Mittwoch, 30. November 2005

Let It Snow...

Minus 18°C und Schneeverwehungen führen auch im wintererprobten Calgary zu kilometerlangen Staus, was uns nach der Arbeit dazu veranlasst hat, zunächst ein Fastfood-Restaurant (zwecks Nahrungsaufnahme und zum Aufwärmen ins A&W, eine kanadische Hamburger-Kette mit VIIIIIIEEEEL besseren Hamburgern als bei McDoof) und danach ein Shopping-Center (wieder zum Aufwärmen) aufzusuchen, statt uns sinnlos in das Verkehrchaos einzureihen. Die Geschäfte waren so leer, dass auf einen Kunden mindestens drei Verkäufer kamen… Eine Stunde später hatten wir dann freie Bahn und Gelegenheit, unserem neuen Lieblingsspiel nachzugehen, nämlich die wegen der Kälte liegen gebliebenen Stauverursacher zu zählen, Domestic Makes (GMCs, Ford, Dodge, Buick, Chrysler) gegen Ausländer (VW, BMWs, Toyota, Volvo). Gestern endete das Spiel 6:1 für die Einheimischen, heute 4:0.
Unser Toyota ist trotz Minustemperaturen ohne Mullen und Knullen angesprungen und hat sich auf seinen Allwetterreifen als spurtauglich erwiesen.
Übrigens wird es in Kanada vorgezogene Neuwahlen geben, nachdem die jetzige Regierung ein Misstrauensvotum verloren hat. Ministerpräsident Paul Martin ist über einen Korruptionsskandal seiner Mitarbeiter gestolpert und hat die Vertreterin unserer Königin darüber informiert, dass am 23. Januar Neuwahlen statt finden sollen. Man erwartet, dass die Liberalen als Minderheitsregierung wieder gewählt werden.
In Montréal findet momentan der Weltklimagipfel statt. Allerdings hat beispielsweise keiner von Sonjas KollegInnen schon mal etwas vom Kyoto-Abkommen gehört. Es wird auch so gut wie gar nicht in den Medien vom Gipfel berichtet. Kein Wunder, denn Kanada ist auf Platz 8 der Umweltsünder-Rangliste. 30 Millionen Kanadier verbrauchen doppelt so viel Energie wie 60 Millionen Franzosen! Dazu passt, dass in unserer Straße jeden Morgen dutzende Autos minutenlang warm laufen, per Fernbedienung angestellt aus der warmen Wohnung. Theoretisch könnte man den Wagen ja in die warme Garage stellen, aber die ist voll mit dem Pröll, der beim letzten Garage Sale erstanden wurde...
Darüber hinaus dürften die Stromkosten zur Unterhaltung der Weihnachtsbeleuchtung am typischen kanadischen Haus den Staatshaushalt Liechtensteins übersteigen. Da werden kilometerlange, blinkende Lichterketten ums Haus gewickelt und aus Lichterketten geformte Rehe in den Vorgarten gestellt... Und der eigentlich sonst sehr angenehme lokale Radiosender "the Breeze", der uns sonst mit Easy Listening-Jazz versorgt, terrorisiert uns seit Tagen nur noch Weihnachtsmusik. Wir sind gespannt, was im konsumwütigen Kanada bis Heiligabend noch auf uns zukommen wird...

Sonntag, 20. November 2005

Ein seltsames Licht!

Gestern abend hatten wir ein ganz seltsames, völlig unnatürliches Licht. War wohl eine Folge des Sonnenuntergangs in den Rockies, der die leichte Chinook-Bewölkung mit einem milchig gelb-orangen Ton einfärbte. Wir haben versucht, das ganze fotografisch fest zu halten, war aber ziemlich schwierig:



Unsere Heizung wird übrigens am Montag repariert. Das Problem war, dass der Kamin schon seit Jahren nicht mehr gereinigt worden war und sich deshalb der ganze Dreck im
Fire-Up-Motor
fest gesetzt hatte. Offensichtlich ist dieser Motor nötig, damit die ganze Heizung in die Gänge kommt. Wir haben also wieder etwas gelernt: Regelmäßige Heizungs- und Emissionswartung ist hier offensichtlich
nicht
Pflicht!
Bei der Gelegenheit haben wir dann auch einen neuen Humidifier (Luftbefeuchter) eingebaut bekommen. Hier ist der Winter nämlich so trocken, dass einem der Parkettboden und die Wände spröde werden können! Der Humidifier wird direkt an die Heizungsanlage angeschlossen und befeuchtet die warme Heizungsluft, die hier hier in die Räume geblasen wird. Das ganze wird natürlich von unserer Vermieterin bezahlt, zumindest
das
ist wie in Deutschland!
Zum Glück ist es immer noch sehr warm, wir müssen also nicht (übermäßig) frieren...

Donnerstag, 17. November 2005

Gut, daß wir gerade Chinook haben...

... denn unsere Heizung ist ausgefallen und wir sprechen von 14°C morgendlicher Wohnraumtemperatur. Seit Tagen haben wir bereits Probleme mit dem Thermostaten und ebensolange verspricht unsere Vermieterin Abhilfe... als Deutsche sind wir natürlich der Empörung nahe, der Kanadier in uns säuselt jedoch: wenigstens haben wir heißes Wasser und den Gaskamin. Schließlich sind wir dieser inneren Stimme weiter gefolgt und haben bei Home Depot (Canada's Obi) noch einen Heizlüfter besorgt. Zur Belohnung gibt es nun den Wetterbonus, der Chinook bringt uns zweistellige Plusgrade. Wir müssen also (noch nicht) erfrieren ;-)
Und hier noch eine Nachricht, die in Deutschland wahrscheinlich wieder keiner glauben wird:
"Die Beiträge zur kanadischen Arbeitslosenversicherung werden ab 1. Januar 2006 für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um jeweils etwa 4% gesenkt werden. Kritiker der Regierung haben immer wieder moniert, dass viel mehr Geld durch Arbeitslosenversicherungsbeitraege eingenommen wird, als für Leistungen ausgegeben wird. Der so in den letzten Jahren regelmäßig erwirtschaftete Überschuss verschwand im allgemeinen Haushalt der Regierung. Angesichts der sinkenden Arbeitslosenzahlen und unter der anhaltenden Kritik wurden in den letzten Jahren kontinuierlich die Arbeitslosenversicherungsbeiträge gesenkt."

(Quelle: Rockiesman) 

Sonntag, 6. November 2005

Grünkohlessen

Gestern hatten wir mal wieder Besuch von unseren kanadischen Freunden Pam und Jane, die wir in regelmäßigen Abständen mit deutschen Gerichten verwöhnen, professionell dargeboten von unserer Super-Köchin Sonja. Diesmal gab es deutschen Grünkohl (heißt im englischen übrigens nicht Green Cabbage, sondern Kale; mit Green Cabbage ist Weißkohl gemeint) mit kandierten Kartoffeln, Mettenden und Kassler. Zum Nachtisch Schokoladenpudding mit Vanillesoße, außerdem gab es Senseo-Kaffee und Toffifees dazu. Edelweiß-Imports sei Dank! Das Warsteiner und die französische Orangina gibt es ja sogar beim normalen Superstore...
Wie immer waren die beiden begeistert, aber Sonja hat sich auch mal wieder selbst übertroffen. Köstlich! Da noch einige Kartoffeln übrig sind, werden wir heute uns heute mal nach mexikanischem Spargel umschauen. Soll angeblich ganz gut sein!

Mittwoch, 2. November 2005

Erster Schnee

Pünktlich zum Beginn des Novembers gab es gestern den ersten Schnee.

Heute morgen hat es dann auch gleich eine Stunde gedauert, zur Arbeit zu kommen (normalerweise brauchen wir 25-30 Minuten). Aber das war in Deutschland ja auch nicht anders. Trotzdem graut es uns ein wenig davor, wie es hier auf den Straßen zugehen mag, wenn der Winter mal wirklich ausbricht!