Samstag, 26. August 2006

Alte Schätze

Beim Entmisten unseres Computers sind wir auf diese alten Tagebuchnotizen gestoßen. Es beschreibt Zeit und Aktivitäten von der Entscheidungsphase bis zum Erhalt der Visa. Wen's interessiert: Hier klicken.

Mittwoch, 23. August 2006

Feuerwerk made in Germany


Gute Verbindungen haben uns zu Freikarten für die Feuerwerks-Show www.globalfest.ca am vergangenen Sonntag verholfen. (Danke, Rose!) Verschiedene Nationen präsentieren hier zehn Tage lang pyrotechnische und kulturelle Spezialitäten (Roland bekam sein italienisches Eis!). Natürlich haben wir das Team Deutschland kräftig unterstützen wollen, und das sollte mit dem Erheben zur Nationalhymne beginnen. Aber was dann gespielt wurde, war nicht etwa die uns bekannte etwas langweilige Melodie aus 'Einigkeit und Recht...', sondern eine uns völlig unbekannte Musik. Und wie das hier so in Kanada ist, wird taktvoll über diesen Faux Pas hinweg gesehen und mit dem Programm einfach kommentarlos weitergemacht. Das Feuerwerk begann ganz klassisch mit Wagners 'Also sprach...', ging dann in Techno-Klänge von Hypnotic Grooves über, bei dem gänsehauterzeugend der Erlkönig rezitiert wurde. Später gab es dann Funkenregen zu Country Rock und Pop. 'One moment in time' von Whitney Houston markierte dann - etwas schmalzig - das große Finale. Ein sehenswertes Spektakel!

Sonja, Oma Vogel, Rose, Sonja
    

Samstag, 19. August 2006

Was wir aus Deutschland vermissen

Dieses Thema wurde kürzlich in einem Immigranten-Forum angesprochen und hat uns ebenfalls in Grübeln gebracht...
Das Wetter ist schön, und die Sehnsucht nach einem Straßencafé, an dem mal kein Starbucks oder Second Cup Logo prangt, kommt auf. Oder noch besser: nach einer guten italienischen Eisdiele, am besten in einer netten Fußgängerzone.
Auch wenn hier in Calgary inzwischen so gut wie alle Lebensmittel-Bedürfnisse im Supermarkt oder in Deli-Läden gestillt werden können (z.B. http://www.edelweissimports.com/), fehlt uns Teewurst und ordentlicher Kuchen, z.B. Quark-Käsekuchen (wie kürzlich bei Frau V. genossen), Bienenstich und Schweineohren mit Schokoguss. Wenn wir schon beim Essen sind, Mom's kulinarische Experimente im Familienkreis und Fejoada à la Christa vermissen wir besonders. Außerdem die kleinen Fastfood-Sünden wie 'echte' Pizza, Döner, Currywurst.
Uns nervt, dass man im Restaurant einfach nicht gemütlich sitzen bleiben kann. Es wird immer schon abgeräumt, sogar, während der andere noch beim Essen ist.
Gute Tageszeitungen und vor allem die Vielfalt an Zeitschriften.
Kaffeeklatsch (gibt's da eigentlich ein englisches Wort für?) mit der besten Freundin oder ein zünftiger Herrenabend.
Energiesparmaßnahmen, Naturschutz, Müllvermeidungs- und Wiederverwertungskonzepte. Der Kanadier scheint mit Umweltbewusstsein am ehesten zu verknüpfen, welche motorisierten Sportarten er wohl im Wald und auf den Seen ausüben kann... ;-)
OK, wir wissen, das sind nur Kleinigkeiten. Dennoch freuen wir uns schon auf den nächsten Besuch als Touristen in unserer Heimat. Ja, als Touristen, denn unser Lebensmittelpunkt ist heute in Kanada, und die Liste der Dinge, die wir eher NICHT vermissen, würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen ;-)

Sonntag, 13. August 2006

Fast wie in Vancouver

Heute haben wir uns auf Scout-Tour begeben, da wir auf der Suche nach einem Picknick-Platz für die bevorstehende Grill-Runde mit unserer Expat-Gruppe sind. Im North Glenmore Park haben wir nicht nur einige geeignete Grillstellen mit genügend Sitzplätzen entdeckt, sondern sind zufällig über das Drachenboot-Festival gestolpert, welches heute auf dem Glenmore Reservoir stattfindet. Insgesamt hat uns die Atmosphäre und das Szenario sehr an unsere Aufenthalte in Vancouver erinnert, an den Stanley Park und das Drachenbootrennen im False Creek. Seufz, und wieder mal kommt der Wunsch nach Urlaub auf... nicht, dass wir gestresst wären, nur reiselustig...
Dragon Boat Race

Freitag, 11. August 2006

Das Große Fressen

... oder Taste of Calgary. Gestern trafen wir uns im Rahmen unserer Expat-Gruppe Downtown am Eau Claire Market, um dem internationalen Restaurant- und Weinprobe-Festival beizuwohnen. Man erwarb Verzehr-Tickets und konnte diese an verschiedenen Ständen in kleine kulinarische Erlebnisse aus aller Welt (u.a. China, Japan, Mexiko, Vietnam, Karibik) verwandeln. Besonders aber hat es uns beim Türken und beim Mongolen geschmeckt. Hier werden wir wohl die dazugehörigen Restaurants noch ausgiebiger testen müssen. Für uns neu war übrigens beim Bier-Test das Warsteiner Dunkel, hat aber nicht schlecht geschmeckt. Ein Wolkenbruch hat zwar kurzfristig unsere Bier- und Cocktailrunde 'verwässert', aber das hat der Stimmung keinen Abbruch getan.

Montag, 7. August 2006

Civic Holiday

Der erste Montag im August ist (wieder einmal) arbeitsfrei. Beim Versuch, etwas über den Ursprung des heutigen Civic Holiday herauszufinden, sind wir jedoch nicht sehr erfolgreich gewesen. Nur soviel: es handelt sich nicht etwa um einen gesetzlich festgelegten Feiertag, d.h. wenn der Arbeitgeber es anordnet, hat der Arbeitnehmer zur Arbeit zu erscheinen. Wir haben aber nette Arbeitgeber und dürfen somit das lange Wochenende genießen ;-) Doch warum existiert dieser Feiertag? In Alberta wird dieser als Heritage Day begangen, d.h. wohl, dass wir der ersten Immigranten gedenken sollen oder so. In den meisten anderen Provinzen wird dieser Heritage Day übrigens am 3. Montag im Februar gefeiert, aber da wir Albertaner uns dieses nicht so einfach vorschreiben lassen, haben wir diesen Tag zum Family Day erklärt, damit wir den Heritage Day im Sommer feiern können. Es existiert aber auch die Meinung, dass es sich um einen 'Nur so' Feiertag handelt, schließlich es Sommer, die Schulen und andere öffentliche Einrichtungen haben geschlossen, warum soll man sich da nicht einfach ein langes Wochenende gönnen...

Samstag, 5. August 2006

Die Schattenseiten des Booms

Selbst auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, aber es ist nicht alles rosig im Sonnenstaat Alberta. Im heutigen Calgary Herald wurden die aktuellen kanadischen Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht, und die lesen sich auf den ersten Blick grandios:
Arbeitslosenquoten per Provinz:
Nfld. and Labrador 14.6%
Prince Edward Island 11.2%
New Brunswick 8.9%
Nova Scotia 8.3%
Quebec 8.1%
Ontario 6.5%
Saskatchewan 4.7%
Manitoba 4.7%
British Columbia 4.7%
Alberta 3.6%
Das sieht ja zunächst einmal wirklich gut aus für Alberta und sein Zugpferd Calgary. Im selben Bericht wird aber auch darauf eingegangen, dass es mittlerweile einige Probleme gibt:
1. Der Arbeitskräftemangel hat zu einer Verschlechterung des Services, speziell im Hotel- und Gastronomiebereich geführt. Hotels bekommen kein Personal mehr für einfache Tätigkeiten wie Zimmermädchen, Köche und Kellner. Für Löhne von 12$/h will hier einfach niemand mehr arbeiten, wenn man in der Öl- und Gasindustrie das Doppelte verdienen kann. Auch wir gehen schon erheblich seltener in Restaurants, weil die Qualität im Laufe des letzten Jahres erheblich abgenommen hat.
2. Die Wohnungsknappheit und die explodierenden Mietpreise machen es fast unmöglich, neue Mitarbeiter aus Ostkanada oder Übersee zu rekrutieren. Für 15 bis 18$/h kann man sich hier halt kaum eine Wohnung leisten, die 1000$ im Monat kostet (und nebenbei vielleicht noch eine Familie ernähren). Im Hotelgewerbe ist man deshalb dazu übergegangen, neuen Mitarbeitern eigene Hotelzimmer anzubieten, die dann natürlich nicht mehr an Touristen vergeben werden können, was dann wiederum denn Profit verringert.
3. Die Jugend spielt völlig verrückt. Anstatt eine Mindestschulausbildung zu absolvieren, beenden viele junge Leute die Schule ohne Abschluss, um für 50.000$ im Jahr in den Ölfeldern zu arbeiten. Natürlich kaufen sie sich auch gleich einen Pick-Up Truck auf Pump. Dies wird wie ein Bumerang zurück schießen, wenn sich hier die allgemeine wirtschaftliche Lage erst einmal abgekühlt hat!
4. Bei den ersten nicht-Öl-und-Gas-produzierenden Unternehmen hat die Abwanderung schon begonnen. So hat der größte Kunde von Rolands Firma in Ontario eine neue Fabrik aufgebaut und begonnen, Produktionskapazitäten von Edmonton nach Ontario zu verlegen. Rolands Firma wird auf Dauer auch nichts anderes übrig bleiben, als die einfache Produktion in andere preiswerter produzierende Provinzen oder direkt offshore (nach China?) zu verlagern. In Calgary würde dann neben Forschung und Entwicklung nur noch die Fertigung komplizierterer Produkte verbleiben.
Auf Dauer wird Alberta also ausschließlich auf Öl und Gas bauen. Diese Strategie mag aufgehen, solange genügend Ölreserven aus nord-albertanischem Sand zu gewinnen sind, der Ölpreis auf diesem Niveau bleibt, Amerika und Asien so energiehungrig bleiben und in Nahost täglich Bomben hoch gehen. Aber in 100 Jahren, wenn Autos auf Wasserstoffbasis oder mit Sonnenenergie fahren, kann Alberta dann durchaus aussehen wie ein postapokalyptisches Hochhausmeer ohne Menschen darin…