Sonntag, 25. Januar 2009

Ein kanadischer Trauergottesdienst

Gestern machten sich Roland und Freundin/Nachbarin/Kollegin Alison auf den Weg nach Okotoks zu der Beerdigung der Frau unseres Chefs, die letzte Woche ihrem Krebsleiden erlegen war. Ein trauriger Anlass, wieder etwas neues über Kanada zu lernen...

Die brandneue Kirche in Okotoks ist schön und sehr geräumig. Neuere kanadische Kirchen sind aufgrund ihrer Bauart nicht mit deutschen Kirchen vergleichbar, die ja im Normalfall sehr viel älter sind. Backsteinkirchen sind hier sehr selten, meist sind die Gebäude aus dem selben Material wie normale Häuser, nur die Architektur inklusive angedeutetem Glockenturm weist sie als Kirchen aus. Wegen der häufigen Kälte gibt es im Gebäude einen grosszügigen Versammlungsraum, bevor man in den eigentlichen Gottesdienstbereich kommt. Die Kirche fasst 1,200 Menschen und war für diesen Anlass zwei Drittel(!) gefüllt.

Die Familie ist katholisch, deshalb war es für uns nicht überraschend, dass der Gottesdienst einem deutschen Trauergottesdienst sehr ähnlich war. Allerdings merkte man dem Pfarrer (hier "Brother" genannt) deutlich an, dass er die Verstorbene gut kannte, denn die Familie ist sehr aktiv im Gemeindeleben tätig. Dementsprechend war in seiner Andacht schon sehr viel Emotionalität. Der grösste Unterschied zu einem deutschen Gottesdienst war die Musik, die deutlich moderner klang und von einer kleinen Band mit Chor dargeboten wurde.

Als wir dann nach der Eucharistie dachten, das ganze sei vorüber und wir seien mit ein paar weggedrückten Tränen davon gekommen, kam unser Chef mit seinen zwei Kindern nach vorne, und der zwanzigjährige Sohn hielt eine Lobrede auf seine Mutter, bei der keiner der Anwesenden die Tränen zurückhalten konnte. Danach verabschiedete sich unser Chef von seiner Frau, und der Direktor der Schule, in der sie gearbeitet hat, bot einige (auch lustige) Erinnerungen dar. Zum Abschluss wurden Fotos aus ihrem Leben gezeigt, dann wurde der Sarg aus der Kirche geleitet.

Wir waren sehr beeindruckt und emotional berührt. Einen solchen Trauergottesdienst haben wir noch nicht erlebt, wir wurden allerdings auch von einigen Kanadiern bestätigt, dass dies selbst für kanadische Verhältnisse sehr ungewöhnlich war. Im Versammlungsraum der Kirche gab es zum Abschluss Kaffee, Kuchen und Sandwiches, während der engere Kreis der Familie zur eigentlichen Bestattung (bei -20 Grad) fuhr.

Ein Erlebnis, dass einen noch eine Weile verfolgen wird...

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