Donnerstag, 1. Juni 2006

Deutsche Sprache in Kanada

Daheim wird sich ja gern über die Amerikanisierung der deutschen Sprache (man denke nur an die Kunstwörter Showmaster oder Handy...) aufgeregt. In Kanada gehören im umgekehrten Fall deutsche Wörter zum normalen Sprachgebrauch. Der lokale VW Händler nennt sich Autohaus Calgary und weil wir gerade davon sprechen, hier sind weitere deutsche Worte im kanadischen Alltag:
Kulinarisches verewigt sich in Schnitzel, Bratwurst, Apple Strudel und Sauerkraut. Große Gefühle werden so formuliert: Angst, Schmus(ing), Schadenfreude, Gesundheit und Weltschmerz. Redneck Country bezeichnet man als Hinterland, und die Rockies überzieht ein Alpen Glow. Im kulturellen Bereich geht es besonders hoch her: da gibt es Gestalt, Sturm und Drang, Zeitgeist und das Wunderkind. Die Abteilung Kurioses hat den Rucksack und Doppelganger zu bieten und für alles, was im Vergleich besser dargestellt werden soll, setzt man 'uber' (über) vor das eigentliche Wort.
Mehr davon gibt es auf: http://www.germanenglishwords.com. Für jeden Tag ein neues englisches Wort gibt es bei: http://wordsmith.org/awad/index.html. Inwischen haben wir einige Lieblingswörter, u.a. serendipity = glücklicher Zufall, eine perfekte Beschreibung unseres bisherigen Lebens in der neuen Heimat. Denn between jobs = arbeitslos, sind wir hier nicht lange geblieben. Warum eine bumble bee = Hummel entgegen aller physikalischer Gesetze fliegt, werden wir wohl nie herausfinden. Vielleicht fehlt uns dazu ingenuity = der nötige Scharfsinn, albeit = obgleich wir vermuten, dass die Hummel die Gesetze der Natur auch nicht versteht. Sie fliegt halt einfach.
Obwohl wir nun über ein Jahr englisch leben, arbeiten und sogar träumen, gibt es immer noch Situationen, bei denen ein Übersetzer hilfreich wäre. Sonja's Telefonat mit einem texanischen Ingenieur endete mit einem Hilferuf zum Boss. Kanadische Teenager-Sprache bleibt uns ebenfalls ein Rätsel. Wir wissen die halbe Zeit nicht, worüber Rachel, Araby oder Dominic, die Kinder unserer Freunde reden. Auch Fernsehen kann zur Herausforderung werden. Angenehm ist, dass man sich für jede Sendung Untertitel hinzuschalten kann, welche z.T. live editiert werden, wenn es sich beispielsweise um Nachrichten handelt. Dieses Closed captioning wird meist von großen Unternehmen gesponsort, welches dann auch jedes Mal vorher angesagt oder eingeblendet wird. Seit 1993 gibt es in den USA sogar ein Gesetz, welches vorschreibt, dass TV Sets größer 13" mit einem eingebauten Spezialdecoder ausgestattet sein müssen, um diese Text-Signale empfangen zu können. (Television Decoder Circuitry Act). Nicht nur ist dies eine praktische Sache für Gehörlose, sondern auch für uns Immis!

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