Montag, 27. November 2006

Nippy (frisch...draußen)

Heute morgen waren es im Büro “warme” 13°C, da am Wochenende offensichtlich die Heizung ihren Dienst verweigert hatte. Bei den Außentemperaturen hatte es dann auch bis 10 Uhr gedauert, eine arbeitsfreundliche Umgebungstemperatur von etwa 19°C zu erzeugen. Bis dahin hat man sich eben am Teebecher festgeklammert und warme Gedanken gemacht. Das war gar nicht so einfach, denn der Blick nach draußen ging in eine menschenleere weiße Wüste, in dem der nordwestwind-gepeitschte Schnee waagerecht fiel. Und auf dem Parkplatz hängt das Auto an der Steckdose (= block heater), damit es bei diesen Temperaturen auch noch anspringt. Im Wetterbericht heißt es entsprechend: Wind chill warning for City of Calgary continued. Der Nordwind bringt eine gefühlte Temperatur von -42°C. Pretty cold, eh!

Sonntag, 26. November 2006

SNAFU

Jeden Tag ein neues Wort bringt uns der Wordbutler. Heute gab es bezeichnenderweise SNAFU
Definition: a bad situation
German translation: SNAFU = Situation Normal All Fouled Up - total durcheinander oder „in die Hose gegangen“.
Bezeichnenderweise deshalb, weil wir uns gerade auf dem Weg nach Banff befanden, da wir mit Freunden im Banff Springs Hotel zum Brunch verabredet waren, als uns die Notfallambulanz im Kananaskis anrief. Unser Freund Cliff hatte gestern die blendende Idee gehabt, bei -20°C eine Wanderung zu unternehmen, allein und ohne sich bei der Parkaufsicht anzumelden. Das Wetter verschlechterte sich, es wurde dunkel, er verlief sich und hat die Nacht bei etwa -25°C im Freien verbracht, was ihn fast das Leben gekostet hätte. Wir dramatisieren hier nicht!!! Cliff baute sich ein Behelfslager aus Tannenzweigen, und hielt so im Halbschlaf bis zur Morgendämmerung durch. Er fand den Weg zurück, wurde von einem Paar aufgegabelt, von diesen notversorgt und sofort in die nächste Ambulanz gefahren. Seine Ausrüstung hat ihn vor dem Schlimmsten bewahrt, doch er hat Erfrierungen an den Füßen davongetragen, und erst in den nächsten Tagen wird sich herausstellen, welche Konsequenzen das noch haben wird.
Das Buffet konnten wir aufgrund dieser schlechten Nachrichten natürlich nur bedingt genießen, obwohl es ausgezeichnet war und das Ambiente dieses traditionsreichen Hotels besonders bei Schnee und Eiseskälte zur Geltung kam.



Gerade kommen wir aus dem Krankenhaus zurück, Cliff hält sich tapfer (er ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte mit Erfrierungen in diesem Winter sein, und in der Burn Unit des Foothills Hospitals sind sie für diese Fälle bestens gerüstet), und erträgt das ganze mit typisch britischem schwarzen Humor. Gute Besserung, you bloody stupid moron!

Sonntag, 19. November 2006

A Licence to bake!

Am Freitag erhielten wir eine Email vom „Schwarzwälder Gerd“, der mit seiner Familie auf einer Farm mit Backstube, der Crusty Bread Farm in Olds, lebt und am Samstag auf einem Weihnachtsbasar in Calgary deutsches Brot und Käsekuchen verkaufen würde. Wir konnten der Gelegenheit natürlich nicht widerstehen und haben stapelweise Brote eingesammelt! Da Gerd beim Durchstöbern unserer Homepage offensichtlich über Sonjas Vorliebe für Käsekuchen gelesen hatte, hatte er uns sogar noch einen solchen zurückgehalten (der war nämlich ruckzuck ausverkauft gewesen). Oh, war der lecker!!! Bei dieser Gelegenheit haben wir einen wunderbaren Zeitgenossen kennengelernt, der offensichtlich ohne Schlaf und Urlaub auskommt, denn er ist Farmer, Bäcker und Schlosser in einer Person. Seine Geschichten haben uns daran erinnert, dass es nicht für alle Kanada-Immigranten so glatt läuft, wie wir es erlebt haben. Dennoch, er glaubt an seinen Traum von Kanada und will nie wieder weg! Das Rosinenbrot wurde direkt am Sonntagmorgen 'vernichtet', nur mit etwas gesalzener Butter genossen. Eine willkommene Abwechslung im Frühstücksspeiseplan. 
Abends sind Cliff und Roland in den neuen Bond gegangen, und Roland war angenehm überrascht. Die Produzenten sind der Richtung von „Batman begins“ gefolgt und haben aus einer völlig überzeichneten Comic-Figur einen ernst zu nehmenden Charakter gemacht. Es ist Bond’s erster Einsatz, und dementsprechend macht er trotz/wegen seines Egos einige Fehler und Fehleinschätzungen. Seinen Vodka-Martini entwickelt er erst während des Films, und auf das berühmte „Mein Name ist Bond, James Bond“ muss man bis zum Filmende warten. Es gibt es keinen Q, keine Moneypenny, keine Superspielzeuge, keine größenwahnsinnige Superschurken, keine lakonischen Sprüche in Richtung frisch gekillter Bösewichte, allerdings auch keine wirklich nennenswerte Handlung... Trotzdem der beste Bond seit „Licence to Kill“!

Sonntag, 12. November 2006

Ein Suppenkoch in Alberta

Heute hatten wir lieben Besuch von einer Leverkusener Familie, die sich im Oktober mit Workpermit nach Edmonton aufgemacht hatte. Sie haben ihr Restaurant in Deutschland, in dem es leckere Eintöpfe gab (unsere Favoriten waren damals Möhrencreme- und Linsensuppe), aufgegeben, da ihm hier ein Job als Chefkoch angeboten wurde. Mal eben 300 km nach Süden, nur um uns zu treffen, und am gleichen Tag wieder zurück. Entfernungen spielen eben hier keine große Rolle mehr... Man hatte sich viel zu erzählen, die Zeit verging wie im Fluge und der Gegenbesuch ist auch schon geplant. Die Söhne beschäftigten sich unterdessen mit Roland's Flugsimulator und haben ihm anschließend auch noch beigebracht, wie dieser professionell zu bedienen ist.
Vielen Dank für die mitgebrachte Linsensuppe! Das morgige Abendessen ist somit gesichert!

Samstag, 11. November 2006

Brazilfest

Auch das ist Kanada: wenn Deutsche in Calgary in der skandinavischen Begegnungshalle mit Brasilianern feiern. Den Tipp verdanken wir Catrin und Fernando, die kürzlich aus Brasilien eingewandert sind.  Auf diese Weise sind wir dann auch endlich mal wieder in den Genuss einer Feijoada gekommen. Nebenbei lässt sich der Samba-Rhythmus auch viel besser ertragen, als die bayrische Umpahpah-Musik vom Oktoberfest. Besonders fasziniert war Roland von Japanerinnen, die portugisisch sprachen und sich perfekt zur Samba-Musik bewegten. Bei der Gelegenheit haben wir dann gelernt, dass es in Brasilien eine riesige japanische Gemeinde gibt, die dort wohl nach dem zweiten Weltkrieg gebildet und sich problemlos mit der brasilianischen Bevölkerung vermischt hat.

Donnerstag, 9. November 2006

Na dann Prost!

Gestern haben wir uns wieder mal im Rahmen unserer Expat-Gruppe getroffen, welches inzwischen ein fester Bestandteil unserer Freizeitgestaltung geworden ist. Jaja, werden die Kritiker sagen, watt macht Ihr dann in Kanada, wenn Ihr Euch doch immer mit Deutschen trefft! Um ehrlich zu sein, ist es ganz angenehm, seine Muttersprache hin und wieder zu kultivieren. Denn tatsächlich fängt man an, einige Worte zu vergessen, bzw. die englischen Begriffe sind einem inzwischen geläufiger als die deutschen Worte geworden. Treffpunkt war die Brewster Brauerei in Downtown, die nicht nur mit selbstgebrauten Bieren (Unentschlossene können verschiedene Sorten als 5er 'Kombo' in 0.1l Probiergläsern antesten), sondern auch mit einer ganz passablen Küche aufwarten kann.
Trotz widriger Wetterverhältnisse waren 19 Teilnehmer erschienen...ja, die Macht des Bieres!!! Es gab wie immer viel zu bequatschen, abzulästern und zu beraten, und das ganze fand in angenehm rauchfreier Umgebung statt... Für die Organisation bedanken wir uns herzlich bei unserem Brauerreiexperten Norbert! Interessenten, bzw. Unerschrockene (wir probieren alles aus: Kulinarisches oder Abenteuerliches von der Schlittenhundetour bis zum kanadischen Oktoberfest...) sollten sich auf dieser Webseite anmelden:
http://ca.groups.yahoo.com/group/DeutscheInCalgary/

Sonntag, 5. November 2006

Testfahrt


Natürlich mussten wir am Samstag Cliff's Subaru Outback AWD unter lebensechten Bedingungen ausfahren, wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, ein geländegängiges Fahrzeug zu testen. Also sind wir ins Kananaskis gefahren und müssen sagen, es ist doch ein (angenehmer) Unterschied, über 4-Wheel-Drive zu verfügen. Jetzt kommen wir schon ins Grübeln. Aber da wir gerade unserem treuen Toyota eine Inspektion und neue Reifen (finanziert mit Ralph-Bucks!!!) gegönnt haben, werden wir ihm wohl auch weiterhin treu bleiben.
One down, two to go... Cliff is ja nun schon eine Woche bei uns. Am Donnerstag hatten wir uns dann mit Frieder getroffen, der mit seiner Familie die Einwanderung nach Kanada vorbereitet und uns mit lebenswichtigen Dingen wie Kandiszucker und deutschen Zeitschriften versorgt hatte (DANKE!!!) und heute Nachmittag werden wir (schon wieder) einen Neuankömmling begrüßen können. Torsten hat ein Holiday Work Visa in der Tasche, und kann damit bis zu einem Jahr in Kanada leben und darf sogar arbeiten. Eine clevere Idee, auf diese Weise ein Jahr Urlaub zu finanzieren ;-) Für unsere 'Taxifahrt' nach Downtown sind wir dann sogar mit Produkten der Firma Feodora belohnt worden... vielen Dank, das haben wir gern gemacht!

Mittwoch, 1. November 2006

Ereignisreiche Tage

Samstag ist Cliff in Calgary angekommen, Sonntag rauft er sich noch die Haare wegen der Wohnungspreise, und Dienstag hat er bereits eine Wohnung für vier Monate, ein Auto gekauft, eine Kreditkarte bekommen, ein paar Jobs in Aussicht und sein erstes Spiel der Calgary Flames hinter sich! 
Die Wohnung war eine dieser glücklichen Fügungen, denn Roland hatte seiner Kollegin Carmina vom Neuankömmling aus UK erzählt, und sie fragte direkt: "Braucht er eine Wohnung?". Ihr Freund zieht nämlich zu ihr, hat aber noch einen Mietvertrag bis Februar. Cliff übernimmt den jetzt, und hat damit für die nächsten Monate eine möblierte Bleibe mit beheiztem Tiefgaragenstellplatz! Wegen der Kreditkarte ist er Norbert's Rat gefolgt und hat ein Konto bei der Royal Bank of Canada eröffnet. Dort kann man bei Hinterlegung eines Sicherheitsbetrages sofort eine Kreditkarte bekommen, und außerdem reicht dort eine Eigenbeteiligung von 25% für einen Immobilienkredit! Die Jobaussichten wiederum hat er dank einiger Fäden, die Roland bei Kollegen und Ex-Kollegen gezogen hat. Und für das Gratis-Hockeyspiel bedanken wir uns bei Roland's Kollegen David (welcher eine deutsche Mutter hat).
Allerdings haben die Flames das gemacht, was sie in dieser Saison kontinuierlich tun, nämlich kläglich verloren. Sozusagen der HSV des Hockeys, weswegen Sonja sie deshalb schon in Calgary Lames umgetauft hat. Das Auto hat Cliff übrigens alleine gekauft. Soll ja keiner sagen, wir würden uns in alles einmischen!


Roland hatte am Dienstag einen Termin zum Reifenwechsel gemacht, und heute abend, 14 Stunden vor dem Termin, hatten wir einen Platten! What are the odds of that? Glücklicherweise stand der Wagen gerade auf dem Parkplatz vor Sonjas Büro, und Sonja's phillipinischer Kollege Rhey war noch da. Während Roland von seinem Kollegen Bruce zum Ort des Geschehens gebracht wurde, hatten Rhey und Sonja bereits das Ersatzrad (auch Donut genannt) aufgezogen. Und morgen früh wird der Wagen als erstes zum Reifenhändler gebracht. Dann kann der Winter kommen!
Nahe Roland's Büro ist heute ein Zug entgleist und hat einen Unfall mit einem weiteren Zug und einem Bus verursacht. Glücklicherweise ist es nicht zu Personenschaden gekommen, aber die Strecke wird bis nach Mitternacht gesperrt sein und der Verkehr tat mal wieder das, was er auch - ohne Zugentgleisung  - meistens tut: für den Rest des Tages stillstehen. Das war's bis jetzt, und die Woche ist noch nicht zu Ende...