Sonntag, 31. Dezember 2006

Heimaturlaub oder... zu Gast bei Freunden und Familie


Die Weihnachtsfeiertage haben wir im Kreise der Familie verbracht. Bereits am Frankfurter Flughafen war klar… hier laufen die Uhren anders. Keiner hatte Zeit zu lächeln, es wurde gerempelt und gedrängelt, Deutschland, eh!?! Am Schalter von Budget wurden wir dann positiv überrascht. Trotz unserer vorhergehenden Reservierung gab man uns einen günstigeren Tarif. Servicewüste? Wohl doch nicht! Die deutschen Autobahnen haben wir nicht vermisst. Mit gemütlichen 120 km/h zockelten wir gen Heimat. Der kanadischen Verkehrserziehung sei Dank hatten wir ein entspanntes Fahrerlebnis in unserem brandneuen Opel Meriva (nie von gehört, aber ganz nett). Dann begann unser Event-Marathon:
• Begrüßungsrunde durch unser Heimatdorf
• Fußballspiel unter Freunden, bei dem Bert seine Sehnen opferte
• Feijoada à la Christa, eine exzellente Kürbissuppe (wir brauchen noch das Rezept) und jeden Morgen Croissants und frisch ausgepresster Orangensaft
• Enttäuschender Ausflug zum Saturn in Köln, dem ehemaligen Musik-Paradies
• James Bond auf Deutsch, für synchronisierte Filme sind wir wohl aber auf Lebenszeit verdorben
• Frauenshopping mit Mom
• Ein 'echter' Friseurtermin, Handwerk ist eben doch was wert!
• Besuch im 'Flipper-Museum' der Kanada-Fans, Familie E. aus N. bei M.
• Frauenabend mit bester Freundin in Wuppertal
• Weihnachtsmarkt bei Glühwein und Currywurst (das tat gut!) in Wuppertal
• Umzug nach Essen (Danke, Bruda!), wo es den besten Milchkaffee gibt
• Ex-Kollegen-Besuch in Ratingen
• Frauenbrunch in Wuppertal
• Heiligabend: klassisch mit Fondue und selbstgemachten Saucen in Essen
• 1. Feiertag: Feier im Kreise von Rolands Familie in Leichlingen
• 2. Feiertag: Mutters berüchtigtes Sieben-Gänge-Menü in Wuppertal will bewältigt werden
• 3. Feiertag: Nie wieder essen! Notartermin, Einkäufe und Abschiedsbesuche bei Freunden in Leverkusen.


Nach 13 Tagen und 1.550 km durch das Rhein-/Ruhrgebiet sind wir zurück in Frankfurt und auf dem Weg nach Toronto.

MITBRINGSEL
Neben all den kulinarischen Genüssen, die wir vor Ort erleben durften, hat man uns natürlich wieder mit den üblichen Leckereien versorgt: Lakritze, Miracoli, Schokolade, Marzipan, Joghurtgums, Kluntje, Tee, Wein, Nutella usw. Unsere Koffer platzten aus allen Nähten und das Übergewicht sollte uns noch in Schwierigkeiten bringen. Denn damit hört es nicht auf… Für Sandra in Toronto gab es Schwarzweißfilme, für Suppenkochs Kinder holten wir Strumpfhosen aus Leverkusen, Christiane bekommt ihre homöopathische Medizin, Simone gelüstet es nach Puddingpulver und einer Brand Eins Zeitschrift, für Norberts Elsässer Edelbrand und deutschen Wein für die kanadischen Freunde hat der Platz dann leider nicht mehr gereicht.

TORONTO
Wenn wir schon über Tronna (= Toronto für Nicht-Kanadier) fliegen müssen, können wir ebenso gut einen Zwischenstopp einlegen. Gesagt, getan! In zwei Tagen wurde noch einmal geshoppt (hey, schließlich ist Boxing Week und überall locken Rabatte und machen Marken wie Roots, Timberland, Levis erschwinglich), Downtown zu Fuß erkundet (Muskelkater und Blasen an den Füßen), die sympathische Einwandererfamilie Kluge getroffen (nochmals vielen Dank und viel Spaß beim Fotografieren), und die Niagara Fälle und das pittoreske Niagara-on-the-Lake besucht.
Leider glich das Wetter eher dem, was wir aus Deutschland gewohnt waren. Statt Schnee gab es nebliges Grau, Schneegriesel und schlappe minus 1°C. Daher haben wir den Aufenthalt im Westin Harbour Castle inklusive des hervorragenden Frühstücks-Buffets besonders genossen. Nur einmal in dieser wunderbaren Zeit gab es Stress: nämlich beim Einchecken nach Calgary. Unsere Koffer hatten ca. 15kg Übergewicht, und durften so nicht mit, Vorschrift ist Vorschrift! Packmaterial wurde uns freundlicherweise gestellt und so packten wir mit hochroten Köpfen am Schalter unsere Klamotten um.


 Eaton Center
 Ein Mann für alle (Niagara)Fälle
Eistropfen

Vielen Dank an die ganze Familie und unsere Freunde, die uns bewirtet und verwöhnt haben und unseren Aufenthalt in der Heimat zu einem genussreichen und stressfreien Erlebnis werden ließen. Wir kommen wieder, das habt Ihr nun davon!

Ein Frohes Neues Jahr, Ihr Lieben!

Donnerstag, 14. Dezember 2006

A Merry Chrismukkah!

Letzten Samstag waren wir auf der gelungenen Weihnachtsfeier (wahlweise Jahresendfeier für die Nicht-Christen) von Sonja's Company. Es ist immer wieder toll zu beobachten, wie Menschen verschiedener Herkunft, Rasse und Kultur friedlich und glücklich miteinander nicht nur arbeiten, sondern auch feiern können. Entgegen kanadischer Tradition (ab 22 Uhr ist normalerweise Schluss mit lustig) wurde bis nach ein Uhr morgens durchgemacht... das Buffet war schon lange abgebaut, die Kellner hatten inzwischen die Tische abgeräumt und zu trinken gab es auch nichts mehr, abgesehen von mitgebrachtem chinesischen Reisschnapps, der unter dem Tisch herumgereicht wurde.













Am Sonntag waren wir - mal eben - in Edmonton (650km hin und zurück), um den Suppenkoch und seine Familie im neuen Haus zu besuchen. Es war dort wesentlich kälter als in Calgary und es lag mehr Schnee. Natürlich wurden wir professionell bekocht: Frischer Wirsing mit Kassler, genau das Richtige für dieses Wetter. YUMMY!
Montag Abend haben wir Cliff's Eltern und Schwester vom Flughafen abgeholt. Natürlich hatte die BA eine Stunde Verspätung, so dass wir im geliehenen Minivan (dank Carmina's Eltern) nonstop zum Krankenhaus gedüst sind, damit die Familienzusammenführung noch innerhalb der Besuchszeiten erledigt werden konnte. Cliff war jedenfalls happy. Anschließend haben wir die Newtons zu seinem Appartment chauffiert, und sie mit einem Mobiltelefon und einem Carepaket für's Frühstück ihrem Schicksal überlassen. Am Dienstag wurden die Engländer bereits nach den ersten Kilometern auf Calgary's Straßen von der Polizei angehalten, weil sie falsch abgebogen waren. What the heck is wrong with those Brits? They always get in trouble, anywhere...
Nach den vielen Ereignissen der letzten Tage und Wochen nehmen wir uns nun eine Weihnachts-Auszeit! Wir wünschen Euch besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr und bedanken uns ganz herzlich für Euer Interesse und das tolle Feedback. Stay tuned!

Freitag, 8. Dezember 2006

Monopoly


Kanada's geheime zweite Währung, der Cash Bonus Coupon von Canadian Tire, oder auch als eingetragenes Warenzeichen: Canadian Tire Money
In der Tat kann man damit natürlich bei Kanada's Antwort auf den OBI einkaufen gehen, tanken oder sogar bei Ebay mitsteigern, denn CTM gehört hier zu einer der 12 zugelassenen Zahlungsmethoden. Jeder Kanadier hat wenigstens eine Schublade voller bunter Scheine für den Notfall... wir haben nachgefragt.
Direkt an der Kasse gibt es auch eine Spendenbox für den Fall, dass man in Geberlaune ist...

Montag, 4. Dezember 2006

Magers rasendes Immigranten-Taxi

Samstag ist Roland mit Dragan, Cliff’s Vermieter, ins Kananaskis gefahren, um Cliff’s Auto abzuholen, das dort seit seinem Abenteuer am Upper Kananaskis Lake auf sein Herrchen wartete. Die Eigentümer einer Tankstelle hatten sich freundlicherweise in der Zwischenzeit des verwaisten Fahrzeuges angenommen. Dragan passte das ganz gut, denn sein Jetta war gerade in der Werkstatt, und Cliff hatte ihm angeboten, dass er solange den Subaru benutzen könnte. Nach eineinhalbstündiger Fahrt fanden Roland und Dragan die Tankstelle, übernahmen die Autoschlüssel, starteten den Wagen und freuten sich, dass er sofort ansprang. So weit, so gut! Wenn Dragan nicht noch den Drang nach einem Zigarettchen verspürt und bei laufendem Motor die Wagentür von außen zufallen gelassen hätte. Es scheint nämlich eine Eigenart des Subarus zu sein, auf solche Verstöße mit sofortigem Verschließen aller Türen zu reagieren… So standen wir ratlos vor einem verschlossenen Auto mit laufendem Motor. Rein zufällig kam ein Park Warden des Weges, und die sind ja (glaubt man) technisch sehr versiert. Ein kurzer Blick auf den Wagen, und der Warden winkt ab: „Keine Chance, da rein zu kommen!“ Dann stutzt er:  „Ist das nicht der Wagen von dem Kerl, der die Nacht draußen verbracht hat?“ „Ja!“  „Wie geht’s ihm?“ „Besser! Es sieht so aus, als könnte er seine Zehen behalten. Wir schimpfen ihn aber täglich einen Idioten, damit er auf dem Teppich bleibt.“ „Gut so, macht das weiter!“ Zum Abschied richtete er dann trotzdem seine Grüße und gute Besserung aus. Wurde weiter gegeben! Die Lösung des Problems war schließlich der AMA (der kanadische ADAC), in dem Cliff glücklicherweise Mitglied ist. Es dauerte ein Weilchen, aber schließlich kreuzten nach zwei Stunden die kanadischen gelben(?) Engel auf und erlösten Dragan. Unterdessen waren wir schon wieder in Calgary unterwegs zum Flughafen, um den nächsten Koch in Kanada willkommen zu heißen und ihn an seine neue Wirkungsstätte in Bragg Creek zu bringen. Gute Köche sind hier wirklich gefragt, und wir freuen uns über jeden, der die kanadische Küche bereichert! Als Belohnung winkt uns demnächst ein Dessert, das ist nämlich seine Spezialität! Welcome to Canada, Ray(mund)!
Überraschend gut gegessen haben wir neulich dank eines Insidertipps von Prairiegirl im Palomino Smokehouse in Downtown, dessen Spezialität die Zubereitung von Gerichten auf Apfel- und Kirschholz ist. Dazu werden “waffenscheinpflichtige” Knoblauch-Pommes serviert. Yummy! Nicht so toll war, dass wir Zeugen eines Polizeieinsatzes wegen einer Drogenrazzia wurden, aber so etwas ist leider in dieser Ecke der Stadt zur Tagesordnung geworden. Die Polizeipräsenz ist in diesem Viertel entsprechend hoch.
Cliff's Zehen sind immer noch nicht über den Berg, aber wenigstens haben sie die Farbe gewechselt... Ist das gut? Wir wissen es nicht, und die Ärzte wollen noch kein entgültiges Urteil fällen. Die nächsten vier Wochen ist ihm der Krankenhausaufenthalt jedenfalls sicher. In der kommenden Woche werden wir daher seine Familie am Flughafen (wir haben inzwischen schon eine Dauerkarte im Parkhaus) abholen, damit er mal ein wenig Abwechslung in seinem “Einzimmerwohnklo” bekommt.
Ein Wort zur Politik: King Ralph hat abgedankt. Wir haben einen neuen Premier in  Alberta! Am Samstag wurde der Nachfolger für Ralph Klein gewählt, und völlig überraschend machte der krasse Außenseiter Ed Stelmach das Rennen, wohl begünstigt von einer nicht immer freundlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Favoriten. Wenn zwei sich streiten… Stelmach wird als neuer Premier am 15. Dezember eingeschworen. Hoffentlich lässt er bald ein paar Ed-Bucks rüberwachsen!