Donnerstag, 30. April 2009

Die Erde ist eine Scheibe

Flammarian Woodcut, Quelle Wikipedia
Auf CBC wird berichtet, dass Alberta offensichtlich ein Gesetz verabschieden will, mit dem Eltern das Recht erhalten sollen, ihre Kinder aus dem Schulunterricht zu nehmen, wenn dort Themen wie Religion, Evolution, Sexualkunde und sexuelle Orientierung behandelt werden. Damit soll das "elterliche Recht auf Erziehung" unterstützt werden und die Schulen haben die Verpflichtung, die Eltern zu informieren, wenn besagte Themen im Unterricht behandelt werden. Das hört sich für uns an wie ein Rückfall ins finstere Mittelalter: die Erde ist eine Scheibe und die Welt ist 6000 Jahre alt. Am besten schafft man auch gleich alle Fächer ab, in denen Politik, Geschichte, Rassen und alle Wissenschaften gelehrt werden. Verehrte Albertaner, im Moment gebt Ihr wirklich kein besonders gutes Bild ab. Das sind irritierende fundamentalistische Ansätze, und das in einer Provinz, die sich "Diversity" und Toleranz auf die Fahne geschrieben hat. Gebt doch den Kindern die Wahl, alles Mögliche zu lernen und und sich eine eigene Meinung zu den Dingen zu bilden, denn nur Aufklärung schützt vor Radikalismus und Rassismus. Wir sind fassungslos.
(Danke an Bianka für den Hinweis auf diesen Artikel.)

Einer von Vieren...

Die Schlagzeile im heutigen Calgary Herald bringt es auf den Punkt: Fast jeder vierte Beschäftigte in der Öl- und Gas-Service-Industrie in Alberta hat seinen Job verloren. Das deckt sich auch schon eher mit den Nachrichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Der Medienfokus lag bisher wohl eher auf der Downstream-Industrie, d.h. der Förderung fossiler Brennstoffe, und da sahen die Zahlen gar nicht so dramatisch aus. Zu keiner Zeit aber wurde der Upstream-Industrie Beachtung geschenkt, zu der sowohl Sonja's erster Arbeitgeber (Well-Servicing), als auch der letzte (Engineering, Procurement, Construction Services) zählen.

Sonja hat aus dieser Erfahrung gelernt und wird sich nun bei ihrer Jobsuche auf Unternehmen ausserhalb des Energiesektors konzentrieren. Ganz wohl war ihr in diesem Bereich sowieso nie. In Calgary ist das gar nicht so einfach, aber ein paar Branchen gibt es tatsächlich: Bankwesen, Gaststättengewerbe, Einzelhandel, Farmequipment und Consulting. Wollen wir mal hoffen, dass irgendwer ein kleines Einkäuferlein gebrauchen kann...

Dienstag, 28. April 2009

Erstrundenfluch

Zum vierten Mal in Folge (oder auch: jedesmal, seit dem wir in Kanada sind) ist für die Calgary Flames Schluss in der ersten Runde der NHL-Playoffs. Dieses Mal gab es eine klare Niederlage in sechs Spielen gegen die Chicago Blackhawks.

Irgendwie ist die Sache seit Jahren immer gleich. Wenn Iginla gut ist, sind die Flames gut. Ist er schlecht, läuft nichts. Und wenn Torhüter Kiprusoff einen schlechten Tag hat, gibt's die Bude voll. Und das passierte zuletzt leider häufiger. Zwischendurch gibt es unnötige Strafzeiten, blöde Schlägereien usw.

Für diese Generation von Flames war dies möglicherweise die letzte Chance auf einen grösseren Erfolg, die Mannschaft wird alt. Zeit für einen Neuanfang!

Sonntag, 26. April 2009

Fast Food Weekend

Wir haben ein echtes Fast Food-Wochenende hinter uns, können aber zu unserer Ehrenrettung anführen, dass das meiste selbstgemacht war...

Am Freitag hatten wir Alison und Manuel zu Besuch, und Roland hat eine Pizza gemacht (natürlich mit selbstgemachtem Olivenöl-Buttermilch-Teig). Am Samstag waren wir dann wirklich faul, denn es gab den Sirloin Burger von A&W; das reicht jetzt auch wieder für sechs Wochen...

Heute war Thomas da, und Sonja hat ihre berühmte Currywurst mit "Pommes Alison" (mit Öl besprühte gebackene Fritten) und frischem Krautsalat bereitet. Lecker!!!! Jetzt steht aber fasten an, und - für Roland - die Wiederaufnahme der regelmässigen Laufrunden, die ihn im letzten Jahr bis auf 97 kg herunter gebracht haben!

UNSER Alberta!



Nach all unserer Schimpferei: hier ist, was Alberta für uns ausmacht!

Samstag, 25. April 2009

Nachschlag zur Re-Branding Kampagne

Als wir die Frage stellten (Wem?): Was ist ein Albertaner? sehen wir einen WEISSEN Mann.

Wir begrüssen kulturelle Vielfalt. Nur sind auf den Snapshot aus dem Promo-Video alle Menschen WEISS.

Das sind Albertaner: Alle WEISS! Eine geschlossene Gesellschaft. Man könnte fast meinen, dass Video richtet sich mit Absicht an Menschen kaukasischer Abstammung.
Die müssen draussen bleiben: AlbertanerInnen aus Osteuropa, dem Nahen und Fernen Osten, aus Afrika oder den Americas, sozusagen der Rest der Welt. Das klingt nach "Alberta den Albertanern".
Echt gruselig!

Freitag, 24. April 2009

Die Slogans anderer Provinzen und Territories

British Columbia: Super, natural. Immer noch besser als das arrogante "The best place on Earth"
Alberta: ... siehe vorhergeganges Posting.
Saskatchewan: Land of living Skies. Catchy!
Manitoba: Unforgettable. oder Spirited Energy. Was immer das heissen soll.
Ontario: Yours to discover. Macht neugierig.
Quebec: Je me souviens. Nur an was? Auf der Tourismusseite gähnt uns aktuell entgegen: Providing emotions since 1534.
New Brunswick: Be... in this place. Oder was sonst?
PEI: The gentle Island. Warum nicht The friendly Island?
Nova Scotia: Come to life. Eine wirklich gelungene Rebranding-Kampagne.
Newfoundland: Lost... Found. Marketing at its best.
Yukon: Larger than life. Schon überwältigend, aber nicht Klassenbester.
Nunavut: Canada's Arctic. Das wissen wir auch so.
Northwestern Territories: Spectacular. Ja, und?

Verpasste Chance

Alberta hat ein Image-Problem: Der alte Slogan "The Alberta Advantage", RIP wurde ja kürzlich zu Grabe getragen, und der neue Slogan ist eine sinnlose Aneinanderreihung von positiv klingenden Wörtern, wie sie nur eine drittklassige Werbeagentur erschaffen kann:

Freedom to create, spirit to achieve.
Freiheit zu schaffen, Geist zu erreichen. Oder so. Häh?

Dazu ein pathetisches (cheezy and greasy) Video und eine noch üblere Website. Das Ganze hat den Steuerzahler 25 Mio Dollar gekostet. The Albertans are not amused, wie die Kommentare unter dem Globe and Mail Artikel belegen...

Als besonders irritierend wurde dieses Bild empfunden, welches ganz schnell wieder aus der Kampagne entfernt wurde:

An sich doch nett, oder? Nur zeigt der Hintergrund einen Strand in England, aufgenommen in der Nähe von Bamburgh in Northumberland... ah ja! Häh? Sind die Rockies, das Kananaskis, die Praries, die Badlands, Banff, Lake Louise, Waterton, Stampede nicht mehr gut genug? Ok, Alberta hat keinen Strand an sich, da land-locked, aber deswegen muss man doch keinen Strand (und schon gar keinen aus England) herbei"lügen".

Aber es zeigt, dass es wohl sehr schwer ist, eine Werbeaktion über ein Alberta zu machen, das in einer Identitätskrise steckt und mit der negativen Publicity durch die Ölsandförderung zu kämpfen hat. Diese "Persil"-Kampagne ist darauf ausgelegt, die Probleme von Trinkwasserverschwendung, Umweltverschmutzung und -zerstörung, von giftigen Rückständen, Tiersterben, CO2 Ausstoss bis hin zu erhöhtem Krebsrisiken einfach zu ignorieren. Schade, das Budget hätte vielleicht besser für Aufräumarbeiten im Norden und zum Umweltschutz verwendet werden sollen. Dazu ein kleines Low-Budget You-Tube Video, das zeigt: Alberta cares!

Solange die Provinz und ihr produzierendes Gewerbe Junkies fossiler Brennstoffe bleiben, wird man hier jedenfalls weder "freedom to create" noch "spirit to achieve" antreffen.

Auf der Blog Seite der Regierung hat man sich inzwischen wenigstens für die Verwendung des Strand-Fotos entschuldigt. Das Motto: Alberta, we screwed up. (Wir haben's verbockt.).

Unser Vorschlag lautet: ALBERTA. Rich by Nature. Das wäre doch ein Slogan, mit dem sich die Province identifizieren könnte.

Donnerstag, 23. April 2009

Networking

Neben der Durchsicht von Online-Stellenanzeigen, verbringt Sonja viel zu viel Zeit am Computer, um den Lebenslauf zusammen zu stellen und mich auf Networking-Seiten herumzutreiben. Ob es nun Facebook, LinkedIn oder Xing ist, ist jedermanns Geschmacksache.

Sie vertreibt sich die langen Stunden zuhause mit der Auffrischung alter Kontakte, knüpft neue Verbindungen und erhält auf diese Weise sogar einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Ihr ehemaliger Chef bei ihrem ersten Arbeitgeber in Calgary hat sie einem kleinen Mittelstandsunternehmen empfohlen, das einen Einkaufssachbearbeiter sucht.

So trifft sie sich also mit Rob, dessen erster Kommentar zu ihrem Lebenslauf ist, dass sie ja bereits über eine weitreichende Berufserfahrung verfüge, und daher wahrscheinlich für den verfügbaren Posten völlig überqualifiziert wäre. Sonja wäre lieber gewesen, er hätte sie das selbst beurteilen lassen. Im Verlaufe des recht kurzen Gesprächs wird ihr dann schnell klar, dass der gute Mann wohl die potentielle Konkurrenz fürchtet. Und folgerichtig erhält sie recht zügig eine Absage.

Mittwoch, 22. April 2009

Dolce far niente

Ein gelungener Mix war unser gestriges Ex-Kolleginnen-Treffen: Doina (Rumänien) in der Mitte, Neda (Iran) rechts und Sonja (Deutschland) links. Wir haben viel gelacht und hatten uns viel zu erzählen, denn jede kam gerade aus dem Heimaturlaub zurück. Unser Motto: Arbeitslos und Spass dabei.

Und nun: das Wetter

Während Sonja gestern noch mit Freundinnen downtown auf der Terrasse im River Cafe die Sonne genossen hat, schneit es heute mal wieder. Es scheint sich dabei jedoch um ein begrenztes Phänomen zu handeln, wie die Traffic Cams von AMA zeigen:

HWY 1 im Osten - nichts

HWY 1 im Westen - Whiteout

Statistik

Hier ein Auszug aus den Arbeitslosenstatistiken im März 2009. Unter den 61.000 Arbeitnehmern (davon 15.000 in Alberta), die im März ihren (Vollzeit-)Job verloren haben, wurde auch Sonja ein Teil dieser Statistik. Kanada's Arbeitslosenquote liegt nun bei 8.0%, die höchste Quote seit sieben Jahren. Alberta ist mit 5.8% noch weit unter dem Landesdurchschnitt, doch die Entlassungswellen gehen (gerade im produzierenden Gewerbe) weiter. Die besten Chancen auf Arbeit gibt es nach wie vor in den Prärieprovinzen Saskatchewan (4.7%) und Manitoba (5.1%). In den einschlägigen Job-Suchmaschinen ist derzeit jedoch ein Wachtumstrend in den Branchen Kreditinstitute/Banken, Fastfood-Restaurants (besonders die mit dem goldenen Doppelbogen) und auch Business Analyst/Unternehmensberatung zu erkennen. Interessant.

Dienstag, 21. April 2009

Arbeislosenstammtisch

Bisher ist es Sonja gelungen, zu einigen anderen Ex-KollegInnen Kontakt zu halten, die ebenfalls dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung gestellt wurden. Man trifft sich natürlich zur schönsten Zeit des Tages, da ja alle über ausreichend Tagesfreizeit verfügen.
Bisher hat hier keine(r) einen neuen Job in Aussicht. Diejenigen mit Migrationshintergrund haben die Gelegenheit genutzt, ihre Familien in der Heimat zu besuchen, andere machen sich auf dem Weg, und wandern in andere Provinzen (Saskatchewan, Manitoba, Ontario) ab, um dortige Arbeitsmöglichkeiten wahrzunehmen. Einige denken sogar schon über eine Rückkehr in die Heimat nach, und einer hat ein Jobangebot aus dem Oman, welches er wohl annehmen wird, auch wenn seine Familie hier in Kanada bleiben wird.

Montag, 20. April 2009

Nach einem Monat (F)unemployment

[Orga1.JPG]

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Manchmal eignet sich die englische Sprache einfach besser für Wortspiele. (F)unemployment führt von einer einer negativen Erfahrung in eine positive Sichtweise der Dinge. Sinnbildlich: Arbeitslos und Spass dabei.
Das funktioniert natürlich nur, solange man unabhängig ist, und keine Kinder, Hunde, Katzen, Kegel oder sonstige Verpflichtungen hat, einen bescheidenen Lebenstil führt (dort besteht vielleicht noch etwas Nachbesserungsbedarf) und am besten noch einen Verdiener (den Gatten) im Team hat.

Der Gatte arbeitet und der Staat zahlt Arbeitslosenunterstützung, doch was tut Sonja dafür? Wie beruhigt frau das schlechte Gewissen und kompensiert die Schuldgefühle, keinen Beitrag mehr zum Unterhalt und zur Gesellschaft zu leisten?

Also wird zunächst die Wohnung von oben bis unten geputzt, der Boden gewienert, die Fliesen geschrubbt und die Fenster auf Hochglanz gebracht. Danach werden sämtliche Schränke ausgemistet und zur Verärgerung des Gatten komplett reorganisiert.

Die populärste Frage der nächsten Tage wird: 'Schatz, wo finde ich denn jetzt den/die/das @#&*! (…)?' Das Ausmisten hat natürlich wieder für weiteren Schmutz gesorgt, der selbstverständlich beseitigt werden muss... ein Teufelskreis.

Ein weiteres Projekt ist die Papierablage. Die Datenbank muss auch mal wieder organisiert, die Fotos gesichtet und die Musik-Playlisten neu erstellt werden. Es gibt so viel zu tun... so vergehen die Tage.

Samstag, 18. April 2009

Happy Anniversary

Das fünfte Jahr unseres Kanada Abenteuers hat begonnen. Auch wenn wir durch Sonjas Arbeitslosigkeit inzwischen persönlich von der Rezession betroffen sind und es auch in Rolands Firma kriselt, sehen wir derzeit positiv in die Zukunft, denn wir hoffen, dass es sich nur um eine temporäre Talfahrt handelt, die sich spätestens 2010 wieder umkehrt.
Der bisherige Aufenthalt in Kanada erlaubt uns inzwischen, sich um die kanadische Staatsangehörigkeit zu bewerben. Gerade zur Erweiterung der beruflichen Möglichkeiten macht dieses Sinn, allerdings wollen wir uns dafür keinesfalls von der deutschen Staatsangehörigkeit trennen. Da Kanada die doppelte Staatsangehörigkeit jedoch akzeptiert, werden wir uns um die Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft bewerben und hoffen, dass man diesem Antrag stattgibt. Wir werden berichten.

Freitag, 17. April 2009

Unterwegs mit Huub

Auf der Rückreise nach Kanada, auf dem Flug von Düsseldorf nach Frankfurt, haben wir neben Fussballtrainer Huub Stevens gesessen, der seit Januar nicht mehr bei PSV Eindhoven tätig ist, und Roland hat sich natürlich gleich gefragt, was es wohl damit auf sich hatte. Offensichtlich ging es um ein Vorstellungsgespräch im süddeutschen Raum, also Karlsruhe? Passt nicht. Frankfurt? So schlecht sind die momentan nicht, dass sie einen Trainer suchen würden. Hoffenheim? Nee...

Des Rätsels Lösung: Red Bull Salzburg! Wir wünschen sowohl dem sympathischen Huub als auch den Salzburgern alles Gute, wäre schön, beide mal wieder in der Champions League zu sehen!

Bleibt noch ein letztes Rätsel: seit wann fliegen Fussballtrainer (selbst arbeitslose) in der zweiten Klasse?

Emergency Room

Calgary Herald's Kolumnist Don Braid beschreibt den Warte-Horror in der Notaufnahme. Seine Frau hatte im Foothills Hospital neun Stunden ohne Betreuung (nicht mal ein Glas Wasser, eine Liege, ein Schmerzmittel) auf Stühlen liegend im Warteraum der Notaufnahme verbracht, bevor sie behandelt wurde und appelliert an die Politiker, endlich etwas gegen diese "Dritte-Welt"-Zustände zu tun. Tatsächlich diskutieren diese #@&*! nämlich gerade weitere Kürzungen im Gesundheitssystem. Vielleicht müssen die Verantwortlichen erst einmal selbst in solch eine Lage geraten, bevor diese endlich das Ruder der MS Medicare herumreissen. Aber wie man die Herren (und Damen) kennt, haben diese sicher - wie wir - einen persönlichen Plan B (wann geht der nächste Flug in die USA?) in der Tasche.

Wir haben einmal ähnliche Erfahrungen vor zweieinhalb Jahren im Rocky View Hospital machen müssen. Die Eindrücke decken sich mit den Beschreibungen Don's, allerdings hatte Sonja wenigstens nach "nur" sechs Stunden ein Bett und hing am Tropf. Hat man es erst einmal bis dahin geschafft und (weitere zwei Stunden später) einen Doktor "gekrallt", ging von da aus alles in einem doch recht beruhigenden professionellen Gang. Dennoch, die Wartezeit zermürbt, vor allem wenn man vor Schmerzen und Panik nicht mehr ein noch aus weiss, und in einigen Fällen können Wartezeiten eben auch mit Folgeschäden oder sogar tödlich enden.

Mittwoch, 15. April 2009

Längst überfällig...





...ist der Bericht aus Deutschland. Alles grünt und blüht bereits und bietet unseren an weiss und grau gewöhnten Augen eine angenehme Abwechslung.
1.Stop Wuppertal

Diese Skyline dürfte bekannt sein.



Bei Tante Sigrid im Garten



Unterwegs mit Big und Ulli

Neben einiger Pflichttermine (Lyle Lovett Konzert, Friseur, Currywurst und italienisches Eis, Döner, Notar, Arzt) verbringen wir viel Zeit mit Familie und FreundInnen, und werden - wie immer - bestens kulinarisch verwöhnt. Leider erwischt Sonja dort dann auch die Grippe, so dass einige Tage Hausarrest angesagt sind, die unseren Terminplan etwas durcheinander werfen.

Bergische Impressionen


Roland's Mama mit Zweitwagen



Familienfoto
Auch dieses Mal kommt die Frage nach einer Rückkehr nach Deutschland auf, denn die Nähe zu Freunden und Familie ist halt unersetzlich. Aber dann hören wir dort von Kündigungen, von Mobbing und unbezahlten Überstunden, von Stress und Burn Out. Die Fussgängerzonen sind voller Menschenmassen und das Verkehrsaufkommen ist nach wie vor nervenaufreibend hoch. Die Medien setzen auf Zweckpessimismus, um die Existenzangst der Deutschen zu schüren, statt Vertrauen in die Zukunft zu schaffen. Der oft graue Himmel und die schwülwarme Luft drücken auf die Stimmung. Wir beginnen, die multikulturelle Vielfalt zu vermissen und sehnen uns nach dem gemächlichen Tempo Calgary's und der entspannten und positiven Einstellung der Kanadier, nach dem blauen Himmel Albertas und der klaren Luft. Nein, es ist zu früh, über eine Rückkehr nach Europa nachzudenken, aber wir kommen gern wieder "auf Urlaub" nach Deutschland und lassen uns dann nach Strich und Faden verwöhnen...
pixy

Mensch und Tier

Unzählige Tierliebhaber machen es vor: in den privat finanzierten Tierkliniken wird jetzt sogar Bestrahlung gegen Krebs angeboten. Die Wartezeiten in den Animal Hospitals ist kurz und der Service wird 24/7 angeboten. Die Menschen sind also offensichtlich bereit, viel Geld für ihre Haustiere auszugeben.
Uns stellt sich daher wieder mal die Frage, warum es hier immer noch nicht möglich ist, dass auch der menschliche Patient mehr für eine verlässliche und zeitnahe medizinische Versorgung ausgeben darf (es sei denn, für kosmetische/dentale Behandlung). Einen Spezialisten zu konsultieren, dauert in Calgary nach eigener Erfahrung etwa drei Monate oder länger, in Deutschland waren es nicht mal zwei Wochen... Gut ist, dass die USA im Ernstfall um die Ecke liegt, da genügt es, mit der Kreditkarte zu winken und man wird verarztet... schlecht ist allerdings, dass man in einem hochentwickelten Land wie Kanada überhaupt an ein solches Szenario denken muss.

Dienstag, 14. April 2009

Service Canada... Schlange stehen war gestern

Nach Sonja's Rückkehr aus der Heimat, wo es laut Berichten im Familien- und Freundeskreis auch nicht besser aussicht, beantragt sie nun offiziell Arbeitslosenunterstützung beim kanadischen Arbeitsamt. Da die bisherigen Arbeitgeber die Beiträge direkt online abgeführt hatten, hat sie die Möglichkeit, einen Zugangscode bei Service Canada anzufordern und den Antrag online zu auszufüllen. Diese PIN trifft tatsächlich innerhalb einer Woche ein.
Die vergangenen Urlaubswochen werden selbstverständlich als 'abwesend' eingetragen, also gibt es auch kein Geld. Da ihr Arbeitgeber netterweise noch das Urlaubsgeld ausgezahlt hatte, bekommt sie auch die nächsten zwei Wochen noch kein Geld, da dieses als 'Einkommen' mit zur Berechnungsgrundlage gezählt wird.

In Kürze erhält sie, ohne je einen Schritt ins Arbeitsamt gemacht zu haben, alle zwei Wochen ein kleines Arbeitslosengeld, welches abhängig vom Durchschnittseinkommen der letzten 26 Wochen berechnet wird. Alle zwei Wochen ist ein Online- oder Telefonreport fällig, bei dem die Bereitschaft zur Suche und Aufnahme einer neuen Tätigkeit, bzw. Nebeneinkünfte - falls vorhanden - abgefragt wird.

Die Beiträge zur kanadischen Arbeitslosenversicherung sind sehr gering. Hat man für ein Jahr erst einmal den Höchstbetrag eingezahlt, gibt es keine weiteren Gehaltesabzüge. Der Nachteil: Egal welchen Verdienst man vorher mal hatte, maximal werden nicht mehr als 400$ die Woche ausgezahlt. Nicht viel, wenn man z.B. davon eine Miete bezahlen und eine Familie ernähren muss. Anrecht auf Pogey (Canadian Slang für Arbeitslosenunterstützung) hat hier aber jede(r), der in die Versicherung eingezahlt hat, unabhängig vom Familienstand oder Einkünften des Partners.