Sonntag, 30. November 2008

Ein Hauch von Broadway

... wehte über den Campus der Universität, als im Jubilee Auditorium das Musical Hairspray aufgeführt wurde. Sonja hatte die Tickets zu der (wahrscheinlich) ausverkauften Veranstaltung von einer Kollegin geschenkt bekommen.
Eigentlich machen wir uns nicht ja so viel aus Theaterstücken, in denen die Protagonisten unvermittelt in Gesang ausbrechen, aber die Aufführung war wirklich gelungen, das Bühnenbild geschickt gemacht, die Darsteller spritzig und das Publikum dementsprechend hingerissen. Jep, es hat sich gelohnt, das gelobte heimische Sofa am Samstagabend zu verlassen. Danke, Doina!
Calgary, minus 4 Grad, die Luft ist trocken, ein leichter Nordwestwind... und die Frisur sitzt.


Samstag, 29. November 2008

Aufregung in Ottawa

Nach dem doch ziemlich langweiligen kanadischen Wahlkampf und dem noch langweiligeren Wahlergebnis vor einigen Wochen (eine weitere Minderheitenregierung der Konservativen) kommt jetzt doch endlich Spannung auf in der kanadischen Politik! Mit der offiziellen Begründung, der konservative Premier Harper hätte die drohende Rezession kleingeredet und keine Schritte dagegen unternommen, wird es wohl in den nächsten zwei Wochen einen gemeinsamen Versuch der Liberalen und der linksgerichteten Neuen Demokraten geben, die frisch gewählte Regierung zu stürzen. Der Bloc Quebequois steht dem ganzen anscheinened wohlwollend gegenüber, so dass die Konservativen offensichtlich tatsächlich nervös werden. Zumindest zieht Harper jetzt alle Register und hat eine mögliche Vertrauensfrage zunächst einmal verschoben.

Der wahre Grund für diesen Vorstoss der zwei eigentlich ziemlich verfeindeten Mitte/links-Parteien liegt aber wohl in der Absicht Harpers, das Parteien-Finanzierungssytem zu ändern. Im Moment erhält jede Partei 2$ pro Wahlstimme aus der Staatskasse, Harper will zurück zu einem Spendensystem. Offenbar gefällt dies den linksgerichteten Parteien nicht besonders.

Ob der Plan auf geht, steht allerdings in den Sternen. Nach der schweren Wahlniederlage im Oktober hat der Chef der Liberalen, Dion, seinen Rücktritt im nächsten Mai angekündigt. Und der Mann soll jetzt Premier werden? Das kann sich niemand so richtig vorstellen. Die Liberalen müssen also schnellstens ihre Hausaufgaben machen und mit einer neuen Führungspersönlichkeit um die Ecke kommen, wenn sie Harper wirklich gefährlich werden wollen!

Montag, 24. November 2008

Stampeders sind Champions


Photo: Calgary Herald

Die Calgary Stampeders haben zum sechsten Mal den Grey Cup, die kanadische Football-Meisterschaft gewonnen. Canadian Football wird - laut vertrauenswürdigen Quellen - nach etwas anderen Regeln gespielt als American Football, aber für uns sieht das ziemlich gleich aus.

Obwohl das Finale gegen Montreal ein echtes Auswärtsspiel im dortigen Olympiastadion war, und trotz eines zwischenzeitlichen 3:13-Rückstandes gelang den Stampeders am Ende ein 22:14-Erfolg. Ein Riesending hier in Calgary!

Donnerstag, 20. November 2008

Did you see the light?


Video einer Polizeiwagen Dashboard-Cam in Edmonton

Heute um halb sechs Uhr abends hat es den Himmel über ganz Alberta erleuchtet und wohl auch die Telefonleitungen erglühen lassen, da es hunderte von besorgten und neugierigen Anrufen bei der Polizei oder bei Funk- und Fernsehsendern gegeben hat. Noch rätselt man, ob es ein Ufo, ein Satellit oder ein Meteor gewesen sein kann. Erste Erklärungsversuche hier, hier und hier.

Mittwoch, 19. November 2008

MitarbeiterIn des Monats

Nichtsahnend, dass es die Firma mit dem ur-amerikanischen Ritual der Belobigung verdienter MitarbeiterInnen sehr ernst meint, hatte Sonja einen kleinen Sonderauftrag ausserhalb ihres normalen Arbeitsumfangs übernommen. Anschliessend gab es ein 'Good Job!' vom Chef und das war's... dachte sie. Ein paar Tage später hat sich dann das Management im Rahmen des Abteilungs-Meetings mit einer gerahmten Danksagungsurkunde und einem Geschenkgutschein für den besonderen Einsatz bedankt. Da machen die Sonderaufgaben doch gleich noch mehr Spass.

Mittwoch, 12. November 2008

Yes.We.Can.

In diesem Beitrag auf CBC The Gospel of Green wird das Potential Kanadas für Alternativ-Energien analysiert. Nicht überrascht hat dabei, dass man als Vorbild Deutschland herangezogen hat und den europäischen Al Gore Hermann Scheer zu Wort kommen lässt.

Doch Kanada hat durchaus eigene Pioniere der grünen Energie.
Der Hersteller von Solarzellen ARISE hat allerdings mangels lokaler Nachfrage kurz vor dem Konkurs nach Bischofswerda 'rüber gemacht.
In der Fahrzeugindustrie lässt noch der Elektrowagen ZENN hoffen, welcher derzeit aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht im eigenen Land verkauft werden darf. Aber Kanada und Offshore Windkraftwerke? Das bleibt ein Kampf gegen Windmühlen.

Während in Deutschland mit Steuervorteilen und Förderungsmitteln für den Einsatz umweltfreundlicher Energien geworben wird, sind weder die kanadische Regierung, und noch weniger die kanadische Energie-Industrie daran interessiert, dass diese Konzepte erfolgreich werden. Kanada kann schon, will aber (noch) nicht.

Congrats!

In Sonja's Firma gab es in dieser Woche anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums eine gross angelegte Multimedia-Präsentation mit Konferenzschaltung zu allen Sateliten-Büros und Zweigstellen. Leger gekleidete, hochrangige Vertreter des Managements (sicher bei Steve Jobs abgekupfert), ausgestattet mit Head-Set Mikrofonen, gaben einen Rückblick auf 2008 ("Good Job!") und stellten dann die (nicht so tollen) Aussichten für das Jahr 2009 vor. Nebenbei gab es (natürlich) wieder etwas zu essen.
In der alten Welt hat man für Traditionsunternehmen gearbeitet, die bereits ihr 125-jähriges oder 100-jähriges Jubiläum hinter sich bringen durften, doch im jungen Nordamerika sind 25 Jahre bereits eine verdammt lange Zeit, und das wird auch entsprechend zelebriert.

Welcome to the Real World

Im April 2005 haben wir begeistert vom Benzinpreis in Calgary berichtet. Damals waren es 0.85$ in einem wachsenden Markt. Inzwischen ist der Liter fossilen Brennstoffes wieder für um die 0.80$ zu haben. So schön das für den Endverbraucher ist, es ist leider auch ein Anzeichen, dass die Rezession in Kanada Einzug hält. Denn viele, mit der Ölförderung verbundene Projekte werden nun verzögert, und durch fallende Immobilienpreise und geringere Nachfrage sind auch viele Bauprojekte ausgesetzt worden. Für 2009 wird ein Wegfall von etwa 100.000 Arbeitsplätzen und ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7.2% prognostiziert. Im Vergleich dazu spricht man in Deutschland vom Wegfall von ca. 35.000 Jobs und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7.9%. Nur hier in Kanada erhalten die Betroffenen keine 18 Monate Kurzarbeitergeld, und Inhabern von Workpermits kann es passieren, dass sie mangels Beschäftigung das Land verlassen müssen.

Sonntag, 2. November 2008

Weckmänner



Da Halloween ja so etwas ähnliches ist wie in Deutschland St. Martin (Kinder gehen von Haus zu Haus und bekommen Süssigkeiten), dachten wir, es wäre doch mal wieder nett, einen Weckmann, Stutenkerl, Hefekerl oder wie er in den verschiedenen deutschen Gegenden auch heissen mag, zu backen. Roland besorgte alle nötigen Zutaten, Sonja erledigte das Backen. Natürlich mussten wir auf die Pfeife / den Bischofsstab verzichten, denn solche Utensilien gibt's hier unseres Wissens nicht. Lecker! Einer geht an Alison als Dank für die Inspiration (Sie braucht dafür nicht mal zu singen...).

Aber damit hörte unsere Fleissarbeit nicht auf. Rolands Kollege David brachte einen grossen Sack Gala Äpfel mit, aus denen Roland im Schweisse seines Angesichtes köstlichen Apfelkompott und -saft gemacht hat.


Apathie ist langweilig!

Es gibt unter unseren Blog-Lesern vereinzelt auch KritikerInnen, die finden, wir schreiben viel zu viel Negatives über Kanada und sollten doch wieder nach Deutschland gehen, wenn es hier nicht passt.

Nun, subjektiv gesehen stehen wir unserem Gastland wie auch unserem Heimatland sehr positiv gegenüber. Echt ehrlich! Beide Länder haben Stärken und Schwächen, aber in beiden Ländern kann man sehr gut leben. Dass heisst aber nicht, dass man hüben wie drüben alles kritiklos hinnehmen muss.

Daher der Hinweis: Wem die Ironie oder Sorge in manchen Themen entgeht, über die wir schreiben, darf jederzeit von seinem Wahlrecht des Nichtweiterlesens Gebrauch machen.

Womit wir beim Thema “Wahlen” sind:

In den Medien, auf Polit-Blogs, aber auch im Gespräch mit unseren Freunden und Kollegen scheint das Wahlergebnis in Kanada es wieder bewiesen zu haben: Zitat einer Kollegin: “We are an apathetic nation filled with lazy people.”
Mit der niedrigsten Wahlbeteiligung aller Zeiten wird das Land weiter von einer konservativen Minderheitsregierung geführt, die weiterhin nach dem kölschen Konjunktiv regiert: Das hätten wir eigentlich dieser Tage gemacht haben wollen.
Wie sagt Don Martin in seiner Kolumne so treffend: “…a lethargic electorate is the Conservatives' best friend.”

Was sagt uns das? Ist “Der Kanadier” an sich apathisch, unverbindlich, oberflächlich und gibt jedem anderen ausser sich selbst die Schuld an der Misere? Ja, genauso so wie “Der Deutsche” an sich ein schlecht gelaunter Besserwisser ist, der im Übrigen auch bei jedem anderen ausser sich selbst die Schuld sucht. Hoch leben die Gemeinsamkeiten.

Selbsterkennung ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung, der zweite ist Aktion. Zeitgemäss hat man für die jungen (Nicht-)Wähler eine gute Webseite bereit gestellt, die vielleicht bei den nächsten Wahlen für eine höhere Wahlbeteiligung der Jugend (bis 30) sorgen wird: Apathie ist langweilig



Im Gegensatz zur recht spärlichen, da langweiligen, Berichterstattung der Medien über die Wahlen in Kanada, sind die Wahlen in den USA übrigens tägliches Hauptthema und Gesprächsthema in unserem Umfeld. Auch wir haben eine Meinung dazu, und hoffen, dass unsere Nachbarn am Dienstag das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen. Quelle Dipdive


Samstag, 1. November 2008

Sonnenschein pur

Wir haben gehört, in Deutschland hat es bereits den ersten Wintereinbruch gegeben. Für den Fall, dass es hier jemanden interessieren sollte... Wir haben heute den 1. November, mittags und es ist 14 Grad plus.