Mittwoch, 28. Juni 2006

Bitte ein Bit

Jetzt sind auch wir stolze Besitzer einer der 1.3 Mio Fahnen, die die Bitburger Brauerei im Rahmen der Fußball-WM als Zugabe zum Bier verteilt hat. Ja, auch das flüssige Gold selbst hat den langen Weg über den Teich zu uns gefunden, harmlos in Begleitung einer Urlauber-Familie. Die unauffällige Übergabe fand dann im Rahmen eines Treffens in der Downtown Old Spaghetti Factory statt. Unter der 'Schmuggelware' befanden sich weiterhin unter anderem beliebte Produkte der Firma Douwe Egberts, Katjes, Kraft und Feodora. So jetzt haben wir unseren Beitrag zur Schleichwerbung geliefert. Aber was soll man machen, Grundbedürfnisse müssen nun mal gedeckt werden. Genauso haben wir uns über die mitgebrachten deutschen Zeitschriften gefreut. Tausend Dank nochmal, liebe Familie E. aus N. bei M. Wir freuen uns schon auf das nächste Treffen nach Eurer Rundreise durch die Rockies.

Sonntag, 25. Juni 2006

Großartig!

Damit meinen wir natürlich im Besonderen das hervorragende Abschneiden der Klinsmänner gegen die Ikea-Boys. Während in Deutschland wahrscheinlich die Nation zur Kaffeezeit mitgefiebert hat, wurde uns das Spiel per TSN und Rogers Sportnet gestern zum Frühstück serviert.
 
Genauso begeistern konnten wir uns gestern nachmittag bei einem Trip in den Nordwesten. Denn nur ein paar Minuten von uns entfernt liegt der kleine aber feine Provincial Park Big Hills Springs, in dem wir bei unserer Wanderung Flora und Fauna an der Grenze zwischen Prärie und Parkland genießen durften. Es gab milde 26°C mit einem erfrischendem Westwind.




Freitag, 23. Juni 2006

Titelseite

Für uns immer wieder eine Quelle der Information und Kultivierung der englischen Sprache, aber auch der Belustigung, ist der CALGARY HERALD, die hiesige Tageszeitung. Wenn die Titelseite mal nicht mit einem Sportergebnis aufwarten kann, gibt es einen aktuellen Bericht von der red-hot economy Front. Unfassbar im Vergleich zum deutschen Arbeitsmarkt, wo Hiobsbotschaften von tausenfachen Entlassungen an der Tagesordnung sind: Hier müssen Firmen schließen, da sie nicht mehr genügend Arbeitskräfte finden können. Wie so oft, geht es um Handwerker aller Art, die hier im boomenden Alberta fehlen. Wo bleiben all die arbeitslosen Europäer, müssen wir uns da zwangsläufig fragen.
Die Inflationsrate in Alberta wird mit derzeit 4.5% angegeben (vor allem natürlich wegen explodierender Wohnungspreise), aber die Gehaltserhöhungen sind dieser mit durchschnittlich 7.3% noch weit voraus.
Auf Seite 2 geht es dann mit solchen Nachrichten weiter: Die Kreditkarte ist auf den Hund gekommen. Während wir als Neu-Immis zunächst für kreditunwürdig befunden wurden, ist es scheinbar für den kanadischen Hund (ein Boxer aus Quebeq, geb. 12. Mai 2005, Beruf: Wach'mann') kein Problem, eine Kreditkarte zu beantragen, allerdings hat Caspar Boxer, so der Name, nur ein Kreditlimit von 1000$. Neben einer WelcomeHomeParty für die glücklosen Oilers (welche das Hockeyfinale verloren haben) und Viagra für US-Truppen gibt es dann irgendwann ab Seite 7 auch mal eine Doppelseite Meldungen vom weniger interessanten Weltgeschehen... Nur gut, dass es das Online-Angebot der Tagesschau gibt!

Mittwoch, 21. Juni 2006

Sommeranfang




Kanadischer Sommer ist so eine Sache für sich. 
Die Bilder haben wir von unserer Terrasse mit Seeblick geschossen,
 den Kids scheint's zu gefallen...

Freitag, 16. Juni 2006

Lieblingsgerichte und Entfernungen

Zum krönenden Abschluss von Mom's Urlaub gab es gestern hausgemachte Rouladen. Allerdings stellte uns der Einkauf des 'Rohstoffes' vor eine kleine Herausforderung. Überraschenderweise wurden wir aber bereits im nächstgelegenen, übrigens recht gut sortierten, SAFEWAY fündig. Somit blieb uns eine aufwändige Jagd nach deutschen oder polnischen Metzgern rund um Calgary erspart. Da man so ein kulinarisches Erlebnis nicht allein genießen sollte, hatten wir diesmal einen jungen Deutschen aus dem 4.622 km entfernten New Brunswick zu Gast, der als gelernter Maurer in Calgary zur Zeit die besten Berufsaussichten vorfindet. Über viereinhalbtausend Kilometer nach Westen, und immer noch in Kanada. Dagegen ist die Strecke Calgary-Vancouver mit knapp tausend Kilometer Entfernung fast ein Katzensprung. Im Vergleich zu europäischen Entfernungsmaßstäben sind es gemäß http://www.de.map24.com/ beispielsweise von Köln…
… zum Nordkap nur 3.200 km
… nach Moskau 2.400 km
… nach Lissabon 2.200 km
… nach Palermo 1.800 km
… sogar nach Ankara lediglich 2.900km
… und selbst bis nach Reykjavik sind es nur knapp 3.300km.
Es hat schon was Faszinierendes, im zweitgrößten Land der Welt zu leben! Und heute fliegt Mom in das 7.400 km entfernte Wuppertal zurück. Tschüss, es war lecker mit Dir, komm' bitte bald wieder...

Sonntag, 11. Juni 2006

Ostfriesland oder was?

Wir haben die Regenpause genutzt, um einen Ausflug durch das Farmland von Alberta zu machen. Nachdem Mom dann aber wiederholt den Vergleich zu Ostfriesland gezogen hatte (die Hügel da sehen aus wie Deiche…), war es uns genug. So sind wir in die badlands zum Dinosaur Provincial Park gefahren, einem Eldorado für Dinosaurier-Enthusiasten. Das brandneue Besucherzentrum bietet ausgezeichnete Informationen um die aktuellen Ausgrabungen, eine Ausstellung und eine Videovorführung. Mit jedem Regenfall werden in diesem von der UNESCO als Weltkultur-/naturerbe erklärten Park wieder neue Fossilien aus den Sedimenten gewaschen, bisher wurden 35 Spezies entdeckt. Mehr auf http://whc.unesco.org/en/list/71
Der Niederschlag hatte die Wüstenlandschaft in ein fast unwirkliches Grün verwandelt, und sogar die Kakteen blühten. Mom war diesmal sprachlos und hatte mal keine Vergleichsmöglichkeiten… denn so etwas hatte sie bisher nicht gesehen…

Donnerstag, 8. Juni 2006

Das Abenteuer geht weiter...

...oder Mom - beim Anblick des Bow River - hier sieht's ja fast aus wie in Wuppertal (nur die Schwebebahn fehlt noch!). Was Mom nun auf diese Idee gebracht hat, das weiß der Himmel. Wir vermuten jedoch, dass sie damit ausdrücken sollte, dass sie sich hier doch irgendwie zuhause fühlt ;-) Das kennen wir! Was soll man auch sagen, wenn man solche Highlights der Rocky Mountains wie Peyto Lake, Bow Lake (Picknick), Moraine Lake und Lake Louise (mit 'hauseigenem' Alphornbläser) erleben darf. Der gestrige Abend wurde dann bei einem vorzüglichen Essen beim Italiener (Buon Giorno auf der 17. Ave SW) im Rahmen unseres Expat-Treffens abgerundet. Leider scheint uns nun das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen, denn für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Nur gut, dass in und um Calgary auch genügend Indoor-Aktivitäten (Chinook-Mall, Market-Mall, Sunridge-Mall...) angeboten werden. Shop 'til you drop, heißt nun die Devise!
 

Aktuelle Schlagzeilen

Prima, dass wir gerade Urlaub haben, denn so können wir von Zeit zu Zeit die Fußballweltmeisterschaft verfolgen. Die Spielergebnisse finden auch Einzug in die lokale Presse. So berichtet der Calgary Herald nach dem Sieg der deutschen Mannschaft über Costa Rica z.B. vom 'Klose Encounter' in Anspielung auf den Titel des SF-Films 'Close Encounter of the 3rd Kind'. In den Medien und der Werbung zur WM hält sich währenddessen hartnäckig das Klischee des Deutschen, der in Lederhosen herumläuft und schon zum Frühstück Bier trinkt. Damit können wir ja leben, aber warum sollte es bitte ausgerechnet Budweiser sein?
Eine weitere Nachricht ist für den potentiellen Immigranten sicher von größerem Interesse: 'Employment breaks record!' Die Arbeitslosenquote in Alberta hat mit 3.4% einen neuen Tiefststand erreicht, in ganz Kanada wurden im Mai fast 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, 32.000 davon in Alberta. Die meist gesuchten Berufe sind in den Branchen Gesundheit und Pflege, der Bauindustrie, im Öl- und Gassektor und im Hotel-/Gaststättengewerbe zu finden. Da Calgary weiter wachsen will und muss, steht die Stadt derzeit mit den umliegenden Bezirken in Verhandlung, um weitere 150qkm als Bauland zu akquirieren. Und damit wieder ist ein Riesenpotential an Arbeitsplätzen in Sicht…

Mittwoch, 7. Juni 2006

Mom's Abenteuer in Cow Town

Am Sonntag wurde Mom das übliche Touristenprogram serviert: Downtown's Fußgängerzone, Calgary Tower, Prince's Island Park und Chinatown. Leider hat die Anzahl der Bettler im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Bei einer Arbeitslosenquote um 3% ist dies wirklich kaum zu glauben, aber da fragte doch tatsächlich einer vor einem Schild 'Help Wanted' nach Change (Kleingeld). Heute sind wir in den Heritage Park, in dem Calgary's historische Vergangenheit in einem Freilichtmuseum dargestellt wird. Auf den Straßen begegneten uns unter anderem 'Einwohner' in historischen Kostümen, aber auch dieser Herr, von dem Mom ganz begeistert war:

 

Samstag, 3. Juni 2006

Besuch aus Deutschland

Sonja's Mom ist am Freitag mit dem Flieger aus Frankfurt gelandet, mit etwa 90minütiger Verspätung, da zwei Touristen-Paare in Frankfurt verloren gegangen waren und zunächst einmal wieder eingefangen werden mussten... So ist es dann 2:30 Uhr morgens - gemessen in deutscher Zeit - geworden, ehe wir sie am Flughafen von Calgary in Empfang nehmen konnten. Zur Belohnung gab es erst mal eine Flasche gutes deutsches Bier...
Eigentlich will Mom ja gar nicht so viel herum reisen, sondern uns lieber regelmäßig bekochen. DAS kann sie haben! Am heutigen Samstag geht es schon los mit Porree-Suppe, morgen gibt es Ahornsirupkrustenbraten (eine kanadisierte Abwandlung ihres berühmten Honigkrustenbratens) und Tiramisu. Damit das ganze auch mit ordentlichen Zutaten zubereitet werden kann, waren wir deshalb heute schon mit ihr auf dem Farmer's Market. Während wir gerade diese Worte nieder schreiben, füllt sich die Wohnung bereits mit dem Duft der Porreesuppe. Yummy!

Donnerstag, 1. Juni 2006

Deutsche Sprache in Kanada

Daheim wird sich ja gern über die Amerikanisierung der deutschen Sprache (man denke nur an die Kunstwörter Showmaster oder Handy...) aufgeregt. In Kanada gehören im umgekehrten Fall deutsche Wörter zum normalen Sprachgebrauch. Der lokale VW Händler nennt sich Autohaus Calgary und weil wir gerade davon sprechen, hier sind weitere deutsche Worte im kanadischen Alltag:
Kulinarisches verewigt sich in Schnitzel, Bratwurst, Apple Strudel und Sauerkraut. Große Gefühle werden so formuliert: Angst, Schmus(ing), Schadenfreude, Gesundheit und Weltschmerz. Redneck Country bezeichnet man als Hinterland, und die Rockies überzieht ein Alpen Glow. Im kulturellen Bereich geht es besonders hoch her: da gibt es Gestalt, Sturm und Drang, Zeitgeist und das Wunderkind. Die Abteilung Kurioses hat den Rucksack und Doppelganger zu bieten und für alles, was im Vergleich besser dargestellt werden soll, setzt man 'uber' (über) vor das eigentliche Wort.
Mehr davon gibt es auf: http://www.germanenglishwords.com. Für jeden Tag ein neues englisches Wort gibt es bei: http://wordsmith.org/awad/index.html. Inwischen haben wir einige Lieblingswörter, u.a. serendipity = glücklicher Zufall, eine perfekte Beschreibung unseres bisherigen Lebens in der neuen Heimat. Denn between jobs = arbeitslos, sind wir hier nicht lange geblieben. Warum eine bumble bee = Hummel entgegen aller physikalischer Gesetze fliegt, werden wir wohl nie herausfinden. Vielleicht fehlt uns dazu ingenuity = der nötige Scharfsinn, albeit = obgleich wir vermuten, dass die Hummel die Gesetze der Natur auch nicht versteht. Sie fliegt halt einfach.
Obwohl wir nun über ein Jahr englisch leben, arbeiten und sogar träumen, gibt es immer noch Situationen, bei denen ein Übersetzer hilfreich wäre. Sonja's Telefonat mit einem texanischen Ingenieur endete mit einem Hilferuf zum Boss. Kanadische Teenager-Sprache bleibt uns ebenfalls ein Rätsel. Wir wissen die halbe Zeit nicht, worüber Rachel, Araby oder Dominic, die Kinder unserer Freunde reden. Auch Fernsehen kann zur Herausforderung werden. Angenehm ist, dass man sich für jede Sendung Untertitel hinzuschalten kann, welche z.T. live editiert werden, wenn es sich beispielsweise um Nachrichten handelt. Dieses Closed captioning wird meist von großen Unternehmen gesponsort, welches dann auch jedes Mal vorher angesagt oder eingeblendet wird. Seit 1993 gibt es in den USA sogar ein Gesetz, welches vorschreibt, dass TV Sets größer 13" mit einem eingebauten Spezialdecoder ausgestattet sein müssen, um diese Text-Signale empfangen zu können. (Television Decoder Circuitry Act). Nicht nur ist dies eine praktische Sache für Gehörlose, sondern auch für uns Immis!