Provincial Park entschlossen.

Nicht umsonst ist Saskatchewan's Motto: Land of Living Skies. Die Provinz ist etwa doppelt so gross wie Deutschland und hat gerade mal eine Million Einwohner. Böse Zungen behaupten, der Himmel ist bevölkerter, als das Land. Wir finden es angenehm leer hier!


Die Prärie ist nichts für den verwöhnten Gaumen. Nach einer grauenvollen Pizza im Akropol (sogar Boston Pizza würde dagegen gut abschneiden...) übernachten wir in Swift Current in einem äusserst gepflegten Best Western Hotel. Am Morgen werden wir doch noch freudig überrascht: Das Frühstück ist im Preis inbegriffen und erstaunlich abwechslungsreich und gut.



Wir sind zwar noch nicht da, aber wir können ihn schon erahnen: den A. der Welt. Moose Jaw's Wahrzeichen ist Mac, der Elch, und viel mehr gibt es hier auch nicht zu sehen.


Eingeweihten wird Rouleau a.k.a. Dog River etwas sagen.
Hier wurde Corner Gas gedreht, eine urkanadische Sitcom, über das Leben, Lieben und Leiden an besagtem A. der Welt. Die Serie hat es auf stolze sechs Staffeln gebracht und das Bild von Saskatchewan in der kanadischen Öffentlichkeit deutlich verbessert.

An dieser Kreuzung erreichen wir - mitten im Nichts - das östliche Ende unserer Reise, dahinter ist nur noch unendliche Weite. Wir drehen ab in den Süden durch die Big Muddy Badlands, und steuern dann knapp vor der US-Grenze wieder nach Westen. Weiter geht es durch den Grassland Nationalpark und den Wood Mountain Regional Park.

Wir konnten wieder eine Vielzahl an Wildlife beobachten, darunter Rehe, Wapiti, Büffel, streunende Kojoten, Füchse auf der Pirsch, Waschbären, liebestolle Erdhörnchen, einen suizidgefähreten Fasan, einen verrückten Bordercollie (der im Wettrennen mit unserem Audi auf 55 km/h kam!) und leider als Roadkill einen Skunk und ein Stachelschwein. Aber besonders beindruckt hat uns dieses Tier: Es ist nicht Reh, nicht Steinbock, sondern eine Art Antilope. Das Pronghorn ist das zweitschnellste Landtier der Welt und kommt nur bestimmten Landstrichen Nordamerikas vor.



Unser treuer Audi gönnt sich nun nach knapp 2,000km eine Ruhepause in der Garage, und Roland wird nicht müde zu erwähnen, dass er ja nun alle Provinzen Kanadas besucht hat. Ja, alle zehn (plus ein Territorium - Yukon), auch wenn die Dienstreise nach Winnipeg in Manitoba seinerzeit nur ein Tagestrip war.

Fazit: Wer den Highway No. 1 verlässt, wird angenehm überrascht. Wer die Einsamkeit schätzt, Tiere beobachten will oder für den das Motto gilt: 'Der Weg ist das Ziel', der wird auch in Saskatchewan auf seine Kosten kommen. Uns hat es jedenfalls gefallen.

Montag, 11. Mai 2009

Es wird grün!

Die Regenzeit hat begonnen, und plötzlich fängt alles an zu spriessen. Endlich!

Samstag, 9. Mai 2009

Neuland

In den vergangenen Jahren haben wir Alberta touristisch ziemlich "abgegrast", und so wird es immer schwerer, Orte zu finden, an denen wir noch nicht waren. Diesmal haben wir uns für Lethbridge entschieden. Die einsame Fahrt durch die Prärie versetzt uns - wie immer - in einen zen-ähnlichen Status und ist bereits Erholung pur, so dass uns auch dunkle Gewitterwolken und gelegentliche Hagelschauer nicht die Laune verderben können.


Lethbridge ist mit 85,000 Einwohnern die viertgrösste Stadt der Provinz und verfügt sogar über eine
. Der Ort macht einen sauberen und etwas verschlafenen Eindruck. Auffällig ist der grosse Anteil von First Nations auf den Strassen, ansonsten scheint Lethbridge fast nur aus Weissen zu bestehen.
Ein Highlight ist sicherlich der vor über 100 Jahren gebaute stählerne Eisenbahnviadukt. Mit 1,624m Länge (Anm.d.Red.: die Müngstener Brücke zwischen Remscheid und Solingen ist im Vergleich 'nur' 465m lang) und fast 100m hoch erstreckt sich die Brücke über den Oldman River.



Donnerstag, 7. Mai 2009

Auf der Suche nach dem Frühling

Bragg Creek liegt etwa 20 Autominuten von uns entfernt und somit für Kurzausflüge immer wieder gut geeignet. Am Elbow River sind immer noch Spuren des vergangenen Winters präsent,

während es flussabwärts bei uns im Park schon etwas hoffnungsvoller aussieht.

Dennoch kann sich das Frühjahr 2009 noch nicht so richtig entschliessen, bei uns vorbei zu schauen.

Inzwischen hat unser Hausbiber sein neuestes Werk fertig gestellt:

Wer jedoch für dieses Kunstwerk - nennen wir es mal Baum-Mikado - verantwortlich ist, wissen wir nicht.

Dienstag, 5. Mai 2009

Vereinsmeierei

Immer wieder wird bei den Bewerbungsabfragen nach Berufs-, Chapter- oder sonstiger Vereinszugehörigkeit gefragt. So hat sich Sonja entschlossen, bei APICS Mitglied zu werden und dem lokalen Chapter beizutreten. Es handelt sich hier um eine Gesellschaft für Operations- Management, die u.a. auch über interessante (für Mitglieder verbilligte) Weiterbildungsmöglichkeiten verfügt.

In den besagten Networking Communities hat sie sich auf Online-Mitgliedschaften in der globalen Beschaffung konzentiert, und somit hoffentlich ihre potentielle virtuelle Sichtbarkeit erhöht. Sonja's Vorsatz für den nächsten Monat: Reduzierung der täglichen Online-Zeit auf maximal vier Stunden.

Derzeitiger Bewerbungsstatus:
22 Bewerbungen, die meisten als Initiativbewerbungen. Zu 15 gab es überhaupt kein Feedback, von 3 Unternehmen Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, 2 weitere Firmen lassen sie wissen, dass sie derzeit nicht einstellen, aber ihr Resume vorhalten wollten, und 2 Ablehnungen wegen mangelnder Industrie- bzw. Branchenkenntnisse.

Samstag, 2. Mai 2009

Hot Dogs? Oder Würste?

In Roland's Firma hat es ein kleines Grillfest gegeben aus Anlass von 90 Tagen ohne Arbeitsunfall. Dazu gab es Hamburger und Hot Dogs (kommt immer gut an). Roland hat mit geholfen, und beim Ausräumen des mit Fleisch, Salaten und Getränken gefüllten Kühlschranks hat er seinen Kollegen gefragt, ob er auch die Würste ("sausages") einpacken soll. Verwunderter Blick beim Kollegen. Roland zeigt auf die Hot-Dog-Packungen und wiederholt die Frage. Darauf der Kollege: "Das sind keine Würste, das sind Hot Dogs!" - Roland: "Aber Hot Dogs sind doch Würste!" - Kollege: "Nein, Hot Dogs sind Hot Dogs, Würste sind Würste!"

Nun entbrannte eine interessante Diskussion über dieses Thema. Die meisten Kanadier waren der Meinung, dass Hot Dogs nicht zur Familie der Würste zu rechnen sind, im Gegensatz zum Beispiel zu Bratwurst. Auch Rolands Versuch, seinen Standpunkt anhand der französischen Verpackungsbeschreibung ("saucissons") zu belegen, wurde abgeschmettert, denn "das ist ja französisch". Was wahrscheinlich bedeutet, dass Hot Dogs in Quebec Würste sind, in einigen Teilen New Brunswicks auch, im Rest von Kanada aber nicht.

Roland gibt seinen Kampf für die Würste aber so schnell nicht auf. Er hat unter Wikipedia nach geschlagen, und dort sind Hot Dogs eindeutig als Würste definiert. Er hat den link schon an seinen Kollegen geschickt. Die Diskussion wird am Montag fortgesetzt!