Samstag, 30. September 2006

Downtown im Uptown


Die internationalen Filmfestspiele in Calgary haben uns doch mal wieder dazu gebracht, ins Kino zu gehen, denn nach 'Brokeback Mountain' wurde bisher nur visueller Schrott aus Hollywood in den Kinos geboten. An diesem Abend haben wir uns 'Elementarteilchen' mit Moritz Bleibtreu im Originalton mit englischen Untertiteln angeschaut. Die Vorführung war sehr gut besucht, unter anderem von Calgarians, die Deutsch als Fremdsprache lernen oder - wie unser Sitznachbar, einen Teil der Kindheit in Deutschland verbracht haben. An der VIP Lounge (das Zelt links im Hintergrund) glaubte Roland dann sogar noch einen Promi (Hannes Jaenicke) aus dem deutschen Fernsehen entdeckt zu haben. Zurückhaltend, wie wir nun mal sind, haben wir jedoch nur beobachtet, und die VIPs sich selbst überlassen...

So ein STRESS!

Diese Woche hatten wir tatsächlich einmal so etwas wie Stress auf der Arbeit. In Sonjas Firma wurde ja in der voran gegangenen Woche ein neues Computersystem zum Erfassen aller Aufträge, Bestellungen, Bestände mit allem Drum und Dran eingeführt. Obwohl die betreuende IT-Firma aus Vancouver der Meinung war, dass alles "very smooth" abgelaufen wäre, hat sich Sonja tagelang über haarsträubende (im Vorfeld vermeidbare) Fehler geärgert und viel Arbeit mit dem wiederholten Wiedereinpflegen von Daten gehabt. Am Ende der Woche hat ihr erster Chef dann noch nebenbei fallen lassen, dass er nun für zwei Wochen in Urlaub auf Vancouver Island wäre (ohne Telefonverbindung). Sonjas zweiter Chef ist seit Wochen auf Montage in Edmonton, also "durfte" sie diese Woche neben Ein- und Verkäuferin auch noch Chefin spielen.
Währenddessen gab es in Rolands Firma Quartalsinventur, und das ist meistens ein Albtraum. Weniger wegen der eigentlichen Inventur, denn die hat man mittlerweile dank Barcode Scannern recht gut im Griff, sondern wegen der drei Monate zwischen zwei Inventuren, in denen wirklich alles falsch gemacht wird, was man falsch machen kann. Was dann so alles bei der Analyse von Inventurdifferenzen zutage kommt: Produkte werden an Kunden geliefert ohne Lieferpapiere und Buchungen, Produkt A wird produziert und Produkt B gebucht, Rechnungen werden nicht verschickt und der Einfachheit halber storniert man die Warenausgangsbuchung, Wareneingangsrechnungen werden doppelt gebucht und, und, und. Im Vergleich dazu ist Anarchie und Chaos ordentlicher. Schuld an allem ist natürlich immer das Computersystem, denn das kann bei dem Durcheinander irgendwie nicht mithalten! Wer sich nun aus seiner europäischen Erfahrung heraus die entsprechenden Mitarbeiter einmal ernsthaft vorknöpfen würde, verschlimmert das Problem nur noch, denn der entsprechende Kollege würde sich einfach nebenan bewerben und wäre morgen nicht mehr da! Man muss also immer freundlich bleiben und wieder und wieder erklären, wie es richtig gemacht wird... Das Gute daran ist, dass wir von dem ganzen Chaos ganz gut leben können, denn wir sind hier oft so etwas wie die Einäugigen unter den Blinden. Also keine Beschwerden unsererseits!
Off topics: Leider haben wir eine schlechte Nachricht für Urlauber, denn Kanada schafft die Mehrwertsteuer-Erstattung für Touristen ab. Bislang konnte man sich für seine Einkäufe im Kanada-Urlaub einen Teil der Mehrwertsteuer erstatten lassen. Nun soll das sogenannte Tax Refund Program abgeschafft werden. Quelle: http://blog.urlaub-in-kanada.de/?p=24

Samstag, 23. September 2006

Umwege und kanadische Garantieleistungen

Nach unserem Shopping-Nachmittag in der renovierten Sunridge Mall  und dem Besuch der üblichen Verdächtigen A&B Sound, BestBuy und FutureShop haben wir wieder einmal einen Abstecher zur Salisbury St SE in Ramsey gemacht. Grund: der unvergleichliche Blick auf Downtown. Nun sind wir fast anderthalb Jahre in Calgary und können die Stadt immer noch mit Touristen-Augen ansehen. Dazu ein wunderschöner Herbsttag bei 20°C, was will man mehr? Auf dem Weg nach Hause sind wir noch durch Mission am Elbow River gefahren, einer der schönsten Wohngegenden in Calgary! Leider dieser Tage unbezahlbar...

Dass die Garantie- und Rückgabebestimmungen in Kanada anders als in Deutschland sind, haben wir bereits mehrfach, oft positiv, feststellen können. Umtausch, Rückgabe oder kostenlose Ausgabe von Ersatzteilen werden normalerweise sehr kulant und problemlos gehandhabt. Ein Nachteil ist jedoch, dass der Garantiezeitraum meist auf 6 bis 12 Monate beschränkt ist. Die cleveren Geschäftsleute haben dafür noch ein Zusatz-Garantiepaket 'erfunden', welches man für viel Geld erwerben kann. Und nun können wir noch von einer besonderen Erfahrung berichten: Igor, ein Freund von Roland, hatte neulich zusammen mit seiner Frau eine Matratze gekauft. Nach der Anlieferung und häuslichem Probeliegen stellte sich jedoch heraus, dass die Matratze doch ein paar Grade zu hart war. Als Igor dann im Geschäft die Abholung und Rücknahme, bzw. den Umtausch veranlassen wollte, wurde er zunächst nach seinem Familienstand befragt !?! Auf die irritierte Antwort: Verheiratet, bekam er dann zu hören: Der Umtausch ist nur mit schriftlichem Einverständnis Ihrer Frau möglich! Zuvor hatte es wohl bereits Fälle gegeben, in denen die Ehepartner unterschiedlicher Meinung waren, und der offensichtlich harmoniebedürftige Verkäufer glaubte wohl, auf diese Weise einen Ehekrach im Hause G. vermeiden zu können... 

Sonntag, 17. September 2006

Sonntagsnachmittagsausflug



Nachdem Sonja Feierabend hatte (Feiermittag wäre das bessere Wort, denn um zwei war bereits Schluss), haben wir zur Entspannung unsere Hausstrecke im Kananaskis abgefahren. Der Highway #40 ist nur wenige Monate im Jahr geöffnet und führt über den Highwood-Pass, welcher mit 2.227m die höchste asphaltierte Passstraße Kanadas ist. Neben ersten Langläufern und Snowboardern gab es heute auch besonders viel anderes 'Wildlife' zu entdecken. Elche, Rehe, Bergschafe und Koyoten haben so manchen Verkehrstau (drei oder vier Autos) durch fotobegeisterte Touristen verursacht. Vielen Dank an Norbert für den Tipp, diese Tour noch im Indian Summer zu machen. Herbstlaub, kombiniert mit Schnee und blauer Himmel als Kontrast dazu... Einmal mehr sind wir glücklich darüber, so etwas gleich 'um die Ecke' geboten zu bekommen. 

Freitag, 15. September 2006

Schnee auf der Mütze

Noch vor einer Woche hatten wir es sonnig warme 26°C und was ist jetzt passiert? 1°C und Schneeregen. Es sieht so aus, als wenn wir ohne Übergang die Badehose gegen den Ski-Overall tauschen können. Der Sommer ist damit wohl offiziell zu Ende. Hier ein Bild von einer Webcam aus Canmore. Was bleibt einem also anderes übrig, als es sich mit einer guten Tasse Kaffee vor dem (funktionierenden) Kamin gemütlich zu machen.

Sonja muss dieses Wochenende wegen Software Upgrade, Training und Systemtest arbeiten. Hört sich dramatisch an, dennoch ist so etwas hier in Kanada nicht wirklich mit Stress verbunden. Man verabredet eine 'Richtzeit' von 9 Uhr. Bis halb zehn sind tatsächlich alle Beteiligten eingetrudelt, um erst einmal zu beraten, wer was von Tim Horton's zum Frühstück möchte. Einer macht dann also den ersten 'Donut-Run'. Um 10 Uhr wird dann mit der eigentlichen Arbeit begonnen. Um Zwölf werden die Bestellungen für A&W (Burger-Kette) aufgenommen. Von 1 Uhr an wird weiter gearbeitet, herumprobiert und getestet bis der zweite 'Donut-Run' fällig wird. Nach einer gemütlichen Kaffeerunde hat keiner mehr rechte Lust und das Team verabredet sich für den nächsten Tag. Netto-Arbeitszeit rund 5 Stunden, die Erschöpfung kommt ganz klar vom vielen Essen...

Samstag, 9. September 2006

Herbstboten und Turnierpferde

Morgens um halb sieben ist die Welt noch in Ordnung. Vor allem, wenn man bei einer Tasse Tee auf dem Balkon sitzt und den Sonnenaufgang beobachtet.
Das Laub verfärbt sich zwar so langsam aufgrund der einstelligen Morgentemperaturen, trotzdem wird es tagsüber meist noch 24 bis 26°C warm. Wir hatten einen unglaublichen Sommer, mit gerade genug Regen, dass die Vegetation recht grün geblieben ist.
Am Nachmittag sind wir zum Springreit-Turnier auf Spruce Meadows gewesen.

Gleichzeitig findet auf dem Gelände das 
Festival of Nations mit seinen kulturellen Veranstaltungen und vor allem kulinarischen Genüssen statt.
So gaben wir uns nur kurz dem Pferdespektakel hin und folgten dann unserer Nase. Lecker polnische Würste oder holländische Poffertjes, Alberta Beef-in-a-Bun (das kanadische Gegenstück zum Spießbraten-Brötchen) und Kuchen. Weiterhin wurden landestypische (wir würden sagen: kitschige) Produkte von Verkaufspersonal in jeweiliger Landestracht feilgeboten. Da gab's den deutschen Bierseidel, den australischen Kanguruhlederstiefel, die indianische Pferdedecke oder die dänische Klöppelei, Schottenröcke im britischen Pavillion und belgische Pralinen. Die familiäre Atmosphäre unterschied sich sehr angenehm von vergleichbaren Veranstaltungen in Aachen oder Düsseldorf.

Ein plötzlich aufkommender Sturm mit orkanartiken Windböen erschreckte die Besucher kurzfristig, da plötzlich harmlose Sonnenschirme, Plastikmöbel und Pappgeschirr zu Geschossen wurden und Äste von den Bäumen abbrachen. Aber nach einer Viertelstunde war dieser Spuk wieder vorbei. Wir hatten uns unterdessen in eine VIP-Lounge am Parkur geflüchtet, da wir der Standhaftigkeit der Pavillions nicht trauten, und auf diese Weise noch die heutige Siegerehrung mitbekommen.

Montag, 4. September 2006

Kilometer-Junkies

Ganz spontan haben wir das lange Labour-Day Wochenende für einen unserer berüchtigten kilometer-fressenden Ausflüge genutzt und uns 'mal eben' auf einen 1.600km Round-Trip begeben. Über den Icefield-Parkway, ging es zunächst vorbei an den Columbia Icefields nach Jasper.
Dort war jedoch 'der Bär los', was uns dazu veranlasste, nach einem ruhigeren Plätzchen Ausschau zu halten. Auf dem Yellowhead Trail gen Westen, haben wir dann Mount Robson, mit 3.954 m der höchste Berg in den Kanadischen Rockies, bei strahlendem Sonnenschein erlebt. Das gibt es wohl nur wenige Tage im Jahr, wie wir erfahren haben.
Im Dorf der Vergessenen - Valemount - haben wir dann einen Zwischenstopp eingelegt, bevor es uns weiter zum Wells Gray Provincial Park zog. Wells Gray ist und bleibt einer unserer Favoriten, schon allein wegen der Wasserfälle und der Bären-Garantie.
Dawson Falls
 Helmcken Falls

Weiter ging es südwestlich Richtung Kamloops, doch dort fanden wir es zu heiß (32°C) und trocken, so dass wir über den Highway No 1 zurück gen Osten bis Salmon Arm durchgefahren sind. Gern hätten wir uns dort einfach ein Hausboot gemietet und wären noch ein paar Tage durch die Shushwap Region geschippert, aber... keine Zeit.

In diese Ecke wird es uns wohl noch öfter ziehen. Die Seen-Landschaft, das milde Klima (hier wird sogar Wein angebaut) und die Möglichkeiten für Naturbeobachtungen - hier Osprey (Fischadler) - haben uns neugierig gemacht. Heute früh, vor dem großen Rückreiseverkehr, fuhren wir dann über die übliche Strecke Revelstoke - Golden - Banff zurück... nichts besonderes halt ;-)