Sonntag, 29. Mai 2005

Die Queen war da...

... und keinen hat’s interessiert. Sie hat es nicht einmal auf die erste Seite der Lokalzeitung geschafft. Gemerkt hat der Normalbürger ihre Anwesenheit lediglich an den ungeplanten Staus.
Mit der Übernahme unseres Wagens haben wir quasi die Einwanderung "abgeschlossen". Nun verfügen wir über alle Dokumente und Ausweise, sind versichert, mobil, arbeitswillig und sogar -fähig (da sozialversichert!) und können endlich loslegen und zwar... Mit URLAUB natürlich!!!
Der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht mal wieder Sonnenschein pur bei angenehmen 22 bis 25°C. Los geht’s hinter die sieben Berge, um unser Schneewittchen (der Wagen ist weiß, aber bei Gebrauchtwagen kann man die Farbe nicht aussuchen...) auszufahren.
Die sieben Zwerge haben wir nicht getroffen, dafür aber zwei Koyoten, einen Bären, Büffel und Lamas (Hier gibt es Alpaca-Farmen!).
Am Crowsnest Highway besuchen wir das Interpretive Centre eines spektakulären Erdrutsches, der vor 100 Jahren stattgefunden hat. Wen’s interessiert:
http://www.frankslide.com/
Eine weitere Tour führt uns entlang des Icefield Parkway durch die Rockies (Fotos
hier). Ahhh! Endlich können wir unserem Favoriten unter den Bergseen, dem Peyto Lake, wieder Hallo sagen. Danach geht es über den Thompson Highway Richtung Red Deer, anschließend auf den Highway No. 2 zurück nach Süden Richtung Calgary. Somit ist endlich auch der Norden von Calgary kein weißer Fleck auf unserer Kanada-Landkarte mehr.
Der Thompson Highway bleibt dem 08/15-Touristen meistens aus Zeitmangel unerschlossen, lohnt aber den Abstecher. Vorbei an Wasserfällen und Bergseen geht es nach Osten, bis sich die Rockies zurückziehen und sich die Gegend sich in eine saftig grüne Hügellandschaft verwandelt. Bäume und grüne Wiesen, etwas, dass wir hier im Norden von Calgary doch sehr vermissen.

Freitag, 20. Mai 2005

Endlich mobil!

Nach wochenlanger Suche und zahllosen Probefahrten haben wir heute endlich ein Auto gefunden, nämlich einen ein Jahr alten Toyota Matrix (in etwa der Toyota Corolla Verso in Deutschland). Einziger Nachteil: das Auto ist weiß (deshalb hat es auch schon seinen Namen weg: Schneewittchen!), aber das ist immer noch besser als der postgelbe Mazda 3, der die Alternative gewesen wäre... Trotzdem freuen wir uns jetzt schon auf die Suche nach diesem Auto auf einem verschneiten Winterparkplatz, wenn wir aus dem Kino oder vom Shopping kommen!

Jetzt müssen wir uns um eine Auto-Versicherung kümmern, dann können wir Ende der Woche den Wagen abholen. Die Hausratversicherung im Paket mit Autoversicherung abgeschlossen, das gibt Rabatt bei AMA. Ein Schreiben der deutschen Autoversicherung über Schadensfreiheit und ein Auszug aus dem Führerscheinregister sollen zwar helfen, den Tarif zu reduzieren, haben uns aber nichts gebracht. Wir mussten trotz über 20 Jahre unfallfreien Fahrens einen verhältnismässig teuren Anfängertarif bezahlen.

Die SIN ist übrigens heute auch angekommen. Jetzt dürfen wir sogar arbeiten!

Mittwoch, 18. Mai 2005

Wir sind offizielle "Permanent Residents"!

... denn heute sind unsere Permanent Resident Cards angekommen. Diese Karten berechtigen uns nun zum jederzeitigen Ein- und Ausreisen. Eigentlich war uns gesagt worden, es würde etwa 6-8 Wochen dauern, aber wie so oft werden wir vom kanadischen Service verwöhnt... Jetzt fehlen nur noch die Sozialversicherungsnummer und ein Auto und wir sind gerüstet zum Arbeiten (und zum Urlaub machen).
Außerdem ist Roland heute von seinem Kurztrip aus Deutschland zurück, mit einem Fahrrad, Aldi's Gesundheitstees, einem 2kg-Glas Nutella (Danke, Birgitt und Ulli!) und Kandiszucker im Gepäck... Er hatte beim Autovermieter einen Kleinwagen reserviert, aber wegen des Fahrrads hat der Vermieter angeboten, zum gleichen(!) Preis einen Pickup-Truck zu nehmen. Wer kann dazu schon nein sagen?

Donnerstag, 12. Mai 2005

Sonja beim Zoll und in der Stadt

Heute bin ich wegen der Anlieferung unserer Seekiste aus Deutschland beim Zoll gewesen und habe mich dort mit einerm Mitarbeiter unseres Spediteurs getroffen. Beim Zoll habe ich mir dann noch einige Stempel "abgeholt" und einen ausführlichen Fragenkatalog beantwortet. Jetzt muss noch der Food Inspector die Dokumente und Ware prüfen. Es kann also nur noch ein paar Tage dauern bis zur Freigabe unserer Sachen.
(Anmerkung der Redaktion: am nächsten Morgen kam der Anruf der Spedition, dass die Ware bereits am Samstag angeliefert werden könnte)
Anschließend habe ich dann vom selbigen Speditionsmitarbeiter (ich sagte ja bereits, die Kanadier sind nett) noch einen Lift zum nächsten Einkaufszentrum bekommen. Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens das zweite Jobangebot bekommen, als Importsachbearbeiterin der Spedition!
 Das Wetter - es sind 22°C blauer Himmel und Sonne - hat mich davon überzeugt, nach Fahrrädern und Rollerblades zu schauen. Investiert habe ich aber noch nicht, außer in einen Tall Latte bei Starbucks!
Später bin ich mit der S-Bahn ins Zentrum und wollte eigentlich noch in das Downtown Shopping Centre. Aber das Wetter war zu schön. So bin ich zum Bow River und habe im Prince's Island Park eine Bank geentert. Die Kanadagänse haben wohl gerade Nachwuchs bekommen, da liefen ganz viele kleine pluschige Babygänse herum. Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabei hatte. Jedenfalls warr es MP3-Player und Buch bewaffnet kein Problem, den Nachmittag herumzubekommen.
Plötzlich bewölkte es sich und ein Schauer ging nieder. Ich habe mich wie die meisten Sonnenanbeter ins Eau Claire Centre geflüchtet und bin - es soll ja keine Langeweile aufkommen - beim Friseur gewesen. Sam, ein Armenier, hat mir einen spiky Haarschnitt verpasst. Sieht ganz lustig aus, aber es hat nicht die Qualität von Natasha aus Vancouver... .

Freitag, 6. Mai 2005

Sonjas Erlebnisse mit Bussen und Bahnen

Um mich mit meiner Internet-Brieffreundin Pam zu treffen, habe ich erstmalig die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, denn wir haben eine Bushaltestelle direkt vor unserem Haus. Die Busverbindung downtown hat reibungslos geklappt. Dem Busfahrer war anhand meines ratlosen Blickes gleich klar, was ich brauche: ein "Transfer". To be flashed when entering another bus line. Duh!
Bereits nach zweimaligem Umsteigen (seufz) und Benutzung des C-Trains (die hiesige Straßenbahn), bin ich an unserem Treffpunkt Brentwood Station eingetroffen. Am Busdepot habe ich dann auf Pam gewartet und mich mit einem dieser Zeitungsständer angelegt. Dieser wollte nämlich weder mein Geld, noch eine Zeitung 'rausrücken. Ein freundlicher Zeitgenosse hat das beobachtet und spontan für mich eine Zeitung gezogen. Ich habe ihm dafür natürlich mein Kleingeld gegeben, welches er gar nicht haben wollte. Er wollte nur helfen... 
Pam kam pünktlich auf die Minute, und wir sind dann zum Fish&Chips essen in die Market Mall gegangen und haben uns prima unterhalten. Unter anderem hat sie Bekannte, die Jazz Musik machen (Larry, Fred und Barrie). Sie will mich/uns mal in einen Club mitnehmen. Auch will sie mir eine Führung durch die Calgary Uni organisieren und zeigen, welche Facilities nicht nur für "students only" sind.
Um halb 10 haben wir uns dann getrennt und ich musste 20 min auf einen Northbound Bus warten. Ich habe sogar alleine herausgefunden, welchen Bus ich nehmen muss! An der Bushaltestelle habe ich dann Bekanntschaft mit Lynne gemacht. Sie hat mir spontan ihren Transit-Plan geschenkt, damit ich mich besser zurechtfinde. Da wir mit dem gleichen Bus fahren mussten, hatte ich während der nächsten halben Stunde eine nette Unterhaltung.
Außerdem hat sie sicher gestellt, dass ich an der richtigen Haltestelle umsteige. Dafür ist sie sogar ausgestiegen und hat mit mir auf den Bus nach Norden gewartet. Sie kommt aus Montreal, hat drei Kinder und fährt leidenschaftlich gern Fahrrad. Solche Dinge erfährt man hier von Wildfremden!  Ach ja, und falls ich einen Job suche, könnte ich als Kassiererin anfangen. Der Store, in dem sie arbeitet, sucht gerade neue Leute. Ich habe taktvoll mit der Begründung abgelehnt, dass ich ja noch keine SIN (Sozialversicherungsnummer) habe.
Um elf Uhr bin ich dann gut zuhause angekommen, es war alles absolut sicher und preiswert, und mehr oder weniger problemlos, vorausgesetzt man hat genügend Zeit.