Samstag, 28. Februar 2009

Stephen says... Update

Wir hatten ja bereits im Januar die Chronologie seiner Wahrnehmung aufgezeichnet. Inzwischen hat Kanada's Premier Stephen Harper angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen (213.000 in den letzten drei Monaten, davon 129.000 - fast alle Vollzeitstellen - im Januar 2009, Arbeitslosenquote 7.2%) zugegeben, dass sein Land in die Rezession abgerutscht ist, und daher wird er wohl dieser Tage auch mal ein ökonomisches Stimuluspaket auf den Weg bringen.

Stephen says: "The reason this government has proposed such a massive economic plan and such a massive deficit spending stimulus is our anticipation of significant
economic challenges including significant job losses in the year to come."

Und wer Schuld an der ganzen Misere hat, ist auch klar: Unsere Nachbarn südlich der Grenze. "The United States remains the epicentre of this particular crisis and this remains very troubling," said Harper.

The Alberta (Dis-)Advantage

Plötzlich und unerwartet verstarb diesen Monat der Slogan: Die Alberta Überlegenheit (Der Alberta Vorteil, der Alberta Pluspunkt).

Was bleibt übrig, nun da der Provinz die (einzige) Einkommensquelle (Öl und Gasförderung und deren Service Industrie) wegbricht? Genau: Nicht viel! Denn in Alberta wurde versäumt, auf die Diversifizierung der Industrien zu setzen.

Damit werden wir uns wohl auch bald von den Vorteilsargumenten Albertas trennen müssen: Höchster Lebensstandard, niedrigste Steuern, höchste Einkommen und niedrigste Arbeitslosenzahlen.

Die "strong and vibrant economy" entwickelt sich gerade zur schwächlichen Zitterpartie. Die "young, skilled and productive workforce" wird arbeitslos, geht zurück nach Hause (Workpermit-Inhaber, Kanadier aus anderen Provinzen) oder wandert weiter.
Die "affordable living costs" kann man sich nicht mehr leisten, da das Haushaltseinkommen gerade rapide schneller sinkt, als die Lebenshaltungskosten.
Der "strong commitment to innovation and knowledge-based progress" und
die "highly entrepreneurial and competitive business community" hat sich mit seiner Beschränkung auf die Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe selbst ein Bein gestellt.
Derzeit nicht hilfreich, aber dieser Vorteil existiert noch: Die "business-friendly province committed to responsible regulation" ist immer schon unternehmerfreundlich gewesen, und hat die Vorschriften immer sehr flexibel (nicht immer zum Vorteil der Umwelt) ausgelegt.
Die Provinz hat sogar mit "modern and efficient infrastructure" geworben, was soviel heisst wie: Ja, wir haben auch asphaltierte Strassen. Denn der öffentliche Nahverkehr ist ein Witz, und es gibt immer noch keine Zugverbindung zwischen Calgary und Edmonton, von der medizinischen Notversorgung ganz zu schweigen.

Nun reduziert sich die Provinz wieder auf das, was immer schon die Alberta Advantage - aber nicht die seiner Einwohner - war:
"An abundance of natural resources" = Ja, hier gibt es fossile Brennstoffe.

Währenddessen sitzt der von den Ereignissen überrollte - nun arbeitslose - Eingeborene in seinem Millionen-Dollar-Haus (dessen Wert stündlich sinkt), trauert um den bevorstehenden Verlust seines europäisch geprägten Fuhrparks, seines Bootes und der Zweitvilla in BC und betet: Lieber Gott, lass den Ölpreis wieder auf $100.00 steigen, damit wir weiterhin ein gutes und sorgenfreies Leben führen können.

Doch es gibt einen Lichtblick: Alberta wird sich wohl dank seines
"beautiful natural environment" (Rockies, Badlands, Prairies) wieder auf das gesund schrumpfen, was es vor ein paar Jahren noch war: eine bescheidene Prärieprovinz mit den wirtschaftlichen Schwerpunkten Ackerbau, Viehzucht und Tourismus.
Vielleicht entdeckt sogar die "
highly entrepreneurial and competitive business community" eines Tages, dass es hier viel Wind und Sonnenlicht für die kommerzielle Vermarktung alternativer Energiequellen gibt.

Auf dieses neue Alberta freuen wir uns schon! Der neue Slogan: Alberta, the green Advantage! Klingt doch gut, oder? Vielleicht finden sich zwischenzeitlich ein paar nature loving, tree hugging liberals aus BC oder Ontario, die den konservativen Eingeborenen hier ein wenig Entwicklungshilfe leisten können.

Freitag, 27. Februar 2009

Survival Guide für Arbeitslose

Auch wenn Sonja viele Jahre Erfahrung im Beruf gesammelt hat, Arbeitslosigkeit ist neu und ungewohnt für sie und kratzt am Ego. Um nicht in die Spirale von Frustration und Depression abzurutschen, hat sie sich also ein paar Grundregeln zurecht gelegt:

1. Abstand gewinnen und erstmal auf Reisen gehen.
2. Arbeitslosengeld beantragen.
3. Routine aufrecht erhalten und einem Tagesplan folgen: morgens mit dem Gatten aufstehen, 2h Haushalt, max. 4h Internet, 3h Aktivitäten ohne elektronische Medien wie z.B. Leute treffen, Lesen oder Sport.
4. Lebenslauf auf den aktuellen Stand bringen.
5. Netzwerk auf- und ausbauen und mit Ex-Kollegen, Ex-Chefs und Geschäftspartnern in Kontakt bleiben, um ggfs. auf Referenzen zurück greifen zu können.
6. Kosten analysieren und falls nötig Sparmassnahmen ergreifen.
7. Etwas Neues ausprobieren oder lernen, falls es das Budget zulässt.

Das Leben geht weiter, hauptsache frau ist gesund und der Gatte hat Arbeit. Aber sag' das mal einer Workaholic.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Schöne Aussichten

... auch wenn man dieses nicht für die derzeitige Arbeitsmarktsituation sagen kann, denn der Bedarf kleinen Einkäuferlein ist derzeit eher begrenzt, aber bei dem Blick aus dem Fenster hält sich auch der beste Frust nicht lange. So können in Ruhe Pläne gemacht und neue Möglichkeiten erwogen werden.

If life throws you a lemon - make lemonade.
Joan Collins

Dienstag, 17. Februar 2009

Vertreibung aus dem (Arbeits-)Paradies

Wenn's am schönsten ist, soll man gehen, oder wie in diesem Falle: muss frau gehen. Ganz unerwartet kommt die Entlassung ja nicht. Seitdem das Projekt auf Eis liegt, haben auch die letzten drei Einkäuferlein nicht wirklich noch etwas zu tun, und dementsprechend sind heute wieder Pink Slips (die übrigens weiss waren) verteilt worden.
Also wird sich Sonja wohl ab April 2009 - zum ersten Mal in ihrem 25-jährigen Berufsleben - arbeitslos melden müssen. Schade! Das war mal ein Job, in dem wirklich alles gestimmt hat: das Unternehmen, der Chef, die KollegInnen, das Umfeld und sogar die Tätigkeit selbst. War ja klar, dass diese heile Arbeitswelt nicht lange Bestand haben konnte. So beenden wir dieses Posting mit einer weiteren Platitüde: Wenn sich eine Tür vor uns schliesst, öffnet sich eine andere. Hoffen wir mal, dass es sich dabei um die Eingangstür eines neuen Arbeitgebers handeln wird.

Kündigung oder: Sonja gets the boot

Da glaubt man nun, dass man für einen soliden Arbeitgeber mit Langzeitprojekten arbeitet, und stoppt der Kunde sein Milliardenprojekt und so eine Entscheidung kostet mal eben einige tausend Arbeitnehmer den Job.
Die erste Kündigungswelle rollt bereits im Dezember letzten Jahres an, eine zweite schwemmt im Januar diesen Jahres die nächsten Kandidaten auf die Strasse, gefolgt von einer (wie man sagte 'letzten') Entlassungswelle im Februar. Falsch gedacht, im März geht es weiter und diesmal ist Sonja auch mittendrin, statt nur dabei.

Man erhält eine Email, sich um eine bestimmte Zeit im Besprechungszimmer einzufinden, um das entsprechende Schreiben entgegenzunehmen und den Erhalt abzuzeichnen. Die Überschrift der Nachricht lautet übrigens: Wg. Weiterbeschäftigung. Da hat wohl jemand Sinn für Ironie.

Eins muss man der Firma lassen, die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen, im Vergleich mit anderen Unternehmen recht kulant, denn oft passiert es, dass die Kandidaten bei Entlassung direkt einpacken mussten und ohne die Möglichkeit, sich verabschieden zu können, vom Firmengelände geführt wurden. Wenn Sonja zu dem Zeitpunkt gewusst hätte, wie qualvoll langsam (mangels Arbeit) diese Zeit vorbei gehen würde, hätte sie wahrscheinlich auch um eine schnellere 'Exekution' gebeten.

Montag, 16. Februar 2009

Fort McLeod

Fort McLeod
Fort McLeod

Letzten Sommer, als Sonja's Mädels da waren, haben wir auf dem Weg zum Waterton National Park einen Zwischenstop in Fort McLeod gemacht. Dort waren gerade eine stattliche Anzahl von Oldtimern unterwegs. Einer davon stand äusserst fotogen vor dem Greyhound Bus Depot...

Sonntag, 15. Februar 2009

Alberta sucht deutsche Fachkräfte (?!)

Eine völlige Überraschung offenbarte der Calgary Herald heute mit seiner Schlagzeile, dass die Provinz Alberta - inmitten rasch ansteigender Arbeitslosigkeit - Mitarbeiter zu Jobmessen nach Leipzig und Essen schickt, um neue Arbeitskräfte zu rekrutieren. Dies ist insbesondere deshalb erstaunlich, da gerade ausländische Arbeitskräfte, und dort speziell Inhaber von Work Permits, die ersten sind, die entlassen werden, wenn es nicht so gut läuft.

Wir nehmen an, diese Reise ist seit einem Jahr geplant, und da die guten Regierungsangestellten ja nicht so oft die Möglichkeit bekommen, auf Staatskosten nach Europa zu reisen, hat man geflissentlich vergessen, diese Termine zu canceln. Wahrscheinlich wird jetzt aber ein solcher Aufschrei durch die Provinz gehen, dass nun "selbstverständlich" die Reise storniert wird...

Revisited - Part 2

Absolutes Highlight der Ost-Kanada Reise: Neufundland!

Samstag, 14. Februar 2009

Revisited - Part 1

Ein erster Versuch mit Picasa. Unser Urlaub in den Maritimes im September 2008. Im ersten Teil Nova Scotia, PEI und New Brunswick.

Freitag, 13. Februar 2009

Schluss. Aus. Ende.

In dieser Woche veranstalteten wir im Aufrag unseres Klienten in den Lieferantengesprächen juristische Wortspiele um die Themen Reduzierung, Annullierung, Stornierung und Terminierung. Das macht wirklich keinen Spass! Einziger Lichtblick ist die Aussicht auf ein langes Wochenende. Heute ist für Sonja ein DDO (designated day off) und Montag ist Family Day. Viel Zeit, die angestauten Aggressionen bei einem vorgezogenen Frühjahrsputz loszuwerden...

Mittwoch, 11. Februar 2009

Fries with that?

... oder genauer: einen Dodge Caliber? Beim Händler in Cochrane gehen nämlich die Pickup-Trucks gerade weg wie warme Hamburger, da man beim Kauf eines Trucks einen Caliber umsonst dazu bekommt. Da hat man wenigstens noch einen Zweitwagen zum Bierholen, für den Fall, dass dem Prärie-Kanadier (politisch korrekt für: Redneck) mal wieder dieses Malheur passiert, wie im Herbst auf der Powderface Road beobachtet ;-)

Samstag, 7. Februar 2009

Tantrum

Diese Footage ist auf dem Weg zum "House-Sitting" bei unseren Freunden entstanden. Die langgezogenen Flure in unserem Wohnblock haben ja schon immer an das Overlook-Hotel aus dem Film Shining erinnert...



Aber keine Sorge! Bisher ist uns das Cabinfever, in welchem Jack Torrance (Nicholson) axtschwingenderweise seine Familie durch verlassene Hotelflure jagt, noch erspart geblieben. Das mag u.a. daran liegen, dass uns der Chinook hin und wieder mal mit warmen Temperaturen überrascht, aber vielleicht auch, dass wir jeden Morgen flüssigen Sonnenschein in Form eines frisch (vom Gatten) gepressten Grapefruit-Orangen-Zitronensaft zu uns nehmen, und wir uns immer noch und immer wieder an diesen Eindrücken in unserem "hauseigenen" Park erfreuen können.


Mittwoch, 4. Februar 2009

Da war'n es nur noch Drei

Diese Woche ist die Kündigungswelle für März eingeläutet worden. Die Abteilung schrumpft weiter... Die Einkäufer (in Sonja's Company) sind derzeit haupsächlich mit Terminverschiebungen, Stornierungen, Aus- und Umlagerung von Halb- und Fertigwaren und Schadensbegrenzung im Allgemeinen beschäftigt. Langsam wird die Luft dünn.

Die Arbeitslosenzahlen in Alberta steigen (wenn auch moderat) weiter. Im Januar wurden 5,700 Stellen gestrichen, die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 4,4%, in Calgary selbst bei 4,1%. Im Vergleich zu anderen Provinzen stehen die Chancen, einen anderen Job zu finden, augenscheinlich noch ganz gut.

Montag, 2. Februar 2009

Neue Eiszeit?

Fotoquelle: Reuters

Seit 123 Jahren schaut die nordamerikanische Welt nun schon am 2. Februar, dem Murmeltiertag a.k.a. Jour de la Marmotte a.k.a. Groundhog Day gespannt nach Punxsutawney, Pennsylvania, um von einem Nagetier namens Phil zu erfahren, wie lange der Winter noch dauern wird. Dieses Jahr hat das haarige Orakel seinen Schatten gesehen und sich daraufhin wieder in sein Loch verkrochen, die kalte Jahreszeit bleibt uns also noch mindestens weitere sechs Wochen erhalten (Ach was?). Wenigstens ein guter Grund, heute abend mal wieder den gleichnamigen Film mit Bill Murray einzuwerfen.



Lieblingszitat: Phil (Bill Murray) "...people freezing their butts off waiting to worship... a rat."

Eine Eiszeit der anderen Art bietet die derzeitige Arbeitsmarktsituation in Alberta. Wir haben es zu tun mit:
Budget Freeze = Haushaltssperre
Salary Freeze = “Nullrunde”
Hiring Freese = Einstellungsstopp
Overtime Freeze = unbezahlte Überstunden
Discretionary Spending Freeze = Alles was Spass macht, ist gestrichen.
Und der Brain Freeze (selbsterklaerend) sorgt dann zusätzlich für die in Konzernen üblichen von Aktionismus geprägten kurzfristigen Sparmassnahmen wie Zentralisierung und Kurzarbeit (OHNE Unterstützung vom Arbeitsamt, man arbeitet ja schliesslich “freiwillig” weniger).