Samstag, 31. Dezember 2005

Jahresabschlussbericht

Das Jahr 2005 dauert in Kanada nur noch wenige Stunden, und in Deutschland ist es mittlerweile bereits 2006. Für uns der richtige Zeitpunkt für eine kleine Jahresbilanz...
Kanada hat es mit uns bisher wirklich gut gemeint. Von Anfang an hat so ziemlich alles auf Anhieb geklappt, angefangen mit der ungewöhnlich schnellen Bestätigung unseres Immigrationsantrages, der problemlosen Beantragung aller Dokumente, über den Kauf unseres Autos bis zu unserer Jobsuche, die etwas verhalten begann, sich dann aber wunderbar entwickelte! Uns ist bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist, denn die diversen Auswandererforen sind voll mit Menschen, die deutlich mehr Probleme in Kanada haben und kaum Fuß fassen können. Man denke nur an Ärzte, deren vergleichsweise sicherlich bessere europäische Ausbildung hier einfach nicht anerkannt wird, im Gegensatz zur südafrikanischen... Und das bei einem gleichzeitigem akuten Ärztemangel mit teilweise jahrelanger Warteliste für eine Operation!
Aber wir sind überzeugt, dass und die gute Vorbereitung auch sehr geholfen hat. Unsere Entscheidung gegen Vancouver und für Calgary war als erster Schritt ins Land mit Sicherheit die richtige, denn hier liegen die Jobs momentan wirklich auf der Straße. Der Ölpreis steigt und steigt, und das erhöht die Attraktivität des in Nordalberta reichlich vorhandenen Ölsands, aus dem nur mit relativ hohen Kosten Öl zu gewinnen ist. Unsere englisch geschriebenen und auf die amerikanischen Gepflogenheiten angepassten Zeugnisse sind hier offensichtlich sehr gut angenommen worden. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle Ex-Chefs, Kollegen und Business Partner, die uns da so wunderbar unterstützt hatten! Und nicht zuletzt hatten wir keine Erwartungen, hier das Land von Milch und Honig vorzufinden, stattdessen haben wir uns auf bis ein Jahr Arbeitslosigkeit eingestellt. Ist ja dann glücklicherweise anders gekommen...
Dinge, die uns in Deutschland selbstverständlich waren, und die wir hier nicht oder völlig anders vorfanden, gibt es Dutzende, wir haben ja schon davon berichtet. Dafür ist das Leben hier einfach entspannter, die Menschen freundlicher und die Natur (wenn man die Großstadt denn mal verlässt) einfach überwältigend! Und so viel Sonnenschein und blauen Himmel wie hier haben wir noch nie erlebt! Wenn der Wetterbericht von einer Niederschlagswahrscheinlichkeit von 70% spricht, kann man immer noch unbesorgt den Schirm zuhause lassen, erst bei 90% könnte es feucht werden...
Wir haben ein paar Freunde hier gefunden, auch wenn es bisher ein eher kleiner Bekanntenkreis ist, denn eigentlich sind die Kanadier, ähnlich wie die Amerikaner, doch etwas oberflächlich. Großes Auto, großes Haus, große Garage, großer Grill... Dennoch, die Freunde, die wir hier gefunden haben, sind Menschen aus Fleisch und Blut und oft Immigranten, wie wir. Sehr schön ist auch unser monatliches Treffen mit anderen deutschen Einwanderern, bei denen wir immer wunderbar über deutsche und kanadische Eigentümlichkeiten ablästern können. Unser Dank gilt hier ganz besonders den Organisatoren Norbert und Sylvia!
2006 wird für uns hauptsächlich ein "arbeitsreiches" Jahr werden. Rolands Company startet SAP am Dienstag (Montag ist frei, da Neujahr ja auf einem Sonntag liegt!) und Sonja ist mittlerweile schon das Rückgrat ihres Unternehmens... Wir werden hoffentlich im Herbst unsere neue Wohnung beziehen, die a) nicht aus Holz, sondern aus Beton gebaut ist und b) in einem der wenigen Wälder der Präriestadt Calgary liegt. Außerdem hoffen wir, ein paar Besucher aus Deutschland willkommen zu heißen und ihnen die Schönheit der Rockies zeigen zu können. 
Wir wünschen ein Frohes Neues Jahr 2006!

Dienstag, 27. Dezember 2005

magersincanada.com

Wir haben jetzt eine eigene Domain! Ist ja doch leichter zu merken...

Samstag, 24. Dezember 2005

Merry Christmas or Happy Holidays...

Im politisch korrekten Kanada wünscht man nicht nur "Fröhliche Weihnachten", sondern auch neutral "Frohe Festtage", da in dieser Zeit ja nicht nur christliche Feste begangen werden. Wir wünschen also allen Besuchern unserer Webseite ein wunderschönes Fest, ein paar geruhsame und besinnliche Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Schaut mal wieder vorbei, wir machen bestimmt weiter mit unseren Berichten aus Kanada!

Donnerstag, 22. Dezember 2005

Vorweihnachten

Unsere Vorweihnachtszeit ist erfreulich stressfrei verlaufen. Da es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten in Calgary gibt, verteilten sich die Menschenmassen gleichmäßig über die ganze Stadt. Ohne Parkplatznot und Drängelei konnten wir so unsere wenigen Weihnachtseinkäufe blitzschnell erledigen. Nur die Zufahrt zu den Parkplätzen wurde dadurch erschwert, dass Verkehrspolizei dort regeln wollte, wo es gar keinen Bedarf gab. Das hat wahrscheinlich länger gedauert, als wenn der sonst übliche Vierwege-Stop (einer nach dem anderen, wer zuerst kommt, fährt zuerst...) gegolten hätte. Im Einkaufscenter selber bildete sich die einzige Menschenschlange, als quengelnde Kinder von ihren Eltern auf den Schoß eines Weihnachtsmannes genötigt wurden.
Erheblich mehr Zeit und Nerven hat uns die Suche nach einem ECHTEN Weihnachtsbaum gekostet. Nachdem wir fast das ganze Umland nach geeigneten Kandidaten abgesucht hatten, wurden wir quasi vor unserer Haustür fündig: beim Co-op um die Ecke. Unser Baum ist ein Import aus Nova Scotia, das ist ja nur ein paar tausend km entfernt und hier gibt's ja auch keine Wälder... Den Christbaumschmuck haben wir bei IKEA erstanden. Bei unseren Kollegen rief unser Wunsch nach einem echten Baum nur Verwunderung hervor. Er nadelt ja schließlich und außerdem muss man die Beleuchtung und den Schmuck erst anbringen! Bei einem künstlichen Baum baut man nur ein paar Teile zusammen, steckt den Stecker in die Steckdose und los geht's! Für die Technik-Freaks gibt es auch programmierbare Blinklichter und Fernbedienungen. 
Kürzlich waren wir bei Rolands Chef zu einer Weihnachtsparty eingeladen. Kurios daran war die präzise Zeitangabe, nämlich in der Zeit von 16 bis 19 Uhr. Dort angekommen begingen wir unseren ersten Faux Pas: jeder Gast lief auf Socken herum, auch die Gastgeber, nur wir haben dieses erst später festgestellt und uns dann klammheimlich unseres Schuhwerkes entledigt. So war jeder festlich gekleidet, aber auf Socken. Dazu Live Klaviermusik und Buffet. Den zweiten Fehltritt hat sich Roland geleistet, als er sich den vermeintlichen Töchtern der Gastgeber vorstellen wollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich um Nachbarstöcher handelte, die als Bedienung angeheuert waren. Die eigenen Kinder leben nämlich in Texas und in China. Übrigens hat das Haus von Rolands Chef eine Größe von ca. 250 qm, und das für nur zwei Personen...
Überhaupt nicht weihnachtlich verhält sich momentan unser Wetter. Der Chinook hat unseren Schnee gefressen... und jetzt werden wir unseren Heiligabend wahrscheinlich bei 10 Grad Celsius plus(!) verbringen. Das hätten wir sicher auch in Deutschland haben können...
Damit wir das Fest einigermaßen stilecht begehen können, haben wir uns ein Fondueset gegönnt und Gäste (Pam, Jane und Norbert) eingeladen.
Weihnachtliche Grüße aus Calgary!

Donnerstag, 8. Dezember 2005

Kanadische Kuriositäten - zweiter Teil

Vom Wohnen, Bankgeschäften, Verkehr und Lokalpolitik haben wir ja bereits Ende Oktober berichtet…
Umzug - Kürzlich haben wir unserer Freundin Jane beim Umzug und Renovieren geholfen. Umzüge sind erstaunlich preiswert hier. Ein Grund dafür ist, dass die Geräte alle in der alten Wohnung verbleiben, da die neue Wohnung selbstverständlich komplett mit 'appliances' wie Kühlschrank, Herd, Spül- und Waschmaschine ausgestattet ist. Eine weitere clevere Idee sind die - oft begehbaren - Einbau-Kleiderschränke. So spart man hier nicht nur beim Umzug, sondern direkt bei der Investition als solches.
Wetter - Gerade noch bei -20°C geschnattert, den Windchill-Faktor (gefühlte Temperatur) mitgerechnet sogar -26°C, bringt uns der Chinook nun am Wochenende +11°C. 30 Grad Temperaturunterschied in zwei Tagen, das muss der Körper erst mal verkraften. Wetterfühlige haben dann leider oft unter Migräne zu leiden. Nach den kalten Temperaturen möchte man bei minus 5°C fast im T-Shirt herumlaufen, so warm fühlt sich das an!
Sprache - Seit neuem wissen wir, Kanadisch ist eine eigenständige Sprache. Viele Vokabeln, die wir aus unserem britischen Englischunterricht kennen, existieren hier einfach nicht oder wurden vor Jahrzehnten substituiert. Ein Beispiel: flat für Wohnung heißt hier apartment oder condo.
Eishockey - Vor unserer Tür fängt es an: auf dem Spielfeld werden die Feuerwehrschläuche ausgerollt, Wasser marsch, und ein Tag später ist die Eisbahn fertig. Natürlich sagt man nicht Eishockey, sondern Hockey, weil, dass es auf dem Eis gespielt wird, ist doch jedem klar ;-)
Umweltschutz - Oder: Wie kommt der Pröll in die Garage? Obwohl man inzwischen den Sinn von Mülltrennung, -vermeidung und Recycling erkannt hat, wird das Konzept in Alberta nur halbherzig umgesetzt. Wir sind z.B. immer noch auf der Suche nach einer Rückgabestelle für Mehrweg-Plastikflaschen, welche sich inzwischen in unserer Garage stapeln. Außerdem heißt es hier nicht Müllkippe, sondern politisch korrekt 'Landfill'. Man gräbt ein Loch, füllt Müll hinein und schüttet es wieder zu. Als Vorbild bei neuen Entsorgungskonzepten wird übrigens immer wieder Deutschland genannt.
Energiesparen - in Alberta? Wir haben's doch, daher darf das Haus ruhig schlecht isoliert sein und der Truck sich seine 25 Liter auf 100km genehmigen. Solar- und Windenergie werden nur zögerlich von der Regierung angegangen und bisher nur auf Einzelanfragen gesponsert, obwohl diese in der durchaus windigen, aber auf jeden Fall sonnenreichsten Provinz Kanadas eine saubere Alternative wären. Hier ist Deutschland wiederum um ein bis zwei Jahrzehnte voraus. Es gibt ihn noch, den Technologie-Vorsprung. Go! Germany! Go!

Dienstag, 6. Dezember 2005

Der Nikolaus war da!

Gestern hatten wir eine Benachrichtigung im Briefkasten, dass in unserem Postamt (täglich 9-21 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr) ein Paket auf uns wartet. Heute nach der Arbeit sind wir also hin und haben es abgeholt. Sieht so aus, als hätte uns der Nikolaus ein paar Dinge aus Deutschland in den Strumpf gesteckt! Also da wären (professionell in zehn kleine Kartons verpackt!):

Zwei Adventskalender, Kandis, Spekulatius, Dominosteine, Marzipanbrote, eine Packung Senseo, viele selbstgebackene Plätzchen (!!!), zwei Schoko-Nikoläuse, gefüllte Lebkuchenherzen, ein Christstollen, Feodora-Schokolade, Marzipankartoffeln, Nutella, noch mehr Marzipan, Nivea-Milch, und, und, und... und natürlich eine CD mit Videos von Sonjas Nichte Ylva!
Vielen, vielen Dank an den Nikolaus!!!!!
...der hier übrigens nicht gefeiert wird. Sonja hatte heute nämlich Süßigkeiten mit in die Firma gebracht, über die sich ihre Kollegen dann mit Begeisterung hergemacht haben. Dafür mussten sie sich dann auch die Geschichte vom Nikolaus anhören, inclusive des Teils, dass die weiß-rote Farbe des Umhangs von der Coca-Cola Werbeabteilung kreiert wurde. Geglaubt hat's mal wieder keiner...
Seit gestern fahren wir mit einem Smiley auf unserer Windschutzscheibe durch die Gegend. Am Sonntag hatte uns ein Steinchen erwischt, hochgeschleudert von unserem Vordermann auf der Autobahn. Gestern, bei minus 20°C Außentemperatur und beheizter Fahrgastzelle, hat die Scheibe das offenbar nicht mehr eingesehen und hat's knacken lassen! Wir haben nun einen breiten Riss in Form eines freundlichen Gesichts vor unserer Nase. Da werden wir also im Frühjahr unsere Windschutzscheibe austauschen lassen müssen, das wäre dann mindestens die dritte für unseren Toyota. Für ein 2004er Modell nicht schlecht, eben nicht ungewöhnlich für Calgary.
Ebenfalls nicht ungewöhnlich scheint es zu sein, dass einem bei diesen Temperaturen die Fenster und Türen einfrieren. Sowohl unsere Haustür als auch unsere Balkontür lassen sich momentan nicht mehr öffnen. Fenster öffnen wir schon seit einer Weile nicht mehr, da wir beim letzten Versuch die Fenster nicht mehr
schließen
konnten. Und das kann bei Minusgraden ziemlich unangenehm werden. Mit Hilfe eines Föns konnten wir das Fenster aber glücklicherweise 'befreien'.

Mittwoch, 30. November 2005

Let It Snow...

Minus 18°C und Schneeverwehungen führen auch im wintererprobten Calgary zu kilometerlangen Staus, was uns nach der Arbeit dazu veranlasst hat, zunächst ein Fastfood-Restaurant (zwecks Nahrungsaufnahme und zum Aufwärmen ins A&W, eine kanadische Hamburger-Kette mit VIIIIIIEEEEL besseren Hamburgern als bei McDoof) und danach ein Shopping-Center (wieder zum Aufwärmen) aufzusuchen, statt uns sinnlos in das Verkehrchaos einzureihen. Die Geschäfte waren so leer, dass auf einen Kunden mindestens drei Verkäufer kamen… Eine Stunde später hatten wir dann freie Bahn und Gelegenheit, unserem neuen Lieblingsspiel nachzugehen, nämlich die wegen der Kälte liegen gebliebenen Stauverursacher zu zählen, Domestic Makes (GMCs, Ford, Dodge, Buick, Chrysler) gegen Ausländer (VW, BMWs, Toyota, Volvo). Gestern endete das Spiel 6:1 für die Einheimischen, heute 4:0.
Unser Toyota ist trotz Minustemperaturen ohne Mullen und Knullen angesprungen und hat sich auf seinen Allwetterreifen als spurtauglich erwiesen.
Übrigens wird es in Kanada vorgezogene Neuwahlen geben, nachdem die jetzige Regierung ein Misstrauensvotum verloren hat. Ministerpräsident Paul Martin ist über einen Korruptionsskandal seiner Mitarbeiter gestolpert und hat die Vertreterin unserer Königin darüber informiert, dass am 23. Januar Neuwahlen statt finden sollen. Man erwartet, dass die Liberalen als Minderheitsregierung wieder gewählt werden.
In Montréal findet momentan der Weltklimagipfel statt. Allerdings hat beispielsweise keiner von Sonjas KollegInnen schon mal etwas vom Kyoto-Abkommen gehört. Es wird auch so gut wie gar nicht in den Medien vom Gipfel berichtet. Kein Wunder, denn Kanada ist auf Platz 8 der Umweltsünder-Rangliste. 30 Millionen Kanadier verbrauchen doppelt so viel Energie wie 60 Millionen Franzosen! Dazu passt, dass in unserer Straße jeden Morgen dutzende Autos minutenlang warm laufen, per Fernbedienung angestellt aus der warmen Wohnung. Theoretisch könnte man den Wagen ja in die warme Garage stellen, aber die ist voll mit dem Pröll, der beim letzten Garage Sale erstanden wurde...
Darüber hinaus dürften die Stromkosten zur Unterhaltung der Weihnachtsbeleuchtung am typischen kanadischen Haus den Staatshaushalt Liechtensteins übersteigen. Da werden kilometerlange, blinkende Lichterketten ums Haus gewickelt und aus Lichterketten geformte Rehe in den Vorgarten gestellt... Und der eigentlich sonst sehr angenehme lokale Radiosender "the Breeze", der uns sonst mit Easy Listening-Jazz versorgt, terrorisiert uns seit Tagen nur noch Weihnachtsmusik. Wir sind gespannt, was im konsumwütigen Kanada bis Heiligabend noch auf uns zukommen wird...

Sonntag, 20. November 2005

Ein seltsames Licht!

Gestern abend hatten wir ein ganz seltsames, völlig unnatürliches Licht. War wohl eine Folge des Sonnenuntergangs in den Rockies, der die leichte Chinook-Bewölkung mit einem milchig gelb-orangen Ton einfärbte. Wir haben versucht, das ganze fotografisch fest zu halten, war aber ziemlich schwierig:



Unsere Heizung wird übrigens am Montag repariert. Das Problem war, dass der Kamin schon seit Jahren nicht mehr gereinigt worden war und sich deshalb der ganze Dreck im
Fire-Up-Motor
fest gesetzt hatte. Offensichtlich ist dieser Motor nötig, damit die ganze Heizung in die Gänge kommt. Wir haben also wieder etwas gelernt: Regelmäßige Heizungs- und Emissionswartung ist hier offensichtlich
nicht
Pflicht!
Bei der Gelegenheit haben wir dann auch einen neuen Humidifier (Luftbefeuchter) eingebaut bekommen. Hier ist der Winter nämlich so trocken, dass einem der Parkettboden und die Wände spröde werden können! Der Humidifier wird direkt an die Heizungsanlage angeschlossen und befeuchtet die warme Heizungsluft, die hier hier in die Räume geblasen wird. Das ganze wird natürlich von unserer Vermieterin bezahlt, zumindest
das
ist wie in Deutschland!
Zum Glück ist es immer noch sehr warm, wir müssen also nicht (übermäßig) frieren...

Donnerstag, 17. November 2005

Gut, daß wir gerade Chinook haben...

... denn unsere Heizung ist ausgefallen und wir sprechen von 14°C morgendlicher Wohnraumtemperatur. Seit Tagen haben wir bereits Probleme mit dem Thermostaten und ebensolange verspricht unsere Vermieterin Abhilfe... als Deutsche sind wir natürlich der Empörung nahe, der Kanadier in uns säuselt jedoch: wenigstens haben wir heißes Wasser und den Gaskamin. Schließlich sind wir dieser inneren Stimme weiter gefolgt und haben bei Home Depot (Canada's Obi) noch einen Heizlüfter besorgt. Zur Belohnung gibt es nun den Wetterbonus, der Chinook bringt uns zweistellige Plusgrade. Wir müssen also (noch nicht) erfrieren ;-)
Und hier noch eine Nachricht, die in Deutschland wahrscheinlich wieder keiner glauben wird:
"Die Beiträge zur kanadischen Arbeitslosenversicherung werden ab 1. Januar 2006 für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um jeweils etwa 4% gesenkt werden. Kritiker der Regierung haben immer wieder moniert, dass viel mehr Geld durch Arbeitslosenversicherungsbeitraege eingenommen wird, als für Leistungen ausgegeben wird. Der so in den letzten Jahren regelmäßig erwirtschaftete Überschuss verschwand im allgemeinen Haushalt der Regierung. Angesichts der sinkenden Arbeitslosenzahlen und unter der anhaltenden Kritik wurden in den letzten Jahren kontinuierlich die Arbeitslosenversicherungsbeiträge gesenkt."

(Quelle: Rockiesman) 

Sonntag, 6. November 2005

Grünkohlessen

Gestern hatten wir mal wieder Besuch von unseren kanadischen Freunden Pam und Jane, die wir in regelmäßigen Abständen mit deutschen Gerichten verwöhnen, professionell dargeboten von unserer Super-Köchin Sonja. Diesmal gab es deutschen Grünkohl (heißt im englischen übrigens nicht Green Cabbage, sondern Kale; mit Green Cabbage ist Weißkohl gemeint) mit kandierten Kartoffeln, Mettenden und Kassler. Zum Nachtisch Schokoladenpudding mit Vanillesoße, außerdem gab es Senseo-Kaffee und Toffifees dazu. Edelweiß-Imports sei Dank! Das Warsteiner und die französische Orangina gibt es ja sogar beim normalen Superstore...
Wie immer waren die beiden begeistert, aber Sonja hat sich auch mal wieder selbst übertroffen. Köstlich! Da noch einige Kartoffeln übrig sind, werden wir heute uns heute mal nach mexikanischem Spargel umschauen. Soll angeblich ganz gut sein!

Mittwoch, 2. November 2005

Erster Schnee

Pünktlich zum Beginn des Novembers gab es gestern den ersten Schnee.

Heute morgen hat es dann auch gleich eine Stunde gedauert, zur Arbeit zu kommen (normalerweise brauchen wir 25-30 Minuten). Aber das war in Deutschland ja auch nicht anders. Trotzdem graut es uns ein wenig davor, wie es hier auf den Straßen zugehen mag, wenn der Winter mal wirklich ausbricht!
 

Montag, 31. Oktober 2005

Die Nacht des großen Kürbisses

Quelle: Peanuts
Immigranten-Erbe: Durch die irischen Einwanderer hat sich das keltische Samhain-Fest vor allem in Amerika, aber natürlich auch in Kanada in der Tradition der Halloween-Feier etabliert, allerdings ohne den eigentlichen spirituellen Hintergrund. Damals wurde das neue Jahr gefeiert und der Kürbis war noch eine Rübe. Später hat die katholische Kirche den ehemals heidnischen Feiertag christianisiert und Allerheiligen daraus gemacht.
Heutzutage verkleiden sich Kinder als Vampire, Geister, Zombies, Durazell-Hasen, Ninja-Turtles oder andere Horrorgestalten und ziehen von Haus zu Haus um 'treats' (Süßigkeiten) einzufordern. Bei Nichterfüllung der Forderung wird das Opfer mit einem 'trick' (gerne Klopapier im Vorgarten, entleerte Mülltonnen o.ä.) heimgesucht. Aus den Vorgärten werden Friedhöfe, in den Bäumen hängen Totenkopfgirlanden und von der Veranda grinsen den Besucher die unvermeidlichen Kürbisgesichter an. Die Erwachsenen wiederum werden zusätzlich mit Kürbiskuchen, Kürbiscreme, Kürbiskompott und Kürbisbowle nicht unter zwei Wochen bestraft. Ach ja, wir müssen noch zum Superstore, Treats kaufen...
Mehr zum Thema auf

Sonntag, 23. Oktober 2005

Vorbereitung auf den kanadischen Winter

Auf der Internetseite der Kanadischen Regierung haben wir einen Ratgeber für das "Überleben im kanadischen Winter" entdeckt. So heißt es, auch wenn man im (geheizten) Auto unterwegs ist, kann es zu Umständen kommen, die das Weiterreisen verzögern oder verhindern können. Eine Panne, ein (Wild-)Unfall, von einer Lawine verschüttet, im Eis eingebrochen? So empfiehlt die Website der Kanadischen Regierung, folgende Dinge immer dabei zu haben:
Kleidung:
Winterjacke und -stiefel, Mütze, Schal und Handschuhe, lange Unterwäsche und Socken.
Essen:
Schokolade, Müsli-Riegel, Wasser, Trockennahrung.
Auto:
Schneeketten, Benzinkanister (natürlich gefüllt!), Abschleppseil, Werkzeug, wichtigste Autoersatzteile, Schaufel, Feuerlöscher.
Überleben:
Erste-Hilfe-Koffer, Schlafsack, Taschenlampe, Kerzen (als zusätzliche Wärmequelle), Taschenmesser, Karten, Streichhölzer, Sonnenbrille (gegen Schneeblindheit), Toilettenpapier, Seil, Axt. Ach ja, und das Satellitentelefon nicht vergessen! Aber nun, da der Kofferraum unseres Toyota voll ist, sagt uns keiner, wo wir unsere Einkäufe vom Supermarkt unterbringen sollen… ;-)

Samstag, 22. Oktober 2005

Schneegrenze auf 2000m


Oktober ist bisher unser Lieblingsmonat. Denn die Urlaubssaison ist vorbei! Viele Campingplätze und Zufahrten zu landschaftlichen Sehenswürdigkeiten sind bereits gesperrt. Keine Touristenbusse mehr, die haufenweise Japaner oder amerikanische Rentner ausspucken, weil man zu den Sehenswüdigkeiten nur noch zu Fuß gelangt... Keine Insekten, die unser Picknick terrorisieren. Dazu noch ein Super-Wetter (Strahlendblauer Himmel, Sonne, 18 bis 20°C), was will man mehr?
Daher haben wir gestern mal wieder einen "Ausritt" in den Banff NP gemacht. Die Rockies haben bereits ihre Wintermützen auf, die Schneegrenze liegt aber noch bei 2000 m. Immerhin durften wir am Peyto Lake schon durch den Schnee stapfen und wurden am Aussichtspunkt, den wir für uns alleine hatten (wie gesagt, Busse kommen nicht mehr durch...) wieder mit einem atemberaubenden Weitblick belohnt (siehe oben).
Wir freuen uns schon auf den "richtigen" Winter und hoffen, dass in einem Monat der Icefield Parkway überhaupt noch befahrbar ist, damit wir wieder mal nachschauen können, was unser Lieblingssee so macht...

Samstag, 15. Oktober 2005

Culture Shock...

… oder von 14, die auszogen, das Oktoberfest in Calgary zu besuchen.
Gestern traf sich unsere Expat-Gruppe (deutschsprachige Immigranten in Calgary und Umgebung) im Österreichisch-Kanadischen Klub. Anlass war das alljährliche Oktoberfest. Das ausgezeichnete (im Eintrittspreis eingeschlossene) Buffet entschädigte für die recht üppigen Getränkepreise, speziell für das importierte Bier. Doch einen gewissen Pegel brauchten wir, um später die Live-Musik (eine Gruppe aus Österreich) zu ertragen.  Die Eröffnung des Buffets erfolgte durch die englische Ansprache des Vorsitzenden dieses Klubs. Aber da man bei seinem Akzent einen Übersetzer gebraucht hätte, ist unserem Tisch leider entgangen, dass man Tischweise zum Gang ans Buffet aufgefordert wurde. So stürmten wir als erstes los… peinlich? Nö, aber typisch deutsch, diese Schlacht am Buffet. OK, wir haben den Altersdurchschnitt wahrscheinlich ziemlich heruntergezogen, aber als die Musik aufspielte, blieben die Jüngeren mit eher betroffenen Blicken sitzen, während alles über 60, was noch laufen konnte, auf die Tanzfläche stürmte, um Polka, Twostep oder einfach Schieber zu tanzen. Auch einige unserer Mädels blieben nicht verschont, aber haben sich wacker geschlagen. Die Bandmitglieder wurden regelmäßig mit Schnaps und Bier versorgt, welches sie mit Schenkelklopfer-Trinksprüchen belohnten. In den ersehnten Musikpausen gab es dann noch Schuhplattler-Darbietungen und einen Schnellkurs für 'Freiwillige'.

Unser Fazit:
Wir haben viel Spaß gehabt, gelacht, getanzt und mitgesungen (Warum wir die Texte kennen? Keine Ahnung!), unsere Angie hochleben lassen, gut gegessen und viel (Alkohol) getrunken. Wie überall, war auch hier Rauchverbot, also blieb die Luft unverpestet. Es war ein gelungener Abend. Aber Kultur und Heimat… das ist was anderes. Uns ist die Stampede lieber, oder auch der Kölsche Karneval. Als nächstes werden wir mal heraus finden, ob es auch einen Karnevalsverein in Calgary gibt, den wir unsicher machen können ;-)

Montag, 10. Oktober 2005

Zehn Dinge, an die man sich schnell gewöhnt

• Sonntagnachmittags einkaufen
• Den Kamin auf Knopfdruck anmachen
• Für 50 Bucks gepflegt essen gehen
• Von Fremden nach der Herkunft gefragt und nach fünf Monaten immer noch willkommen geheißen zu werden
• Vier Uhr Feierabend
• Die Benzinpreise
• Die fantastische Luft
• Rechtsabbiegen bei Rot
• Berge vor der Haustür
• Die kanadische Freundlichkeit

Samstag, 8. Oktober 2005

Zurück aus Deutschland

Wir sind wieder zurück von unserem einwöchigen Deutschland-Besuch zur Hochzeit von Sonjas Schwester und erholen uns von den Strapazen der Reise während der Arbeit :o). Die Woche war schon ganz schön anstrengend, mit wenig Schlaf und vielen, vielen Terminen. Für die meisten Freunde hatten wir leider nicht genügend Zeit, sorry noch einmal dafür. Der Rückflug war (wie eigentlich immer bei LTU) sehr angenehm, aber wieder einmal nur zur Hälfte besetzt. Wir machen uns deshalb etwas Sorgen, ob die Verbindung im nächsten Jahr noch im Programm stehen wird. Ansonsten müssten wir die Reise über Frankfurt machen, was doch um einiges aufwändiger und anstrengender wird. Der wenige Schlaf in Deutschland kommt uns jetzt sehr entgegen, wir haben seit der Rückkehr kaum Probleme mit dem Jet Lag. Wir wachen morgens gegen 6 Uhr auf, sind richtig hellwach und kommen völlig ausgeruht zur Arbeit. Mal was Neues!

Die Bäume haben ihre Blätter mittlerweile komplett abgeworfen, die Nächte sind jetzt regelmäßig unter 0 Grad, und während unserer Abwesenheit muss es wohl den ersten Schnee gegeben haben, dieser ist allerdings nicht liegen geblieben. Wir schätzen, dass es in den Rockies mittlerweile schon ein bißchen mehr Schnee geben dürfte, wir werden das in den nächsten Tagen mal prüfen. Heute sind wir zunächst einmal zur Hauseinweihung von Sonjas Kollegen Olivier (ein Quebecois) eingeladen. Der Bursche ist Anfang Zwanzig, arbeitet seit zwei Jahren, ist alleinstehend ohne Kinder und kauft von ganz geringen Ersparnissen 'mal eben' ein Haus. Das ist Kanada...

Am Montag ist dann der höchste Feiertag im Jahr nach Christmas, nämlich T-Day! Sprich Turkey-Day, sprich Truthahn-Tag, sprich Erntedankfest. Natürlich könnte das T vom T-Day auch von Thanksgiving kommen, aber das wäre ja langweilig... Wir haben schon zwei Einladungen zum Truthahnessen und mussten folglich einer absagen. Offensichtlich ist das ein sehr geselliges Fest! Apropos "Geselliges Fest": wir werden am kommenden Freitag ein Oktoberfest besuchen! So richtig mit Schuhplattlern und "Band from Austria"! Was tut man nicht alles in der Fremde... Wir werden berichten!

Übrigens ist hier mal wieder eine Meldung über Calgary:

Lebensqualität in Calgary: Platz 5 in der Welt
In nur einem Jahr ist Calgary vom 16. auf den 5. Platz einer Rangliste der 127 lebenswertesten Städte der Welt aufgestiegen, die alljährlich von der Economist Intelligence Unit des britischen Wirtschaftsmagazins “The Economist” aufgestellt wird. Diesen fünften Platz teilt Calgary sich mit Toronto in Kanada und Perth, Adelaide und Sydney in Australien sowie Zürich in der Schweiz. Letztes Jahr teilte sich Calgary noch den 16. Platz mit Düsseldorf und Frankfurt.
Kriterien für die Einstufung sind etwa 40 verschiedene Indikatoren, die den fünf Kategorien Stabilität und Sicherheit, Gesundheitswesen, Kultur und Umwelt, Bildung, und Infrastruktur zugeordnet werden. Calgary machte Punkte gut bei dem Arbeitsplatzangebot, der guten Gesundheitsversorgung und dem Bildungswesen. Auch die hohe Sicherheit für die Bürger aufgrund vergleichsweise geringer Kriminalität und das Klima sprechen für Calgary.

Freitag, 30. September 2005

Kanada ist nicht für jeden

Auch wenn unser Enthusiasmus ungebremst ist, wollen wir hier nicht verschweigen, dass das Traumland Kanada für manche zum Albtraum werden kann. Immer wieder gibt es Presseberichte über gut ausgebildete Einwanderer, die sich aufgrund fehlender kanadischer Qualifikation und Berufserfahrung mit Aushilfsjobs über Wasser halten müssen. Ärzte, die Taxi-Fahren, obwohl in Kanada grosser Mangel an medizinischen Fachkräften herrscht. Ingenieure, denen man aufgrund mangelnder kanadischer Zertifizierung keinen qualifizierten Job zutraut.

Kanadas Punktesystem für die Zulassung zur Immigration sieht zwar vor, gebildete Einwanderer, so genannte 'skilled worker', ins Land zu holen, sind diese aber erst einmal im Land, versagt das System oft. Es gibt sogar eine Seite, www.notcanada.com, die vor der Einwanderung nach Kanada warnt.

Die Regierung hat das Problem erkannt und ein Budget zur Verfügung gestellt, die ein beschleunigtes Verfahren zur Zulassung/Anerkennung nicht-kanadischer Berufserfahrung und Integration von Immigranten in ihren erlernten Berufen ermöglichen sollen. Mehr dazu hier.

Mittwoch, 21. September 2005

Herbstbeginn

Herbst ist da, was natürlich auch in Calgary bedeutet, dass die Bäume, bevor sie ihre Blätter abwerfen, noch einmal für ein wunderschönes Farbenspiel sorgen. Ist aber erwartungsgemäß nicht vergleichbar mit dem Indian Summer im Osten. Die Temperaturen gehen mittlerweile nachts bis zur Null-Gradgrenze zurück, tagsüber sind sie momentan einstellig, obwohl meistens die Sonne scheint. Es kann also durchaus sein, dass wir in den nächsten Tagen den ersten Schnee der Saison bekommen. Statistisch gesehen gibt es einen Tag Schneefall im September!
Insgesamt muss es wohl einer der regnerischsten Sommer seit langer Zeit gewesen sein, zumindest haben die Calgarianer ununterbrochen über das Wetter gemeckert. Wir haben den Sommer allerdings als sehr schön empfunden, denn nach dem wirklich total verregneten Juni gab es in der Folgezeit viele, viele sonnige Tage und gerade genug Regen, damit Roland nicht täglich den Rasen sprengen musste. Alles in allem ist das Klima hier im Sommer sehr viel angenehmer als in Mitteleuropa, da die Luft wunderbar trocken ist. Diese Trockenheit kann sich wohl aber im Winter so weit verstärken, dass die Haut ohne regelmäßiges Eincremen mit Niveacreme tatsächlich brüchig werden kann! 
Weniger schön sieht es ja momentan in Houston, Texas aus, wo man auf die Ankunft von Hurricane Rita wartet. Da Rolands Arbeitsgeber zur Westlake Gruppe gehört, die ihr Headquarter in Houston hat, sind wir sozusagen indirekt betroffen. Denn heute wurden die Zentralrechner heruntergefahren (damit gibt es Einschränkungen beim e-mailen und beim Telefonieren und SAP ist abgestellt), außerdem haben die Evakuierungen begonnen. Die Telefonkonferenzen, die eigentlich für den Rest dieser Woche anstanden, sind abgesagt, da alle texanischen Teilnehmer auf der Flucht vor Rita sind. So nah ist uns eine Naturkatastrophe noch nie gekommen! Wir hoffen, dass das ganze glimpflich abläuft...
Am Samstag waren wir mit dem Rest der Company bei Sonjas Chef zum Barbecue eingeladen. Wir haben dabei folgende Muttersprachen gezählt: Englisch, Französisch, Mandarin, Kantonesisch, Arabisch, Spanisch, Portugiesisch, Ägyptisch, Tagalog (Philippino-Dialekt) und Deutsch! Alle haben Partner, Kinder und Freunde mitgebracht, es gab Fleisch, Fisch und Geflügel, so dass für jeden etwas dabei war, und natürlich jede Menge Salat, Brot, Chips und was man sonst so zum Grillen braucht. Das ganze fand in der wie bei Kanadiern üblich, in der überdimensional großen Garage des Hauses statt. Doug hatte vorher Tage damit verbracht, sie aufzuräumen...

Donnerstag, 8. September 2005

Schnee essen

Wir sitzen gerade mittags bei einem Lieferanten zum BBQ (Gegrilltes...), als El Chefe Doug mich auf eine ungewöhnliche Wolkenformation aufmerksam macht. Dazu weht plötzlich ein heftiger, fast heißer Wind, und der kommt nicht vom Grill. Das Phänomen heißt Chinook, Schneefresser, wie die Indianer ihn nennen. In Europa ist er mit dem Föhn in den Alpen vergleichbar. Im Winter kann dieser Wind innerhalb von Stunden zu Temperaturveränderungen bis zu über 30°C verursachen.

Mittwoch, 7. September 2005

Nachwort zum Tag der Arbeit

Hier einige Überschriften aus dem aktuellen "Calgary Herald":
- Arbeitsmarktkrise in Calgary
- Hilfe gesucht: Calgary rollt roten Teppich für Arbeitssuchende aus
- Vergünstigungen geboten, um Arbeiter anzulocken
- Wirtschaft kann nicht wachsen ohne Arbeitskräfte
- Kritischer Arbeitskräftemangel erleichtert Jobsuche für Schulabgänger
- Mangel an Arbeitskräften verzögert viele Projekte
- Arbeiter kommen ... und gehen - wohl wissend, dass sie schnell anderswo einen neuen Job finden

Die Arbeitslosenzahlen in Calgary sanken im Juli auf das Rekordtief von
3,1%. Für die gesamte Provinz Alberta waren es 3,6% (verglichen mit 4,6% im Vorjahr), und für ganz Kanada waren es 6,8% im Juli.
Der statistische Durchschnitts-Stundenlohn (aller Branchen) in Alberta liegt bei $18,55. Die Zeiten sind also gut zur Zeit für Arbeitnehmer in Alberta. Und entsprechend einer staatlichen Studie soll das auch zumindest bis zum Jahr 2010 so bleiben. Alleine im Grossraum Calgary sollen bis dahin 90.300 neue Jobs geschaffen werden (und besetzt werden müssen).
Quelle: RockiesMan
Na, neidisch?

Sonntag, 4. September 2005

Im Westen nichts neues...

So ist das also, wenn der Alltag eingekehrt ist. Man steht auf, geht zur Arbeit, hat irgendwann Feierabend (zur Erinnerung: Vier Uhr nachmittags, na gut manchmal wird's auch halb fünf, das sehen wir nicht so eng). Anschließend geht man Essen, trifft sich mit Freunden oder hängt einfach vor dem Fernseher ab.
Am Wochenende der obligatorische Ausflug in die Natur. Diesmal ging es in die Prärie zum Head-smashed-in-Buffalo-Jump
http://www.head-smashed-in.com/ Interpretive Center, wo wir die ehemaligen Jagdgründe der Prärieindianer besucht haben. Es war heiß, wir hatten fast 30°C, und bis auf den Wind in den Gräsern und den Lauten der Zikaden war es unglaublich still. Einige Farmen in dieser Region haben sich auf die Aufzucht von Büffeln spezialisiert, so dass man heute durchaus wieder in den Genuss von Büffelsteak oder Pemmikan (mit Beeren vermischtes Pökelfleisch nach indianischem Rezept) kommen kann.
Morgen ist Labour Day (Tag der Arbeit) und - wie in Deutschland - natürlich ein Feiertag - ja, schon wieder! Das Tolle an kanadischen Feiertagen ist, dass, sollten sie auf ein Wochenende fallen, der darauffolgende Montag arbeitsfrei ist. Das trifft jedenfalls auf uns Büroangestellte zu. Geschäfte wiederum haben an solchen Tagen erst recht auf, weil viele den Feiertag zum Einkaufen nutzen.
Übrigens, Sonja gehört mittlerweile schon zum alten Eisen in ihrer Firma. Als sie anfing, bestand das Unternehmen aus 18 Mitarbeitern, jetzt sind es schon 32! Ihr Chef ist so begeistert von ihr, daß er sie schon an seinen größten Kunden "verkauft" hat, sprich: sie wird in den nächsten Monaten für 2-3 Tage pro Woche die Beschaffung beim Kunden re-organisieren! Außerdem hat sie das Projekt der Implementierung einer neuen Unternehmens-Software übernommen. Aus Furcht vor Abwerbung hat man Ihr deshalb inzwischen sogar einen schriftlichen Arbeitsvertrag gegeben!

Donnerstag, 25. August 2005

Things to hate about Canada oder: Wo wäre der Deutsche ohne seine Mecker-Ecke!

WOHNEN: Unser Haus ist eine Holzrahmenkonstruktion (Fachwerk ist was anderes) und leider nur mäßig isoliert. Wenn es stürmt, zieht es auch im Haus, wenn es regnet, merken wir das ebenfalls an manch undichtem Fenster. Noch sind die Heizkosten recht gering, aber wir hatten bisher auch noch keine minus 35°C. Aber da die Energie fast nichts kostet, gibt es nur wenige Anstrengungen, bessere Häuser zu bauen.
Über die Installation und Lichtschalter sagen wir lieber erst gar nichts, aber schaut Euch mal einen amerikanischen Film aus den 60ern an, die Technik ist noch dieselbe, obwohl das Haus erst 1999 gebaut wurde.
Die Badezimmerausstattung ist ein Witz, vor allem gemessen an den Produkten, die unser ehemaliger Arbeitgeber zu bieten hatte. Die Toilette (natürlich kein Wandhänger, das würde die Wand sicher nicht überleben) braucht 13 Liter pro Spülung. Öko, nein danke. Die Wanne ist American Standard und somit zu klein für Roland. Der Duschkopf ist fest in der Wand installiert. Wofür braucht man auch eine Schlauchbrause?
Unser Herd ‚läuft‘ auf Fahrenheit, was allerdings nirgendwo steht, so endete Rolands erster Versuch, einen Geburtstagskuchen zu backen, als Kuchensuppe.
Die Spülmaschine reinigt zwar das Geschirr nur unzureichend, macht dafür aber einen Höllenlärm. Jedenfalls sind ein gewisses Geschick beim Arrangement des Geschirrs und vor allem die Verwendung des richtigen Spültabs gefragt, um glänzende Resultate zu erzielen. Jacques (der Freund unserer Vermieterin) fachsimpelt gern über das Thema Spültabs, da er glaubt, es liegt am Spülmittel und nicht an der Technik...
Waschmaschinen sind auf dem Stand der Technik um 1950. Die Füllung erfolgt von oben, erst das Pulver, dann die Wäsche, Deckel zu und zwischen kalt/warm und schnell/langsam wählen. Vorsicht, denn der Deckel ist während der Waschzeit nicht gesichert! Nach einer Stunde entnimmt man die Wäsche noch tropfnaß, aber gut riechend. Man kann nur nicht davon ausgehen, dass Flecken herausgehen...
Der Trockner ist ein anderes Thema. Wir haben bisher nicht herausgefunden, bei welcher Einstellung hier wirklich trockene Wäsche herauskommt. Aber wir haben ja viel Sonne, und hängen die Wäsche halt noch ein paar Minuten draußen auf...
AUTOFAHREN: In Calgary gibt es die wahrscheinlich schlechtesten Autofahrer Kanadas. Hier scheint manchem Cowboy schon mal der Gaul durchzugehen. Auch die Sicherung von LKW-Ladungen ist so eine Sache: Viele Trucks fahren hier ohne Plane. Das heißt, Steine in der Windschutzscheibe sind vorprogrammiert und daher sind Schäden dieser Art auch von der normalen Autoversicherung von vorne herein ausgeschlossen. Ladungen gehen auch gern mal verloren, so haben wir mit großem Glück schon Autoreifen, Holzplanken oder Pflastersteinen ausweichen können.
POLITIK: Die Sparmaßnahmen der Provinz-Regierung von Alberta. Die Provinz ist zwar schuldenfrei, aber dafür sind die Straßen in katastrophalem Allgemeinzustand. Auch das Gesundheits- und Bildungswesen hatte unter den Budgetkürzungen erheblich zu leiden. Es fehlt besonders an medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal. Premier Klein verspricht aber Besserung durch Aufnahme eines Kredites, der aber irgendwie nicht zu Schulden führen soll. Unsere Englischkenntnisse reichen wohl nicht aus, um das zu verstehen... aber an die Versprechungen deutscher Politiker gewöhnt, gehen wir mal davon aus, dass die Besserung mit Steuererhöhungen einhergehen wird.
Über unser Abenteuer mit der Bank berichten wir, wenn wir seelisch darüber hinweggekommen sind, dass man unsere Bewerbung für eine Kreditkarte abgelehnt hat.
Alles in allem nichts, was ernsthaft unsere Lebensqualität beeinträchtigt oder die Laune verdirbt! Die Miete für das Haus ist relativ gering und Küche und sämtliche Elektrogeräte sind im Preis inbegriffen, also nicht wirklich ein Grund sich zu beschweren. Ins WC wird eine Wasserspartaste eingebaut, der Duschkopf ausgewechselt, und was nicht sauber wird (Geschirr oder Wäsche), wird halt mit der Hand gereinigt. Rolands Kuchen ist beim nächsten Versuch schließlich was geworden und hat lecker geschmeckt. Wir passen uns den Fahrgewohnheiten an und hoffen ansonsten auf die Wachsamkeit unseres Schutzengels. Und, Leute, wir zahlen im Verhältnis zu Deutschland weniger Abgaben, so dass wir gerne etwas von unserem Gehalt abgeben würden, wenn dafür das Gesundheits- und Bildungswesen weiter ausgebaut werden. Nebenbei bemerkt haben wir inzwischen auch eine Kreditkarte. Meckern ist nutzlos, es geht doch nichts über kanadische Gelassenheit, Eigeninitiative und Improvisationstalent.

Sonntag, 21. August 2005

Königswetter in den Königen der Berge

Da wir gute Kanadier sind, haben wir einen Teil von Rolands erstem Gehalt genutzt, um Geld auszugeben und eine neue Kamera zu kaufen (wen's interessiert: eine Canon S2). Somit hinreichend gerüstet, haben wir bei allerbestem Wetter mal wieder eine Tour in die Rocky Mountains unternommen. Dort hat Roland ausgiebig dieWeitwinkelfunktion des Apparats getestet. Erste (noch verbesserungsfähige) Resultate findet Ihr hier.
Es ging allerdings heute zu wie im Phantasialand, da neben den üblichen Wohnmobilen und Busladungen von Japanern auch die Albertaner (wir ja schließlich auch...) das traumhafte Wetter nutzten und die Berge bevölkerten. Trotzdem war es wie immer wunderschön!

Etwas traurig ist, daß es am Freitag mal wieder einen Grizzly erwischt hat, diesmal war es sogar eine Mutter von 3 Grizzlykindern, die im Banff National Park von einem Zug überfahren worden ist. Das ist schon der zweite Grizzly in diesem Sommer, man macht sich schon ein bißchen Sorgen über die Population... 

Samstag, 20. August 2005

Immigranten gesucht!

Hier ein Auszug aus einem Bericht aus dem heutigen Calgary Herald: "In den letzten zehn Jahren hat Alberta bereits 6-7% aller kanadischen Immigranten "erhalten". Aber aufgrund des höchsten Wirtschaftswachstums des ganzen Landes braucht die Provinz wesentlich mehr Arbeitskräfte... Es wird erwartet, daß im Jahr 2011 70% aller Stellenbesetzungen durch Immigranten belegt werden. Zitat eines Immigranten: 'Ich bin in dieses Land gekommen, weil ich es wollte, und weil dieses Land Leute wie mich braucht: gut ausgebildet und ehrlich.'"
Also, worauf wartet Ihr noch?

Freitag, 12. August 2005

Einfach nur da stehen und atmen!

Gestern, als wir von der Arbeit nach hause kamen, haben wir uns auf die Terasse gestellt und sind überwältigt worden von der Qualität der Luft. Es hatte in der Nacht auf Freitag kräftig geregnet und gestürmt und den ganzen Tag hatten wir eine steife Brise aus Nord, so dass wir gestern abend eine Luft hatten, die so sauber und klar und würzig war, wie wir das noch nie irgendwo erlebt hatten. Vergleichbar allenfalls mit einer Bergluft im Winter! Am liebsten würden wir es in Flaschen abfüllen.
Der Sommer scheint sich hier übrigens schon langsam dem Ende zuzuneigen, denn wir haben das erste gefallene Laub, und einige Bäume haben auch schon herbstliche Farben angenommen. Die Nächte sind schon wieder kälter, aber tagsüber erreichen die Temperaturen noch gute 20-25C. Alles in allem ein sehr angenehmes Klima momentan!

Donnerstag, 11. August 2005

Was Kanadier über Deutschland wissen

Mit einer spontanen Umfrage wollten wir von unseren kanadischen Freunden, Bekannten und Kollegen wissen, was ihnen zu Deutschland einfällt. Das ist dabei herausgekommen (ist natürlich nicht repräsentativ):
Kulinarisches:
Nichts Neues hier: Die Mehrheit nennt Oktoberfest, Bier, Bratwurst und Sauerkraut plus German Gemütlichkeit (Gie-mju-tli-kait); hat wohl wieder was mit Oktoberfest und Bier zu tun.
Technisches:
Doug, Olivier, Steve, Jacques: zweifellos German Engineering, natürlich sind Autos gemeint! Und damit einhergehend die German Autobahn, auf der man über 200 km/h schnell fahren darf.
Menschliches:
Jane, die während ihres Europa-Urlaubs auch Deutschland besucht hatte (Heidelberg, München und Schloss Schwanstein wegen der Kultur!), berichtet von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Eingeborenen und war erstaunt über deren englische Sprachkenntnisse.
Deutsch-Kanadier in zweiter oder dritter Generation wie Susan (Buchhalterin) und Dean (heißt Schlachter, ist aber Dekorateur und Möbelverkäufer) sind stolz auf ihren beruflichen Erfolg, den sie ihren deutschen Wurzeln zuschreiben, ihre Ordentlichkeit, Gründlichkeit, ihre Vorliebe für guten Wein und gutes Essen und streuen gern mal ein deutsches Wort in den Dialog ein.
Geografisches:
Der Schwarzwald liegt in Bayern. Überhaupt scheint Deutschland nur aus Bayern und Heidelberg zu bestehen.
Politisches:
Well…Hmm… (fragende Blicke und Schulterzucken), Chancellor 'Görhard' Schröder ist nur wenigen ein Begriff.
Das nächste Mal interviewen wir mal unsere deutschen Landsleute und berichten, was sie über
Kanada wissen… ;-) Überlegt schon mal und schickt uns eine Nachricht unter 'Kontakt'!

Sonntag, 7. August 2005

Arbeiten und Wochenende

Roland hat jetzt auch angefangen zu arbeiten, und zwar bei einem Hersteller von Profilen für Fensterrahmen und Gartenzäune. Das Unternehmen hat den Hauptsitz in Calgary und weitere Produktionsstätten in Indiana und dem Staat New York. Außerdem gehört es zu einer Firmengruppe mit Sitz in Houston, Texas. Es werden wohl von Zeit zu Zeit Reisen in die USA anstehen, das meiste wird jedoch über Telefonkonferenzen geklärt werden.
Die Firma suchte einen Material- und Produktionsplaner mit SAP-Kenntnissen, da eine umfassende SAP-Einführung ansteht, die Job-Bezeichnung ist 'Operations Analyst'. Roland konnte bei dem Potential einfach nicht widerstehen und musste deshalb Shell leider eine Absage erteilen, von denen auch ein Angebot vorlag. Zudem liegen unsere Arbeitsplätze etwa zehn Minuten voneinander entfernt. Wir können also sogar gemeinsam zur Arbeit fahren! Mal wieder ein logistisches Meisterstück!
Wenn man arbeitet, macht das Wochenende erst richtig Spaß. 

Samstag sind wir daher mal wieder in unsere lokale Lieblingsgegend gefahren, das Kananaskis Country. Hier bei handelt es sich um die Foothills der Rockies, mit wunderschönen Tälern und sehr wenig Tourismus. Denn es ist Hochsaison, und überall sieht man Leih-Wohnmobile. Aber dort, wo es uns hinzieht, treffen wir nur auf einige Kanadier. Wir haben dort einen traumhaften Platz am Elbow River gefunden, mitten im Grünen, am Fluss, mit Picknickbänken, Feuerplätzen und Toiletten. Die Kanadier haben das einfach drauf.
Anschließend sind wir dann eine Strecke durch die Berge gefahren, die nur für ein paar Wochen im Jahr geöffnet ist (eine alte Baumfällerstraße). Die Gegend ist so wunderschön, daß die Worte fehlen, sie zu beschreiben! Unser Toyota ist bisher absolut schotterstraßenfest, und Roland hat viel Spaß beim Schlittern. Wir ernten allerdings regelmäßig erstaunte Blicke von den Fahrern der uns entgegen kommenden 4 Wheel Drives und SUV's, die anscheinend gar nicht glauben können, daß man KEIN Off Road Fahrzeug braucht, um solche Strecken zu fahren (Stephan in Schweden würde nur müde lächeln...) Bilder hier!
Abends hat Roland dann noch die Sportschau geguckt (dem Internet und shift.tv sei Dank!). Glückwünsche nach Köln zum ersten Saisonsieg! Mit Football und Baseball konnten wir uns noch nicht anfreunden, und Hockey startet ja erst in ein paar Wochen. Da haben wir uns schon sehr auf den Bundesligastart gefreut. Hier werden ab und zu Bundesligaspiele in voller Länge übertragen, allerdings zeitversetzt. Aber immerhin!
Da nach wochenlangem Sonnenschein für die nächsten Tage mal wieder ein paar Regenfälle angekündigt sind, muss Roland heute noch ein bißchen den Rasen düngen. Trotz regelmäßiger Bewässerungen sieht er doch ein etwas mitgenommen aus. Außerdem probieren wir gerade Rezepte von chefkoch.de zum Brötchen backen aus. Yummy!


Diese Woche haben wir uns (von Sonjas erstem Gehalt) ein Sofa bestellt. Bis es geliefert wird, sollen allerdings noch 12-14 Wochen vergehen. Wenn wir Glück haben, sitzen wir zu Thanksgiving (schon wieder ein Feiertag!) auf dem neuen Stück!

Montag, 25. Juli 2005

Lakritze,Teewurst und Shakespeare

Auf Empfehlung unserer Landsleute, die wir auf der Stampede kennengelernt hatten, haben wir heute ein frisches deutsches Sauerteigbrot in der Rustic Sourdough Bakery besorgt. RICHTIGES GRAUBROT. Danach sind wir noch zu http://edelweissimports.com/ und werden direkt im Hamburger Dialekt begrüßt. Hier finden wir fast alles, was der heimwehkranke Magen und das Feinschmeckerherz begehrt.
Etliche Dollars ärmer, aber mit Schwarzbrot, Ritter Sport, Marzipan, Katjes Gums, Lakritze und frischem Aufschnitt incl. Teewurst im Gepäck, verlassen wir den Laden wieder.
 
Bereits nach zwei Wochen "gehört" Sonja die Company! Der Boss fährt in Urlaub. Mal sehen, ob die Firma noch Kunden hat, wenn er wieder da ist… schließlich ist frau ja bisher gelernte Ein- und nicht Verkäuferin.
 
Nach verschiedenen Job-Interviews hat Roland sich nun für eine Aufgabe bei einem Mittelstandsunternehmen entschieden. Bis Mittwoch soll der Vertrag (wieso kriegt Roland eigentlich einen Vertrag?) fertig sein und im August geht's los… mit einem Feiertag, denn der 1.8. ist Heritage Day. Jetzt arbeiten wir beide für KANADISCHE (!!!) Firmen.
 
Am Samstag haben wir in Kultur gemacht und das Festival "Shakespeare in the Park" besucht! Man gab "Much Ado About Nothing", ein Stück, dass wir glücklicherweise aus dem Brannagh-Film kannten. Außerdem hatte Roland die gute Idee, den Text aus dem Internet zu ziehen, sonst hätten wir nun wirklich überhaupt nichts verstanden, denn neben der nicht ganz einfachen Sprache gab es einen fast orkanartigen Sturm, der die Worte zum Teil vom Winde verwehen ließ... So konnten wir der ganzen Sache dann doch einigermaßen folgen!

Montag, 11. Juli 2005

Der erste Arbeitstag!

6 Uhr aufstehen! Seufz, wie konnte das passieren? Viertel nach 7 im Büro. Um halb 8 ist der Kaffee fertig. Nach einer Betriebsführung und einem Schnellkurs in Mess- und Regeltechnik lerne ich die Kollegen kennen. Gemerkt habe ich mir nur die Namen Doug (mein Boss), Greg (sein Partner), Steve (Produktionsleiter) und Susan (Administration), mit denen ich das Büro teile. Alle anderen zwölf sind in der Produktion/Montage beschäftigt und irgendwie an mir vorbeigerauscht. Dann die ersten Gehversuche im EDV-System, natürlich unter Supervision! Nach kurzer Zeit überzeuge ich meinen Chef davon, dass ich alleine weitermachen kann. Bis auf weiteres kümmere ich mich also um Verkauf, Materialplanung und Einkauf incl. Datenpflege. Vorübergehend helfe ich auch im Lager, Wareneingang und Versand aus. Hier ist allerdings geplant, schnellstmöglich (und das kann hierbei den Kündigungsfristen heißen 'übernächste Woche') noch einen männlichen Kollegen einzustellen.
Fazit: An sich klare Prozesse und Aufgabenverteilung. Im Zweifel hat der Chef alle Vorgänge im Kopf, da er den Ein- und Verkauf bisher selbst betreut hat. Leider ist daher aber nur wenig dokumentiert. Ein überausgepflegtes Chaos also.
4 Uhr ist Feierabend. Und die der Boss sagt: See you tomorrow, eh!? Die erste Hürde ist also geschafft und ich habe den Fuß in der Tür.

Samstag, 9. Juli 2005

Rodeo Time

Via Park 'n' Ride geht's zu den Stampede Grounds. Cowboy-Hüte soweit das Auge reicht. Vor dem Eingang Demonstranten, die gegen die Misshandlung der Tiere protestieren. Wir wollen uns aber selbst eine Meinung bilden!
Da wir bereits über das Internet Karten bestellt hatten, gibt's kein Schlange-Stehen für uns.
Auf dem Gelände ein Riesenjahrmarkt mit Losbuden, Riesenrad, Wasserrutsche und anderen Schleudertrauma erregenden Attraktionen, die uns bereits beim Zuschauen den Magen umdrehen. Wir kämpfen uns an den zahllosen Fressbuden mit Bar-B-Q, Corn Dogs, Pizza, Pommes, Bretzeln vorbei und entern unsere ausgezeichneten(!) Sitzplätze für das Rodeo.

Die Show beginnt mit - wie könnte es auch anders - mit einer Stampede. Massen von Kühen werden durch die Arena getrieben. Danach beginnt das eigentliche Spektakel, welches es bereits seit 1912 gibt. Es gibt kaum Regeln, außer oben bleiben und gut aussehen. Bewertet wird der Reitstil, die Dauer auf dem Rücken des Tieres und wie sich das gerittene Tier verhält. Je wilder, je bockiger, desto besser! Geritten werden Pferde, mit und ohne Sattel (Saddle Bronc or Bareback Riding) und Bullen. Oft hält es die Reiter nur Sekunden oben. Obwohl durch Weste und Halskragen, manchmal auch Helm, geschützt, gibt es einige Verletzte. Tiere kamen jedoch unserer Meinung nach nicht zu Schaden. Vielleicht sollten die Demonstranten auch ein Herz für die armen Rodeo-Reiter zeigen, welche für ein Preisgeld von gerade mal 50.000 Bucks ihr Leben riskieren.
Weiterhin gab es das Pferderennen der Damen (Barrel Racing), bei dem in möglichst kurzer Zeit Tonnen umritten werden mussten. Weitere Attraktionen waren das Einfangen von Kälbern mit Lassos vom Pferd aus, deren Umlegen und Fesseln (Tie-Down Roping) und das in weniger als 10 Sekunden. Der schnellste hat es in 7,5 Sekunden geschafft. Dann das 'Stier-Würgen' (Steer Wrestling). Hier soll schnellstmöglich ein junger Stier bei den Hörnern genommen und flach gelegt werden. Die jungen Stiere und Kälber taten uns schon etwas leid. Andererseits, ein gutes Steak verachten wir auch nicht! Rodeo oder nicht, wir glauben, dass die Kühe hier bis zur Schlachtung ein wesentlich besseres Leben auf den weiten Weiden haben, als deutsches Vieh aus Massenhaltung. Die Stimmung war großartig und wir empfehlen: Schaut es Euch an! Bilder hier...
Rodeo ist ein sehr ernsthafter Sport. Der kanadische Sender CTV (vergleichsweise ARD/ZDF) überträgt jeden Abend um 9 Uhr die Hightlights und Ergebnisse. Am nächsten Tag berichtet der Calgary Herald (die größte Lokalzeitung) ausführlich im Sportteil. Reiter und Pferde (!) werden hier heldenhaft verehrt. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus Kanada und den USA, aber auch mehr und mehr aus Neuseeland und Australien.

Freitag, 8. Juli 2005

Die Calgary Stampede beginnt!

Um 5 Uhr morgens geht der Wecker, um halb 7 sind wir bei Pam und Rachel. Bei Second Cup wird noch Kaffee getankt, dann geht's im Bus nach Downtown.

Um 8 Uhr haben wir unsere Plätze eingenommen und machen es uns mit mitgebrachten Klappstühlen und Kissen gemütlich, lesen Zeitung und warten gemeinsam mit ca. 400.000 anderen Schaulustigen auf die Parade, die traditionell die Stampede eröffnet. Ein Geheimtipp: am besten sucht man sich einen 'Glotzplatz' in der Nähe der Fernsehkameras, dann kann man sicher gehen, dass die Parade-Teilnehmer ihre beste Show abgeben…
Um 9 Uhr beginnt die Parade am anderen Ende von Downtown, die Live-Musik und das unvermeidliche "Yahoo!" und "Yeehaw!" schallen durch die Häuserschluchten. Dazu Stimmung wie beim Familienpicknick. Auf dem Parkplatz hinter uns wird gegrillt, man unterhält sich und zwischendurch werden wir immer mal wieder zu einem kräftigen "Yahoo!" und "Yeehaw!" animiert. Wie schon so oft, scheint der Kanadier auch diesmal ohne Alkohol und Zigaretten feiern zu können. Gegen 10 Uhr sind wir 'dran'. Wie im deutschen Karneval gibt es auch hier Marschkapellen (hier meistens Highschool-Bands), Tänzer und Themen-Wagen, letztere jedoch meist Städte in Alberta und sind ohne politischen Hintergrund.

Dann Pferde, Cowboys und echte Indianer. Aber auch zugewanderte Kulturen haben ihren Platz in der Parade. So gibt es chinesischen Drachentanz, Dudelsackkapellen oder indische Sikh, Polen, Ukrainer, Araber. Die bayrisch-kanadische Stadt Kimberley hat seinen eigenen kulturellen Beitrag mit Ziehharmonika und Lederhosen geleistet. Bilder hier!
Toll war, dass nach dem schrecklichen Ereignis in London, die muslimischen Teilnehmer mit besonders viel Applaus bedacht wurden. Als wenn die Kanadier damit sagen wollten: Wir wissen, das war nicht Eure Schuld.
Nach etwa dreistündigem Spektakel lösen sich die Zuschauermassen ganz friedlich auf und die Reinigungskolonnen beseitigen die Hinterlassenschaften der Zwei- und Vierbeiner. Eine halbe Stunde später fließt der Verkehr wieder, als wenn nichts gewesen wäre…

Donnerstag, 7. Juli 2005

Sonja hat den Job!

Nicht, daß das nun irgend jemanden überraschen würde, aber natürlich wollen die Jungs Sonja haben! Yippeeekayeeeh! Damit ist unsere Miete erst einmal gesichert und Roland wird nun den Hausmann machen... Er hat mittlerweile fast 30 Bewerbungen raus, und muss jetzt mal langsam nachziehen mit einem Gespräch!

Für uns Deutsche ist das ja alles etwas gewöhnungsbedürftig: Erst gibt es gar kein Feedback auf Bewerbungsschreiben, dann geht alles Schlag auf Schlag, und wenn man einen Job hat, muss man sich nicht wundern, wenn man nicht mal einen schriftlichen (!)Vertrag bekommt. Wir haben uns von Freunden bestätigen lassen, daß das normal ist, zumindest bei kleinen Firmen! Aber wenn Sonja einen Vertrag haben will, dann soll sie halt ein Dokument entwerfen und mitbringen, der Chef wird es dann unterschreiben! Denn Gehaltsscheck(!!!) gibt es alle 14 Tage. Gleichzeitig damit erhält man einen
pay stub
(=Gehaltszettel), auf dem die Steuern und Abgaben festgehalten werden. Kündigungsfrist ist übrigens eine Woche...
Am Montag, dem 11. Juli geht's los mit dem Arbeiten und der unmenschlichen Arbeitszeit 7.30 - 16.00 Uhr (O-Ton des Chefs: "dann kann man nachmittags noch in die Berge..."). Drückt alle die Daumen, daß der Job Spaß macht und das Gehalt auch ohne Vertrag ankommt!

Falls man wissen will, wieviel einem nach Abzug der Steuern übrig bleibt, findet man entsprechende Informationen auf den Seiten der canada revenue agency.

Gesetzlich gibt es 10 Tage bezahlten Urlaub (erst) nach einem Jahr Beschäftigung, nach 5 Jahren, 3 Wochen usw., falls man beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt bleibt. Wechselt man den Arbeitgeber, geht es wieder von vorne los.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall obliegt der Gunst der Arbeitgeber, m Fall eines Arbeitsunfalls tritt die Berufsgenossenschaft ein, aber bei längerer Krankheit muss Arbeitslosengeld beantragt werden, welches dann maximal für sechs Monate gezahlt wird, und das auch nur, wenn man bereits 52 Wochen in die Employment Insurance eingezahlt hat. Zahlungen in Form von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gib es nicht.

Mittwoch, 6. Juli 2005

Sonja's Vorstellungsgespräch

Sonja hat ein zweistündiges Gespräch mit dem Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens der Erdölzulieferindustrie. Die Firma hat bislang keine 20 Mitarbeiter, boomt aber kräftig und zieht im nächsten Jahr in ein quietschneues Gebäude um. Der Geschäftsführer hat nun keine Lust mehr auf all die administrativen Dinge, die zu tun sind. Ein Job für Super-Sonja! Man bittet sich einen Tag Bedenkzeit aus, aber Sonja hat ein gutes Gefühl...

Dienstag, 5. Juli 2005

Sonja's Bewerbung

Sonja bewirbt sich per Internet auf einen Einkäufer-Job (ihre 10. Bewerbung soweit). Bereits am selben Tag kommt schon ein Anruf mit einer Einladung zum Gespräch

Freitag, 1. Juli 2005

Heute ist Canada Day!

Wie sonntags in Deutschland… endlich haben auch hier mal die Geschäfte geschlossen; nun ja die meisten, also wenigstens sind heute andere Öffnungszeiten, um ehrlich zu sein, wer heute unbedingt einkaufen will, findet offene Läden.
Natürlich wollten wir wissen, wie der Kanadier an sich seinen Nationalfeiertag begeht. Daher erwarten wir, den amerikanischen Unabhängigkeitstag vor unserem geistigen Auge, eine Riesenparade, rot-weiße Flaggen soweit das Auge reicht und politisch wirkungsvolle Auftritte. Weit gefehlt! Der Kanadier scheint im Gegensatz zum Amerikaner völlig ohne Stammtischparolen und nationalistisches Gedankengut auszukommen.
Im Shaw Millenium Park werden kostenlose Open Air Konzerte und First Nations Tanz geboten, dazu gibt's Bar-B-Q und Familienpicknick. Wir haben das multikulturelle Treiben bei einer Yodel-Sausage genossen und uns über die wunderbar friedliche Atmosphäre gefreut.
 
Regen-Abschlussbericht:
Juni 2005 war mit 237 mm der regenreichste Monat seit Anbeginn der Wettermessungen im 19. Jahrhundert. Der durchschnittliche Niederschlag liegt im Juni normalerweise bei 76 mm! Die Wassermassen haben alle flussnahen Parks verwüstet (darum fand das Fest zum Canada Day auch nicht wie üblich im Prince's Island Park statt), Campingplätze mussten massenweise geschlossen werden und vier Albertaner sind in den Fluten umgekommen. 
 
Ausflug zum Takkakaw Fall und Wanderung am Moraine Lake:
Zum ersten Mal haben wir dieses Jahr unseren Fuß nach British Columbia gesetzt. Sonja, als großer Fan von Wasserfällen, wollte den über 250 m hohen Takkakaw Fall im Yoho NP endlich wieder sehen. Beim Übertritt der "Grenze" nach BC fühlt sich Roland einmal mehr "zuhause". Wir können es einfach nicht vermeiden, wieder einmal nach BC zu "schielen". Vancouver und der Pazifik rufen nach uns und wir wissen nicht, wie lange wir diesem Ruf widerstehen werden. Jedenfalls haben wir unsere Jobsuche vorsorglich mal auf die Westküste ausgeweitet.
 
Arbeitsmarkt:
Auch wenn hier gerade in der Ferienzeit die Jobs auf der Straße liegen, bzw. überall in den Schaufenstern die "Now hiring" "Help wanted" Schilder locken, ist die Suche nach einer
qualifizierten Arbeitstelle nicht einfach. Oft genug scheitern wir bereits an den Eingangsbedingungen, bei denen kanadische Ausbildung und kanadische Berufserfahrung (am besten noch im Gas/Energie Sektor) verlangt werden. Bei den anonymisierten Bewerbungsmöglichkeiten im Internet gibt es selten Feedback, kontaktiert wird man nur, wenn man zum Kreis der Auserwählten gehört. Die Form der Absage gibt es nicht, das scheint gegen die Natur des freundlichen Kanadiers zu sein. Hier ist also viel mehr Eigenwerbung, Initiative und Blindbewerbung gefragt. Wir haben inzwischen also Visitenkarten und planen sogar, noch eine Bewerbungs-Website aufzubauen.
 

Donnerstag, 23. Juni 2005

Edmonton, wolkenlos, 31°C, windig…

Und die Frisur… ist natürlich zum Teufel. Mit der Aussicht auf einige interessante Jobs haben wir uns kurzerhand entschlossen, einmal die Provinzhauptstadt zu besuchen, es sind ja nur 270 km bis dahin. Geschwindigkeit auf 110 km/h gestellt, Lenkrad geradeaus, und los geht's! In Edmonton gehen die Uhren noch langsamer, Calgary macht dagegen fast schon den Eindruck hektischer Betriebsamkeit. Bei dem herrlichen Wetter zieht es die Eingeborenen schon frühzeitig in die zahllosen Parks. (Feierabend scheint hier ab zwei loszugehen, oder was?) Es ist wunderschön grün hier, kaum zu glauben, dass dies in ein paar Monaten wieder unter einer Schneedecke verschwinden soll und zweistellige Minusgrade herrschen werden. Ein kurzer Rundgang durch Downtown, Hochhäuser halt, am Canada Place und Shaw Convention Center vorbei, den Blick über das Flusstal (North Saskatchewan River) genießen, dann erobern auch wir einen der zahlreichen Parks, die - wie so oft - mit entsprechenden Picknickplätzen aufwarten. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Parlamentsgebäude und das Muttart Conservatory (Botanischer Garten) und Fort Edmonton. Bilder hier
West Edmonton Mall, das Mekka Nordamerikas, nimmt für sich in Anspruch, die größte Einkaufsmeile der Welt zu sein. Wer's braucht, kann hier gleich ein Hotel buchen, das Wellenbad mit Wasserrutschen besuchen oder Eislaufen. Hier geht's fast zu wie im Vergnügungspark. Aber wer shoppen will, kann das genauso gut in einem der gewöhnlichen Malls tun. Das Angebot bleibt sich gleich. Empfehlenswert ist auf jeden Fall Fort Edmonton, in dem das Leben im 'Wilden Westen' vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert aus- und dargestellt wird.
Insgesamt gesehen ist Edmonton deutlich grüner als Calgary, und die Stadtplanung ist auch gelungener. Aber dafür gibt es halt keine Rocky Mountains in Blickweite...
Vielen Dank an Günther für die nützlichen Tipps!!

Mittwoch, 15. Juni 2005

Klapperschlangen in Kanada?

Ja, es gibt sie tatsächlich. Oft enden sie als unschuldige Verkehrsopfer, aber im Dinosaur Provincial Park, 250km östlich von Calgary,
geht es ihnen prächtig, während uns Touristen bei dem Gedanken etwas mulmig wird. Aber Klapperschlangen sind nicht das Gefährlichste in den sog. Badlands. Neben der Möglichkeit des Sonnenstichs (Mütze dabei?) und Verdursten (Wasser parat?) hat die Natur noch giftige Spinnen und Skorpione im Angebot.
Das kann uns alles gar nicht beeindrucken, da uns die Erdgeschichte hier Erstaunliches zu bieten hat. Im ehemaligen Sumpf-/Marschland eines urzeitlichen Binnenmeeres findet man, nomen est omen, hier eine Unzahl von Dinosaurierknochen (zu besichtigen im Royal Tyrrell Museum in Drumheller und eine fantastische sehr un-kanadische Landschaft. Bilder hier.


Ein weiterer Ausflug (ca. 65km südwestlich von Calgary führt uns in die Gegend um Okotoks, wo ein riesiger, von einem urzeitlichen Gletscher hierhin transportierter Felsbrocken mitten im Feld liegt (ein altes indianisches Heiligtum) und in den Bragg Creek Provincial Park. Dieser Park hat neben Wanderwegen und Naturlehrpfaden am Elbow River auch wunderschön gelegene Camp- und Picknickplätze 'im Angebot', welche wir auch gleich ausgenutzt haben. Bilder vom Tripp hier.
 Im Kananaskis

Was sonst noch geschah?
Letzten Samstag waren wir bei Freunden zu Smorgasbord (kaltes Buffet) und mexikanischem Bier (Corona - lecker!). Sonntag haben uns unsere Vermieter dann eingeladen, nachdem wir eigentlich nur den Rasenmäher abholen wollten. Ja, die Kanadier sind nett, aber das sagten wir ja bereits...

Nach kurzer Diskussion waren wir uns einig, es ist noch zu früh zum arbeiten. Unsere Tagesausflüge haben uns eher noch neugieriger auf das Land gemacht, also warum die beste Jahreszeit im Büro verbringen, wenn es noch so viel zu sehen gibt. Irgendwer neidisch?

Mittwoch, 8. Juni 2005

Regen Update

Mittlerweile haben wir hier in Calgary und vor allem im südlichen Alberta Flutalarm! In Calgary droht der Glenmore-Damm überzulaufen und in den südlich gelegenen Orten High River, Bragg Creek und Okotoks wurden Evakuierungen durchgeführt, da die Flüsse über die Ufer zu treten drohen. Wir haben hier die stärksten Regenfälle seit mindestens 10 Jahren, als es die letzte Flut gab. Und viele sind der Meinung, diesmal sei es noch schlimmer!
Gestern hat es 50 mm geregnet (= 50 l/m²), in den letzten 7 Tagen waren es 134 mm. Zum Vergleich: im Durchschnitt regnet es im Juni 76 mm und im ganzen ersten Halbjahr Januar-Juni 193 mm! Zitat Calgary Herald: "Eine der größten Regenperioden in der Geschichte der Provinz!"
Wir haben deshalb heute die Zeit genutzt und das Glenbow-Museum besucht, eines der sechs größten Museen Kanadas, aber nach europäischen Maßstäben doch eher klein. Aber es gibt eine sehr schöne Ausstellung zur Kultur der Blackfoot und anderer Prärie-Indianer, die von den First Nations selbst zusammengestellt wurde.
Shell hat sich auch schon (per automatisierter email) gemeldet und wollte ein paar zusätzliche Infos von Roland. Wir wissen eigentlich immer noch nicht, was wir davon halten sollen...  

Dienstag, 7. Juni 2005

Regen, Regen, Regen

 Nicht nur das, es schüttet, und das schon seit Tagen fast ununterbrochen. Es wird sogar gewarnt. Ja, vor dem Regen: HEAVY RAINFALLS!
In Süd-Alberta gab es sogar schon die ersten Evakuierungen wegen Überschwemmungsgefahr. Wir nehmen die Warnung ernst, machen den Kamin an und es uns gemütlich.
Letzten Samstag haben wir an einem Spenden-Lauf der Foothills Academy teilgenommen, welche die Tochter unserer Freundin Pam besucht. Was bedeutet schon das Frühaufstehen und 5 km laufen für den guten Zweck, zumal man anschließend noch ein T-Shirt, Essen und Getränke erhält. Ja, und es war trocken. Ein paar Bilder hier.
Ansonsten haben wir unsere ersten Bewerbungen losgeschickt, alle per Internet (Monster, Workopolis etc.). Roland hat sich sogar bei Shell beworben, weiß aber noch gar nicht, ob er das nun gut findet oder nicht...

Sonntag, 29. Mai 2005

Die Queen war da...

... und keinen hat’s interessiert. Sie hat es nicht einmal auf die erste Seite der Lokalzeitung geschafft. Gemerkt hat der Normalbürger ihre Anwesenheit lediglich an den ungeplanten Staus.
Mit der Übernahme unseres Wagens haben wir quasi die Einwanderung "abgeschlossen". Nun verfügen wir über alle Dokumente und Ausweise, sind versichert, mobil, arbeitswillig und sogar -fähig (da sozialversichert!) und können endlich loslegen und zwar... Mit URLAUB natürlich!!!
Der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht mal wieder Sonnenschein pur bei angenehmen 22 bis 25°C. Los geht’s hinter die sieben Berge, um unser Schneewittchen (der Wagen ist weiß, aber bei Gebrauchtwagen kann man die Farbe nicht aussuchen...) auszufahren.
Die sieben Zwerge haben wir nicht getroffen, dafür aber zwei Koyoten, einen Bären, Büffel und Lamas (Hier gibt es Alpaca-Farmen!).
Am Crowsnest Highway besuchen wir das Interpretive Centre eines spektakulären Erdrutsches, der vor 100 Jahren stattgefunden hat. Wen’s interessiert:
http://www.frankslide.com/
Eine weitere Tour führt uns entlang des Icefield Parkway durch die Rockies (Fotos
hier). Ahhh! Endlich können wir unserem Favoriten unter den Bergseen, dem Peyto Lake, wieder Hallo sagen. Danach geht es über den Thompson Highway Richtung Red Deer, anschließend auf den Highway No. 2 zurück nach Süden Richtung Calgary. Somit ist endlich auch der Norden von Calgary kein weißer Fleck auf unserer Kanada-Landkarte mehr.
Der Thompson Highway bleibt dem 08/15-Touristen meistens aus Zeitmangel unerschlossen, lohnt aber den Abstecher. Vorbei an Wasserfällen und Bergseen geht es nach Osten, bis sich die Rockies zurückziehen und sich die Gegend sich in eine saftig grüne Hügellandschaft verwandelt. Bäume und grüne Wiesen, etwas, dass wir hier im Norden von Calgary doch sehr vermissen.

Freitag, 20. Mai 2005

Endlich mobil!

Nach wochenlanger Suche und zahllosen Probefahrten haben wir heute endlich ein Auto gefunden, nämlich einen ein Jahr alten Toyota Matrix (in etwa der Toyota Corolla Verso in Deutschland). Einziger Nachteil: das Auto ist weiß (deshalb hat es auch schon seinen Namen weg: Schneewittchen!), aber das ist immer noch besser als der postgelbe Mazda 3, der die Alternative gewesen wäre... Trotzdem freuen wir uns jetzt schon auf die Suche nach diesem Auto auf einem verschneiten Winterparkplatz, wenn wir aus dem Kino oder vom Shopping kommen!

Jetzt müssen wir uns um eine Auto-Versicherung kümmern, dann können wir Ende der Woche den Wagen abholen. Die Hausratversicherung im Paket mit Autoversicherung abgeschlossen, das gibt Rabatt bei AMA. Ein Schreiben der deutschen Autoversicherung über Schadensfreiheit und ein Auszug aus dem Führerscheinregister sollen zwar helfen, den Tarif zu reduzieren, haben uns aber nichts gebracht. Wir mussten trotz über 20 Jahre unfallfreien Fahrens einen verhältnismässig teuren Anfängertarif bezahlen.

Die SIN ist übrigens heute auch angekommen. Jetzt dürfen wir sogar arbeiten!

Mittwoch, 18. Mai 2005

Wir sind offizielle "Permanent Residents"!

... denn heute sind unsere Permanent Resident Cards angekommen. Diese Karten berechtigen uns nun zum jederzeitigen Ein- und Ausreisen. Eigentlich war uns gesagt worden, es würde etwa 6-8 Wochen dauern, aber wie so oft werden wir vom kanadischen Service verwöhnt... Jetzt fehlen nur noch die Sozialversicherungsnummer und ein Auto und wir sind gerüstet zum Arbeiten (und zum Urlaub machen).
Außerdem ist Roland heute von seinem Kurztrip aus Deutschland zurück, mit einem Fahrrad, Aldi's Gesundheitstees, einem 2kg-Glas Nutella (Danke, Birgitt und Ulli!) und Kandiszucker im Gepäck... Er hatte beim Autovermieter einen Kleinwagen reserviert, aber wegen des Fahrrads hat der Vermieter angeboten, zum gleichen(!) Preis einen Pickup-Truck zu nehmen. Wer kann dazu schon nein sagen?

Donnerstag, 12. Mai 2005

Sonja beim Zoll und in der Stadt

Heute bin ich wegen der Anlieferung unserer Seekiste aus Deutschland beim Zoll gewesen und habe mich dort mit einerm Mitarbeiter unseres Spediteurs getroffen. Beim Zoll habe ich mir dann noch einige Stempel "abgeholt" und einen ausführlichen Fragenkatalog beantwortet. Jetzt muss noch der Food Inspector die Dokumente und Ware prüfen. Es kann also nur noch ein paar Tage dauern bis zur Freigabe unserer Sachen.
(Anmerkung der Redaktion: am nächsten Morgen kam der Anruf der Spedition, dass die Ware bereits am Samstag angeliefert werden könnte)
Anschließend habe ich dann vom selbigen Speditionsmitarbeiter (ich sagte ja bereits, die Kanadier sind nett) noch einen Lift zum nächsten Einkaufszentrum bekommen. Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens das zweite Jobangebot bekommen, als Importsachbearbeiterin der Spedition!
 Das Wetter - es sind 22°C blauer Himmel und Sonne - hat mich davon überzeugt, nach Fahrrädern und Rollerblades zu schauen. Investiert habe ich aber noch nicht, außer in einen Tall Latte bei Starbucks!
Später bin ich mit der S-Bahn ins Zentrum und wollte eigentlich noch in das Downtown Shopping Centre. Aber das Wetter war zu schön. So bin ich zum Bow River und habe im Prince's Island Park eine Bank geentert. Die Kanadagänse haben wohl gerade Nachwuchs bekommen, da liefen ganz viele kleine pluschige Babygänse herum. Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabei hatte. Jedenfalls warr es MP3-Player und Buch bewaffnet kein Problem, den Nachmittag herumzubekommen.
Plötzlich bewölkte es sich und ein Schauer ging nieder. Ich habe mich wie die meisten Sonnenanbeter ins Eau Claire Centre geflüchtet und bin - es soll ja keine Langeweile aufkommen - beim Friseur gewesen. Sam, ein Armenier, hat mir einen spiky Haarschnitt verpasst. Sieht ganz lustig aus, aber es hat nicht die Qualität von Natasha aus Vancouver... .

Freitag, 6. Mai 2005

Sonjas Erlebnisse mit Bussen und Bahnen

Um mich mit meiner Internet-Brieffreundin Pam zu treffen, habe ich erstmalig die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, denn wir haben eine Bushaltestelle direkt vor unserem Haus. Die Busverbindung downtown hat reibungslos geklappt. Dem Busfahrer war anhand meines ratlosen Blickes gleich klar, was ich brauche: ein "Transfer". To be flashed when entering another bus line. Duh!
Bereits nach zweimaligem Umsteigen (seufz) und Benutzung des C-Trains (die hiesige Straßenbahn), bin ich an unserem Treffpunkt Brentwood Station eingetroffen. Am Busdepot habe ich dann auf Pam gewartet und mich mit einem dieser Zeitungsständer angelegt. Dieser wollte nämlich weder mein Geld, noch eine Zeitung 'rausrücken. Ein freundlicher Zeitgenosse hat das beobachtet und spontan für mich eine Zeitung gezogen. Ich habe ihm dafür natürlich mein Kleingeld gegeben, welches er gar nicht haben wollte. Er wollte nur helfen... 
Pam kam pünktlich auf die Minute, und wir sind dann zum Fish&Chips essen in die Market Mall gegangen und haben uns prima unterhalten. Unter anderem hat sie Bekannte, die Jazz Musik machen (Larry, Fred und Barrie). Sie will mich/uns mal in einen Club mitnehmen. Auch will sie mir eine Führung durch die Calgary Uni organisieren und zeigen, welche Facilities nicht nur für "students only" sind.
Um halb 10 haben wir uns dann getrennt und ich musste 20 min auf einen Northbound Bus warten. Ich habe sogar alleine herausgefunden, welchen Bus ich nehmen muss! An der Bushaltestelle habe ich dann Bekanntschaft mit Lynne gemacht. Sie hat mir spontan ihren Transit-Plan geschenkt, damit ich mich besser zurechtfinde. Da wir mit dem gleichen Bus fahren mussten, hatte ich während der nächsten halben Stunde eine nette Unterhaltung.
Außerdem hat sie sicher gestellt, dass ich an der richtigen Haltestelle umsteige. Dafür ist sie sogar ausgestiegen und hat mit mir auf den Bus nach Norden gewartet. Sie kommt aus Montreal, hat drei Kinder und fährt leidenschaftlich gern Fahrrad. Solche Dinge erfährt man hier von Wildfremden!  Ach ja, und falls ich einen Job suche, könnte ich als Kassiererin anfangen. Der Store, in dem sie arbeitet, sucht gerade neue Leute. Ich habe taktvoll mit der Begründung abgelehnt, dass ich ja noch keine SIN (Sozialversicherungsnummer) habe.
Um elf Uhr bin ich dann gut zuhause angekommen, es war alles absolut sicher und preiswert, und mehr oder weniger problemlos, vorausgesetzt man hat genügend Zeit.

Samstag, 30. April 2005

Hohe Berge

Es ist minus vier Grad, und wir sind auf dem Highway No 1a nach Westen unterwegs, dem Ruf der Berge folgend. Nachdem wir bei Tim Horton’s in Cochrane noch ein zweites Frühstück eingeworfen haben, steuern wir zunächst Canmore an und bummeln durch die Einkaufsstraße. Inzwischen scheint die Sonne und wir entdecken Menschen in bauchfreiem Outfit (meistens Mädels). Nebenbei: es ist vielleicht plus 3°C und wir fühlen uns in unserem Vliesjacken nicht overdressed.
In Banff herrscht schon reges Touristentreiben, Busse voller Japaner fallen invasionsartig in das Örtchen ein und jagen dem üblichen Nepp hinterher, hasten von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, um zuletzt das Banff Springs Hotel mit einer orgiastischen Fotosession zu beenden.
Wir kennen das alles schon und fahren lieber auf ein paar Backroads in die Natur, um die wahren Stars dieser Gegend aufzuspüren: Pikas, Dallschafe, Elche und Kanadagänse mit ihren Jungen. Ein paar von denen waren gar nicht kamerascheu und werden dafür mit einem Auftritt auf unserer Homepage belohnt.
Morgen helfen wir einer deutschen Einwanderin (im Internet kennen gelernt) beim Umzug, damit uns nicht zu langweilig wird.
Ach ja, wir haben uns für eine sehr unamerikanische Automarke entschieden: wir werden einen Toyota kaufen. Zuverlässig, allwettertauglich und hoffentlich nicht so pannenanfällig wie die GMCs, Dodges und andere domestic makes. Auf unserem Ausflug haben wir genügend Auto-Leichen am Straßenrand zählen können, japanische oder auch deutsche Automarken waren bisher nicht darunter…