Sonntag, 29. Oktober 2006

An Englishman in... Calgary




Gestern ist unser englischer Ex-Kollege Cliff in Calgary angekommen, versehen mit einem frischen Permanent Resident Status. Wir haben ihn natürlich vom Flughafen abgeholt und für die nächsten Tage Asyl angeboten, damit er erst einmal in Ruhe alle nötigen Behördengänge vornehmen und sich eine eigene Bleibe suchen kann. Cliff hat seinen Permanent Resident-Antrag etwa ein dreiviertel Jahr nach uns gestellt, aber die Bearbeitungszeit in England ist offensichtlich deutlich länger als in Deutschland. Er hat deshalb seine Bestätigung erst in diesem Frühsommer erhalten. Nun ist er hier, und er ist tatsächlich nur mit einem Koffer und einer Tasche eingewandert. No goods to follow! Wow! Natürlich war er erst ziemlich geschockt, als er sich die aktuellen Miet- und Immobilienpreise anschaute. Das sah vor zwei Jahren, als er das letzte Mal hier war, doch noch ein bißchen anders aus!



Heute hat es den ganzen Tag geschneit, deshalb konnten wir nicht so sehr viel mit ihm unternehmen. Für einen Spaziergang durch den benachbarten Park hat es aber gereicht. Trotz unserer Warnungen, sich ordentlich warm einzupacken, glaubte er, ohne Schal und Mütze los gehen zu können. Doch der Windchill von -14°C hat ihn schnellstens eines besseren belehrt. Bloody British bloke...

Sonntag, 22. Oktober 2006

Ich will 'raus!


Heute hatte die Frau des Hauses das Bedürfnis nach Urlaub. So ist man kurzerhand in das eine Stunde entfernte Banff gefahren, hat dort einen Bummel gemacht und dort die Ruhe der Nebensaison genossen. Anschließend ging es noch zum nahegelegenen Lake Minnewanka , der zur Zeit noch eisfrei ist. Was soll man sonst auch an einem Sonntag machen... ;-)

Samstag, 21. Oktober 2006

Was ist Snirt?

Beim Studium des Reiseteils im CALGARY HERALD haben wir wieder etwas über unsere neue Heimat Alberta gelernt. Auf einem km² leben statistisch gesehen knapp 5 Leute, in Deutschland hingegen sind es 232 Einwohner (NRW sogar 529). Somit befindet sich Deutschland auf Platz 50 und Kanada auf Platz 219 der Rangliste für Bevölkerungsdichte, das nur nebenbei. Na, wenn das kein Einwanderungsgrund ist! Weiterhin beträgt der Pro-Kopf-Anteil eines Albertaners ca. 1,5 Rinder. Besucher grüßt das Schild 'Willkommen im sonnigen Alberta' und das stimmt sogar, denn sogar bei -35°C haben wir bisher immer strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel gehabt. Alberta hat 50 Provincial Parks, 17 Heritage Sites, 5 Nationalparks und 5 UNESCO World Heritage Sites. Es gibt nur eine Giftschlange, die Prärie-Klapperschlange, und KEINE Ratten in Alberta. Schneeschaufeln haben eine 'mittlere Lebenserwartung' von 2,5 Jahren. 


Und SNIRT ist nicht etwa IKEA's neuestes Designerstück, sondern der Terminus Technicus für das Gemisch aus Flugsand und Schneeverwehung in der Prärie. Quelle:http://www.canada.com/calgaryherald/news/travel/story.html?id=ffae0b33-aa5d-4ea2-b514-6ba002a7fdfa


16:13 Uhr: Schreck in der Nachmittagsstunde:
Während sich der Herr Gemahl wieder einmal beim Future Shop vergnügte, surft die Frau des Hauses im Internet, als sie plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch vom Sofa hochspringen lässt. Die Feuermelder in der Wohnung sind angesprungen! Es blinkt und piept furchterregend. Erster Gedanke: Trockner oder Waschmaschine brennt. War aber nicht. Also, erstmal alle Melder auf stumm gestellt, warm angezogen (schließlich ist es nur knapp über Null), Handtasche gegriffen und über die Feuertreppe (der Fahrstuhl soll ja bei Bränden eher vermieden werden) ins Freie. So gesellte man sich dann zu den anderen ratlosen Bewohnern und wartete auf die Ankunft der Feuerwehr. Drei Feuerwehrwagen und ein Ambulanzfahrzeug waren innerhalb weniger Minuten zur Stelle. Dann die Entwarnung. Auf unserer Etage hatte wohl ein Bauarbeiter im Nordtrakt vergessen, einen Heizlüfter auszustellen, welcher dann - gottseidank schwerentzündliche - Teppich- und Plastikreste zum Schwelen gebracht hatte. Die Feuerwehrleute stellten dann Equipment auf, welches für eine schnelle Entlüftung der Hausflure sorgte und gaben dann Entwarnung für unseren Trakt.

Montag, 16. Oktober 2006

Der Winter kommt!




Heute war der erste Wintertag, seitdem wir in unsere neue Wohnung gezogen sind. Natürlich haben wir den Feierabend dann bei Kaminfeuer und guter Musik auf dem Sofa verbracht. Der Blick nach draußen hat uns schon ein richtig winterliches Gefühl gegeben. Das Leben ist schön!
Nach dem gestrigen Einkauf bei Safeway ist Roland von einer Mitarbeiterin "genötigt" worden, doch einmal den elektronischen Checkout zu versuchen, anstatt sich an die menschlich besetzten Kassen anzustellen. Es wäre alles ganz einfach, und sie würde auch helfen! Man führt also den Barcode der Verpackung über einen Laser, der den Code einliest und gleich das Produkt mitsamt Preis auf einem Bildschirm ausgibt. Das klappte auch alles ganz gut bis man zu den Brötchen und Croissants kam, denn die haben naturgemäß ja keine Barcodes. So wurde also die Mitarbeiterin zur Hilfe gebeten, und siehe da, sie hatte auch ihre Probleme! Ein paar Interpretationen von Menüauswahlen sowie diverse Bildschirmknopfdrücke später waren die Backwaren endlich eingegeben. Jetzt musste Roland dem Computer nur noch seine Safeway-Card, seine Airmiles-Karte und natürlich die Kreditkarte näher bringen, und fertig war der Einkauf! Na ja, nicht ganz, denn normalerweise muss man sich um das Eintüten ja nicht selbst kümmern. Hier aber lagen immer noch alle Teile kreuz und quer auf dem Band. Die freundliche Mitarbeiterin half dann auch noch beim Einpacken, dennoch wurde man den Eindruck nicht los, dass das an der normalen Kasse nicht viel länger gedauert hätte...

Montag, 9. Oktober 2006

Kein Cubicle!

Was eignet sich besser, als an einem Feiertag (T-Day) an die Arbeit zu denken. Im Gegensatz zu einigen Bekannten sind wir nämlich beide in der glücklichen Lage, über 'echte' Büros mit Fenstern zu verfügen. Nichts hätte uns mehr Grauen verursacht, als in diesen kleinen quadratischen Kästen, genannt cubicles, zu vegetieren, ohne natürliches Licht und bei permanenter Geräuschkulisse. Bei größeren Firmen wird bereits der Auszug aus dem Arbeits-Aquarium in ein (fensterloses) Büro als Privileg betrachtet. Zimmer mit Aussicht sind natürlich dem Management vorbehalten. In unserem Fall ist es also durchaus vorteilhaft, bei kleineren Unternehmen beschäftigt zu sein.

Heute früh gegen 9 Uhr haben wir (wohl das letzte Mal in diesem Jahr) die Powderface Road im Kananaskis unter die Räder genommen. Bei minus 3°C und einem frischen Wind kommt doch inzwischen das Bedürfnis nach Schal und Mütze auf. Nichtsdestotrotz haben wir unsere mitgebrachten Sandwiches und den Tee bei frostklarer Luft im Freien genossen.
Rauhreif bedeckt die Gräser und Sträucher, die Bäche fangen bereits an zuzufrieren. Der Winter steht vor der Tür!



Sonntag, 8. Oktober 2006

Was ist das?

Also, dieses Ding ist aus Kunststoff, ziemlich stabil, hat eine Art Außengewinde und innen ist es hohl. Klar, das ist ein Dübel! Das Ungewöhnliche ist aber, dass man diesen Dübel in eine kanadische(Trockenbau-) Wand drehen kann, ohne vorher ein Loch gebohrt zu haben! Man braucht lediglich einen Schraubendreher. Wir waren ziemlich beindruckt und ehrlich gesagt auch geschockt, dass das funktioniert. Aber unser Gast Thomas (Handwerker) hat uns mit Hilfe eines solchen Dübels einen schweren Spiegel aufgehängt. Trotz einiger anfänglich beunruhigender Knarzgeräusche in der Wand hat der Spiegel zumindest die erste Nacht überlebt.

Die hiesigen Trockenbauwände haben etwa eine Dicke von einem bis zwei Zentimetern, und man kann einen (kleinen) Nagel mit dem bloßen Daumen hinein drücken. Dennoch werden sogar Flachbild-Fernseher an diesen Wänden angebracht, dafür werden dann doch noch etwas andere Dübel (Anker) verwendet. Wir hatten da doch mehr Vertrauen in die deutschen Betonwände, für die man eine Schlagbohrmaschine braucht! Dazu passt auch, dass z.B. ein LACK Wandregalbrett (Insider werden wissen, wovon wir sprechen), dass in Deutschland mit vier Dübeln befestigt schon als erdbebensicher gelten würde, hier mit 16 Schrauben befestigt wird (so gesehen beim hiesigen IKEA)!
Auch wenn Kanada bei Auswanderern aus Deutschland weit unten rangiert (tatsächlich wandert nur etwa 1% der Deutschen Emigranten nach CA aus), ist uns beim Surfen
diese (beunruhigend) gute Informationsseite der Bundesagentur für Arbeit aufgefallen. Es macht schon fast den Eindruck, als wenn Deutschland die Arbeitssuchenden gar nicht schnell genug 'loswerden' kann, hauptsache weg aus der Statistik, koste es was es wolle...
Und da wir gerade beim Thema 'Amt' sind, selbst die kanadische Regierung hat inzwischen festgestellt, dass der Boom in Alberta nicht nur Vorteile birgt: http://www.statcan.ca/Daily/English/060914/d060914c.htm Wir berichteten ja bereits im August von unseren persönlichen Eindrücken. Auch Windrose hat dieses Thema aus aktuellem Anlass aufgegriffen:
http://rose-du-vent.blogspot.com/2006/10/arbeitslosenrate-in-kanada.html