Mittwoch, 27. Februar 2008

Murder Central

270 Morde sind in den letzten 16 Jahren in Calgary verübt worden. Und mit zunehmender Bevölkerungsdichte scheint die Anzahl der Verbrechen ebenfalls stetig anzusteigen . Falls man also vorhat, nach Calgary zu ziehen, sollte man sich auf dieser Karte vergewissern, dass man sich die richtige Wohngegend aussucht. Downtown, Beltline und Inglewood im Stadtkern nehmen einen Grossteil der Statistik ein, allerdings ist auch im Osten der Stadt eine Konzentration von Gewalttaten zu beobachten. Der Süden scheint vergleichsweise “sicher” zu sein, im Westen fällt noch besonders der Stadtteil Bowness durch eine hohe Opferzahl auf.

Samstag, 23. Februar 2008

Innere Gelassenheit vs. deutsche Schlager

Wir hören ja so gut wie nie Radio in Calgary, denn die Radiolandschaft hier ist schlichtweg unerträglich mit Classic Rock und Country auf allen Kanälen. Stattdessen läuft unser ipod im Dauerbetrieb auf Random, selbst im Auto oder im Büro.

Heute morgen, beim Brötchen holen, hatte Roland seinen ipod allerdings vergessen und zappte sich deshalb durch das Autoradio, als er plötzlich von einem Schlagersänger auf Deutsch angesungen wurde. Wie schön doch Jamaika sei mit seinen langen Sandstränden, den schönen Mädchen und den tollen Reggae-Rhythmen (der Song selber war seltsamerweise im 4/4-Takt): "..und mit einem kleinen Fischerboot segeln wir ins Abendrot!" Kurz bevor Roland das Bewusstsein verlor, war das Lied zu Ende und eine Sprecherin las - mit deutlichem Akzent - zehn Regeln zur Erlangung innerer Gelassenheit vor: "Tu etwas Gutes und erzähle niemandem etwas davon" oder "Tu etwas, wo Du gar keine Lust dazu hast, und halte es durch" oder "Vertrau in Gott, auch wenn die Situation es nicht rechtfertigen sollte". Nachdem sie damit fertig war, kündigte sie an: "Und jetzt kommt Katja Ebstein mit 'Wein nicht um mich, Argentinien'".

Um Roland's innere Gelassenheit war es damit geschehen, aber zum Glück war er gerade beim Bäcker angekommen...

Freitag, 22. Februar 2008

Calgary ist Weltmeister!

... im Reparieren und Austauschen von Windschutzscheiben! Keine Stadt der Welt hat eine solche Dichte von Autoglas-Werkstätten wie Calgary. Einhunderfünfundneunzig (195) solcher Werkstätten gibt es in der Einmillionenstadt - in Greater Toronto mit seinen 5 Millionen Einwohnern gibt es 60. Statistikfanatiker Roland errechnet daraus eine 16 mal höhere Dichte an Werkstätten in Calgary!

Der Grund dafür liegt im Streuen mit Kies, der bei niedrigen Temperaturen und wenig Schnee offenbar für den besten Halt auf den Strassen sorgt. Da fliegen einem dann an den ersten wärmeren Tagen schon einmal nussgrosse Steinchen in die Scheibe, hochgeschossen vom Vordermann oder vom Truck auf der Nebenspur. Wenn es dann wieder kalt wird, macht es "krack" und aus dem kleinen Katscher wird ein riesiger Riss, der durchaus die gesamte Scheibe abdecken kann. 70% aller Schäden werden übrigens auf dem Deerfoot-Trail verursacht, unserer legendären Nord-Süd-Achse.

Mitte Mai beginnt normalerweise das Spring-Cleaning, dann werden die Strassen ausgiebig gereinigt. Trotzdem finden sich immer wieder Steinchen, die einem um die Ohren fliegen... Wir haben momentan drei Risse in unserer Scheibe, in ein paar Monaten werden wir sie auswechseln lassen. Und dann hoffen, dass die Scheibe bis zum nächsten Winter hält...

Mittwoch, 20. Februar 2008

Wähl mal wieder!

Irgendwie, irgendwo, irgendwann wird immer irgendwer für igendwas gewählt. Anfang März ist wieder so ein Termin: Provinzwahlen. Die Parteien sind ihren deutschen Pendants nicht nur in Aussage (welche Aussage?) und Inhalten (braucht man die?) recht ähnlich...

Im Angebot haben wir diesmal:

- Die Liberals (Slogan: IT'S TIME) mit den Kernzielen Verbesserung des Gesundheitsweses, Reduzierung von Treibhausgasen und Versprechungen zu Investitionen ins Bildungswesen
- Die Greens (Slogan: HAPPIER, HEALTHIER, WEALTHIER), logischerweise mit Entwicklung sauberer Alternativenergien, Verbesserung des Gesundheitswesens und Wirtschaftswachstum (aha?)
- Die Alberta Party, Konzept unklar, Slogan beunruhigend: "To protect and promote the best interests and freedoms of Albertans."
- Die Social Credit, der Name klingt nach Geldinstitut, politische Richtung unklar, Slogan: R U READY? Gegenfrage: What for?
- Die National Democrats (Slogan: ON YOUR SIDE) mit Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, ist familienorientiert und gewerkschaftsfreundlich (in Alberta? Unmöglich!) und Befürworter umweltfreundlicher Energien.
- Die Communist Party, keine Webseite, der Name ist wohl genug Programm.
- Die Separation Party, die hätten sich auch direkt "Redneck Party" nennen können: Alberta for Albertans, Ottawa sucks and WTF is Kyoto?
- Die Wildrose Alliance (Slogan: TODAY, TOMORROW, TOGETHER), Konzept bei den Liberalen abgeschrieben oder umgekehrt.
- Und last but not least die derzeitige Regierungspartei: die Progressive Conservatives, der Name ein Oxymoron, der Slogan CHANGE THAT WORKS (aber nur mit uns, den progressiven Konservativen!), Konzentration auf Wirtschaftswachstum, Investition ins Gesundheits- und Bildungswesen, Alternativenergien... kommt einem irgendwie bekannt vor.

Wie in Deutschland hat man also auch hier in Kanada die echte (Qual der) Wahl!

Tag der Muttersprache

Morgen, so wird auf der Internetseite der Tagesschau berichtet, ist Tag der Muttersprache. Da wir diese hier nur unzureichend pflegen, haben wir uns der Frage des Tages gewidmet und darüber sinniert, welche Ausdrücke zu unseren persönlichen Lieblingswörtern gehören. Neben (völlig naheliegenden) Begriffen wie Ferien, Gesundheit und Einkommenssteuerrückerstattung kommen einem noch ganz unzusammenhängende Dinge in den Sinn: Roland favorisiert die "Schnabeltasse", Sonja's Lieblingswort ist "Regenbogen". Was sagt das nun tiefenpsychologisch gesehen über uns aus? Genau! Wir haben einfach zuviel Zeit. (Im Übrigen auch ein sehr schönes Wort!)

Total Eclipse of the...Moon


Foto:
Wikipedia

Besser als Fernsehen! Der Blick (vom Sofa aus) in den sternenklaren Abendhimmel zeigt heute eine wunderschöne, totale Mondfinsternis, die nächste gibt es hier erst wieder Dezember 2010. Kein astronomisches Highlight, aber doch immer wieder faszinierend.

Montag, 18. Februar 2008

Freitag, 15. Februar 2008

Pulling a P.

Es war einmal vor langer Zeit im fernen Heimatland… da gab es in unserer beruflichen Vergangenheit einen Vorgesetzten, der von uns sehr geschätzt wurde und von dem wir viel gelernt haben, der aber eine nicht immer ganz einfache Persönlichkeit besass. Mit ihm geführte Diskussionen endeten oft mit der eigenen Schlussfolgerung, dass man für den Job eigentlich viel zu blöd ist, denn der Mann war einem nicht nur geistig immer drei Schritte voraus (was die Kommunikation und das Verständnis für die Sache schon einmal verkomplizieren konnte), sondern behielt mit seinen Aussagen auch noch (fast) immer Recht.

Unsere heutige Zusammenarbeit mit kanadischen KollegInnen erinnert uns manchmal an diese Zeiten, mit dem Unterschied, dass wir uns heute schon mal in der Situation wieder finden, in der unser Ex-Chef damals war. Und wenn denn einer dieser Tage damit endet, dass wir unsere werten KollegInnen mit ihrer Unfähigkeit konfrontieren, an der Vermittlung von Sachverhalten verzweifeln oder unsere Mitarbeiter auf wiederholte Fehler aufmerksam machen müssen, mit der Aufforderung diese doch bitte abzustellen, dann sprechen wir davon, “einen P.” gemacht zu haben…  

Aufgrund des uns wohl angeborenen autoritären Tonfalls endet dieses dann so manches Mal vor dem Personalchef oder sogar vorm Geschäftsführer, da sich die harmoniebedürftigen Eingeborenen gern über den Stil der Ausübung konstruktiver Kritik beschweren. Bloody arrogant German Jerks we are! Und wer ist schuld? Herr P. natürlich!

Bei dieser Gelegenheit senden wir herzliche Grüsse nach Aachen!

Donnerstag, 14. Februar 2008

Valentinstag

...wird hierzulande als grosses Ereignis gefeiert. Man trägt zur Feier des Tages rote Klamotten, schickt seiner Liebsten Blumen ins Büro und/oder lädt sie abends zum "Valentine-Dinner" ein. Die Restaurants bieten zu diesem Zweck spezielle Menues an, die anzunehmenderweise ziemlich überteuert sein dürften, aber was tut mann nicht alles, um seiner Pflicht nachzukommen? Roland jedenfalls hat nicht viel getan, und so hat er von Seiten seiner Kolleginnen Gruppendruck erfahren: "Keine Blumen? Kein Dinner? Irgendwas musst Du aber tun!"

Kollege Igor musste sowieso zu costco (um Blumen zu kaufen), also vergewisserte sich Roland noch einmal bei Sonja bezüglich der richtigen Handlungsweise. Antwort: "Komm mir bloss nicht mit Blumen nach Hause!" Was also tun? Die Lösung fand er dann tatsächlich bei costco: die gesamte Classic-Serie von Star Trek mit Kirk & Co auf DVD! Die Kolleginnen waren amüsiert, Sonja hat sich riesig gefreut. Und darum geht's doch beim Valentine Day, oder?

Samstag, 9. Februar 2008

Ein Hoch auf unseren Audi!

Nachdem wir ja nun die ersten wirklich kalten Tage dieses Jahres hinter uns haben, wollen wir uns jetzt einmal bei unserem Audi dafür bedanken, dass er uns bislang so sicher durch den Winter gebracht hat. Selbst bei Temperaturen um -30 Grad springt er sofort an, und auf Strassen, auf denen andere Autos wegen der Glätte kaum in Fahrt und schon gar nicht um Kurven kommen, merken wir kaum etwas davon. Beim Bremsen auf glattem Untergrund steigt sofort das ABS ein, und das bei perfekter Spurtreue. Das Fahren im kanadischen Winter würde richtig Spass machen, wenn die anderen Autofahrer nicht wären...

Beim amerikanischen Superbowl gab's übrigens einen neuen Werbespot für den Audi R8, allerdings muss man ein Fan des Paten sein, um ihn zu verstehen.

Sonntag, 3. Februar 2008

Berufliche Neuorientierung?

Wenn der Job zu langweilig, nicht gut genug bezahlt oder die Arbeitslast zu schwer wird, besucht man eine der einschlägigen Jobmessen, stellt seinen Lebenslauf ins Internet oder bewirbt sich aktiv selbst. Vorstellungsgespräche lassen meist nicht lange auf sich warten, und es können sich oft interessante Möglichkeiten eröffnen. Eine dieser Optionen warb im besonderen damit, dass man arbeiten kann wann, wie lange und wo man möchte. Quasi selbstständig, aber ohne die damit verbundenen Nachteile. Für Kundenacquise, Abrechnung, Krankenversicherung und andere Benefits ist gesorgt. Das verlockende Jobangebot flatterte ins Haus und liess einen schon schwach werden... die Papiere waren schon fast unterschrieben, als der potentielle Arbeitgeber anfing, Referenzen einzuholen (thanks for your support, Michal), unter anderem auch beim derzeitigen Arbeitgeber. Dieser machte darauf hin sofort ein Gegenangebot: Gehaltserhöhung, mehr Urlaub und die Zusage auf mehr Mitarbeiter. Wer kann dazu schon Nein sagen. Zwei neue Kollegen sind bereits eingestellt, die Lohnverbesserung gab es direkt mit der nächsten Abrechnung und der Urlaub wird für Deutschland verplant. Ein Arbeitgeberwechsel ist somit erst einmal aufgeschoben...

Freitag, 1. Februar 2008

Plakatwerbung

Überall in Calgary findet man diese, nach Osten ausgerichteten Reklametafeln:








Die Aktion wirbt für ein ausgeglicheneres und stressfreieres Leben in der maritimen Provinz, für die absolute Work-Life-Balance. Wir haben uns überlegt, was das wohl bedeutet, denn wir haben ja hier in Alberta schon nicht wirklich Stress...
Dahinter steckt eine clevere Kampagne, die natürlich Arbeitskräfte abwerben und besonders abgewanderte Nova Scotians wieder heim ins Land bringen will. Mehr darüber gibt es hier.