Samstag, 30. April 2005

Hohe Berge

Es ist minus vier Grad, und wir sind auf dem Highway No 1a nach Westen unterwegs, dem Ruf der Berge folgend. Nachdem wir bei Tim Horton’s in Cochrane noch ein zweites Frühstück eingeworfen haben, steuern wir zunächst Canmore an und bummeln durch die Einkaufsstraße. Inzwischen scheint die Sonne und wir entdecken Menschen in bauchfreiem Outfit (meistens Mädels). Nebenbei: es ist vielleicht plus 3°C und wir fühlen uns in unserem Vliesjacken nicht overdressed.
In Banff herrscht schon reges Touristentreiben, Busse voller Japaner fallen invasionsartig in das Örtchen ein und jagen dem üblichen Nepp hinterher, hasten von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, um zuletzt das Banff Springs Hotel mit einer orgiastischen Fotosession zu beenden.
Wir kennen das alles schon und fahren lieber auf ein paar Backroads in die Natur, um die wahren Stars dieser Gegend aufzuspüren: Pikas, Dallschafe, Elche und Kanadagänse mit ihren Jungen. Ein paar von denen waren gar nicht kamerascheu und werden dafür mit einem Auftritt auf unserer Homepage belohnt.
Morgen helfen wir einer deutschen Einwanderin (im Internet kennen gelernt) beim Umzug, damit uns nicht zu langweilig wird.
Ach ja, wir haben uns für eine sehr unamerikanische Automarke entschieden: wir werden einen Toyota kaufen. Zuverlässig, allwettertauglich und hoffentlich nicht so pannenanfällig wie die GMCs, Dodges und andere domestic makes. Auf unserem Ausflug haben wir genügend Auto-Leichen am Straßenrand zählen können, japanische oder auch deutsche Automarken waren bisher nicht darunter…

Dienstag, 26. April 2005

Es schneit...

Nachdem wir in den letzten Tagen pausenlos T-Shirt-Wetter hatten, ist es seit heute doch deutlich kühler und extrem windig geworden, und gerade eben haben wir den ersten Niederschlag seit unserer Ankunft vor gut einer Woche... als Schnee! Durch den Sturm fällt der Schnee waagerecht, und wir sind froh, dass wir heute nicht mehr hinaus müssen. Wie es sich bei diesem Wetter natürlich gehört, haben wir gleich den Kamin angemacht!

Heute haben wir uns besonders umweltbewusst gefühlt, denn wir haben unser Altpapier entsorgt! Das ist gar nicht mal so selbstverständlich, denn Mülltrennung ist hier nicht so populär. Da mit jedem IKEA-Besuch unser Papp-Abfall höher und höher wurde, haben wir irgendwann den Kofferraum unseres Mietwagens vollgepackt und uns auf die Suche nach einer Recycling-Stelle gemacht. Nach zwei Tagen Suche ist es uns heute endlich gelungen, eine offizielle Entsorgungsstelle ausfindig zu machen, und so haben wir voller Freude unsere Pappe entsorgt! Einmal deutsch, immer deutsch...

Mittlerweile haben wir auch die Suche nach einem Auto gestartet. Obwohl man hier vergleichsweise günstig Neuwagen kaufen kann (ein toll ausgestatter Dodge Caravan für sieben Personen kostet neu in etwa soviel wie in Deutschland ein Smart), wollen wir uns trotzdem erst einmal nach einem gebrauchten Auto umschauen. Sonja möchte ja einen SUV (also so etwas wie einen Jeep, preiswert in der Anschaffung!), aber Roland's Realitätssinn mag keine 16l/100km. Mal schauen...

Samstag, 23. April 2005

Eingezogen



Am Donnerstag hatten wir eine Matratze bestellt, normale Lieferzeit eine Woche, für uns EIN TAG. Alois aus Österreich hat das für uns realisiert. THANX, AL!
Am Freitag sind wir dann ins Haus eingezogen und haben zwecks Einrichtung desselben, IKEA leer gekauft. Ingo, Iris und ihre Freunde haben jetzt ein neues Zuhause bei uns gefunden. Nach 20 Jahren war die Montage Aufbau-Erfahrung pure Routine. Birgitt werden manche Teile aus dem Möbelprogramm seltsam bekannt vorkommen…

Wir sind jetzt auch wieder am Netz! Heute wurde das Internet freigeschaltet, JA, hier kommen die Monteure auch am Samstag! Versucht das mal in Deutschland zu bekommen. Der Service hier ist einfach genial. Roland hat dann noch den Fernseher angeschlossen, die Freischaltung erfolgte per Telefonanruf. Wir empfangen nun also ca. 150 Programme, auch wenn wir nicht wirklich wissen, was wir damit anfangen sollen, nur etwa zehn davon scheinen wirklich sinnvoll zu sein.
Damit wir wieder wie gewohnt auf dem Sofa ohne Kabel surfen, ist Roland noch kurz zu Future Shop ’reingesprungen und hat passendes W-LAN Equipment besorgt. Und es funktioniert mal wieder hervorragend, erste Internet-Telefonie mit Frank und den Eltern hat schon statt gefunden.
Übrigens, wer es schon immer wissen wollte: Der Liter Normalbenzin kostet hier 0,85CAN$, d.h. ca 0,55€.
Haben wir schon erwähnt? Es ist heiß hier! Tagsüber 22°C und pausenlos Sonnenschein!

Dienstag, 19. April 2005

Behördendreikampf

Heute haben wir ein Riesenprogramm gehabt. Da unser Hotel Downtown liegt, konnten wir sämtliche Behördengänge zu Fuss erledigen. Am Vormittag haben wir im Harry Hays Building die Social Insurance Number (SIN) beantragt, dann uns bei Alberta Healthcare für die Krankenversicherung angemeldet. Mit der Alberta Healthcare ist man ab dem ersten Tag krankenversichert. Nicht abgedeckt sind aber zahnärztliche Behandlungen. Eine Zusatzversicherung bietet meist der Arbeitgeber im Rahmen der Benefits (z.B. Blue Cross, SunLife, GreatWestLife) an. Falls man nicht sicher ist, ob man in Kanada bleibt, ist eine Anwartschaft bei der deutschen Pflichtkrankenkasse zu empfehlen.

Danach haben wir bei der Bank unseres Vertrauens ein Konto eröffnet, alles mit Hilfe von Sonjas You Wanna See It I've Got It-Ordner. Auch haben wir (mit etwas Schwierigkeiten) eine Kreditkarte beantragen können. Zwar kann man an jeder ATM (Geldautomat) mit der EC-Karte vom deutschen Bankkonto Bargeld abheben, die Kreditkarte dient aber dazu, eine Kredithistorie aufzubauen (für den späteren Erwerb von Eigentum oder Leasing). Gegen Hinterlegung einer Kaution (wird nach einem Jahr rückerstattet) erhält man eine Kreditkarte mit begrenztem Limit.

Anschließend haben wir bei der Registry unseren Führerschein umgetauscht, dann vor dem Irish Pub in der Sonne gesessen und Kilkenny getrunken, und danach zu Shaw getorkelt, wo wir einen Internetanschluss beantragt haben. Sollte nur ein paar Tage dauern.
Abends hatten wir Sehnsucht nach Europa und sind zu IKEA gefahren. Dort haben wir uns zwei Handys gekauft (?!) und uns schon einmal mit dem üblichen IKEA-Kleinkram wie Ole, Björn und Rena eingedeckt.
Alle nötigen Adressen haben wir über die im Hotelzimmer ausgelegten Gelben Seiten oder über die Rezeption heraus bekommen.

Angekommen!

Gestern morgen, am 18.04. um 11:50 Uhr ging es endlich vom Flughafen Düsseldorf los. Barbara hatte uns noch zum Flughafen gefahren, und dort sind tatsächlich noch Birgitt, Ulli, Steffi, Frank und Bert aufgetaucht, um uns zu verabschieden. Danke schön noch mal an alle!

Der Flug war ziemlich ereignislos, wir waren 50 Passagiere in einem 400-Sitze-Flugzeug. Nach der Landung teilten wir dem Zollbeamten mit, dass wir immigrieren wollen. Deshalb hat er uns gleich an das Immigration Office weiter geleitet. Dort dauerte es auch keine 20 Minuten, und wir hatten unseren Stempel im Pass. Jetzt sind wir "Permanent Residents"!
Beim Zoll gab es noch einige Formalitäten zu erledigen, aber dank Sonja's Super-Organisation ging auch dieses ruck-zuck. Zwischendurch konnten wir mit unseren Sprachkenntnissen noch einem (zuvor ziemlich unangenehmen) Landsmann helfen, der von den Zollbeamten ein bißchen "erzogen" wurde, indem er mehrere völlig unnötige Prozeduren über sich ergehen lassen musste und nun in Panik war, seinen Weiterflug zu verpassen.
Ab in den Mietwagen, und los zum Hotel! Dort haben wir nur kurz eingecheckt, und sind gleich weiter zu unserer neuen Wohnung in Hidden Valley, um dort erst einmal die Gegend zu erkunden.



Um 18.00 Uhr hatten wir dann Schlüsselübergabe. Da unsere Vermieterin Geburtstag hatte, haben wir ihr eine Flasche Rheinhesse-Riesling mitgebracht. Anschließend sind wir zurück zum Hotel, wo wir kurz nach 20 Uhr (4 Uhr in Deutschland) beim Fernsehen einschliefen.

Sonntag, 17. April 2005

Der grosse Abschied

Heute hatten wir unseren letzten kompletten Tag in Deutschland, und den haben wir natürlich für eine Abschiedsrunde genutzt. Schön, dass sich so viele mit uns freuen!
Der Late Night Check-In am Düsseldorfer Flughafen verlief total problemlos. Dank Kulanz der LTU brauchten wir auch trotz einer Tasche zuviel und Übergewichts (des Gepäcks, nicht Roland's) keinen Aufschlag zu bezahlen.
Zum Tagesabschluss haben wir noch ein Steak bei unserem Spanier Antonio verputzt (als Vergleichsbasis für Kommendes). Als Toni erfuhr, dass wir nach Kanada gehen, gab er uns 5€, damit wir ein Los der kanadischen Lotterie kaufen, "weil dort die Gewinnquoten so hoch sind"! Den Gewinn sollen wir uns dann 50:50 teilen! Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen!

Donnerstag, 14. April 2005

Letzter Arbeitstag

Heute ist unser letzter Arbeitstag, am Montag geht unser Flieger. An Arbeiten ist verständlicherweise in den letzten Stunden nicht mehr zu denken. Unsere zukünftigen Ex-KollegInnen haben eine Überraschungs-Abschiedsparty organisiert, und tatsächlich macht es den Eindruck, als wenn so manche(r) am liebsten mitkommen wollte. Wir sind ziemlich gerührt von dem positiven Zuspruch und den guten Wünschen für unsere unbekannte Zukunft. Noch ein paar letzte Telefonate und die letzte Runde durch's Büro, und unser Arbeitsleben in Deutschland hat erst einmal ein Ende. Das Wochenende verbringen wir noch mit Besuchen bei Familie und Freunden, um uns zu verabschieden. Letzte Möbel werden dann dank Koordination in der Familie noch nach unserer Abreise von Interessenten abgeholt. Für uns heisst es nun: Auf zu neuen Ufern!

Sonntag, 10. April 2005

Magers in Canada...

Die Homepage ist schon mal online. In wenigen Tagen (am 18.04.) ist es soweit! Wir fliegen direkt von Düsseldorf nach Calgary, Flugdauer ca. 9 Stunden. Glücklicherweise können wir am Vorabend einchecken, so dass der Abflugs-Montag vergleichsweise relaxt ablaufen sollte:
• Aufstehen und letzte Sachen erledigen
• nach Ratingen fahren und Sonja's Dienstwagen bei Sanitec abgeben
• wir werden dann zum Flughafen chauffiert (Service!!)
• einchecken und los geht's!!! 

Samstag, 9. April 2005

Ein letzter Blick

Gar nicht mal so übel ist unsere Aussicht aus unserem Wohnzimmerfenster. Wir werden nun bald das Bergische Land gegen die Prärie Albertas eintauschen.

Freitag, 1. April 2005

Abrechnung

Unsere Einwanderungskosten:

Für den Immigrationsantrag fielen folgende Kosen an:
- Polizeiliches Führungszeugnis: 13€ pro Person
- Internationale Geburts- und Heiratsurkunden: 7€ je Urkunde
- Auskünfte von Einwohnermeldeämtern über Wohnorte in DE: kostenlos bis 7.50€
- Übersetzung und Beglaubigung von Dokumenten, Diplomen, Zeugnissen: 10-25€ per Seite
- IELTS Lehrmaterial: 58€, Test: 160€ pro Person
- Medizinische Untersuchung: 205€ pro Person
- Bearbeitungsgebühr Immigration 2005: 355€ pro Person
- Permanent Residence Fee 2005: 595€ pro Person

Der Umzug kostete uns:
- Seekiste 5m³ incl. Abholung, Verpackung, Versand, Verzollung, Anlieferung, Versicherung: 2.400€
- One way Flugticket LTU: 216€ pro Person

Einmalige Kosten nach der Einwanderung:
- Führerschein 180$
- Mietkaution: 1.100$
- Wohnungseinrichtung incl. Electrogeräte: 5.600$
- Autoversicherung: 1.800$
- Automobilclub CAA: 120$
- Hausratversicherung: 160$

Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten betragen im Monat für einen 2-Personen-Haushalt, total ca. 2.200$ (Stand 2005), darunter:
- Miete: 1.100$
- Nebenkosten (Utilities): 180$
- Lebensmittel: 500$
- Healthcare: 88$
- Benzin: 200$
- Mobiltelefon: 60$
- Internet, Kabel: 70$