Samstag, 27. Mai 2006

Wohnungs-Update

Wir konnten ja immer noch nicht so ganz glauben, dass im Juli Einzugstermin sein soll, aber am Donnerstag haben wir tatsächlich einen offiziellen Brief erhalten, der unsere Erstbegehung und Wohnungsübernahme noch einmal bestätigte. Klasse! 

Außerdem erhielten wir einen Anruf von unserer Kredit-Sachbearbeiterin, denn unser Kreditrahmen muss den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Durch die Vorverlegung fehlen uns nun nicht nur drei Monate Verdienst, sondern auch drei Monate Kredit- und Einkommenshistorie. Damit können wir das für den "Welcome to Canada"-Kredit benötigte Eigenkapital nicht erreichen und müssen neu geprüft werden, diesmal auf der Grundlage unseres Einkommens. Das sollte laut unserer Sachbearbeiterin allerdings auch kein Problem sein, auch wenn "die kurze Arbeitshistorie (!!!!!)" es etwas schwieriger gestalten würde. Wir haben zusammen ja auch erst knapp vierzig Arbeitsjahre auf dem Buckel... Einfacher ist es da, wenn man Canadian ist. Da braucht es nur 5,000$ auf dem Konto, und schon bekommt man einen Kredit über 200,000$..., Sonjas Kollege ist jedenfalls auf diese Weise zu seinem Haus gekommen.
Wir sind dann gleich mal wieder bei unserer Wohnung vorbei gefahren und sind dort ein bißchen spazieren gegangen. Bei der Gelegenheit konnten wir auch ein Foto von unserem neuen Zuhause machen, das erklären sollte, warum wir uns schon so sehr darauf freuen:


Montag, 22. Mai 2006

Victoria Day

Rolands Kollege Bruce meinte, dass wir Immigranten den Victoria Day (24.05.) nicht begehen dürften, da das Englische Königshaus ja nicht unseres wäre. Auf die Frage, wer denn Königin Victoria sei, meinte er, es handele sich um die Mutter von Königin Elisabeth. Moment, Victoria starb im Januar 1901, Elisabeth wurde 1926 geboren. Ein biologisches Wunder? Eine X-Akte? Wir glauben, damit hat sich Bruce aber auch das Recht verspielt, diesen Feiertag frei zu bekommen. Wie kommt es aber, dass der Geburtstag Victorias diesmal am 22. stattfindet? Das haben wir den Regeln der Statutory Holidays Canada zu verdanken, die bestimmen, dass jeweils der Montag vor dem 24. Mai zum (bezahlten) Feiertag erhoben wird. Die Kanadier nennen das erste lange Frühlingswochenende, welches die Camper Saison einläutet, auch The May 2-4 Weekend. Dabei steht Two-Four zum einen für den vierundzwanzigsten, zum anderen aber auch für einen Kasten Bier, etwas, das offensichtlich auf keinem Camping-Ausflug fehlen darf.
Dieses lange Wochenende wird insbesondere vom albertanischen Redneck dazu genutzt, seinen Geländewagen ins Hinterland der Rockies auszuführen, um dort Off-Road, also jenseits der normalen Straßen, das Abenteuer zu suchen. Laut Calgary Herald muss es dieses Jahr jedoch recht frustrierend gewesen sein, denn der RCMP (Royal Canadian Mounted Police) hat sich entschlossen, hierzu Regeln(!) einzuführen. Ab sofort darf nicht mehr jedes Offroad-Fahrzeug überall fahren! Noch schlimmer, diese Regeln wurden an diesem Wochenende sogar kontrolliert und bei Verstoß mit bis zu 1000 $ Strafe geahndet! Und um das ganze Elend komplett zu machen, gab es wegen der Trockenheit momentan auch noch ein Verbot, Lagerfeuer zu machen! Das Leben eines Rednecks ist schon wirklich hart... 

Samstag, 20. Mai 2006

Reisefieber

Provinzen und Territorien in Kanada, die wir in den vergangenen Jahren wir bereits bereist haben:

British Columbia
Alberta
Ontario 
Quebec
Yukon


Die wenigen Urlaubstage schränken leider unsere Entdeckungsreisen etwas ein. Gern würden wir mal ein paar Wochen in den Maritimes verbringen, besonders New Brunswick und Nova Scotia interessiert uns. Aber das muss wohl warten. Zur Entschädigung machen wir halt fast jedes Wochenende einen Wanderausflug und für Juni ist mal wieder ein Kurztrip nach BC geplant. Ja, wir haben es schon schwer...

Dienstag, 16. Mai 2006

Chronologie eines Immobilienerwerbs

Schon seit unserer Ankunft hatten wir den Wohnungsmarkt in Calgary mit großem Interesse verfolgt und den darauffolgenden Monaten unzählige Show Homes in allen möglichen Stadtteilen besichtigt. Sollte es das Apartment in Downtown werden oder doch lieber das Einfamilienhaus mit Vorgarten in Okotoks? In welchem Stadtteil würden wir uns am wohlsten fühlen? Und vor allem, wie vermeiden wir das tägliche Martyrium des Deerfoot Trail?
Geografisch hatten wir uns dann schnell für den Süden entschieden, Nähe zum Arbeitsplatz, kein Deerfoot, Flussnähe und somit mehr Vegetation. Leider waren wir nicht die einzigen Interessenten. Der Immobilienmarkt explodierte und ein renovierungsbedürfter Holzschuppen in Autobahnnähe wurde plötzlich zum Luxusobjekt. Da uns jeglicher Hang zum Handwerk und zur Gartenarbeit sowieso abgeht (Homo Urbanensis), haben wir uns recht schnell auf den Erwerb einer Wohnung festgelegt. Das Objekt sollte auf jeden Fall Betonbauweise sein (es gibt auch Mehrfamilienhäuser in Holzbaukonstruktion), über einen Tiefgaragenstellplatz verfügen (im Winter unbezahlbar) und einen Park oder Golfplatz (zum Joggen und Langlaufen...) in der Nähe haben.
Am 26. September 2005 (kurz vor unserem Besuch in Deutschland) haben wir dem Makler unseres zukünftigen Bauherrn unsere Kaufabsicht für ein favorisiertes Objekt signalisiert. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht einmal, ob wir überhaupt einen Kredit bekommen würden, aber da die Verkaufspreise im Oktober erhöht werden sollten, haben wir uns die Wohneinheit vorsichtshalber schon mal reservieren lassen. Hilfreich zum Vergleich der Kreditzinsen sind übrigens die zahlreichen kostenlosen Ratgeber wie z.B. Condo-Guide, die in Safeway, Superstore usw. ausliegen. Banken anmailen und auf Antwort warten, das geht recht schnell.
 Am 27.September 2005 erhielten wir bereits von der Bank unseres Vertrauens ein vorläufiges Kredit-Angebot, welches dem Makler weiter geleitet wurde. Von Neuankömmlingen in Kanada wird grundsätzlich ausreichendes Eigenkapital (Down Payment) oder der Abschluss einer Zusatzversicherung (für den Fall der Zahlungsunfähigkeit) verlangt. Aber da unser Einzugstermin erst im Spätsommer 2006 sein sollte, hatte man uns zugesichert, dass wir bis dahin genug Kredit- und Arbeitshistorie aufgebaut haben würden, um diese Hürde umgehen zu können. Im Vergleich dazu bringt der Durchschnittskanadier übrigens selten mehr als 5 bis 10% Eigenkapital mit, aber muss keine Zusatzversicherung abschließen...
Am 8. Oktober 2005 haben wir das Purchase Agreement, den Kaufvertrag, unterschrieben. Auch bei Immobilien wird die Mehrwertsteuer (GST) fällig, daher sollte man sich klar darüber sein, ob man über den Netto- oder Bruttopreis verhandelt. Bei Neubauten wird nur die halbe GST fällig, bei Gebrauchtimmobilien die vollen 7%. Notar- oder Gerichtskosten waren bis dahin nicht angefallen, jedoch war die erste Anzahlung fällig.
Am 11. November 2005 fand der Termin im Design-Center statt, in dem die Beratung zur individuellen Gestaltung der Innenausstattung erfolgte. Modell bei unserem zukünftigen Wohnraum stand das Wickanninish Inn, ein Hotel in Tofino auf Vancouver Island, von dem wir auch noch Fotos hatten. So waren Fußbodenbeläge, Wandfarbe, Küchenausstattung, Bäder, Schränke und Kamin innerhalb von zwei Stunden ausgesucht, und wir waren atemlos und erschöpft und um noch mehr harte Canada-Dollars ärmer. Bis dahin hatten wir das Projekt nur einmal im Rohbau besucht, Zutritt auf der Baustelle ist Unbefugten verboten, in dem Fall sind auch wir Käufer unbefugt, da die Wohnung schlüsselfertig übergeben wird. Aber ein paar nette Gespräche mit Bauarbeitern hat uns zumindest in der Hoffnung bestärkt, dass dort Qualitätsarbeit geleistet wurde.
Im Januar 2006 haben wir die zweite Anzahlung geleistet, ansonsten passierte außer den monatlichen News-Letters, die den Bau-Fortschritt dokumentierten (die Fenster waren eingesetzt), nichts.
Im April 2006 durften wir zwar wieder zahlen, ansonsten blieb Funkstille. Was uns jedoch nicht davon abgehalten hat, der Baustelle regelmäßige Besuche abzustatten und uns persönlich vom Bau-Fortschritt zu überzeugen. Inzwischen war das Dach gedeckt und dank des milden Winterwetters war das Projekt dem Plan fast zwei Monate voraus, wow!
Am 15. Mai 2006 erhielten wir den Anruf, dass wir unsere Bank und unseren Anwalt (eine Empfehlung unsers Maklers) zwecks Bereitsstellung der Kreditsumme kontaktieren sollten, denn unser Übergabetermin soll bereits am 13. Juli 2006 und der Einzugstermin am 14. Juli 2006 (hier wurde uns von 15 bis 18 Uhr der Fahrstuhl reserviert) stattfinden. Das ist fast drei Monate eher, als erwartet! Also werden wir schon einmal unseren Mietvertrag kündigen... Fortsetzung folgt!

Montag, 15. Mai 2006

Das wird ein Sommer!

eute gibt es gleich zwei erfreuliche Neuigkeiten. Zum einen ist in Calgary der Sommer eingezogen! Wir haben heute zum ersten Mal die 30°C-Marke gesprengt, und die nächsten Tage sollen genauso schön bleiben. Genau wie die winterliche Kälte ist die Hitze hier jedoch vergleichsweise angenehm, denn die Luft ist auch im Sommer sehr trocken. Allerdings steht uns mit dem Juni noch der regenreichste Monat bevor, und das war im letzten Jahr ja schon ziemlich beeindruckend...
Zum anderen haben wir heute die Nachricht über unseren Einzugstermin für unsere neue Wohnung bekommen. Es wird der 14. Juli werden, und damit etwa 3 Monate vor dem ursprünglich avisierten Termin! Der extrem milde Winter (wenig Schnee und nur ein paar Tage um minus 30°C) haben es möglch gemacht... Wir freuen uns schon riesig auf den Blick von unserem Balkon in den Wald! Wir werden ein Zeitfenster nachmittags erhalten, während dessen wir den Aufzug für unseren Einzug blockieren dürfen, das sollte für unsere dreieinhalb Möbelstücke eigentlich reichen. Jetzt müssen unserer Bank Bescheid sagen, damit sie das Geld bereit stellt. Diese wird sich dann mit "unserem" Anwalt (vom Bauherren empfohlen) in Verbindung setzen. Die notwendigen notariellen Schritte sollen hier in Kanada wesentlich einfacher und preisgünstiger sein als in Deutschland. Wir werden berichten! 

Sonntag, 14. Mai 2006

Wuppertal ist überall

Als wir am Samstag von unserer kleinen Wanderung durch den Heart Creek Canyon zurück kamen, parkte hinter unserem Toyota ein Golf mit einem sehr vertrauten Kennzeichen (siehe oben). Es ist ein sehr netter Brauch bei Immigranten, ein Kfz-Kennzeichen aus dem Heimatland mit zu bringen, um es vorn ans Auto zu montieren und damit die Herkunft zu dokumentieren (albertanische Nummernschilder sind nur hinten). Leider hatten wir diese gute Idee nicht, unser GL-PF 925 ist längst im deutschen Recycling-Kreislauf gelandet...
Viele Grüße gehen daher an alle Wuppertaler und unbekannterweise an die Besitzer des Golfs!

Samstag, 6. Mai 2006

Kanada senkt die Steuern

...aber das Leben wird teurer... Während in good old Germany die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19% beschlossen wurde, hat sich die neue Regierung Kanadas den Plan ihres Vorgängers zunutze gemacht und ein 20 Billionen Dollar Budget für SteuerSENKUNGEN zur Verfügung gestellt. So soll u.a. die Mehrwertsteuer (GST = Goods/Services Tax) von 7 auf 6% gesenkt werden. Das hört sich insgesamt schon sehr niedrig an (vor allem im Vergleich zu zukünftigen 19% in DE), aber man darf nicht vergessen, dass die meisten Provinzen bis zu 8% Provinzsteuern aufschlagen. Wir haben jedoch das Glück, dass Alberta keine sogenannte PST erhebt.
Weiterhin soll der Eingangssteuersatz (lowest tax rate, derzeit 15.5%) um weitere 0,5% gesenkt werden. Geringverdiener und Familien mit Kleinkindern sollen Steuervorteile erhalten, und Unternehmen werden zur Wirtschaftsförderung (als wenn Kanada das derzeit brauchen würde...) mit Steuerbegünstigungen bedacht.
Details zu diesem Thema gibt es auf http://www.fin.gc.ca/budget06/pdf/briefe.pdf
Ein Negativeffekt des albertanischen Wirtschaftswachstums und der hohen Zuwanderungsrate ist leider die Kostenexplosion in manchen Bereichen. So kostete 1 Liter Benzin 2005 noch 0.84$, heute zahlen wir 1.10$, obwohl wir in Alberta sozusagen 'an der Quelle' sitzen... Mieter erhalten unrealistische Mieterhöhungen, die sie a) bezahlen können oder b) für sie den 'Rauswurf' bedeuten. Viele Eigentümer wollen auf diese Weise ihre Mieter zügig loswerden, um die Wohneinheit renovieren zu lassen und für hohen Gewinn zu verkaufen. Denn die durchschnittlichen Verkaufspreise für Immobilien sind im Vergleich zum Vorjahr um fast 29% für Einfamilienhäuser und 21.5% für Eigentumswohnungen gestiegen. Trotzdem geht Wohnraum in Calgary 'weg wie warme Semmeln'. Wohnraum wird immer knapper und die gut verdienenden Albertaner scheinen derzeit jeden geforderten Preis zahlen zu können. (Quelle Rockiesman und www.creb.com/public/hbuyer/hb-stats-residential.htm )
Die Playoff-Season in Calgary ist schon wieder vorbei, da die Calgary Flames das entscheidende siebte Spiel gegen die Anaheim Mighty Ducks sang- und klanglos mit 0:3 verloren haben. Über die gesamte erste Playoff-Runde war bei den Flames keine Leidenschaft und kein Herz zu erkennen, deshalb geht das frühe Ausscheiden voll in Ordnung. Das normale Leben kann also wieder einkehren, und tausende Flames-Fähnchen, die an fast jedem Auto flatterten, können bis zum nächsten Jahr wieder eingemottet werden. Als Albertaner fiebern wir nun mit den Edmonton Oilers mit, die zunächst mit Ach und Krach die Finalserie erreichten und dann dort mit einer großartigen Leistung die Detroit Red Wings (den "FC Bayern" der NHL) aus dem Wettbewerb warfen.
Hier noch ein Newsflash von unserem englischen Ex-Kollegen oder auch 'Adoptivsohn' Cliff (für alle, die ihn kennen). Er hat gerade die medizinische Untersuchung erfolgreich hinter sich gebracht und wird in wenigen Tagen sein Visum für Kanada erhalten. Wir erwarten ihn also nach Ablauf seines Arbeitsvertrages im Juli, rechtzeitig zur Stampede. Dann können wir auch mal wieder "ordentliches" Englisch hören und lernen... denn viel dazugelernt haben wir seit unserer Ankunft im vergangenen Jahr leider nicht mehr.