Sonntag, 30. Juli 2006

Pow Wow

Dieses Wochenende hatten wir Besuch in unserem „Ferien-Appartement“ von einem alten Kollegen aus Düsseldorfer Zeiten. Günther, der selber Anfang der Siebziger für ein paar Jahre in Edmonton gelebt hatte, hatte mit seinen Erzählungen über seine Zeit in Kanada einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Entscheidung, nach Kanada zu immigieren. Nachdem er im letzten Jahr pensioniert worden war, hat er diesen Sommer für einen ausgedehnten Kanada-Trip genutzt. Seine aktuelle Etappe führte ihn nach Calgary. Wir haben uns sehr gefreut, ihn für ein paar Tage beherbergen zu dürfen!
Den Samstag haben wir zu einem Besuch bei unseren neuen „Nachbarn“, der Tsuu-T'ina Nation genutzt. Die First Nations veranstalten nämlich gerade ihr jährliches Pow Wow (Zusammenkunft), um Ihre Tradition und Kultur zu feiern. Freundlicherweise erlauben sie auch uns Weißen, als Gäste daran teil zu nehmen. Das Gelände war vollgepackt mit Trailern, Zelten und traditionellen Tipis. Natürlich gab es auch eine 'Fressmeile', Kinder-Hüpfburgen, Souvenir-Shops und Rodeo-Veranstaltungen.
Im Zentrum stand ein Rundhaus, in welchem das eigentliche Ereignis stattfand. Indianer aller Altersklassen, darunter erstaunlich viele junge Leute, waren in wunderschöne bunte Gewänder gehüllt, mit großartigen Federschmücken ausgestattet, und hatten teilweise sogar eine (etwas beängstigende) Gesichtsbemalung. In voller Montur führten sie, in Altersklassen eingeteilt, indianische Tänze auf. Begleitet und geführt wurden sie dabei durch rhythmische Trommelmusik und den typischen Gesang, der sich für unsere europäische Ohren zunächst wie wildes Geschrei anhörte. Durch die wirbelnden Körper und bunten Farben der Kostüme wurde man unweigerlich in den Bann dieser Musik geschlagen. Ein Ältestenrat bewertete die Darstellungen und führte die Siegerehrungen durch. Im Kreis um die Tanzfläche herum saßen hunderte von Menschen (hauptsächlich First Nations), schauten begeistert zu, feuerten ihre Favoriten an und spendeten viel Applaus. Die Atmosphäre war sehr fremdartig, der Gesang verursachte uns Gänsehaut, und die Würde und der Stolz dieses Volkes hat uns schwer beeindruckt. Ein großartiges und farbenfrohes Erlebnis! Den Sinn vieler dieser Tänze, Gesänge und Rituale haben wir Second Nations leider nicht verstanden, aber wir haben uns gefreut, dabei gewesen sein zu dürfen. Bilder hier

Dienstag, 25. Juli 2006

Saure Gurken Zeit

Die dunkle Seite des kanadischen Service: Postweiterleitung. Die Gebühren dafür wurden auch gleich abgebucht, nur haben wir seitdem noch keine umgeleitete Post erhalten. Bisher haben uns nur Briefe und Postkarten (danke schön!) erreicht, die bereits direkt an unsere neue Adresse gerichtet waren. Also wenn nun unsere Post womöglich noch am alten Wohnort im Briefkasten schmort, ist ja dem 
Identity Theft (Diebstahl persönlicher Daten) Tür und Tor geöffnet. Ok ok, wir wollen mal nicht gleich - typisch deutsch - schwarz sehen, vielleicht schreibt uns nur gerade niemand, allerdings vermissen wir bisher Roland's PC-Welt, Sonja's Steuerbescheid...


Ein weiteres Beispiel, welches derzeit unsere Geduld strapaziert, ist der Service von Home Depot, dem hiesigen OBI. Aufgrund des heißen Wetters wollen wir schnellstmöglich Jalousien montieren lassen (leider haben die Fenster kein Standardmaß... grrrrr). Bisher haben wir provisorisch die Vorhänge aus der alten Wohnung aufgehängt, aber das gefällt uns nicht wirklich. So haben wir den Monteur zum Ausmessen bestellt und dafür bereits 50$ bezahlt, dieser würde sich dann umgehend melden. Wir warten jetzt bereits 5 Tage auf die Terminabsprache... Sollen wir uns darüber ärgern? Wir doch nicht... grrrrr.
Genug des Jammerns, der Ersatzteil-Service bei IKEA ist jedenfalls spitzenmäßig. Wir haben uns dort (kostenlos) einige beim Umzug verloren gegangene Kleinteile ohne Probleme (und ohne Quittungen) besorgen können.


Jetzt aber zum eigentlichen Phänomen 'Saure Gurken': In Florida gibt's ja bekanntlich Krokodile im Swimming Pool, in Quebeq gibt es dieses: Das Elchpferd

Angeblich soll die Pferdemama von einem Elch geschwängert worden sein... Hier muss ein 'Elchtest' - die DNA Analyse - feststellen, ob es sich wirklich um eine biologische Kreuzung handelt, oder ob dieses Fohlen einfach Talent zum Grimassen schneiden hat..

Montag, 24. Juli 2006

Millionenstadt!

Heute kurz nach Mitternacht wurde der einemillionste Einwohner Calgary's geboren. Calgary wächst zur Zeit um fast 100 Menschen PRO TAG und erlebt damit das stärkste Bevölkerungswachstum in seiner Geschichte. Von April 2005 bis April 2006 hat es fast 36.000 Leute - darunter ja auch uns - in diese Boom Town gezogen.

Tatsächlich ist Calgary nun die dritte (!) Großstadt, neben Montreal und Toronto, die über eine Millionen Einwohner zählt. Vancouver hingegen hat (ohne lower Mainland) gerade mal um die 600.000.

Gerade waren wir noch auf dem Amt (montags bis freitags 10 - 21 Uhr, samstags 10 - 17 Uhr!!!), oder
registry
, wie es hier heißt, um unsere Adressänderung mitzuteilen und einen neuen Führerschein (das einzige offizielle Dokument mit Anschrift) zu beantragen. Gedauert hat das ganze 5 min, gekostet für beide 45$ und die neuen Plastikkarten werden uns innerhalb von acht bis zehn Tagen zugeschickt. Ansonsten haben wir unsere neue Adresse in den meisten Fällen direkt online oder telefonisch ändern können.

Sonntag, 23. Juli 2006

Deutschen-Phobie? Wir doch nicht!

Wer kennt ihn nicht, den ewig nörgelnden Deutschen im Hotel auf Mallorca und dort, wo es am lautesten ist, das können ja - ganz klar - auch nur Deutsche sein. Aufgrund dieses Traumas trifft man auch hier in Kanada Landsleute mit einer ausgeprägten Phobie gegen Bekanntschaften aus Deutschland. So hatte die junge Mutter, die mit Ihrer Tochter offensichtlich Deutsch sprach, den unverbindlichen freundlichen Gruß im Supermarkt nicht mal mit einem Blick erwidert und blieb ganz kurz angebunden. Ja, ja, schließlich ist man ja aus Deutschland ausgewandert, um den Deutschen zu entkommen, sonst hätte man ja auch zuhause bleiben können. Naja, Schwamm drüber!
Wir haben jedenfalls Spaß an den Begegnungen mit unseren Landsleuten. So sind wir gestern ganz spontan einer Einladung zu Kaffee und Kuchen (echter Käsekuchen, Schwarzwälder Kirsch und Obsttorte) bei Familie V. gefolgt, einer Einwandererfamilie, die schon vor 50 Jahren immigriert ist. Der Kontakt kam dank WWW über die Tochter, die seit langen Jahren in Deutschland lebt und zurzeit hier ihren Urlaub verbringt, zustande. Der Garten erinnerte uns an Tante Sigrid's Reich, alles blühte und duftete, der Rasen war 1a gepflegt und wurde selbstverständlich von einem Gartenzwerg 'bewacht'.
Es ist immer wieder spannend, den Geschichten anderer Einwanderer zu lauschen, in diesem Fall die anfängliche Zeit auf der Familien-Farm in Lethbridge, wo das Wasser noch aus dem Fluss geholt werden musste, bis dann der erste Brunnen gebaut wurde. Das Einwandererleben war früher mit Sicherheit härter und entbehrungsreicher. Da müssen wir uns ja fast schämen, dass bei uns alles so glatt läuft, und wir heute sogar eher weniger 'ackern' als in Deutschland. So verging die Zeit im Fluge, mit Vergleichen von hüben zu drüben, von früher zu heute, die Hausherrin verschwand und kam kurze Zeit mit ein paar zünftigen Schnittchen zurück, und wenn uns nicht die Mücken vertrieben hätten, hätten wir wohl noch bis nach Mitternacht geplaudert…

Sonntag, 16. Juli 2006

Zu Hause!

Mit 27 Kartons sind wir nach Kanada eingewandert, doch hier haben sie sich irgendwie unkontrolliert vermehrt. Jedenfalls waren es zum Schluss unerklärlicherweise 46 Kisten. Der Umzug mit der Firma Schulz (!) hat reibungslos geklappt. Am 14. Juli um 12:30 Uhr wurde unser Umzugsgut in einen Riesentruck geladen (Zwei Drittel des Stauraumes blieb leer...) und um kurz vor Drei waren wir pünktlich zur Schlüsselübergabe an unserem neuen Domizil eingetroffen. Das Abladen und der Transport in den vierten Stock hat dann noch einmal zweieinhalb Stunden gedauert. Da die Wohneinheit bereits grundgereinigt war, mussten wir selbst nur noch wenige Handgriffe erledigen, und konnten ab sechs Uhr mit dem Aufbau der Möbel beginnen. Um Mitternacht haben wir unsere Aktivitäten zwecks Erholungsschlaf kurz unterbrochen, um am nächsten Morgen ab 7:00 Uhr weiterzumachen. 'Mr. Shaw' kam dann gegen 9:00 Uhr, um Internet und Kabel anzuschließen und um 16:00 Uhr war alles abgestaubt, gespült und eingeräumt. Nach einer kurzen Kaffeepause sind wir dann zu unserer alten Adresse aufgebrochen, um dort noch einige Stunden mit der Endreinigung zu verbringen. Puh, war das ein langer, arbeitsreicher Tag. Heute treffen wir unsere (Ex-)Vermieterin zwecks Schlüsselrückgabe und dann haben wir endlich Wochenende... Gerade genießen wir den Blick in den Wald, die leichte Brise und das Urlaubsgefühl, das sich mit unserem neuen Wohnort sofort einstellt! Bilder
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Donnerstag, 13. Juli 2006

23:00


Da wir nun etwa 30 km weiter südlich wohnen werden, haben wir noch einmal einen kleinen Ausflug durch das nordwestliche Farmland gemacht, um uns von unseren Nachbarn zu verabschieden...



Bye, bye Northwest Calgary, hello Southwest Calgary.

Moving Day @ Mager's

Morgen ist es endlich soweit, wir ziehen um! Aber bevor es dazu kam, hatten wir noch eine recht aufregende Zeit... Der Arbeitskräftemangel in Calgary hat nämlich auch zu Engpässen bei den Abläufen unseres Kreditinstitutes geführt. Jedenfalls hatten wir bis letzte Woche immer noch keinen Kreditvertrag unterschrieben, was uns verständlicherweise etwas nervös machte... Auf unsere wiederholten Anfragen, ob es nicht doch vielleicht langsam mal an der Zeit wäre, alles in trockene Tücher zu bringen, kam regelmäßig die Antwort, dass im Moment halt viel zu tun sei und dass alles noch rechtzeitig erledigt würde. Wenige STUNDEN vor unserem Abschlusstermin mit dem Bauherrn wurden dann erst einmal die falschen Kreditunterlagen an unseren Anwalt geschickt. Wir mussten also den Anwaltstermin kurzfristig verschieben, bis die Bank schließlich die richtigen Dokumente hinterher schickte.
Letztendlich ist aber alles gut gegangen, am Dienstag haben wir unsere Verträge unterschrieben, und heute hatten wir dann die Erstbegehung. Die Wohnung macht einen sehr guten Eindruck, die Wände sind makellos, die Fliesen sind ordentlich verlegt, das Parkett sieht wunderbar aus, der Kühlschrank ist riesig, der Kamin funzt (!) und auch die Bäder können sich sehen lassen. Fotos gibt's später noch. Verglichen mit deutschem Standard sind bei einigen Dingen jedoch leichte Abstriche in Kauf zu nehmen. So ist zum Beispiel der Parkettboden nicht versiegelt, die Heizung lässt sich nicht individuell für jeden Raum regeln und Fenster zum Schwenken und Kippen sucht man auch vergebens (wir haben Schiebefenster). Dafür ist die Wohnung sehr hell und der Blick in den Wald ist einfach wunderschön! Nebenbei hat das Appartment seit unserem Kauf im September 2005 bereits eine Wertsteigerung von etwa 50% erfahren, wer will sich da also über Kleinigkeiten aufregen?

Jetzt hoffen wir nur, dass das Umzugsunternehmen pünktlich ist und beim Umzug nicht all zu viel kaputt geht. Für einen Tag werden wir ohne Internet sein (keine Ahnung, wie wir das überleben werden), doch für kommenden Samstag haben wir schon den netten Herrn von Shaw 'eingeladen', damit er unseren neuen Internet-Anschluss installiert.
Und dann sind wir, nach 15 Monaten Kanada, ZUHAUSE angekommen!

Donnerstag, 6. Juli 2006

Das Wetter

Vor gut zwei Stunden hatten wir noch schwüle 28°C, aber nach einem Regen- und Hagelschauer hat es sich bereits auf angenehme 18°C abgekühlt. Davon versprechen wir uns, dass wir wenigstens diese Nacht mal wieder durchschlafen können, denn in unserem kleinen Plastik-Holz-Bungalow waren es in den vergangenen Tagen nämlich meistens um die 26° bis 28°C (drinnen...)

Neues vom Straßensee: Hinter dieser Wasserwand verbirgt sich ein Porsche...

Langsam beginnen die ersten Umzugsvorbereitungen: 17 Kisten sind bereits gepackt und heute rief der Spediteur zwecks Terminbestätigung zurück.

Sonntag, 2. Juli 2006

Migration und Fußballfieber

In der Online-Ausgabe der Tagesschau war heute ein Interview mit einem Migrationsforscher nachzulesen, der auf die Folgen der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte hinwies. Den
Artikel dazu gibt's hier.


Während wohl vermehrt Fachkräfte Deutschland verlassen, kommen gleichzeitig weniger gut ausgebildete Menschen ins Land hinein. Vielleicht sollte sich die deutsche Politik überlegen, eine Art Punktesystem nach kanadischem Vorbild einzuführen, um so das Gleichgewicht wieder herzustellen.


Dank Fußballfieber wurde der Canada Day gestern von einem internationalen Fahnenmeer begleitet. Auch wir fahren natürlich mit Deutscher Flagge am Auto herum und haben die Bitburger Fahne neben unserer Kanada Flagge gehisst. Roland führte an einer Tankstelle ein kurzes Fachgespräch mit einem anderen Fahrer mit Deutschland Flagge am Wagen. Am Abend gab es standesgemäß zum feierlichen Anlass eine Currywurst (mit selbstgemachter Curry-Sauce). Die Fans feiern hier unabhängig von Sieg oder Niederlage friedlich miteinander und wünschen den Halbfinale-Teilnehmern
Good Luck!
In den Medien wird immer wieder von der tollen (friedlichen) Party-Stimmung bei der WM berichtet, und im Besonderen wird die hervorragende Organisation und das vorbildliche Gastgeberland gelobt. Für das kommende Spiel gegen Italien werden wir wieder einmal das Verständnis unserer Arbeitgeber strapazieren, denn wir 'müssen' uns den Dienstag Nachmittag frei nehmen...