Donnerstag, 25. August 2005

Things to hate about Canada oder: Wo wäre der Deutsche ohne seine Mecker-Ecke!

WOHNEN: Unser Haus ist eine Holzrahmenkonstruktion (Fachwerk ist was anderes) und leider nur mäßig isoliert. Wenn es stürmt, zieht es auch im Haus, wenn es regnet, merken wir das ebenfalls an manch undichtem Fenster. Noch sind die Heizkosten recht gering, aber wir hatten bisher auch noch keine minus 35°C. Aber da die Energie fast nichts kostet, gibt es nur wenige Anstrengungen, bessere Häuser zu bauen.
Über die Installation und Lichtschalter sagen wir lieber erst gar nichts, aber schaut Euch mal einen amerikanischen Film aus den 60ern an, die Technik ist noch dieselbe, obwohl das Haus erst 1999 gebaut wurde.
Die Badezimmerausstattung ist ein Witz, vor allem gemessen an den Produkten, die unser ehemaliger Arbeitgeber zu bieten hatte. Die Toilette (natürlich kein Wandhänger, das würde die Wand sicher nicht überleben) braucht 13 Liter pro Spülung. Öko, nein danke. Die Wanne ist American Standard und somit zu klein für Roland. Der Duschkopf ist fest in der Wand installiert. Wofür braucht man auch eine Schlauchbrause?
Unser Herd ‚läuft‘ auf Fahrenheit, was allerdings nirgendwo steht, so endete Rolands erster Versuch, einen Geburtstagskuchen zu backen, als Kuchensuppe.
Die Spülmaschine reinigt zwar das Geschirr nur unzureichend, macht dafür aber einen Höllenlärm. Jedenfalls sind ein gewisses Geschick beim Arrangement des Geschirrs und vor allem die Verwendung des richtigen Spültabs gefragt, um glänzende Resultate zu erzielen. Jacques (der Freund unserer Vermieterin) fachsimpelt gern über das Thema Spültabs, da er glaubt, es liegt am Spülmittel und nicht an der Technik...
Waschmaschinen sind auf dem Stand der Technik um 1950. Die Füllung erfolgt von oben, erst das Pulver, dann die Wäsche, Deckel zu und zwischen kalt/warm und schnell/langsam wählen. Vorsicht, denn der Deckel ist während der Waschzeit nicht gesichert! Nach einer Stunde entnimmt man die Wäsche noch tropfnaß, aber gut riechend. Man kann nur nicht davon ausgehen, dass Flecken herausgehen...
Der Trockner ist ein anderes Thema. Wir haben bisher nicht herausgefunden, bei welcher Einstellung hier wirklich trockene Wäsche herauskommt. Aber wir haben ja viel Sonne, und hängen die Wäsche halt noch ein paar Minuten draußen auf...
AUTOFAHREN: In Calgary gibt es die wahrscheinlich schlechtesten Autofahrer Kanadas. Hier scheint manchem Cowboy schon mal der Gaul durchzugehen. Auch die Sicherung von LKW-Ladungen ist so eine Sache: Viele Trucks fahren hier ohne Plane. Das heißt, Steine in der Windschutzscheibe sind vorprogrammiert und daher sind Schäden dieser Art auch von der normalen Autoversicherung von vorne herein ausgeschlossen. Ladungen gehen auch gern mal verloren, so haben wir mit großem Glück schon Autoreifen, Holzplanken oder Pflastersteinen ausweichen können.
POLITIK: Die Sparmaßnahmen der Provinz-Regierung von Alberta. Die Provinz ist zwar schuldenfrei, aber dafür sind die Straßen in katastrophalem Allgemeinzustand. Auch das Gesundheits- und Bildungswesen hatte unter den Budgetkürzungen erheblich zu leiden. Es fehlt besonders an medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal. Premier Klein verspricht aber Besserung durch Aufnahme eines Kredites, der aber irgendwie nicht zu Schulden führen soll. Unsere Englischkenntnisse reichen wohl nicht aus, um das zu verstehen... aber an die Versprechungen deutscher Politiker gewöhnt, gehen wir mal davon aus, dass die Besserung mit Steuererhöhungen einhergehen wird.
Über unser Abenteuer mit der Bank berichten wir, wenn wir seelisch darüber hinweggekommen sind, dass man unsere Bewerbung für eine Kreditkarte abgelehnt hat.
Alles in allem nichts, was ernsthaft unsere Lebensqualität beeinträchtigt oder die Laune verdirbt! Die Miete für das Haus ist relativ gering und Küche und sämtliche Elektrogeräte sind im Preis inbegriffen, also nicht wirklich ein Grund sich zu beschweren. Ins WC wird eine Wasserspartaste eingebaut, der Duschkopf ausgewechselt, und was nicht sauber wird (Geschirr oder Wäsche), wird halt mit der Hand gereinigt. Rolands Kuchen ist beim nächsten Versuch schließlich was geworden und hat lecker geschmeckt. Wir passen uns den Fahrgewohnheiten an und hoffen ansonsten auf die Wachsamkeit unseres Schutzengels. Und, Leute, wir zahlen im Verhältnis zu Deutschland weniger Abgaben, so dass wir gerne etwas von unserem Gehalt abgeben würden, wenn dafür das Gesundheits- und Bildungswesen weiter ausgebaut werden. Nebenbei bemerkt haben wir inzwischen auch eine Kreditkarte. Meckern ist nutzlos, es geht doch nichts über kanadische Gelassenheit, Eigeninitiative und Improvisationstalent.

Sonntag, 21. August 2005

Königswetter in den Königen der Berge

Da wir gute Kanadier sind, haben wir einen Teil von Rolands erstem Gehalt genutzt, um Geld auszugeben und eine neue Kamera zu kaufen (wen's interessiert: eine Canon S2). Somit hinreichend gerüstet, haben wir bei allerbestem Wetter mal wieder eine Tour in die Rocky Mountains unternommen. Dort hat Roland ausgiebig dieWeitwinkelfunktion des Apparats getestet. Erste (noch verbesserungsfähige) Resultate findet Ihr hier.
Es ging allerdings heute zu wie im Phantasialand, da neben den üblichen Wohnmobilen und Busladungen von Japanern auch die Albertaner (wir ja schließlich auch...) das traumhafte Wetter nutzten und die Berge bevölkerten. Trotzdem war es wie immer wunderschön!

Etwas traurig ist, daß es am Freitag mal wieder einen Grizzly erwischt hat, diesmal war es sogar eine Mutter von 3 Grizzlykindern, die im Banff National Park von einem Zug überfahren worden ist. Das ist schon der zweite Grizzly in diesem Sommer, man macht sich schon ein bißchen Sorgen über die Population... 

Samstag, 20. August 2005

Immigranten gesucht!

Hier ein Auszug aus einem Bericht aus dem heutigen Calgary Herald: "In den letzten zehn Jahren hat Alberta bereits 6-7% aller kanadischen Immigranten "erhalten". Aber aufgrund des höchsten Wirtschaftswachstums des ganzen Landes braucht die Provinz wesentlich mehr Arbeitskräfte... Es wird erwartet, daß im Jahr 2011 70% aller Stellenbesetzungen durch Immigranten belegt werden. Zitat eines Immigranten: 'Ich bin in dieses Land gekommen, weil ich es wollte, und weil dieses Land Leute wie mich braucht: gut ausgebildet und ehrlich.'"
Also, worauf wartet Ihr noch?

Freitag, 12. August 2005

Einfach nur da stehen und atmen!

Gestern, als wir von der Arbeit nach hause kamen, haben wir uns auf die Terasse gestellt und sind überwältigt worden von der Qualität der Luft. Es hatte in der Nacht auf Freitag kräftig geregnet und gestürmt und den ganzen Tag hatten wir eine steife Brise aus Nord, so dass wir gestern abend eine Luft hatten, die so sauber und klar und würzig war, wie wir das noch nie irgendwo erlebt hatten. Vergleichbar allenfalls mit einer Bergluft im Winter! Am liebsten würden wir es in Flaschen abfüllen.
Der Sommer scheint sich hier übrigens schon langsam dem Ende zuzuneigen, denn wir haben das erste gefallene Laub, und einige Bäume haben auch schon herbstliche Farben angenommen. Die Nächte sind schon wieder kälter, aber tagsüber erreichen die Temperaturen noch gute 20-25C. Alles in allem ein sehr angenehmes Klima momentan!

Donnerstag, 11. August 2005

Was Kanadier über Deutschland wissen

Mit einer spontanen Umfrage wollten wir von unseren kanadischen Freunden, Bekannten und Kollegen wissen, was ihnen zu Deutschland einfällt. Das ist dabei herausgekommen (ist natürlich nicht repräsentativ):
Kulinarisches:
Nichts Neues hier: Die Mehrheit nennt Oktoberfest, Bier, Bratwurst und Sauerkraut plus German Gemütlichkeit (Gie-mju-tli-kait); hat wohl wieder was mit Oktoberfest und Bier zu tun.
Technisches:
Doug, Olivier, Steve, Jacques: zweifellos German Engineering, natürlich sind Autos gemeint! Und damit einhergehend die German Autobahn, auf der man über 200 km/h schnell fahren darf.
Menschliches:
Jane, die während ihres Europa-Urlaubs auch Deutschland besucht hatte (Heidelberg, München und Schloss Schwanstein wegen der Kultur!), berichtet von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Eingeborenen und war erstaunt über deren englische Sprachkenntnisse.
Deutsch-Kanadier in zweiter oder dritter Generation wie Susan (Buchhalterin) und Dean (heißt Schlachter, ist aber Dekorateur und Möbelverkäufer) sind stolz auf ihren beruflichen Erfolg, den sie ihren deutschen Wurzeln zuschreiben, ihre Ordentlichkeit, Gründlichkeit, ihre Vorliebe für guten Wein und gutes Essen und streuen gern mal ein deutsches Wort in den Dialog ein.
Geografisches:
Der Schwarzwald liegt in Bayern. Überhaupt scheint Deutschland nur aus Bayern und Heidelberg zu bestehen.
Politisches:
Well…Hmm… (fragende Blicke und Schulterzucken), Chancellor 'Görhard' Schröder ist nur wenigen ein Begriff.
Das nächste Mal interviewen wir mal unsere deutschen Landsleute und berichten, was sie über
Kanada wissen… ;-) Überlegt schon mal und schickt uns eine Nachricht unter 'Kontakt'!

Sonntag, 7. August 2005

Arbeiten und Wochenende

Roland hat jetzt auch angefangen zu arbeiten, und zwar bei einem Hersteller von Profilen für Fensterrahmen und Gartenzäune. Das Unternehmen hat den Hauptsitz in Calgary und weitere Produktionsstätten in Indiana und dem Staat New York. Außerdem gehört es zu einer Firmengruppe mit Sitz in Houston, Texas. Es werden wohl von Zeit zu Zeit Reisen in die USA anstehen, das meiste wird jedoch über Telefonkonferenzen geklärt werden.
Die Firma suchte einen Material- und Produktionsplaner mit SAP-Kenntnissen, da eine umfassende SAP-Einführung ansteht, die Job-Bezeichnung ist 'Operations Analyst'. Roland konnte bei dem Potential einfach nicht widerstehen und musste deshalb Shell leider eine Absage erteilen, von denen auch ein Angebot vorlag. Zudem liegen unsere Arbeitsplätze etwa zehn Minuten voneinander entfernt. Wir können also sogar gemeinsam zur Arbeit fahren! Mal wieder ein logistisches Meisterstück!
Wenn man arbeitet, macht das Wochenende erst richtig Spaß. 

Samstag sind wir daher mal wieder in unsere lokale Lieblingsgegend gefahren, das Kananaskis Country. Hier bei handelt es sich um die Foothills der Rockies, mit wunderschönen Tälern und sehr wenig Tourismus. Denn es ist Hochsaison, und überall sieht man Leih-Wohnmobile. Aber dort, wo es uns hinzieht, treffen wir nur auf einige Kanadier. Wir haben dort einen traumhaften Platz am Elbow River gefunden, mitten im Grünen, am Fluss, mit Picknickbänken, Feuerplätzen und Toiletten. Die Kanadier haben das einfach drauf.
Anschließend sind wir dann eine Strecke durch die Berge gefahren, die nur für ein paar Wochen im Jahr geöffnet ist (eine alte Baumfällerstraße). Die Gegend ist so wunderschön, daß die Worte fehlen, sie zu beschreiben! Unser Toyota ist bisher absolut schotterstraßenfest, und Roland hat viel Spaß beim Schlittern. Wir ernten allerdings regelmäßig erstaunte Blicke von den Fahrern der uns entgegen kommenden 4 Wheel Drives und SUV's, die anscheinend gar nicht glauben können, daß man KEIN Off Road Fahrzeug braucht, um solche Strecken zu fahren (Stephan in Schweden würde nur müde lächeln...) Bilder hier!
Abends hat Roland dann noch die Sportschau geguckt (dem Internet und shift.tv sei Dank!). Glückwünsche nach Köln zum ersten Saisonsieg! Mit Football und Baseball konnten wir uns noch nicht anfreunden, und Hockey startet ja erst in ein paar Wochen. Da haben wir uns schon sehr auf den Bundesligastart gefreut. Hier werden ab und zu Bundesligaspiele in voller Länge übertragen, allerdings zeitversetzt. Aber immerhin!
Da nach wochenlangem Sonnenschein für die nächsten Tage mal wieder ein paar Regenfälle angekündigt sind, muss Roland heute noch ein bißchen den Rasen düngen. Trotz regelmäßiger Bewässerungen sieht er doch ein etwas mitgenommen aus. Außerdem probieren wir gerade Rezepte von chefkoch.de zum Brötchen backen aus. Yummy!


Diese Woche haben wir uns (von Sonjas erstem Gehalt) ein Sofa bestellt. Bis es geliefert wird, sollen allerdings noch 12-14 Wochen vergehen. Wenn wir Glück haben, sitzen wir zu Thanksgiving (schon wieder ein Feiertag!) auf dem neuen Stück!