Dienstag, 18. April 2006

Happy Anniversary: unser erstes Jahr!

Heute vor einem Jahr sind wir in Calgary angekommen! Wie unglaublich schnell die Zeit vergeht... Hier ist ein kleines Resumé unserer ersten zwölf Monate:
 
Nach langen Jahren unermüdlichen Schaffens in Deutschland hatten wir uns (zugegebenermaßen etwas blauäugig) vorgestellt, nach unserer Ankunft in Kanada erst einmal ein paar Monate Ferien zu machen. Tatsächlich haben wir einen Großteil dieser Zeit dann mit der Anmeldung bei Ämtern, Versicherungen usw. und mit der umfassenden Marktstudie 'Möbel- und Autokauf in Calgary' (Spart Euch die Zeit, geht zu IKEA und TOYOTA!) verbracht. Allerdings haben wir uns intensive Tagesausflüge ins Umland, in die Badlands, ins Kananaskis Country, die Rockies und nach Edmonton gegönnt.
Nachdem dann der Juni 2005 sprichwörtlich ins Wasser gefallen war und uns die Erwerbslosigkeit langsam nervös machte (schließlich gaben wir ja dauernd Geld aus und es kam nichts mehr nach…), haben wir uns dem kanadischen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Dieser hat uns zwar anfangs zögerlich, aber letztendlich doch willig aufgenommen. Dank Fachkräftemangels in der ganzen Provinz bekamen auch wir Greenhorns ohne kanadische Berufserfahrung unsere Chance!
 
Als Neuankömmlinge in Alberta mussten wir natürlich die Stampede in standesgemäßer Ausrüstung mitmachen. Obwohl wir uns nie wirklich für den rheinischen Karneval begeistern konnten, hat uns der Western-Karneval viel Spaß gemacht. Hier wird man uns sicher noch öfters antreffen.
 
Seit Arbeitsbeginn hat uns schließlich die Routine wieder, mit der Ausnahme, dass wir hier eine gelebte 40-Stunden-Woche haben, das Geld alle zwei Wochen fließt und Projektplanung oder die Einhaltung von Deadlines eine Fiktion ist. Urlaub haben wir bisher noch nicht gehabt (bis auf zwei Tage um Ostern), denn unsere Stippvisite in Deutschland zur Hochzeit von Sonjas Schwester konnte man nicht wirklich als Erholung bezeichnen. Schließlich bekamen wir in den 7 Tagen maximal 20 Stunden Schlaf… aber wer braucht den schon Urlaub… in der Tat gibt es Kollegen, die schon seit Jahren keine Ferien mehr gemacht haben und sich die Tage lieber ausbezahlen lassen.
 
Einen festen Platz in unserer Freizeitgestaltung haben unsere neuen Freunde Jane und Pam und die Treffen mit anderen Einwanderern, zum Beispiel mit Norbert's und Sylvia's Expat-Truppe http://ca.groups.yahoo.com/group/DeutscheInCalgary/. Darüberhinaus gilt es bei den regelmäßigen Treffen mit unseren multi-kulturellen Kollegen- und Bekanntenkreis immer wieder, unseren kulinarischen Horizont (letztlich: gegrillter Spargel!) zu erweitern. Die Wochenenden verbringen wir oft in den Bergen, in denen wir unseren neuen Hobbies Wandern, Naturkunde und - sofern Schnee vorhanden - Cross Country Skilaufen nachgehen.
 
Nach fast einem Jahr Kanada gehören zu unseren besten Erfahrungen:
- die einfache Integration
- das stressfreie Leben
- Natur und Wildlife vor der Tür
- die Wertschätzung deutscher Ausbildung und europäischer Arbeitserfahrung
- die Entdeckung der 40-h-Woche (und wir meinen v i e r z i g!)
- das Shopping am Sonntag
- Langlaufski und Hundeschlittentour
 
Negative Eindrücke gab es natürlich auch:
- Keine Kreditwürdigkeit für Neueinwanderer
- Hoher Kfz-Versicherungs-Einsteigertarif
- Niedriges Umweltbewusstsein
- Extrem schlechte Autofahrer (und in jedem Deutschen steckt ein Verkehrserzieher…)
- Nachrichten auf Boulevard-Zeitungs-Niveau (und wir streamen uns die Tagesschau…)
 
Das Leben in Kanada ist für uns, was die Franzosen unter ihrem Savoir Vivre verstehen. Hier kommt der Wein aus dem Okanagan Valley, das Baguette vom Safeway, und die Kanadier lieben es relaxt. Die Anpassung an das kanadische Leben ist uns nicht sehr schwer gefallen, auch wenn wir schon mal über unsere technologische Zeitreise in die 60er lästern oder über unsere deutsche Vorstellung von Qualität stolpern. Deutsche Technik und Qualität ist eben kaum zu toppen ;-) Für den Alltag und den eigenen Seelenfrieden haben wir uns daher schnell die Grundsätze kanadischer Gelassenheit angeeignet: Geduld und Rücksicht, dazu noch eine gewogene Mischung aus den Zutaten Improvisation, Investition, oder auch mal Ignoranz.
 
Unser Fazit: Bisher haben wir es nicht bereut. Allein der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden fehlt doch manchmal. So etwas kann man auch durch Internet und regelmäßige Telefongespräche nicht ersetzen. Aber dieses Jahr dürfen wir ja bereits die ersten Besucher in unserer neuen Heimat begrüßen! Besonders freuen wir uns schon auf die mitgebrachten Care-Pakete, vor allem aber auf Mom's Kochkunst.

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